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Engel - Geheimnisvolle Wesen

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1. Ein paar einleitende Worte

„Schnaps, dass war sein letztes Wort, dann trugen ihn die Englein fort!" wer kennt diesen Karnevalsschlager nicht? Aber das ist nicht das einzige Lied, in dem die Engel besungen werden. Von Rock bis Pop, von Klassik bis Hiphop; Engel werden immer wieder gerne besungen. Man denke nur an das Lied der Kelly Family: "Angel". Und in der Kunst begegnen uns Engel. Wer kennt sie nicht, die Putten. Man könnte die Reihe noch fortsetzen.

Auch in jeder hl. Messe kommen die Engel vor. Denn in jeder hl. Messe sind nicht nur die Gläubigen anwesend, sondern auch die Verstorbenen, Heiligen und Engel. Die Engel werden an mehreren Stellen genannt.

Ein erster Ort ist das Schuldbekenntnis („Darum bitte ich .... alle Engel und Heiligen...). Dann ist das Gloria zu nennen. Im Gloria werden die Engel zwar nicht ausdrücklich genannt, doch geht der Anfang des Glorias auf den Gesang der Engel bei der Geburt Jesu Christi zurück (vgl. Lk 2, 13f.). Zum Ende der Präfation des zweiten Hochgebetes betet der Priester: „ ... Darum preisen wir dich mit allen Engeln und Heiligen und singen vereint mit ihnen das Lob deiner Herrlichkeit". Darauf folgt das Sanctus, welches ein Lobgesang der Engel ist (vgl. Jes 6, 2ff). Im ersten Hochgebet bittet der Priester nach der Wandlung den allmächtigen Gott: „Dein heiliger Engel trage diese Opfergabe auf deinen himmlischen Altar vor deine göttliche Herrlichkeit".

Selbst Menschen werden als Engel bezeichnet. So nennt sich ein immer wieder verwendetes Kompliment: „Du bist wie ein Engel". Oder denken wir an den Engel von Kalkutta, Mutter Theresa.

Wenn man die Augen offen hält, wird man immer wieder auf das Wort Engel stoßen. Und bei genauem Hinsehen fällt auf, dass die Bedeutung von Engel unterschiedlich verwendet wird. Je nachdem wer das Wort benutzt, meint etwas anderes.

So kann die berechtigte Frage aufkommen: „Wie steht es denn jetzt um die Engel? Gibt es sie, oder sind sie nur eine Art Gespenster, eine Einbildung der Menschen? Oder sind sie gar Menschen?" Es ist die Frage nach der Existenz der Engel.

2. Existieren überhaupt Engel?

Situationen, wie folgende, ist heute, in einem doch ach so „aufgeklärten Zeitalter", keine Seltenheit:

Während einer Zugfahrt saß in einem Abteil ein Vater mit seinen beiden Söhnen. Damit es nicht so langweilig war, spielten die drei dieses Spiel: mit dem letzten Buchstaben eines Wortes musste ein neues Wort gebildet werden. Als der Vater nun mit einem „e" ein neues Wort bilden musste, äußerte er das Wort Engel. Sofort kam Protest des dreijährigen Sohnes. Engel gäbe es doch gar nicht. Darauf sagte der Vater: „Das Wort ,Engel‘ gäbe es schon; aber Engel existieren überhaupt nicht. Da hast du recht, mein Sohn." (wahre Begebenheit)

Dass die Existenz der Engel geleugnet wird, ist nicht erst ein Erscheinungsbild unserer Zeit. Schon zur Zeit Jesu gab es eine Gruppe, die nicht nur die Existenz von Engeln geleugnet haben, sondern auch die Auferstehung bezweifelten. Es ist die Gruppe der Sadduzäer. Wir leben heute in einer Zeit, in der der Glaube nicht mehr viel zählt. Oft gewinnt man den Eindruck, dass man ohne Glauben besser durch das Leben kommt. Daher ist es nicht verwunderlich, wenn in einer Zeit der Verdunstung des Glaubens immer weniger Menschen an Engel glauben, obwohl der Glaube an Engel in der Esoterik eine Renaissance erlebt. Doch die heutige Misere hat ihre Anfänge nicht in unserem Jahrhundert.

Die Wurzeln des Schwindens des Glaubens an die Engelwelt reichen bis Luther zurück. In den Jahren 1531 und 1533 hielt Luther seine berühmten Engelpredigten. In diesen Predigten wandte er sich gegen die übertriebene Verehrung des Erzengels Michaels, und meinte, dass es sich um Abgötterei hielt. Man könne die Engel nicht leichtsinnig an die stelle Gottes setzten. Schon 1528 schrieb Luther in der Wunderpostille, dass man die Engel nicht anbeten und nicht auf sie vertrauen soll. Dennoch muss man sich davor hüten, Luther nachzusagen, er habe nicht an die Engel geglaubt. Er lehnt zwar die Engelverehrung als Abgötterei ab; dennoch sah er ihre geistige Realität.

Einen weiteren Grund liefert Galileo Galilei (1564-1642). Der Grund für die Leugnung der Engel liegt nicht in seiner Entdeckung, dass sich die Erde um die Sonne dreht, sondern vielmehr darin, dass er die Naturwissenschaft aus der Theologie herauslöste. Er machte die Erfahrung zur Grundlage der Naturwissenschaft und setzte die Naturwissenschaft über die Theologie. Dieses führte zu einem arroganten Hochmut der Naturwissenschaftler. Sie meinten, nur das, was gemessen werden kann, ist zu glauben. Und das ist heute bei vielen anderen Naturwissenschaftler nicht anders. Wenn sie in ihr Laboratorium gehen, hängen sie ihren Glauben und ihr Gewissen an den Nagel, wenn sie dieses noch haben.

Die Philosophie trug ihrerseits dazu bei, dass es durch ihre Denkansätze, wie Empirismus, Idealismus, Rationalismus und Kritizismus (Kant) und Humanismus (Schleiermacher), zu einem Abbruch mit der Tradition kam.

Engel wurden zu einer religiösen Bildersprache. Die Engel wurden nicht mehr als reale Geschöpfe angesehen und somit ihre Existenz geleugnet. Denn in einer „modernen Welt" kann es nur nüchtern und entmythologisiert zugehen. In diesem Zusammenhang schreibt der evangelische Theologe Rudolf Bultmann (1884-1976), dass man nicht elektrisches Licht und Radioapparat benutzen, in Krankheitsfällen moderne medizinische und klinische Mittel in Anspruch nehmen und gleichzeitig an die Geister- und Wunderwelt des Neuen Testamentes glauben kann. So werden die Engel als „metaphysische Fledermäuse" deklassiert. Die protestantische Aufklärung hat dem frommen Umgang mit den Engeln ein Ende gesetzt.

Auch der Chor der liberalen Denker schließt sich diesem Tenor an. Für sie werden die Engel lediglich mehr oder weniger als poetische Zutat zum Glauben oder abgesunkene Bilderwelt, als abgesunkenes Kulturgut geduldet. Im Handwörterbuch des deutschen Aberglaubens werden die Engel etwas spöttisch als eine herumstehende Dienerschaft oder als Sängerchor in der Umgebung Gottes angesehen. Engel sind die bleichen Erben der olympischen Götter. Engel, dass sind die wackeren Kampf- und Wandergenossen im Alten Testament.

