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Beichte für Anfänger
Das Sakrament der Beichte ist eigentlich eines der schönsten
Sakramente - sowohl für den Priester als auch für den
Beichtenden. Hier kommen sich Gott und Mensch ganz besonders nahe.
Es ist ein sehr persönliches Sakrament - die Beichte kennt
keine Massenabfertigung.
Noch befindet sich das Sakrament der Beichte im normalen Gemeindealltag
in der Krise. Aber auf Weltjugendtagen, Night-Fever-Nächten,
Prayerfestivals und auf Wallfahrten zeichnet sich eine bemerkenswerte
Trendwende ab: Menschen - vor allem Jugendliche - stehen stundenlang
Schlange, um zu beichten. Und - soviel darf ich als Beichtvater
verraten - die Beichten, die diese Menschen ablegen, sind wunderschön.
So kann ich mir vorstellen, dass vielleicht auch bald eine Trendwende
in den Pfarreien einsetzt - wenn da nicht die Scheu wäre, bei
der Beichte Fehler zu machen. Gerade, weil die Beichte sehr persönlich
ist und eine unmittelbare Begegnung zwischen Priester und Christ
ist, haben vielleicht viele Angst, sich zu blamieren. Nun: Davor
wollen die folgende Hinweise bewahren.
In dieser Übersicht geht es mehr um das WIE? der Beichte. Wer
sich über die Hintergründe (das WARUM? WIESO? WESHALB?)
informieren möchte, klickt am besten auf die Katechese über
die
Beichte.
als
pdf-Datei zum Download
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Die Vorbereitung auf die Beichte
Der erste Schritt der Beichvorbereitung: Ich WILL
beichten!
Es mag seltsam klingen, wenn ich Dir für Deine Beichtvorbereitung
vorschlage, erst einmal wirklich beichten zu wollen. Aber wenn
Beichten bedeutet, aus der gefährlichen Routine der eingespurten
Gottesbeziehung auszubrechen, dann darf die Beichte nicht aus Routine
geschehen und auch nicht aus einem Pflichtgefühl heraus. Du solltest
Dich auf die Beichte freuen: Denn in der Beichte begegnet Dir Gott auf
einmalige Weise; jede Beichte ist sowohl Gottesbegegnung - als auch Beginn
einer neuen Phase der Liebe zu IHM.
Wenn Du Dich - wie viele Katholiken - fragst, warum Du überhaupt beichten
sollst, lies zuerst in der Katechese zur
Beichte. Im folgenden gehe ich
einfach mal davon aus, dass Du Dich bereits zur Beichte entschlossen hast.
Entscheide Dich also, zu beichten. Entscheide Dich, Deiner Beziehung
zu Gott neues Leben einzuhauchen! Die erste Beichtvorbereitung sollte
also nicht darin bestehen, dass Du verzweifelt nach Sünden in Deinem
Leben suchst. Sondern dass Du erkennst, dass Deine Beziehung zu Gott einen
neuen Anfang braucht. Neuen Schwung - neue Liebe. Dass es Zeit wird, aus
der Routine auszubrechen und wieder Gott in den Mittelpunkt zu stellen.
Die Beichtvorbereitung beginnt somit nicht erst zehn Minuten vor dem
Termin in der Kirche. Eine gute Beichte ist nichts anderes als der vorläufige
Höhepunkt eines ziemlich langen Versöhnungsweges ("Das ganze
Leben ist ein Weg der Versöhnung").
Beginne also - mein Vorschlag - eine Woche zuvor mit dem ersten
Schritt und entschließe Dich, zur Beichte zu gehen. Suche
Dir einen schmucken Priester in einer schmucken Kirche mit einer festen
Beichtzeit - oder mache mit dem Priester Deiner Wahl einen Termin aus.
Dann steht Dein Entschluss, zu beichten: Herzlichen Glückwunsch!
Das Schlimmste ist geschafft.
Der zweite Schritt: Die erste Selbsterkenntnis
Jetzt kommt der zweite Schritt: Du fragst Dich, warum es in Deiner Beziehung
zu Gott zu dem gekommen ist, wie es im Moment ist. Was hast Du vernachlässigt?
Was hast Du vergessen?
