Ich unterrichte an einer Realschule und einem Gymnasium katholische Religion
- und freue mich immer darüber, mit den Schülern in lebhafte Diskussion
zu geraten. Viele dieser Diskussionen waren für mich Anlass, an den Katechesen
dieser Site Änderungen vorzunehmen oder ganz neue Katechese zu verfassen.
Nun dürfte es keine Neuigkeit sein, dass eine ganz große Schwierigkeit
der Schüler (und wahrscheinlich auch der ganzen Bevölkerung) im
Zusammenhang mit der Bibel und Glauben die Frage nach Schöpfung und Schöpfer
ist. «Die Bibel ist doch längst widerlegt!» heißt es.
Wodurch widerlegt? Na, durch die moderne Naturwissenschaft: «Es ist
doch inzwischen erwiesen, dass es einen Urknall gab - und keine Erschaffung
der Welt in sieben Tage. Außerdem ist der Mensch nicht von Gott erschaffen
worden, sondern durch Evolution entstanden.»
Nebenbei: Das ist nicht unbedingt eine Widerlegung der Bibel - allerhöchsten
des ersten (und zweiten) Kapitels. Mir scheint solche Kritik oft aus den Reihen
derjenigen zu kommen, die vom Glauben der katholischen Kirche nicht mehr viel
wissen. Für solche «Stehplatz-Christen» besteht offensichtlich
die ganze Verkündigung der Evangelien nur in der Aussage: «Gott
hat die Menschen erschaffen» mit dem Zusatz: «Und zwar in sieben
Tagen». Für einen solche Überrest des Glaubens ist es natürlich
fatal, wenn die Wissenschaft das widerlegen würde. Das wäre ein
Grund, den Glauben an den Nagel zu hängen.
Aber die Bibel hat noch weitaus mehr zu berichten als nur die Erschaffung
der Welt; und vor allem das Neue Testament mit den Evangelien interessiert
sich weniger für die Entstehung von Himmel und Erde, als vielmehr für
deren Zukunft.
Aber ich gebe zu: Wer die Bibel unvoreingenommen (d.h. ohne einen vorhandenen
Glauben) liest - und bereits auf den ersten zwei Seiten auf überholte
und widerlegte Aussagen stößt -, der wird die restlichen 1.000
Seiten auch nicht sonderlich glaubwürdig finden. Da legen viele die Bibel
schnell zu den anderen Märchenbüchern, und mit der Bibel legen sie
den Glauben und oft auch Gott beiseite...
Ich habe mich trotzdem lange geweigert, darüber etwas auf diese Homepage
zu setzen; denn eigentlich dient dieser Bereich unserer Site dazu, die kirchliche
Lehre zu vermitteln. Es gibt aber keine dezidierte (ausdrückliche)
kirchliche Lehre über die Entstehung der Welt.
Dass Du hier diesen Text liest, zeigt, dass ich nun doch etwas dazu geschrieben
habe (aber nicht, weil es inzwischen doch eine kirchliche Lehraussage dazu
gibt). Dabei möchte ich keine eigene Theorie aufstellen, wie es denn
nun gewesen sei (das ist Aufgabe der Naturwissenschaftler), sondern ein wenig
Ordnung in den Dschungel der Argumente bringen.
Diese Katechese will keine eigene Lehre zur Entstehung der Welt oder des
Lebens aufstellen, sondern nur ein wenig Überblick über die heutige
Diskussion geben und ein wenig Ordnung schaffen. Ordnung - das heißt,
dass wir Argumente, Begriffe und Positionen abgrenzen und Linien, Zusammenhänge
und evtentuelle Denkfehler aufzeigen. (Deshalb beginnen die Argumentationen
im Mittelalter fast immer mit «distinguendam esse»: «Wir
müssen unterscheiden...»). Wir unterscheiden also:
1. Wir unterscheiden: Die Gegner einer
kosmischen und irdischen Evolution
Es ist ein beliebter Trick - oder vielleicht auch nur ein unbeabsichtigter
Denkfehler - in harten Diskussionen: Ich beschreibe eine ziemlich dümmliche
Gegenposition (einen «Pappkameraden») zu meiner Theorie, stampfe
sie mit einigen wenigen treffenden Argumenten in den Boden - und stehe als
strahlender Sieger da. Sollte noch einer versuchen, mich zu kritisieren, frage
ich leicht mitleidig: Sind sie etwa der gleichen hoffnungslosen Meinung wie
der «Pappkamerad»?