Deutlich wird die Säkularisierung des Engelbildes in der Kunst. Im 2. – 10. Jh. fehlen die Engel in keiner Glaubensdarstellung. Hier sei nur an die Ikonen erinnert (vgl. Ikone von der „immerwährenden Hilfe"). Sie werden entweder mit einem Nimbus oder mit Flügeln dargestellt. Es gibt aber auch Darstellungen, bei denen sie mit beidem ausgestattet sind. Im 13. Jh. tritt eine Änderung bei der Darstellung von Engeln ein. So werden sie als musizierende Engel gemalt, besonders in Szenen aus dem Leben Mariens. Im 15. Jh. gibt es wieder eine neue Ansicht. Die Engel werden als Kinder abgebildet. So findet man auf den Darstellungen fast ausschließlich Kinderengel. In der Renaissance werden diese Kinderengel durch antikisierte Putten ersetzt. Seit dem 16. Jh. gibt es Engelbilder als Kinder und/oder mit Flügeln.

In der Kunst wird auch die Meinung vertreten, dass man ebenso wenig einen Himmel ohne Engel darstellen kann, wie einen Frühling ohne Blumen. Wenn in der heutigen Zeit überhaupt noch Engel gemalt werden, dann werden sie als menschliche Wesen mit zwei Flügeln dargestellt oder aber als Putten.

Zusammenfassend kann man sagen, dass der Verlust des Engelbildes in der Reformation seinen Beginn nahm und über die Renaissance, Aufklärung bis in die heutige Zeit weiter um sich griff. Was heute noch schlimmer ist als die Leugnung der Engel, ist die sich ausbreitende Gleichgültigkeit. Es ist egal, ob es Engel oder Gott gibt; Hauptsache ich habe mein Vergnügen, meinen Kick im Leben.

3. Die Existenz der Engel eine Glaubenswahrheit

Die deutschen Bischöfe schreiben in dem Erwachsenenkatechismus, dass „ein ernsthaftes Sprechen über die Engel ist auch deshalb schwierig, weil wir dabei an Grenzen der menschlichen Aussagemöglichkeiten geraten" (KEK S. 109). Ein ernsthaftes Sprechen über Engel ist deshalb schwierig, weil die Engelwelt ein Bereich ist, der mit der Naturwissenschaft nicht beweisbar ist. Die Naturwissenschaft stößt an die Grenze ihre Möglichkeiten und zeigt damit auf, wie begrenzt ihr Horizont ist.

Die Kirche hat sich immer zu der Existenz der Engel bekannt. Auf dem 4. Laterankonzil (1215) stellt die Kirche in einer Definition gegen die Albigenser und Katharer klar, dass der dreifaltige Gott „der Schöpfer alles Sichtbaren und Unsichtbaren, des Geistigen und des Körperlichen (ist): er schuf in seiner allmächtigen Kraft vom Anfang der zeit an aus nichts zugleich beide Schöpfungen, die geistige und die körperliche, nämlich die der Engel und die der Welt: und danach die menschliche, die gewissermaßen zugleich aus Geist und Körper besteht" (DS 800).

Auf dem I. Vaticanum (1870/71) wurde diese Aussage noch einmal bekräftigt: „(Gott hat) aus völlig freiem Entschluss vom Anfang der Zeit an aus nichts zugleich beide Schöpfungen geschaffen, die geistige und die körperliche, nämlich die der Engel und die der Welt: und danach die menschliche, die gewissermaßen zugleich aus Geist und Körper besteht" (DS 3002).

Papst Pius XII. nimmt 1950 in seiner Enzyklika „Humani generis" Stellung zu den neuen theologischen Tendenzen und stellt klar, dass die Engel persönliche Geschöpfe seien und sich die Materie wesenhaft vom Geist unterscheide. Alles andere widerstreitet freilich den Erklärungen des I Vaticanums. (vgl. DS 3890 u. 3891)

Auch das II. Vaticanum bekennt sich zu der Existenz von Engel. So heißt es in Artikel 49 der Konstitution über die Kirche: „Bis also der Herr kommt in seiner Majestät und alle Engel mit ihm". Und in Artikel 50 derselben Konstitution bekennen die Konzilsväter: „Dass aber die Apostel und Märtyrer Christi, die mit ihrem Blut das höchste Zeugnis des Glaubens und der Liebe gegeben hatten, in Christus in besonderer Weise mit uns verbunden seien, hat die Kirche immer geglaubt, sie hat sie zugleich mit der seligen Jungfrau Maria und den heiligen Engel mit besonderer Andacht verehrt."

Der Katechismus der Katholischen Kirche (KKK) bekräftigt diese Glaubenswahrheit: „Dass es geistige, körperlose Wesen gibt, die von der Heiligen Schrift für gewöhnlich Engel genannt werden, ist eine Glaubenswahrheit. Das bezeugt die Schrift ebenso klar wie die Einmütigkeit der Überlieferung" (KKK 328).

4. Grundlage dieser Glaubenswahrheit

Die Existenz der Engel ist nicht eine Erfindung der Kirche. Sie hat sie nicht erfunden, um evtl. Kindern ein schönes Märchen erzählen zu können oder ein Machtinstrument in den Händen zu haben, um die Gläubigen zu unterdrücken.

Wenn die Kirche etwas verkündet, dann weiß sie sich der Offenbarung (der Bibel) verpflichtet. Sie kann nicht etwas verkünden, was nicht dem Willen Gottes entspricht. So ist die Grundlage ihrer Engellehre und ihrer Entwicklung die Heilige Schrift. Alles was sie über die Engel lehrt, hat seine Grundlage in der Bibel, in der sie die Offenbarung Gottes sieht.

Das Wort Engel kommt in der Bibel 305 mal vor. Die Engel lassen sich sowohl im Alten Testament als auch im Neuen Testament finden. Und anhand der Stellen, in denen die Engel vorkommen, kann man aufzeigen, dass es Engel gibt und dass sie die verschiedensten Aufgaben übertragen bekommen haben. Wer die Bibel als die Offenbarung Gottes ernst nimmt, kann an der Existenz der Engel nicht vorbei. Denn in der Bibel wird ganz selbstverständlich von den Engel gesprochen. Sie sind Geschöpfe Gottes und haben ihre Aufgabe von Gott zugeteilt bekommen.

Im Laufe der Geschichte hat es Engelerscheinungen gegeben. Hier sei nur an die Engelerscheinung in Fatima erinnert. Ein Engel erschien den drei Sehern und lehrte sie ein Gebet. Diese Erscheinungen können nicht die Grundlage der Lehre der Kirche bilden. Sie zeigen aber, dass Engel existieren.