Dazu helfen sogenannte Beichtspiegel: Meist eine Art Fragenkatalog, die
Dir helfen sollen, Dein Gewissen zu bilden. Du findest solche Gewissens-Checklisten
im Gotteslob oder auch
hier auf dieser Seite.
Eine Woche vor der Beichte solltest Du Dir eine dieser Checklisten vornehmen
und eine Art Vorauswahl treffen: Für welche Sünden kommst Du
überhaupt in Frage? Welche fallen von vornherein weg? Worauf solltest
Du besonders achten?
Suche Dir zwei bis drei Schwachstellen heraus, die offensichtlich auf
Dich besonders zutreffen und beobachte Dich eine Woche lang. Falls zu
diesen Schwächen auch die Vergesslichkeit gehört, solltest Du
diese Punkte am besten notieren.
Der dritte Schritt: Der tägliche Kassensturz
Nun beginnt die Woche der Beichtvorbereitung: Jeden Abend gehst Du diese
engere Auswahl von Schwächen, Beziehungsstörungen oder Sünden
durch und fragst Dich, was Du davon am vergangenen Tag begangen hast.
Vielleicht gehst Du in Gedanken den ganzen Tag Stunde für Stunde
durch. Manchmal fallen mir dabei Dinge ein, die ich sonst für immer
vergessen hätte - die aber bei meiner Gewissenserforschung am Abend
plötzlich richtig peinlich aufleuchten: "Was - das habe ich wirklich
gesagt?" Solche Aha-Erlebnisse sind famos: Sie sind Gaben des Heiligen
Geistes, der bereits beginnt, Dir Dein wahres Ich zu zeigen, um Dich wieder
neu mit Gott zu versöhnen. Stör ihn nicht dabei, indem Du voreilig
fadenscheinige Entschuldigungen anführst.
Wiederum kann es sinnvoll, sich dazu Notizen zu machen.
Der vierte Schritt: Der Tag der Beichte
Am Tag Deiner geplanten Beichte solltest Du Dich beginnen zu freuen.
Natürlich kann man Freude nicht erzeugen. Aber man kann sich ausmalen,
wie schön alles wird. Leider tun viele Menschen das Gegenteil und
malen sich aus, wie entsetzt der Beichtvater sein wird ("Vielleicht lacht
der mich aus? Oder schickt mich zu einer Selbsthilfegruppe? Oder schreibt
ein Buch über mich: Meine skurrilste Beichte..."). Alles Humbug.
Kein Beichtvater lacht oder petzt. Sag es Dir: Alles wird super; Gott
freut sich schon jetzt auf Deine Beichte, der Priester ist eigentlich
unwichtig.
Besinnung unmittelbar vor der Beichte
Wenn Du zur Beichte in die Kirche kommst, such zunächst eine ruhige
Ecke auf, um zur Ruhe zu kommen. Vielleicht schaust Du auf ein schönes
Bild oder schließt die Augen.
Danach überlegst Du Dir noch einmal kurz die Sünden, die Du
beichten möchtest. Betrachte sie mit den Augen Gottes - nicht mit
Deinen eigenen Maßstäben. Denk nicht darüber nach, was
der Priester wohl davon hält - vergiss, wie gesagt, den Priester.
Er ist nur der Telefonhörer für das Gespräch mit Gott.
Bitte Gott um eine gute Beichte - einen verständigen Priester -
und einen klaren Kopf. Sag Gott, dass Du Ihn liebst - und Du nur deshalb
kommst, weil Du diese Liebe nicht verlieren willst.
Dann setze Dich vor den Beichtstuhl oder das Beichtzimmer und schließe
Dich der Reihe derjenigen an, die dort beichten wollen. (Meistens ist
die Schlange relativ kurz.)
In der Zeit, in der Du wartest, vermeide Ungeduld. Ärgere Dich nicht
darüber, warum jemand vor Dir sooo lange beichtet. Und freue Dich
nicht über diejenigen, die es in kürzester Zeit hinter sich
bringen. Du solltest weder die Beichtzeiten stoppen und in eine Rekordliste
eintragen noch überhaupt einen Gedanken daran verschwenden, wer wie
lange braucht. Übe Dich in Geduld: Versöhnung zwischen Menschen
und Gott ist keine Frage der Geschwindigkeit.