Das ist ein Trick - ein Denkfehler. Denn nur, weil ich einen Kritiker
widerlegt habe, ist noch nicht gesagt, dass es nun überhaupt keinen
Grund zur Kritik mehr gibt. Denn: Kritik ist nicht gleich Kritik - es gibt
gute und schlechte Kritiker. Und das gilt auch für die Kritik an der
Evolutionstheorie.
Immer wieder behaupten Vertreter der Evolutionstheorie: «Du bist gegen
die Evolutionstheorie? Willst Du etwa behaupten, die Welt sei in 6 Tagen erschaffen
und die Dinosaurier seien ausgestorben, weil sie bis zur Sintflut noch nicht
schwimmen gelernt hatten?» - und haben nicht nur die Lacher auf ihrer
Seite, sondern auch alle Kritiker ausgeschaltet. Dabei unterstellen sie, dass
alle Kritiker biblische Fundamentalisten seien. Aber das stimmt so nicht:
Es gibt neben dem extremen Fundamentalisten noch zahleiche andere kritische
Haltungen.
Deshalb wollen wir zunächst die verschiedenen Kritiker an der Urknall-
und Evolutionstheorie ein wenig näher beleuchten.
Da gibt es zunächst die...
A. Kurzzeit-Kreationisten
Kreationisten (creatio, lat. = Schöpfung) vertreten die genau Gegenposition
zur Evolutionstheorie und halten sich exakt an den biblischen Ablauf: Alles
ist von Gott direkt erschaffen. Für die «Kurzzeit-Kreationisten»,
die an einer Erschaffung der Welt und des Lebens innerhalb der biblischen
sechs Tage glauben, fehlt für eine Entwicklung des Kosmos oder des Lebens
schlicht die notwendige Zeit - die Welt ist insgesamt nicht älter als
ungefähr 7500 Jahre. Das Gegenargument: «Aber die Welt ist doch
viel älter, es gibt doch Fossilien und uralte Sterne!» wird oft
mit einer kurzen Antwort entkräftet: «Als Gott Adam erschaffen
hat, war dieser auch kein Baby mehr. Er wurde bereits mit einem Alter von
vielleicht 30 Jahren erschaffen. Das gleiche hat Gott auch mit dem Kosmos
getan: Obwohl keine 10.000 Jahre alt, sieht er aus wie ein Milliarden Jahre
alter Weltraum. Und das Licht der Milliarden Lichtjahre entfernten Sterne
ist auch miterschaffen worden, so dass es augenblicklich auf die Erde fiel.»
Diese Position lässt sich kaum widerlegen. Durch das letzte Argument
hat sie sich "immunisiert" - sämtliche Erkenntnisse der Naturwissenschaft
werden bedeutungslos, ja, jede Forschung verliert überhaupt ihren Sinn:
Die Kurzzeit-Kreationisten wissen es einfach besser.
Aber nicht alle Kurzzeit-Kreationisten haben sich immunisiert. Manche glauben
wirklich daran, dass sich ihre Position naturwissenschaftlich beweisen lässt
- wenn die Naturwissenschaftler nur ehrlich wären. Aber das sind sie
in den Augen der Kurzzeit-Kreationisten nicht: Um den Biologen die Evolutionstheorie
nicht zu zerstören, erfinden die Physiker und Kosmologen Modellannahmen,
die ein hohes Welt-Alter zulassen - obwohl angeblich klar ist, dass alle physikalischen
Erkenntnisse ein Alter des Universums von unter 10.000 Jahren nahelegen.