Die volkstümlichen Meinungen nahmen auch, mal mehr oder weniger, außerbiblische jüdische Engelvorstellungen sowie zeitbedingte Anschauungen über Naturgeister hinzu. Diese Vorstellungen wurden letztlich in die kirchliche Lehre nicht aufgenommen. Die gültige kirchliche Lehre beruht auf der Heiligen Schrift.

5. Aufgaben der Engel

In einer Fernsehwerbung sind Engel zu sehen, die gelangweilt herumsitzen und nicht mehr weiter wissen. Da helfen dann nur noch die „Gelben Seiten", so die Werbung. Diese Karikatur der Engel ist vielleicht witzig, aber der Wirklichkeit entspricht sie nicht.

Denn der Name ist Programm. Das Wort Engel kommt aus dem Griechischen "aggevloj"; lat.: angelus) und bedeutet: Bote. Der Bedeutung des Wortes nach ist die Aufgabe der Engel, Bote zu sein (vgl. Mariä Verkündigung am 25. März {Lk 1, 11-26}; der Erzengel Gabriel ist der Bote Gottes).

Drei Engel sind uns mit Namen bekannt. Es handelt sich dabei um die drei Erzengel: Michael, Gabriel und Raphael. Auch diese Namen, die uns als Vornamen bekannt sind, haben eine Bedeutung.

So bedeutet Name Michael übersetzt: „Wer ist wie Gott?". Vgl. hierzu in der Offenbarung des Johannes, wie der Erzengel Michael mit dem Mächten der Finsternis kämpft (vgl. Offb 12, 1-17).

Gabriel bedeutet: „Kraft Gottes". Nicht ohne Grund wird gerade der Erzengel Gabriel zu der Jungfrau Maria gesandt (vgl. Lk 1, 11-26).

Von dem Erzengel Raphael wird im Buch Tobit (AT) berichtet. Er ist dort der Begleiter des Tobias, des Sohnes Tobits. Das Verhalten dieses Erzengels erklärt auch die Bedeutung des Namens Raphael: „Arznei Gottes". So wird Tobit von einer Augenkrankheit geheilt.

Im 15. Jh. soll Gott dem Ordensmann Amadeus Menez de Silva (ca. 1420-1482) sieben Erzengelnamen offenbart haben (Michael, Gabriel, Raphael, Uriel, Jehudiel, Barachiel, Sealtiel). Die Kirche schritt gegen den Versuch, die sieben Engelfürsten unter diesen Namen zu verehren, vor. Dem Bestreben, wenigsten für den Namen Uriel eine kirchliche Anerkennung zu erreichen, erging es ebenso. Es musste bei den drei biblischen Namen bleiben.

Engel - die Diener Christi

Christus steht im Mittelpunkt der Engel. Am Anfang des Hebräerbriefes wird das Verhältnis Jesu und der Engel erläutert. Ausführlich wird beschrieben, warum Jesus bei weitem über den Engeln steht. Die Engel, dass sind seine Engel, wie Matthäus berichtet: „Wenn der Menschensohn in seiner Herrlichkeit kommt und alle Engel mit ihm, dann wird er sich auf den Thron seiner Herrlichkeit setzen." (Mt 25, 31). Aber nicht nur in der jenseitigen Welt sind die Engel um Christus und dienen bzw. loben ihn. Auch als Christus aus Liebe zu uns Menschen Menschengestalt annahm, war er von seinen Engel umgeben. Sie begleiteten ihn durch sein irdisches Leben.

Das Neue Testament gibt Zeugnis davon. Angefangen bei seiner Geburt: „Und plötzlich war bei dem Engel ein großes himmlisches Heer, das Gott lobte und sprach: Verherrlicht ist Gott in der Höhe, und auf Erden ist Friede bei den Menschen seiner Gnade." (Lk 2, 13f.). Die Engel stimmen ihm einen Lobgesang an, der die Grundlage des Gloria bildet.

Neben dem Lobgesang sind die Engel auch die Beschützer Jesu und der Heiligen Familie. So schreibt der Evangelist Matthäus, dass dem hl. Josef im Traum ein Engel erschien, der ihn aufforderte, Maria als seine Frau anzuerkennen: „Während er noch darüber nachdachte, erschien ihm ein Engel des Herrn im Traum und sagte: Josef, Sohn Davids, fürchte dich nicht, Maria als deine Frau zu dir zu nehmen; denn das Kind, das sie erwartet, ist vom Heiligen Geist." (Mt 1, 20).

Jesu Leben wird vor dem Kindermord geschont, weil ein Engel, wiederum im Traum, dem hl. Josef warnte: „Als die Sterndeuter wieder gegangen waren, erschien dem Josef im Traum ein Engel des Herrn und sagte: Steh auf, nimm das Kind und seine Mutter, und flieh nach Ägypten; dort bleibe, bis ich dir etwas anderes auftrage; denn Herodes wird das Kind suchen, um es zu töten." (Mt 2, 13)

Als die Gefahr gebannt war, wurde auch das dem hl. Josef von einem Engel im Traum verkündet: „Als Herodes gestorben war, erschien dem Josef in Ägypten ein Engel des Herrn im Traum." (Mt 2, 19).

Bevor Jesus öffentlich auftrat, ging er 40 Tage in die Wüste. Auch in der Wüste, nach der Versuchung durch den Teufel, war er von Engeln umgeben, die ihm dienten: „Dort blieb Jesus vierzig Tage lang und wurde vom Satan in Versuchung geführt. Er lebte bei den wilden Tieren, und die Engel dienten ihm." (Mk 1, 13; vgl. Mt 4, 11).

In der Nacht vor seinem Kreuzestod betete Jesus am Ölberg. In dieser schweren Stunde kam ein Engel und gab ihm neue Kraft: „Da erschien ihm ein Engel vom Himmel und gab ihm (neue) Kraft." (Lk 22, 43).

Und die Botschaft von der Auferstehung Jesu verkündete ein Engel den zum Grab herbeigelaufenen Frauen: „Plötzlich entstand ein gewaltiges Erdbeben; denn ein Engel des Herrn kam vom Himmel herab, trat an das Grab, wälzte den Stein weg und setzte sich darauf. Der Engel aber sagte zu den Frauen: Fürchtet euch nicht! Ich weiß, ihr sucht Jesus, den Gekreuzigten." (Mt 28, 2.5).

Weitere Aufgaben

Wenn man die Stellen in der Bibel nachschlägt, in denen Engel eine Bedeutung spielen, dann merkt man schnell, dass man die Aufgaben der Engel nicht auf Botengänge und den Dienst an Christus beschränken darf und kann. Im folgenden sollen nun einige weitere „Aufgaben" der Engel vorgestellt werden.

Wächter: Eine Aufgabe der Engel besteht darin, den Eingang zum Paradies zu bewachen. „Er vertrieb den Menschen und stellte östlich des Gartens von Eden die Cherubim auf und das lodernde Flammenschwert, damit sie den Weg zum Baum des Lebens bewachten." (Gen 3, 24).