Das Beichtgeheimnis gilt auch für denjenigen, der vor dem Beichtstuhl
sitzt und einiges mithören kann, was gerade gebeichtet wird. Tu das
nicht - hör einfach weg. Im Zweifelsfall ist es besser, sich etwas
weiter vom Beichtstuhl weg hinzusetzen - anstatt den MP3-Player herauszuholen.
Der Ablauf der Beichte
Beim Betreten des Beichstuhls
Die Beichte selbst ist ziemlich unkompliziert. Du betrittst den Beichtstuhl
(oder das Beichtzimmer) und kniest Dich hin. Dann beginnt der Priester
meistens mit einem Kreuzzeichen, dass Du auch machst. Vielleicht sagt
er aber auch: "Gelobt sei Jesus Christus" - worauf Du mit "In Ewigkeit.
Amen." antwortest.
Danach spricht der Priester eventuell ein kurzes Gebet oder nennt einen
Bibelvers - das soll Dir helfen. Du brauchst darauf nicht zu antworten
oder den Bibelvers zu wiederholen. Die Beichte ist kein Quiz.
Danach solltest Du Dich kurz vorstellen. Keine Angst - nicht mit Namen,
eMail-Adresse oder Schuhgröße. Aber ein paar andere Angaben
sind schon sinnvoll, zum Beispiel wann Deine letzte Beichte gewesen ist,
wie alt Du bist und ob Du verheiratet bist, noch bei den Eltern wohnst
oder Schüler, Student oder Bundeskanzler bist.
Dann kannst Du mit Deinem Bekenntnis beginnen. Das kannst Du einleiten
mit den Worten: "Ich möchte in Demut und Reue meine Sünden bekennen."
Aber das ist keine Formel, an die Du Dich halten musst. Es geht auch mit
ähnlichen Worten.
Dein Bekenntnis der Sünden
Dein Sündenbekenntnis bildet den Kern der Beichte. Du erzählst
Gott, was schief gelaufen ist; Du sprichst aus, was Dich bedrückt
und unfrei macht.
Natürlich weiß Gott schon, was Du beichtest, bevor Du nur daran
denkst. Und er kennt Dich besser, als Du es selbst tust. Er weiß
mehr von Deinen Sünden als Du, er weiß auch, wie es dazu kommen
konnte. Also - Du erzählst ihm nichts Neues. Aber er wartet dennoch
geduldig darauf, dass Du beim Namen nennst, was geschehen ist. Trau Dich
einfach.
Zum
Wesen des Sündenbekenntnisses lies in der Katechese zur Beichte nach.
Rede, wie Du es auch sonst tust. Benutze keine Floskeln, Formeln und
Worthülsen ("Ich war nicht nett zu meinem Nachbarn..." - Naja, nicht
nett sein kann heißen, ihn nicht gegrüßt oder sein Haus
in Brand gesteckt zu haben - Du musst schon etwas konkreter werden). Hüte
Dich davor, zu allgemein zu reden; wenn es sich um schwerere Sünden
handelt, erzähl auch ein bisschen von den Umständen und wie
es dazu kam.
Sei einfach, klar und ehrlich. Nenne die Dinge beim Namen, rede Dich nicht
raus und entschuldige Dich nicht im gleichen Atemzug ("Ich habe meine
Frau beleidigt - aber die kocht wirklich schrecklich!").
Und vergiss bei allem was Dir einfällt nicht, mit wem Du
redest: Du sprichst mit Gott. Du willst mit IHM wieder ins Reine
kommen. Also erzähl bitte auch, was Du IHM angetan hast: In Gedanken,
im Gebet, in den Gottesdiensten, in den Gesprächen über
Gott.
Wenn Du nicht mehr weiter weißt, bitte den Priester um Hilfe. Oder
sag, dass Du einen Moment nachdenken musst. Oder dass Du etwas vergessen
hast. Gott weiß zwar über Deine Gedanken Bescheid, aber der
Priester nicht. Du musst also dem Priester auch ein wenig helfen, damit
er merkt, ob Du fertig bist, noch überlegst oder den Faden verloren
hast.
Grundsätzlich gilt: Du musst alle schweren Sünden beichten
- wenn es geht, mit den Umständen und der Häufigkeit (das ist
manchmal unangenehm). Du darfst darüber hinaus alle anderen
Dinge beichten und erzählen (das ist fast immer wohltuend).