Ich denke, diese beiden Positionen brauchen wir nicht ausführlich zu
diskutieren: Gegen die Immunisierung lässt sich nichts machen - wie schon
das Wort "Immunisierung" nahelegt. Außerdem deckt sie sich
ganz und gar nicht mit der katholischen, positiven Sicht der Schöpfung:
Gott täuscht nicht; vielmehr hat er uns die Möglichkeit der (wissenschaftlichen)
Erkenntnis gegeben, die der Offenbarung nicht widerspricht. Die Kurzzeit-Kreationisten
haben außerdem ein seltsames Gottesbild: Gott ist nicht ehrlich; er
erschafft - wie Werner Gitt z. B. annimmt - das Licht der Sterne, das eigentlich
Millionen oder sogar Milliarden Jahre bis zur Erde bräuchte - und damit
spielt Gott uns kosmische Ereignisse vor, die niemals stattgefunden haben
(Super-Novae z.B., oder Fusionen von Galaxien). Dieser Gott der biblischen
Kurzzeit-Kreationisten lenkt uns dadurch bewusst in die Irre; er ist nicht
viel mehr als ein Schmierenkomödiant.
An dieser Stelle meiner Ausführungen bekomme ich oft und gerne
Kritik von Kurzzeit-Kreationisten, die mir vorwerfen, ich würde ihre
Position falsch darstellen und lächerlich machen. Aber, erstens:
Was ist das für ein Gott, der uns durch die Bibel auffordert, an eine
6-Tage-Schöpfung zu glauben und gleichzeitig alles tut - von kosmischen
Ereignissen, über Fossilienfunde bis hin zu geologischen Voraussetzungen
- um uns auf die angeblich falsche Spur eines hohen Weltalters zu locken?
Und zweitens: Einmal angenommen, es gäbe wirklich sehr triftige
wissenschaftliche Gründe, anzunehmen, die Erde sei jung - dann ist das
eben eine naturwissenschaftliche Frage, die geklärt werden muss; aber
eben keine theologische. Es ist nicht Aufgabe von Kirche und Religion, für
bestimmte naturwissenschaftliche Theorien einzutreten.
Auch gegen die zweite Position, die von einer allgemeinen Verschwörung
der Naturwissenschaftler (wider besseren Wissens) ausgeht, lässt sich
kaum diskutieren: Wie bei allen Verschwörungstheorien gibt es ein paar
Argumente für diese Position (immerhin!). Sind diese aber ausgespielt,
so wird der "Gegner" mit der Alternative konfrontiert: Entweder
Du glaubst mir - oder Du bist auch ein Teil der Verschwörung.
Auch wenn der Glaube an die Kurz-Zeit-Schöpfung (hauptsächlich
im evangelikalen und amerikanischen Raum und vor allem bei den Zeugen Jehovas)
weit verbreitet ist, deckt sich diese Position nicht mit der Haltung der katholischen
Kirche. Es gibt zwar keine lehramtliche Verurteilung des Kurz-Zeit-Kreationismus
(wie gesagt, die Kirche überlässt die naturwissenschaftlichen Klärungen
den dafür zuständigen Forschern und Denkern). Aber die Behauptung,
der zeitliche Rahmen des Schöpfungsberichtes in der Bibel sei «Dogma»
und viel höher anzusetzen, als die naturwissenschaftlichen Erkenntnisse,
ist in der katholischen Lehre nicht zulässig. Was verbindliche Lehre
ist, legt die Kirche fest - und nicht vereinzelte Theologen (das Primat des
Papstes hat somit einen friedensstiftenden Aspekt: In der katholischen Kirche
ist nur einer unfehlbar - im Gegensatz z.B. zu deutschen Stammtischen).