Beschützer: Gott sendet seine Engel aus, um seine Auserwählten zu beschützen. Dies durfte auch Lot erfahren. „Die beiden Engel kamen am Abend nach Sodom. Lot saß im Stadttor von Sodom. Als er sie sah, erhob er sich, trat auf sie zu, warf sich mit dem Gesicht zur Erde nieder. Sie aber schrieen: Mach dich fort!, und sagten: Kommt da so ein einzelner Fremder daher und will sich als Richter aufspielen! Nun wollen wir es mit dir noch schlimmer treiben als mit ihnen. Sie setzten dem Mann, nämlich Lot, arg zu und waren schon dabei, die Tür aufzubrechen. Da streckten jene Männer die Hand aus, zogen Lot zu sich ins Haus und sperrten die Tür zu. Dann schlugen sie die Leute draußen vor dem Haus, groß und klein, mit Blindheit, so dass sie sich vergebens bemühten, den Eingang zu finden." (Gen 19, 1.9-11).
In Psalm 91 heißt es: „Denn er befiehlt seinen Engeln, dich zu behüten auf all deinen Wegen. Sie tragen dich auf ihren Händen, damit dein Fuß nicht an einen Stein stößt; du schreitest über Löwen und Nattern, trittst auf Löwen und Drachen." (Ps 91, 11ff.)

Retter und Befreier: Die Aufgabe der Engel ist nicht nur auf das Beschützen und Bewachen beschränkt; sie treten auch als Befreier und Retter auf. So erfährt Hagar das rettende Eingreifen des Engels. „Gott hörte den Knaben schreien; da rief der Engel Gottes vom Himmel her Hagar zu und sprach: Was hast du, Hagar? Fürchte dich nicht, Gott hat den Knaben dort schreien gehört, wo er liegt." (Gen 21, 17). Des weiteren sei an die wunderbare Errettung der drei Jünglinge aus dem Feuerofen erinnert: „Aber der Engel des Herrn war zusammen mit Asarja und seinen Gefährten in den Ofen hinabgestiegen. Er trieb die Flammen des Feuers aus dem Ofen hinaus und machte das Innere des Ofens so, als wehte ein taufrischer Wind. Das Feuer berührte sie gar nicht; es tat ihnen nichts zuleide und belästigte sie nicht." (Dan 3, 49f.). Aber auch der Hl. Petrus wird durch die Hilfe eines Engel aus einer misslichen Lage befreit. „Plötzlich trat ein Engel des Herrn ein, und ein helles Licht strahlte in den Raum. Er stieß Petrus in die Seite, weckte ihn und sagte: Schnell, steh auf! Da fielen die Ketten von seinen Händen." (Apg 12, 7).

Gebieten Einhalt: Gott wollte den Gehorsam des Abraham prüfen. So gab er ihm den Auftrag, seinen eigenen Sohn zu opfern. Bevor Abraham seinen Sohn opferte, schickte Gott seinen Engel. Der Engel sollte Abraham an der Ausführung seines Tuns hindern. Denn Gott wollte nur prüfen, wie weit Abrahams Gehorsam ihm gegenüber ginge. „Schon streckte Abraham seine Hand aus und nahm das Messer, um seinen Sohn zu schlachten. Da rief ihm der Engel des Herrn vom Himmel her zu: Abraham, Abraham! Er antwortete: Hier bin ich." (Gen 22, 10f.)

Verkünden: Nicht nur die Geburt unseres Herrn wurde durch einen Engel angekündigt, auch die Botschaft der Geburt unseres Herrn und Meisters in der Heiligen Nacht ist von Engeln verkündet worden (vgl. Lk 2, 8ff.). Aber schon das Alte Testament berichtet, dass Engel eine Geburt oder Berufung verkündet haben. So wurde die Geburt Simsons durch einen Engel angekündigt; „Damals lebte in Zora ein Mann namens Manoach, aus der Sippe der Daniter; seine Frau war unfruchtbar und hatte keine Kinder. Der Engel des Herrn erschien der Frau und sagte zu ihr: Gewiss, du bist unfruchtbar und hast keine Kinder; aber du sollst schwanger werden und einen Sohn gebären." (Ri 13, 2f.). Gideon wird von einem Engel in den Dienst Gottes berufen; „Der Engel des Herrn kam und setzte sich unter die Eiche bei Ofra, die dem Abiësriter Joasch gehörte. Sein Sohn Gideon war gerade dabei, in der Kelter Weizen zu dreschen, um ihn vor Midian in Sicherheit zu bringen. Da erschien ihm der Engel des Herrn und sagte zu ihm: Der Herr sei mit dir, starker Held." (Ri 6, 11f.). Aber auch bei der Verkündigung des Gesetzes waren die Engel beteiligt, wie Stephanus in seiner Verteidigungsrede bekennt: „Welchen der Propheten haben eure Väter nicht verfolgt? Sie haben die getötet, die die Ankunft des Gerechten geweissagt haben, dessen Verräter und Mörder ihr jetzt geworden seid, ihr, die ihr durch die Anordnung von Engeln das Gesetz empfangen, es aber nicht gehalten habt." (Apg 7, 52f.).

Beistand der Propheten: Als der Prophet Elija eine Morddrohung bekam, fürchtete er um sein Leben, floh in die Wüste, setzte sich unter einen Ginsterstrauch und wünschte sich den Tod, weil er lebensmüde geworden war („Burn-out-Syndrom"). Doch ein Engel war sein Beistand und ließ ihn nicht sterben. „Dann legte er sich unter den Ginsterstrauch und schlief ein. Doch ein Engel rührte ihn an und sprach: Steh auf und iss!" (1 Kön 19, 5).

Vollstrecker des göttlichen Strafgerichtes: Eindrucksvoll beschreibt die Offenbarung des Johannes, wie das Ende der Welt sein soll. Bevor der Herr wiederkommt, werden erst noch einmal sieben Plagen die Welt heimsuchen. Und diese Plagen werden von sieben Engeln über die Erde verbreitet. „Und die sieben Engel mit den sieben Plagen traten heraus; sie waren in reines, glänzendes Leinen gekleidet und trugen um ihre Brust einen Gürtel aus Gold." (Offb 15, 6).

6. Aussehen der Engel

Wenn man heute Menschen fragt, wie Engel aussehen, kommt wahrscheinlich die Antwort: Engel sind nackte Kinder mit Flügeln. So kennt man sie ja von Bildern, Postern, Papierblocks etc. (vgl. hierzu auch Kap. 2). Oder man hat sich im Fernsehen gebildet. Dann könnte die Antwort auch lauten: Engel sind weiße Gestalten mit Flügeln oder einfach nur Menschen wie du und ich.

Ein Blick in die Bibel zeigt, dass das Aussehen der Engel gar nicht so eindeutig ist. So wird von vielen Gestalten berichtet, in denen die Engel in Erscheinung und Aktion treten. Je nach Aufgabe nehmen sie unterschiedliche Gestalten an.