Der Abschluss des Bekenntnisses
Wenn Du mit Deinem Bekenntnis fertig bist, dann sag das dem Priester.
Außerdem solltest Du bekennen, dass Dir diese Sünden wirklich
leid tun und Du sie bereust. Das kann in der einfachen Form geschehen:
"Dies sind alle meine Sünden. Sie tun mir leid."
Du kannst hinzufügen: "Mein Jesus, Barmherzigkeit!" Oder, wenn noch
Zeit ist: "Mein Jesus, ich bitte um Barmherzigkeit."
Es ist ein schöner Brauch, deutlich darauf hinzuweisen, dass man
sich wahrscheinlich nicht mehr an alle Sünden erinnert - aber dass
man diese Sünden sicherlich auch bereuen würde. Somit könnte
ein schöner Abschluss so lauten:
"Mein Jesus, dies sind alle meine Sünden, die mir bewusst sind und
an die ich mich erinnere. Ich schließe in meine Bitte um Vergebung
auch alles ein, dass mir nicht bewusst ist und das ich jetzt vergessen
habe. Das alles tut mir leid und ich bitte um Verzeihung."
Jetzt spricht Gott
Nun ist der Priester an der Reihe. Entgegen der allgemeinen Auffassung
ist es nicht seine Aufgabe, jede Sünde einzeln zu kommentieren und
Tips zur Sündenvermeidung zu geben. Vielleicht tut er das - aber
hoffentlich nicht zu ausführlich.
Wichtiger ist, dass er Dir nun den Blick öffnet für Gottes Güte;
seine Barmherzigkeit und Liebe. Dass er Dir Mut zuspricht, Dir etwas über
Gott erzählt, dass Dir Freude schenkt.
Ein guter Priester ist nicht unbedingt ein guter Psychologe - aber hoffentlich
einer, der Gottes Liebe ausstrahlt. Vielleicht auch ohne viele Worte.
In dem, was der Priester Dir sagt, spricht auch Gott zu Dir. Höre
aufmerksam zu und nimm auf, was Dir hilft. Vielleicht rührt Dich
ein bestimmter Satz tief an. Du darfst darin ruhig einen Fingerzeig Gottes
erkennen.
Buße
Am Ende der kleinen Predigt gibt Dir der Priester ein Bußwerk auf.
Das ist keine Strafe, sondern ein Vorschlag zum Neubeginn. Oft besteht
die Buße darin, ein bestimmtes Gebet zu verrichten - manche Priester
sind da allerdings auch sehr viel kreativer. Da kann es auch schon einmal
vorkommen, dass Du jemanden eine Freude machen sollst - oder den Auftrag
bekommst, innerhalb der nächsten Woche ins Kino zu gehen.
Stell sicher, dass Du die Buße richtig verstanden hast. Überlege
Dir kurz, ob Du das auch kannst, was der Priester Dir vorschlägt
("Kenne ich das Gebet überhaupt?" - "Ist es mir zeitlich möglich?")
Wenn Du die Buße für unpraktisch oder übertrieben hältst,
dann sag es sofort - ebenso, wenn Dir nicht klar ist, wie oft - wie lang
- und in welchem Zeitraum Du etwas tun sollst.
Lossprechung
Danach erfolgt die Lossprechung. Während das Bekenntnis den Kern
Deines Tuns bildet, ist die Lossprechung das Wichtigste, was Gott
Dir schenkt: Die Vergebung der Sünden. Der Priester spricht folgendes
Gebet:
"Gott, der allmächtige Vater, hat durch den Tod und die Auferstehung
seines Sohnes die Welt mit sich versöhnt und uns den Heiligen Geist
gesandt zur Vergebung der Sünden. Durch den Dienst der Kirche schenke
er Dir Verzeihung und Frieden. So spreche ich Dich los - von all Deinen
Sünden: Im Namen das Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes."
Während des letzten Satzes macht der Priester über Dich das
Kreuzzeichen, das Du auch mitmachst, aber nicht mitsprichst. Damit nimmst
Du die Vergebung Gottes an und willst daran glauben.
Während der Lossprechung solltest Du den festen Vorsatz fassen,
Dich zukünftig von jeder Sünde fernzuhalten. Das schließt
die Reue darüber ein, dass es Dir bisher nicht gelungen ist.
