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Grundkurs des Glaubens - Christologie

Der katholische Glaube ist reich. Und leider auch etwas unübersichtlich, wenn es gilt, ihn systematisch darzustellen. Das liegt vermutlich nicht so sehr an der Unorganisiertheit der Theologen, sondern an der unterschiedlichen Gewichtung unserer Fragen. Mal wollen wir wissen, ob es einen Gott gibt, dann fragen wir nach dem Zölibat und schließlich wundern wir uns über die Haltung der Kirche zur Homosexualität. Alles drängende Fragen - aber in unterschiedlicher Gewichtung.

Unser Homepage hat sich zunächst vorgenommen, den Fragen der Jugendlichen von heute gerecht zu werden. Gelegentlich wird aber, nachdem psychologische Stolpersteine (wie Zölibat und Hexenwahn) aus dem Weg geräumt wurden, die Frage nach einem systematischen Durchgang durch alle Bereiche des Glaubens laut.

Nun, die klassische Theologie bietet tatsächlich ein System an, in dem der Glaube umfassend dargestellt werden kann: Die "Sieben Traktate der Dogmatik". - Ich gebe allerdings zu, dass ich mich in diesem "Grundkurs des Glaubens" eher locker an diesen klassischen Vorgaben orientiert habe. Hier nun ein erster Versuch, der bei Gelegenheit noch ergänzt und überarbeitet werden soll:

Das Wesen Jesu
I. Der biblische Befund

Alttestamentliche Vorausdeutungen: Für die frühen Christen war der Schriftbeweis der Göttlichkeit Jesu ein Beweis aus dem Alten Testament - die aktuelle Schrift damals. Dass es dort bereits Hinweise auf Christus bzw. auf die Dreifaltigkeit gibt, mag überraschen.

Gerade das Judentum ist gegen alle Widerstände der damaligen Kulturen streng monothesitisch. Für die frühen Christen stellte sich also die drängende Frage, ob die Annahme, Gott sei dreifaltig und Jesus selbst Gott, ein Verrat an der Offenbarung des Judentum darstellt. Der Befund des AT darf also nicht als Beweis der Göttlichkeit Jesu verstanden werden - Intention ist, die Vereinbarkeit von Trinitätsglauben und der Göttlichkeit Jesu mit der jüdisch-biblischen Tradition nachzuweisen.

Text: Alttestamentliche Hinweise auf die Dreifaltigkeit
Text: Alttestamentliche Hinweise auf Christus


Das Selbstverständnis Jesu: Es ist wahr: Die Aussage "Ich bin Gott" aus dem Munde Jesu findet sich nirgendwo im Neuen Testament. Dennoch bezeichnet sich Jesus selbst als präexistent, gottgleich, als Teil einer göttlichen Vater-Sohn-Beziehung. Für die frühen Christen war der Anspruch Jesu, eins mit Gott zu sein, nicht fraglich.

Text: Selbstaussagen Jesu


Das Zeugnis des Apostels Paulus: Paulus nennt Jesus ausdrücklich und mehrfach "Gott", gibt ihm göttliche Eigenschaften und Gott vorbehaltene Titel.

Die Predigt der Apostel: Die Apostel predigen keine "Lehre Jesu" sondern "Jesus selbst". Sie führen also keine Botschaft Jesu weiter ("Die Sache Jesu"), sondern verkündigen eine Person.

Text: Paulinische und apostolische Christologie

II. Frühchristliche Bemühungen, Jesus zu verstehen

Die Bemühungen der frühen Christen, Jesus zu verstehen, kann man am besten durch die frühchristlichen Häresien illustrieren (Gnosis, Modalismus, Arianismus, Monophysitismus, Nestorianismus - etc.). Dabei sind die frühen "Häretiker" meistens keine böswilligen Verfälscher, sondern zeigen ernsthafte Bemühungen, das Zeugnis der Bibel mit der Vernunft in Einklang zu bringen.
Zwei Vorwürfe an die frühe Kirche erweisen sich als haltlos: Zum einen der Vorwurf, die Kirche hätte den biblischen Glauben der Juden und Urchristen der Philosophie geopfert: Die Kirche immer großen Wert darauf gelegt, dass die Philosophien die biblischen Erkenntnisse nicht uminterpretieren - sie hat sich schon sehr früh als Hüterin der Offenbarung erwiesen. Zum anderen der Vorwurf, die Kirche hätte die biblischen Befunde über die Vernunft erhoben und einen blinden Glauben verlangt: Gerade die christologischen Auseinandersetzungen des 4. und 5. Jahrhunderts zeigen das Bemühen, zu verstehen und zu durchdenken, was die Bibel grundlegt.