Das Buch Tobit berichtet, dass der Erzengel Raphael in der Gestalt eines Mannes sich dem Tobias zu erkennen gab und ihn auf dessen Reise begleitete (vgl. Tob 5). Im Feuerofen erschien ein Engel als Jüngling (vgl. Dan 3). Ganz anders sehen wiederum die Paradiesengel aus. Sie stehen vor dem Eingang des Paradieses mit einem Flammenschwert in der Hand (vgl. Gen 3, 24). Die Geheime Offenbarung schildert das Aussehen der Engel so: „Und vor dem Thron war etwas wie ein gläsernes Meer, gleich Kristall. Und in der Mitte, rings um den Thron, waren vier Lebewesen voller Augen, vorn und hinten. Und jedes der vier Lebewesen hatte sechs Flügel, außen und innen voller Augen." (Offb 4, 6.8).

Jesaja beschreibt die Gestalt der Engel folgendermaßen: „Serafim standen über ihm. Jeder hatte sechs Flügel: Mit zwei Flügeln bedeckten sie ihr Gesicht, mit zwei bedeckten sie ihre Füße, und mit zwei flogen sie." (Jes 6, 2). Am Anfang des Ezechielbuches werden die Engel so beschreiben: „Mitten darin erschien etwas wie vier Lebewesen. Und das war ihre Gestalt: Sie sahen aus wie Menschen. Jedes der Lebewesen hatte vier Gesichter und vier Flügel. Ihre Beine waren gerade und ihre Füße wie die Füße eines Stieres; sie glänzten wie glatte und blinkende Bronze. Unter den Flügeln an ihren vier Seiten hatten sie Menschenhände. [Auch Gesichter und Flügel hatten die vier.] Ihre Flügel berührten einander. Die Lebewesen änderten beim Gehen ihre Richtung nicht: Jedes ging in die Richtung, in die eines seiner Gesichter wies. (Ez 1, 5-9).

Ein Grund, warum Engel in verschiedenen Gestalten erscheinen, ist, dass die Menschen, denen sie begegnen, nicht erschreckt werden sollen. Dieses außergewöhnliche Aussehen, von dem Jesaja, Ezechiel und die Offenbarung berichten, hat seinen Grund darin, dass damit über die Natur der Engel Näheres ausgesagt werden soll. (vgl. Kap. 7).

7. Natur der Engel

Augustinus sagt über den Engel: „,Engel‘ bezeichnet das Amt, nicht die Natur. Fragst du nach seiner Natur, so ist er ein Geist; fragst du nach dem Amt, so ist er ein Engel: seinem Wesen nach ist er ein Geist, seinem Handeln nach ein Engel" (Zit. n. KKK 329). Augustinus sagt also über Engel, dass ihre Natur geistig ist. Demnach besitzen sie keine Körper.

Dasselbe sagen das 4. Laterankonzil, das I. und II. Vaticanum über die Engel. Gott ist der Schöpfer alles Sichtbaren und Unsichtbaren. Er schuf in seiner allmächtigen Kraft vom Anfang der Zeit an aus nichts zugleich beide Schöpfungen, die geistige und die körperliche, nämlich die der Engel und die der Welt: und danach die menschliche, die gewissermaßen zugleich aus Geist und Körper besteht (vgl. Kap. 3). Es gibt demnach eine Unterscheidung zwischen der geistigen und körperlichen Schöpfung.

Wenn Engel zur geistigen Schöpfung gehören, dann sind sie rein geistig und ohne Stofflichkeit, d.h. ohne Materie (Immaterialität). Im Hebräerbrief heißt es: „Sind sie nicht alle nur dienende Geister, ausgesandt, um denen zu helfen, die das Heil erben sollen?" (Hebr 1, 14).

Wenn sie Geister sind und körperlos, dann können sie auch nicht sterben. Sie sind unsterblich. Dies bezeugt Jesus selbst, als er auf die hinterlistige Frage der Sadduzäer, mit welchem Mann eine siebenfache Witwe am Tag der Auferstehung verheiratet sei, unter anderem antwortet: „Sie können auch nicht mehr sterben, weil sie den Engeln gleich und durch die Auferstehung zu Söhnen Gottes geworden sind." (Lk 20, 36). An andere Stelle äußert sich Jesus folgendermaßen: „Hütet euch davor, einen von diesen Kleinen zu verachten! Denn ich sage euch: Ihre Engel im Himmel sehen stets das Angesicht meines himmlischen Vaters." (Mt 18, 10). Auch hier sagt Jesus deutlich, dass die Engel unsterblich sind.

Wie schon in Kapitel 6 angedeutet, haben die Gestalten der Engel, wie sie in der Bibel dargestellt werden, eine besondere Bedeutung. So schreibt Thomas von Aquin, ausgehend von Ez 1, 13, über die Engel, dass sie Erkenntnis und Wollen besitzen. In dem Feuer, sieht er ein Symbol für die Erkenntnis und in den Blitzen ein Symbol für das Wollen. Die Erkenntnis ist die Grundlage des Wollens. Denn wer nichts erkennt, kann auch nichts wollen. Wer nur Sinnenhaftes kennt, will auch nur Sinnenhaftes. Wenn man ein Musikstück nicht kennt, dann will man es auch nicht hören. Nur das, was einem bekannt ist, ist einem erstrebenswert. Wobei noch zu klären ist, in wieweit es auch gut ist, was ich für erstrebenswert halte.

Da die Engel nicht durch die Materialität (Körperlichkeit), daraus folgernd durch die Sinnenhaftigkeit, gehindert sind, haben sie eine größere Gotteserkenntnis als der Mensch. Da sie eine größere Erkenntnis haben, haben sie auch einen stärkeren Willen.

Die Engel haben klarste Erkenntnis. So brauchen sie bei Entscheidungen nichts zu beraten und zu überlegen. Zielsicher treffen sie ihre Entscheidungen. Aufgrund dieser klaren Erkenntnis hat auch ihr Wille keine Gegenströmungen. Sie können nicht anders, als das für Gut erkannte auch zu wollen. Da sie keine Gegenströmung bei ihrem Wollen haben, besitzen sie, im Gegensatz zu uns Menschen, keine Willensfreiheit.

Mit diesem ungeheuren Willen ist eine ungeheure Macht verbunden. So wird im ersten Makkabäerbuch berichtet: „Damals, als die Leute des Königs von Assur über dich gelästert hatten, kam dein Engel und erschlug hundertfünfundachtzigtausend von ihnen." (1 Makk 7, 41). Dieser Wille der Engel ist aber an den Willen Gottes gebunden. Der Wille und die Macht der Engel können sich niemals über den Willen Gottes und seiner Macht erheben. Sie hätten sich wohl von Gott abwenden können, wie der Teufel und seine Genossen (vgl. Kap. 9.1), aber mächtiger als Gott können sie nicht sein und werden, weil sie seine Geschöpfe sind.

In der Offenbarung wird über das Aussehen der Engel berichtet: „Jedes der vier Lebewesen hatte sechs Flügel, außen und innen voller Augen." (Offb 4, 8). Die Engel sind innen voller Augen. Dies ist ein Symbol für die Selbsterkenntnis der Engel. Sie haben ihre Eigenpersönlichkeit in der ganzen Tiefe klar vor Augen. So sind sie in der glücklichen Lage, nie einen Psychoanalytiker zu Rate zu ziehen zu müssen. Da sie kein Unterbewusstsein haben, brauchen sie auch niemanden, der Komplikationen im Unterbewusstsein erhellen müsste.