Natürlich wissen wir, dass uns das nicht gelingen
wird - nicht in allen Lebensbereichen und nicht über lange Zeit.
Aber es kommt im Glauben nie darauf an, was wir wirklich schaffen
- sondern was wir wirklich wollen.
Nach der Lossprechung kann es sein, dass der Priester Dir noch sagt:
"Deine Sünden sind Dir vergeben. Gehe hin in Frieden" - oder so ähnlich.
Du kannst darauf antworten: "Dank sei Gott." Aber man kann sich auch einfach
"normal" verabschieden - sich zum Beispiel noch kurz bedanken und einen
schönen Tag wünschen. Da freut sich auch der Priester.
Nach der Beichte
Nach dem Du den Beichtstuhl verlassen hast, versuche auf dem Boden zu
bleiben - viele haben nämlich dann das Gefühl, zur Decke zu
schweben. Bevor Du das tust, denk daran, die Buße zu verrichten,
die der Priester Dir aufgegeben hat. Falls es möglich ist, schiebe
sie nicht hinaus; ein neues Leben mit Gott beginnt man am Besten immer
sofort.
Außerdem solltest Du die Hochstimmung, in der Du Dich wahrscheinlich
befindest, dazu nutzen, Gott danke zu sagen - für seine Verzeihung
und Vergebung, aber vor allem für den Neuanfang.
Vor allem aber: Freu Dich über das, was Dir geschenkt worden ist.
Nur in dieser Freude gelingt die Beziehung zu Gott.
Und - falls Du aus dem Beichtstuhl trittst und jedes "Boah-Gott-liebt-mich-wirklich"-Gefühl
ausbleibt: Es geht in der Beichte nicht um das Gefühl der
Erlösung, sondern um die Vergebung der Sünden. Gefühle
sind im Glauben immer nur Geschenke - eben Gnade.
Kein Beicht-Automat
Der Priester ist kein Beicht-Automat. Das heißt, er gibt nicht
automatisch die Lossprechung (so wie ein Zigarettenautomat eine Schachtel
Kippen ausspuckt).
Üblicherweise hast Du ein Recht auf Vergebung - und der Priester
hat die Pflicht, das Sakrament der Vergebung zu spenden, wenn alle
notwendigen Voraussetzungen gegeben sind. Der Priester ist nicht Gott
und der Priesterdienst keine Machtposition.
Aber der Priester hat auch die Pflicht darauf zu achten, dass eine Beichte
ehrlich und angemessen ist. Er hat sogar die Möglichkeit, Dir die
Lossprechung von Deinen Sünden zu verweigern, wenn er berechtigte
Zweifel daran hat, ob Du Deine Sünden wirklich bereust oder ob Dein
Bekenntnis nicht vollständig ist.
Außerdem darf er von bestimmten Sünden gar nicht befreien,
ohne den Bischof (und in seltenen Fällen auch den Papst) um Erlaubnis
zu bitten. Zu diesen Sünden gehört zum Beispiel die Schändung
der Hl. Kommunion - oder die unrechtmäßige Priester- und Bischofsweihe.
Bußandachten
In vielen Gemeinden ist es üblich, vor Weihnachten und Ostern sogenannte
Bußandachten zu feiern. Dort versammelt sich die Gemeinde, um gemeinsam
über ihre Sünden nachzudenken, das Wort Gottes zu hören
und Gott um Vergebung zu bitten.
Eine solche Bußandacht ist als Gewissenserforschung und als Beichtvorbereitung
sehr sinnvoll. Sie ersetzt aber niemals eine persönliche, sakramentale
Beichte - auch dann nicht, wenn Du keine schweren Sünden zu beichten
hast.
Vergiss nicht, dass eine Beichte immer auch eine Gottesbegegnung ist.
Auch wenn es im alltäglichen Leben sogar schon vorkommt, dass man
einen Ehebruch per SMS beichtet und den betrogenen Ehepartner auf dem
Anrufbeantworter um Vergebung bittet - bei Gott sollte man doch persönlich
vorsprechen.
Beichtorte
Beichten kann man überall - ich habe schon an den seltsamsten Orten
Beichte gehört (sowohl in der Fußgängerzone, im Zug, auf
einem Spaziergang übers Moor und auch schon im Auto - einem stylischen
Mercedes-Sprinter). Üblicherweise beichtet man allerdings in der
Kirche - und dort in speziellen Beicht-Vorrichtungen, die man entweder
Beichtstuhl oder Beichtzimmer nennt.