Text: Christologische Häresien
Text: Frühchristliche Glaubensbekenntnisse

III. Neuzeitliche Bemühungen, Jesus zu verstehen

Hermann Samuel Reimarus, Levi Strauß und schließlich Bultmann brachen die Christologie von allerdings von einer anderen Seite auf: Nicht durch Philosophie, die biblische Befunde interpretierte, sondern durch Anzweiflung der biblischen Befunde selbst.

Text: Reimarus, Strauß und Bultmann

IV. Heute

Erinnern wir uns an die drei verschiednen Beweisführungen: Geistiges (mathematisch-logisch), Materiales (naturwissenschaftlich) oder Einmaliges (historisch). Während die Gnosis sich nur dem Geistigen verpflichtet weiß und das aufgeklärte Denken nur dem Materiellem, bezieht sich das Einmalige auf die Verbindung von beidem. Christentum und Judentum sind deshalb geschichtlich gebundene Religionen. Da das geschichtliche Wissen heute nicht hoch geachtet wird, geht die momentane Glaubenstendenz wieder in die zwei Extreme: Hin zur Gnosis oder zum Materialismus. Beides (!) sind die Häresien der Gegenwart.

Text: Gnosis

Der historische Jesus
I. Die Leben - Jesu - Forschung

Mit Hermann Samuel Reimarus begann die kritische Hinterfragung der biblischen Berichte. Seitdem stellt sich kritischen Christen immer die gleiche Frage: Was wissen wir wirklich gesichert von Jesus?

Text: Nocheinmal Reimarus


Auf Reimarus hat Hubert Schleichert (interessanterweise ein ebenso kritischer Geist in seinem Buch "Wie man mit Fundamentalisten diskutiert, ohne den Verstand zu verlieren") sehr erhellend geantwortet.

Text: Antwort auf Reimarus


Vermutlich liegt der Grund, dass wir in den Evangelien keine stichhaltigen Begründungen sehen, in der Geringschätzung des historischen Beweises. Tatsächlich ist es historisch aber nicht redlich, nach einem Glaubwürdigkeitsbeweis zu fragen; die Beweislast liegt vielmehr bei den Kritikern. Ein Paradebeispiel für eine Anwendung der Kriterien der Historiker (bzw. der Juristen wie in einem Gerichtsprozess) ist "Der Fall Jesus" von Lee Strobel.

Text: Der Fall Jesus

II. Die Glaubwürdigkeit des Neuen Testamentes

Dagegen offenbart ein unvoreingenommener Blick auf das Neue Testament dessen historische Glaubwürdigkeit.

Text: Die Glaubwürdigkeit der Evangelien


Dabei spielt auch eine Rolle, wie und in welchem Zeitraum das NT entstanden ist. Heutiger Mainstream-Überzeugung in katholischen Kreisen ist die sogenannte Spätdatierung, die davon ausgeht, dass das früheste Evangelium auf jeden Fall später als 70 n. Chr. entstanden ist (Lukas, Matthäus und Johannes jeweils 10 Jahre später). Dabei ist das Hauptargument (siehe z.B. die Einleitungstexte in der Einheitsübersetzung), die Evangelien würden auf die Zerstörung Jerusalems zurückblicken. Tatsächlich blicken sie nicht zurück - sondern prophezeien. Daraus ein Zurückblicken zu konstruieren, ist nicht zu rechtfertigen - im Gegenteil: Wäre der Tempel tatsächlich schon zerstört, hätte es sicherlich einen Hinweis im Evangelium darauf gegeben.

Text: Entstehung der Evangelien


Die Glaubwürdigkeit des NT wird auch durch archäologische Funde bestätigt: Das Grabtuch von Turin, Der Titulus, Außerbiblische Erwähnung Jesu und weitere Erkenntnisse der Geschichts- und Naturwissenschaften.