8. Anzahl der Engel

Über die Anzahl der Engel gibt die Heilige Schrift im Hebräerbrief folgende Information: „Ihr seid vielmehr zum Berg Zion hingetreten, zur Stadt des lebendigen Gottes, dem himmlischen Jerusalem, zu Tausenden von Engeln, zu einer festlichen Versammlung" (Hebr 12, 22). In der Offenbarung steht geschrieben: „Ich sah, und ich hörte die Stimme von vielen Engeln rings um den Thron und um die Lebewesen und die Ältesten; die Zahl der Engel war zehntausendmal zehntausend und tausendmal tausend." (Offb 5, 11).

Als Jesus verraten wurde, griff einer seiner Begleiter zu seinem Schwert und hieb einem Soldaten ein Ohr ab. Und Jesus tadelt ihn, er solle sein Schwert stecken lassen und fragt ihn: „Oder glaubst du nicht, mein Vater würde mir sogleich mehr als zwölf Legionen Engel schicken, wenn ich ihn darum bitte?" (Mt 26, 53).

Diese drei Textstellen zeigen deutlich, dass die Zahl der Engel nicht bestimmbar ist. Sie gehen ins Unendliche. In der Offenbarung steht, dass die Zahl der Engel zehntausendmal zehntausend beträgt. Das Wort für zehntausend übersetzt man im Griechischen mit "muria", die Myriade. Dieses Wort bedeutet auch: eine nicht bestimmbare große Anzahl. Daraus ist zu schließen, dass die Anzahl der Engel unendlich groß ist. So groß, dass es nur für Gott möglich ist, sie zu zählen.

Und obwohl die Anzahl der Engel so groß ist, gibt es keinen Engel doppelt. Kein Engel gleicht dem anderen. Wie bei den Menschen jeder Mensch nur ein einziges Mal existiert, so ist es auch bei den Engeln.

9. Neun Chöre der Engel

Wie es bei den Menschen Unterschiede in der Hautfarbe gibt, so gibt es Unterschiede zwischen den Engeln. Die Engel werden neun Chören zugeteilt. Während alle Menschen gleichwertig sind, egal welche Hautfarbe sie haben, so gibt es bei den Engel Abstufungen.

Die Einteilung der Engel in neun Chöre geht auf Pseudo Dionysius Areopagit zurück. Pseudo Dionysius beruft sich dabei auf die Heilige Schrift. Auf verschiedene Schriftstellen baut er sein Gedankengebäude auf. So sieht er unter anderem im Kolosserbrief einen Hinweis auf verschiedene Chöre. Dort heißt es: „Denn in ihm wurde alles erschaffen im Himmel und auf Erden, das Sichtbare und das Unsichtbare, Throne und Herrschaften, Mächte und Gewalten; alles ist durch ihn und auf ihn hin geschaffen." (Kol 1, 16). Weitere Hinweise lassen sich in folgenden Stellen finden: Gen 3, 24; Jes 6, 2ff; Röm 8, 38f; Eph 1, 21; Eph 3, 10; 1 Thess 4, 16). So gibt es nach Pseudo Dionysius die Seraphim, Cherubim, Throne, Herrschaften, Gewalten, Fürsten, Mächte, Erzengel und Engel.

Thomas von Aquin (1225-1274) übernimmt diese Einteilung und gibt ihr folgendes Gesicht:

Die neun Chöre lassen sich in drei Hierarchien einteilen. In der ersten Hierarchie sind die Seraphim (höchste Engel), Cherubim und die Throne. Diesen kommt der Dienst am Throne Gottes zu. Die Seraphim sind der Widerschein höchster Gottesliebe und beten Gott ununterbrochen an. Die Cherubim bilden den Abglanz der göttlichen Weisheit. Die Throne sind ein Aufleuchten der göttlichen Majestät.

Der zweiten Hierarchie werden die Herrschaften, Gewalten und Fürsten zugeteilt. Diese drei Chöre bauen die Herrschaft Gottes im Universum auf. Thomas führt hier ein mittelalterliches Beispiel an, um deren Aufgabe zu verdeutlichen. Die Chöre der zweiten Hierarchie vergleicht er mit den Fürsten, die die Länder des Königs verwalten. Ebenso sind diese drei Chöre Verwalter (Fürsten) Gottes.

Der dritten Hierarchie werden die Mächte, Erzengel und Engel zugeordnet. Dieser Chor ist für den Dienst am Menschen zuständig. Die Engel sind unmittelbar mit unserer Obhut vertraut (vgl. Kap. 10. 1)

Diese Einteilung in neun Chöre ist keine Glaubenswahrheit. Sie ist eine theologische Meinung. Daher ist es nicht verwunderlich, dass zum Beispiel bei Hildegard von Bingen eine andere Einteilung zu finden ist. Auch sie geht von neun Chören und drei Gruppierungen aus. Sie teilt der ersten Gruppe nur zwei, der zweiten fünf und der dritten wieder zwei Chöre zu. Sie hat nicht ein Schema von 3*3, sondern von 2-5-2. Nach Hildegard bilden die äußeren Reihen eine Kranzform um den einen mittleren Fünfer-Kranz. Die zwei zweier Gruppen stehen zum einen im Dienst des Leibes und zum anderen der Seele. Die restlichen fünf Chöre stehen für die fünf Sinne. Somit stellt Hildegard nicht nur eine neue geistreiche Variante dar, sondern gibt der Engelwelt auch eine neue Ausrichtung und Sinngebung.

Während Pseudo Dionysius und Thomas von Aquin die Chöre der Engel in rationalen Exkursen ausmalen, so erscheint bei Hildegard in einem Augenblick das ganze Bild in lebendiger Fülle.

Der 10. Chor: Die abgefallenen Engel (Die Teufel)

Bei den abgefallenen Engeln handelt es sich um Engel, die meinten, sei könnten so sein wie Gott. Gott unterwarf die Engel einer sittlichen Prüfung. Die guten Engel gingen daraufhin in die Seligkeit des Himmels ein, sozusagen als Belohnung. Die bösen Engel verfielen der ewigen Verdammnis (vgl. 2 Petr, 2, 4).

Das 4. Laterankonzil (1215) lehrt, dass der Teufel und die anderen Dämonen von Gott ihrer Natur nach gut geschaffen, aber durch sich selbst böse wurden (vgl. DS 800).

Im ersten Johannesbrief steht über den Teufel geschrieben: „Wer die Sünde tut, stammt vom Teufel; denn der Teufel sündigt von Anfang an. Der Sohn Gottes aber ist erschienen, um die Werke des Teufels zu zerstören." (1 Joh 3, 8). Das Johannesevangelium berichtet, wen Jesus zu den falschen Kindern Abrahams zählt: „Ihr habt den Teufel zum Vater, und ihr wollt das tun, wonach es euren Vater verlangt. Er war ein Mörder von Anfang an. Und er steht nicht in der Wahrheit; denn es ist keine Wahrheit in ihm. Wenn er lügt, sagt er das, was aus ihm selbst kommt; denn er ist ein Lügner und ist der Vater der Lüge." (Joh 8, 44).