Der Beichtstuhl
Ein Beichtstuhl war früher wirklich ein Stuhl, neben dem eine Kniebank
stand. Zwischen Kniebank und Stuhl war eine Holzwand angebracht (meist
an den Stuhl geschraubt - dadurch wurde jeder x-beliebige Stuhl zum Beichtstuhl),
auf dem Stuhl saß der Priester, auf der Kniebank kniete der Beichtende
- und die Holzwand sorgte zumindest für ein gewisses Maß an
Anonymität.
Heute sind diese Beichtstühle eher Beichtschränke - mit Türen,
manchmal auch mit Fenstern und Innenbeleuchtung. Mein Beichtstuhl hat
sogar eine Heizung (allerdings nur für den Priester. Vollkommen ausreichend,
finde ich).
Die Grundanordnung bleibt aber meist die gleiche: Der Priester sitzt
(das symbolisiert seine Aufgabe als "Richter" - er sitzt auf dem Richterstuhl)
und der Beichtende kniet. Dazwischen befindet sich weiterhin die
Holzwand, meist mit einem Fenster mit Holzgitter. Dank des "Schrankes"
kann man - bei schwerhörigen Priestern oder schwerhörigen Beichtenden
- auch mal lauter reden, ohne dass die ganze Kirche mithört; dank
des Gitters und der Dunkelheit im Beichtstuhl wird der Priester den Beichtenden
normalerweise nicht erkennen.
Das Beichtzimmer
Es gibt aber auch die Beichtzimmer, in denen der Priester an einem Tisch
sitzt und der Beichtende sich ihm gegenüber auf einen weiteren Stuhl
setzt. Abgesehen davon, dass sich Priester und Beichtender nun persönlich
sehen können - und dass es eben nicht dunkel ist - gibt es keinen
weiteren Unterschied im Ablauf oder Qualität der Beichte.
Wer keinen Wert darauf legt, anonym zu beichten (und nicht gerne kniet
oder nicht mehr knien kann - oder Angst vor engen, dunklen Räumen
hat), kann also die Beichte im Beichtzimmer absolvieren.
... oder wo auch immer
Darüber hinaus ist eine Beichte auch an allen anderen Orten dieser
Welt möglich, solange gewährleistet ist, dass das Beichtgeheimnis
gewahrt bleibt. Deshalb ist es auch nicht möglich, im Internet oder
per Telefon zu beichten - außer in extremen Notlagen, z.B. in Todesgefahr.
Beichtzeiten
In fast allen Pfarrkirchen werden regelmäßige Beichtzeiten
angeboten, zu denen ein (oder mehrere Priester) in den Beichtzimmern oder
Beichtstühlen der Kirche sitzen und auf die Beichtwilligen warten.
Diese Zeiten stehen in den Pfarrnachrichten, im Aushang an der Kirche
oder hinten in der Kirche. Im Zweifelsfall kann man auch im Pfarrbüro
anrufen und nachfragen.
An besonderen Orten - in Bistumsstädten, Klöstern und Wallfahrtsorten
- gibt es entweder zusätzliche Beichtzeiten auch durch die Woche
oder einen 24-Stunden-Beicht-Service, bei dem auf Anruf oder Klingelzeichen
immer ein Priester zur Verfügung steht.
Darüber hinaus gibt es aber auch immer die Möglichkeit, einen
Priester direkt anzusprechen oder anzurufen und nach einem Termin für
eine Beichte zu fragen. Gute Priester lassen alles stehen und liegen,
wenn jemand beichten will - also nur Mut, einfach mal nachfragen!
Beichte - oder Beichtgespräch
Es gibt keinen wirklichen Unterschied zwischen einer Beichte und einem
Beichtgespräch. Manche meinen, eine Beichte geschieht nur im Beichtstuhl,
während ein Beichtgespräch im Beichtzimmer stattfinden kann.
Aber das ist ein Irrtum.
Auch im Beichtstuhl kann man sich (trotz der Anonymität) unterhalten,
Fragen stellen und um Ratschläge bitten. Und im Beichtzimmer kann
man sich, wenn man will, nur auf das Bekenntnis der Sünden beschränken
und danach den Zuspruch und die Absolution empfangen. Sowohl das eine
als auch das andere ist nicht an einen bestimmten Ort gebunden.