Text: Das Grabtuch von Turin
Text: Der Titulus
Text: Außerbiblische Erwähnungen Christi
Text: Der Petersfisch
Text: Alexamenos betet an

III. Wunder in der Kritik

Ein Text muss nicht nur den Methoden der Geschichtswissenschaften entsprechend überprüft werden. Eine entscheidende Frage ist, ob die dort berichteten Geschehnisse in Einklang mit den naturwissenschaftlichen Erkenntnissen stehen. Das wird - mit Hinweis auf die Wunder im AT und NT - oft verneint.

Text: Wunder


Dennoch stellt sich immer wieder die Frage, inwieweit die biblischen Wunderberichte nicht doch Beispielerzählungen sind. Eine solche Entscheidung über das rechte Verständnis der Hl. Schrift trifft nicht die Theologie. Erst durch die Tradition der Kirche wird die Bibel eindeutig und in sich schlüssig.

Weiterführende Links auf dieser Site:

Bibel und Tradition


Zugabe: Als kleines "Bonbon" ein recht amüsanter Text von Isaac Asimov - der die Entstehung der Bibel so beschreibt, wie sie nach modernem (nicht katholischem!) Verständnis entstanden sein könnte.

(wird noch eingestellt)

Die Verkündigung Jesu (wird noch ergänzt)
I. Das Reich Gottes

Jesus verkündigt eine neue Botschaft, die sich in wesentlichen Zügen von der Verkündigung der Propheten untercheidet. Wir nennen diese Botschaft die "Reich-Gottes-Botschaft" (oft kurz: "RGB").
Diese Botschaft ist wesentlich von Gegensätzen geprägt: Das Reich Gottes ist schon - noch nicht angebrochen; es hat begonnen, aber noch nicht vollendet; die Ersten werden die Letzten sein, wer stirbt, wird das Leben gewinnen - etc. Diese Spannung hebt Jesus nicht durch Theologie auf, sondern kleidet seine Botschaft hauptsächlich in drei Verkündigungsformen:

II. Die drei Säulen der Reich-Gottes-Botschaft

A. Gleichnisse

Wir unterscheiden zwischen Gleichnissen und Allegorien: Ein Gleichnis hebt auf einen "Knackpunkt" ab; d.h. es geht um einen wichtigen Vergleichspunkt. Eine Allegorie dagegen überträgt die verschiedenen Elemente einer Erzählung in die Wirklichkeit. Ein typisches Gleichnis ist das von der verlorenen Münze; eine typische Allegorie die vom Sämann.

Dabei kann Jesus ein Gleichnis benutzen, um eine Alltagserfahrung auf den religiösen Bereich zu übertragen. Eine weltliche Erfahrung wird in die religiöse Dimension verlängert: So wie im Alltag, so auch bei Gott (z.B. Deutung des Wetters, Mt 16,2)

Oder Jesus zeigt anhand eines untypischen irdischen Verhaltens, wie anders Gott ist: Was im Alltag ungewöhnlich, ist so bei Gott (z.B. der verlorene Sohn, Lk 15, 11-32)


B. Die Bergpredigt
Die Bergpredigt ist das Kernstück der Rede Gottes. Alle Gleichnisse, Gegensätze, Lehraussagen dienen letztlich einer Grundbotschaft: Die "Wendung von der Gesetzesfrömmigkeit in die Intentionalität". Das heißt, Jesus ist keiner der alttestamentlichen Propheten, die eine erneuerte Gesetzesfrömmigkeit einfordern, sondern er will den Menschen von innen heraus ändern.


C. Zeichenhandlungen - Wunder
Wunder sind ebenfalls Gleichnisse, Zeichen; sie sind Bestandteil der Verkündigung
Nicht die Wundergeschichte sind Gleichnisse, sondern die Wunder Jesu
Wunder sind keine bloße Machtdemonstration, sondern Selbst-Offenbarung

III. Jesus und Moses (NT vs. AT)

Das Alte Testament verkündet zunächst eine auf äußerliche Handlungen beruhende ("sichtbare") Gerechtigkeit vor Gott, die im Halten der Gebote besteht. Allerdings gibt es schon im AT bei den Propheten die Gesetzeskritik, die auf eine Herzensbildung hinwirkt.
Die Predigt Jesu (deren Herzstück die Bergpredigt ist) betont die Innerlichkeit und Unsichtbarkeit der Rechtfertigung vor Gott. "Jesus verlegt den Gehorsam Gott gegenüber in die Intentionalität".

Das Äußerliche allerdings bleibt als Mittel zur Heilung (Sakramente) und als Konsequenz der Innerlichkeit (Gebote) heilsrelevant.