Der Teufel will so sein wie Gott. Er ist aber ein großer Lügner. Da der Teufel ist als abgefallener Engel ein Geschöpf Gottes, daher ist seine Macht begrenzt und nicht unendlich. Der Teufel möchte zwar den Aufbau des Reiches Gottes durch seine Lügen verhindern und sein Reich aufbauen. Doch damit wird er scheitern.

Gott lässt das Tun des Teufels zu. Die Frage, warum es Gott zulässt, ist ein großes Geheimnis. Dadurch dürfen wir uns nicht beunruhigen lassen. Denn so schreibt der Apostel Paulus an die Römer: „Wir wissen, dass Gott bei denen, die ihn lieben, alles zum Guten führt, bei denen, die nach seinem ewigen Plan berufen sind;" (Röm 8, 28).

Der hl. Bernhard von Clairveaux gibt einen guten Rat in dem Umgang mit dem Teufel. Er sagt: „Den Teufel über all zu sehen, ist ein Irrtum; Ihn nirgendwo zu sehen, ist noch ein größerer Fehler!"

Und über die Macht des Teufels über unsere Seele, äußert Pater Pio: „Bedenke, dass der Teufel nur eine Tür zum Eintritt in unserer Seele hat: den Willen. Geheime und verborgene Türen gibt es nicht."

10. Engel im Leben der Kirche

Wenn man sich die Liturgie der Kirche ansieht, kann man nicht umher, dass die Engel ihren festen Platz in der Liturgie haben. In der Liturgie vereint sich die Kirche mit den Engeln, um gemeinsam den dreimal heiligen Gott anzubeten. So vereint sich die Kirche nicht nur mit den Engeln, sondern sie bittet auch um ihren Beistand und feiert insbesondere das Gedächtnis gewisser Engel. Am 29. September feiert sie das Erzengelfest der drei Erzengel Michael, Gabriel und Raphael. Und drei Tage später feiert sie das Schutzengelfest (02. Oktober). Ferner kennt sie die Votivmesse „von den Engeln". Vor der Liturgiereform war der Dienstag für diese Votivmesse vorgesehen.

In der Volksfrömmigkeit wird der September auch als Engelmonat bezeichnet, in dem viel der Engel gedacht wird.

Schutzengel

Die Bibel offenbart uns, dass die Engel uns von der Kindheit bis zum Tod uns begleiten. Im Matthäusevangelium sagt Jesus: „Hütet euch davor, einen von diesen Kleinen zu verachten! Denn ich sage euch: Ihre Engel im Himmel sehen stets das Angesicht meines himmlischen Vaters." (Mt 18, 10). Und im Lukasevangelium sagt Jesus im Gleichnis vom Reichen und Lazarus: „Als nun der Arme starb, wurde er von den Engeln in Abrahams Schoß getragen. Auch der Reiche starb und wurde begraben." (Lk 16, 22). Und wie in Psalm 91 bezeugt wird, tragen uns die Engel auf ihren Händen: „Denn er befiehlt seinen Engeln, dich zu behüten auf all deinen Wegen. Sie tragen dich auf ihren Händen, damit dein Fuß nicht an einen Stein stößt;" (Ps 91, 11f.). Die Engel begleiten uns nicht nur auf unserem Lebensweg, sondern sie sind auch unsere Fürsprecher, wie Ijob bezeugt: „Wenn dann ein Engel ihm zur Seite steht, ein Mittler, einer von den Tausenden, dem Menschen zu verkünden, was recht ist, wenn dieser sich erbarmt und spricht: Erlös ihn, dass er nicht ins Grab absteige, Lösegeld hab' ich für ihn gefunden!" (Ijob 33, 23f.). So konnte der hl. Basilius der Große (331-379) die Aussage prägen: „Einen jeden Gläubigen steht ein Engel als Beschützer und Hirte zur Seite, um ihn zum Leben zu führen."

Papst Pius IX. erzählte mit Vorliebe ein Erlebnis aus seiner Jugendzeit, in der er selbst die Hilfe seines Schutzengels erfahren durfte. Bei der täglichen heiligen Messe, der er als Messdiener beiwohnte, geschah folgendes: Während des Hochgebetes kniete er auf der untersten Stufe vor dem Altar, als ihm Angst und Bange wurde. In seiner Angst schaute er Hilfe suchend zur anderen Altarseite. Dort stand ein Jüngling und winkte ihm heftig zu, er solle zu ihm herüberkommen. Erst wagte er nicht, zu diesem Jüngling zu eilen. Doch als dieser immer heftiger winkte, sprang er auf und eilte hinüber. In dem selben Augenblick verschwand die Erscheinung und eine schwere Heiligenfigur stürzte vom Altar herab; geradewegs auf den Platz, wo er gekniet hatte (nach A.M. Weigl: Schutzengelgeschichten heute).

Der Wunsch des Schutzengels uns zu beschützen ist sehr groß. Don Bosco schreibt über diesen Wunsch des Engels: „Der Wunsch unseres Schutzengels, uns zu helfen, ist weit größer als der, den wir haben, uns von ihm helfen zu lassen." Aber wer lässt sich gerne helfen. Sich helfen zu lassen, bedeutet, Schwachheit einzugestehen. Und zu zugeben, dass man doch nicht so stark ist, wie man meint, bedarf schon einer gesunden Portion Demut.

So sollten wir den Schutzengel und die anderen Engel um ihren Beistand bitten, wenn wir unser Gebet beginnen, beim Autofahren, im Straßenverkehr, in der Schule; im Grunde in allen Bereichen menschlichen Lebens. So ist es hilfreich, in schweren Gesprächen oder Situationen den Schutzengels unseres Gesprächspartners anzurufen.

Wenn wir die Engel um ihren Beistand bitten, bedeutet dass nicht, dass wir unsere Freiheit verlieren. Die Engel haben die Möglichkeit, über unser Gewissen zu uns zu sprechen. Sie können aber niemals soviel Einfluss auf uns gewinnen, dass wir nicht mehr frei entscheiden können. Wie Gott respektieren sie unsere freie Entscheidung.

11. Unterschied Engel - Mensch

Der Unterschied zwischen Engel und Mensch ist durch die Schöpfungsordnung vorgegeben. Während der Mensch an der Spitze der sichtbaren Schöpfung steht, befinden sich die Engel auf einer höheren Stufe als die Menschen.

Gott hat den Engel die Gnade der unmittelbaren Gottesschau geschenkt, wie Jesus bezeugt: „Hütet euch davor, einen von diesen Kleinen zu verachten! Denn ich sage euch: Ihre Engel im Himmel sehen stets das Angesicht meines himmlischen Vaters." (Mt 18, 10). Der Mensch wird erst nach seinem Tode dieser Gnade teilhaftig (Nach entsprechendem Leben!).