Ob Du Dich in der Beichte ein wenig mit dem Priester unterhalten möchtest,
weil Du zusätzlich zu Deinen Sünden auch noch Fragen hast, ein
paar Tips gebrauchen kannst oder Dir in bestimmter Hinsicht nicht sicher
bist - das ist Dir überlassen.
Bedenke aber: Eine Beichte ist kein Beratungsgespräch, sondern eine
Sondermüll-Entsorgungsstation für Deine Sünden und eine
Begegnung mit Gott, die nicht viel Worte braucht. Falls der Priester (gegen
Deinen Willen) eine Idee nach der anderen aus seiner psychologischen Trickkiste
hervorzaubert, weise ihn darauf hin, dass Du eigentlich mit Gott reden
wolltest - und nicht mit dem Psychologen im Priester.
Das Beichtgeheimnis
Das Beichtgeheimnis ist sicherlich das bestgehütete Geheimnis der
Welt. Kein Priester darf auch nur irgendetwas von dem, was ihm in der
Beichte anvertraut wurde, nach außen dringen lassen. Es gibt zahlreiche
Berichte über Priester, die sich eher haben foltern und töten
lassen, als das Beichtgeheimnis zu brechen. (google einfach mal "Johannes
Nepomuk").
Der Priester ist wie ein Telefonhörer - man spricht hinein, um mit
Gott zu reden; man hört auf seine Worte, um Gott zu hören. Hat
man aufgelegt, so weiß der Hörer auch nichts mehr von dem,
was gesagt wurde. So ist der Priester nur ein Medium, um Gott hörbar
und ansprechbar zu machen.
Deshalb soll der Priester sich auch in der Beichte sehr zurückhalten.
Und umgekehrt solltest Du den Priester auch nicht überbewerten. Natürlich
ist es wichtig, einen guten Beichtvater zu suchen - aber bevor Du jahrzehntelang
nach dem idealen Priester suchst (den es einfach nicht gibt), ist es besser,
bei einem "unangenehmen" Beichtvater zu beichten (der vielleicht besser
ist, als Du vermutest).
Das Beichtgeheimnis gilt nicht nur immer, überall und unter jeder
Bedingung, sondern auch sehr umfassend: Es bedeutet nicht nur, dass der
Priester nicht erzählen darf, was er in der Beichte gehört
hat. Er darf auch keinen Gebrauch von dem Wissen machen, dass er
in der Beichte erworben hat - wenn er dadurch den Beichtenden belastet.
Das Beichtgeheimnis verbietet dem Priester, aus dem Inhalt einer Beichte
zu erzählen und dabei nur den Namen oder den Ort der Beichte wegzulassen.
Falls der Priester überhaupt etwas aus einer Beichte erzählt,
dann nur, wenn absolut sichergestellt ist, dass es niemanden möglich
ist, Rückschlüsse zu ziehen, wer der Beichtende gewesen ist.
Aber besser ist natürlich, vollständig den Mund zu halten.
Der Priester darf Dich auch nicht unter vier Augen außerhalb der
Beichte nochmal auf die gebeichteten Sünden ansprechen. Das Beichtgeheimnis
gilt also auch Dir gegenüber.
Eine Ausnahme ist allerdings, wenn Du den Priester ausdrücklich darum
gebeten hast - zum Beispiel, weil er Dich an etwas erinnern soll oder
Du noch ein Buch oder einen Hinweis haben wolltest, den der Priester Dir
in der Beichte nicht geben konnte.
Das Beichtgeheimnis gilt immer dann, wenn ein Gespräch mit der Absicht
begonnen wurde, zu beichten. Falls es also nicht zur Lossprechung
kommt oder Du unterbrochen wirst (weil z.B. der Beichtstuhl in Flammen
steht - oder aus einem anderen wichtigen Grund) gilt trotzdem das Beichtgeheimnis.
Es lassen sich noch viele Fragen bezüglich des Beichtgeheimnisses
stellen - und viele hochbrisante Fälle konstruieren. Aber die Antwort
ist immer die gleiche: Das Beichtgeheimnis gilt absolut. Immer.
Möchtest Du mir schreiben? Für diese Anmerkungen
ist
Peter verantwortlich.