Petrus äußert in seinem zweiten Brief, als er den Weg der Irrlehrer beschreibt, über das Verhältnis von Mensch und Engel. Er schreibt: „Diese frechen und anmaßenden Menschen schrecken nicht davor zurück, die überirdischen Mächte zu lästern, während die Engel, die ihnen an Stärke und Macht überlegen sind, beim Herrn nicht über sie urteilen und lästern." (2 Petr 2, 10bf.). Die Engel sind also den Menschen an Stärke und Macht überlegen.

Wie schon gesagt (vgl. Kap. 7), besitzt der Engel keine Stofflichkeit. Der Engel ist immateriell. Von daher hat der Engel keinen Zugang zu der Sinnlichkeit. Diese wiederum ist dem Menschen gegeben, da er materiell ist. Der Mensch besteht aus Stofflichkeit. So lässt sich sagen, dass der Engel nur Erkenntnis besitzt. Der Mensch, aufgrund seiner Schöpfung, hat sowohl Erkenntnis (wenn auch nicht so klar wie der Engel) als auch Sinnlichkeit (aufgrund unserer Körperlichkeit).

 

Maria Königin der Engel

Maria hat im Erlösungsplan Gottes eine bedeutende Rolle. Sie ist die Immaculata, die Mutter und Gefährtin Christi und die Königin des Himmels und der Erde.

Ihre besondere Stellung im Erlösungsplan Gottes zeigt sich auch darin, dass die Engel seit der Krönung Mariens auf sie, die Königin, hingeordnet sind, der reine Engelgeist auf den reinsten Menschengeist.

Diese Krönung zeigt, wie überaus groß der Glaubensgehorsam Mariens war. Ihr Glaubensgehorsam war so groß, dass Gott sie über die Engel erhoben hat, die der Schöpfungsordnung nach über Maria gestanden haben.

Durch ihr „fiat" hat Maria ja zum Erlösungsplan Gottes gesagt. Dieses kleine Wort „fiat" hat eine solche Wirkung, dass sogar die Schöpfungsordnung in gewisser Hinsicht außer Kraft gesetzt wird, indem Maria, eine Frau, zur Königin des Himmels und Erde erhoben wird.

Zu dem Königtum Mariens sei noch erwähnt, dass die Königsherrschaft Mariens keine eigenständige ist. Die Königsherrschaft Mariens ist auf das Königtum Christi hingeordnet. Maria hat durch ihre Gottesmutterschaft und ihrer innigen Verbundenheit mit Christus im Erlösungswerk Anteil an der Königsherrschaft Christi. Sie nimmt in analoger Weise an der königlichen Würde ihres Sohnes Teil.

12. Schluss
Zum Schluss eine Zwiesprache mit dem heiligen Engel
Der Mensch: „Du, der du mir zur Hilfe gegeben bist, sag, warum habe ich keinen Kontakt mit Gott! Ich tue doch recht oder bemühe mich zumindest, recht zu tun."
Der Engel: „Kontakt nennst du, wenn Gott antwortet, sobald du rufst. Wie oft gibst du Antwort, wenn Gott dich ruft – zum Verzeihen, zum Gut- und Mildedenken über andere, zum Opferbringen, zur Nächstenliebe, zur Selbstverleugnung, zum Gehorsam zum Verzicht? Sollte es denn nicht eher so sein, dass du das Echo Gottes werdest, als dass Gott dein Echo sei?"
Der Mensch: „Du hast recht, darüber habe ich eigentlich noch nicht nachgedacht. Aber warum kommt mir denn der Heilige Geist nicht zu Hilfe?"
Der Engel: „Du hast die beistehende Gnade. Wenn du auf diese nicht hörst, wirst du auch auf den Heiligen Geist nicht hören. Du hast mich immer an der Seite. Würdest du dich bemühen, auf meinen Rat zu hören, wäre dir längst schon mehr Hilfe geworden."
Der Mensch: „Aber warum werde ich nicht selbst und alleine Herr meiner Hemmungen und Fehler und Schwächen, von denen du sagst, dass sie mich hindern an einer tieferen, innigeren Beziehung zu Gott?"
Der Engel: „Weil du nur auf dich und auf das hörst, was dir passt, und nicht auf den Ruf der Gnade. Ohne die Gnade und Hilfe Gottes kommst du aus eigener Kraft nicht weiter, bleibt dein Auge stumpf, dein Herz kalt, dein Schritt lahm, dein Wille schwach. Kostet dich denn das Annehmen der Gnade Gottes zu viel an Demut und Willenszucht?"
Der Mensch: „Ich dachte immer, ich sei schon demütig genug. Werde ich denn nicht immer wieder von meiner Umgebung gedemütigt? Und kann es einen nicht wirklich ärgern und mutlos machen, wenn man nicht weiterkommt? Warum geht es bei den anderen leichter? Da strahlen ja manche direkt aus den Augen, haben nie ein Wort der Klage und scheinen ein ausgefülltes Leben zu haben. Warum ist mein Leben so sinnlos, so unausgefüllt?"
Der Engel: „Du hast dir selbst dein Urteil gesprochen. Wenn du dich für demütig genug hältst, bist du auch hochmütig genug, die angebotenen Gnaden zu übersehen und für zu wenig zu achten. So bekommst du weniger oder nichts. Da ist wohl Grund zum Ärger, aber auf dich selber. Immer wird der Letzte, der sich gering achtet, der Erste vor Gott sein, wer sich aber für wichtig erachtet, ist unwichtig vor Gott; so kann dein Leben wirklich seinen Ewigkeitssinn verlieren, wenn das Wohl und Wehe deines Ichs das Leitmotiv deiner Gedanken, Worte und Werke bleibt, du armer, törichter Mensch! Gott muss den Thron der Liebe in deinem Herzen einnehmen, dann wirst auch du strahlen, dann wird auch dein Leben ausgefüllt sein."
Der Mensch: „Hilf mir doch, guter Engel! Warum spüre ich dich nicht? Warum Fühle ich von dir so wenig? Ich möchte ja, aber ich bin nun einmal so, ich kann nicht aus meiner haut heraus!"
Der Engel: „Und doch wirst du dich ändern müssen. Was du deine Haut nennst, ist nur Bequemlichkeit, Feigheit, Unvollendetheit. Es kommt nicht auf das Gefühl an, sondern auf die gläubige Gewissheit, dass Gott über dir ist als dein bester Freund und Helfer, dass ich, von ihm bestellt, immer bei dir bin, um dir beizustehen, wenn du nur tun willst, was Gott von dir verlangt und dir zum heile ist. Lass Gott an dir arbeiten und tue mit an deiner eigenen Wandlung! Streife diese alte, welke Haut von dir ab und ziehe an das neue, durch des Herrn Blut gereinigte Kleid der Gnade für deine Seele, selbst wenn es durch Prüfungen und Kreuz geht! Aber dann wirst du froh und glücklich werden, dann wird dein Lohn ausgefüllt und licht sein. Wag´s! Komm mit mir!" (Zwiesprache aus: P. Palmatius Zilligen SS.CC., Mit Engeln durchs Leben, St. Raphael-Verlag)
Bemerkungen, Fragen oder Kritik? Schreib mir! (Robert Schmäing)