Mit anderen Worten: Der Kurz-Zeit-Kreationismus passt eigentlich nicht zum
katholischen Glauben.
Kurzzeit-Kreationisten glauben an eine Erschaffung der Welt
innerhalb kürzester Zeit - zum Beispiel innerhalb der biblischen 6 Tage.
Das alles ist auch noch keine Millionen Jahre her: Die Kurzzeit-Kreationisten
gehen meist von einem Weltalter zwischen 7.000 und 10.000 Jahren aus. Daher
der Name: Kurz-Zeit - Kreationisten.
Daneben gibt es aber die gemäßigteren
B. Langzeit-Kreationisten
Wie die o.g. Kreationisten vertreten auch diese Kritiker die Ansicht, alles,
was ist, von Gott direkt erschaffen wurde. Allerdings beharren sie nicht auf
die biblischen Zeitangaben. Für sie sind die heutigen Abschätzungen
der kosmischen und irdischen Zeiträume durchaus akzeptabel. Außerdem
akzeptieren viele der Langzeit-Kreationisten eine sog. Mikroevolution (eine
Entwicklung und Veränderung innerhalb bestimmter Artgrenzen). Innerhalb
der Jahrmilliarden, in denen unsere Welt existiert, hat der Schöpfer
allerdings immer wieder Neuschöpfungen ins Dasein gerufen, entweder zusätzlich
zu den bis dahin existierenden Lebewesen - oder an deren Stelle (z.B. nach
dem Aussterben der Dinosaurier). Die Langzeit-Kreationisten lehnen eine Makro-Evolution
ab (also die Entwicklung von Lebewesen über die Artgrenzen hinweg: Eine
Art entwickelt zu sich zu einer oder mehreren anderen Arten).
Der Langzeit-Kreationismus geht zum größten Teil davon aus, dass
die Entwicklung des Kosmos nach dessen Erschaffung rein naturwissenschaftlich
erklärbar ist, spätestens aber mit der Entstehung des Lebens (der
Urzelle) Gott erneut schöpferisch tätig wurde.
Langzeit-Kreationisten glauben an eine Erschaffung der Welt
- aber in langen Zeiträumen. Sie stimmen in weiten Teilen mit den Erkenntnissen
der Naturwissenschaften überein, lehnen aber die Entwicklung des Lebens
und die Entfaltung der Arten durch rein natürliche Mechanismen ab. Langzeit-Kreationisten
gibt es in vielen verschiedenen Varianten.
Dann gibt es noch die...
C. Theistische Evolution - oder gottgelenkte
Evolution
Die Theistische Evolution geht davon aus, dass der Schöpfer sich der
Evolution bedient, um die Vielfalt des Lebens zu erschaffen. Während
die Naturwissenschaften den «Zufall» in ihre Berechnungen einführen,
sehen die Theistischen Evolutionisten darin das «Wirken Gottes».
Im Konkreten ist aber diese Position kaum von der atheistischen Evolutionstheorie
zu unterscheiden. Für die Kritiker der Evolution, die sich vor allem
an bestimmen, äußerst unwahrscheinlichen Prozessen reiben (zum
Beispiel der Entstehung von enzymatischen Polypeptiden in der Ursuppe), hat
der theistische Evolutionist eine einfache Erklärung parat: Ohne den
Schöpfer wären es wirklich so gut wie unmöglich - aber mit
Gott als intelligentes Prinzip: Kein Problem. Das gleiche gilt auch für
(gleichzeitige mehrfach-) Mutationen, die überraschende Selektionsvorteile
bringen und ebenfalls äußerst unwahrscheinlich sind- vor allem
in der Häufigkeit, in der sie in der Evolution des Lebendigen aufgetreten
sind. Mit Gott aber, der die Mutation sozusagen "eigenhändig"
vornimmt, ist eine solche unvorstellbare Mutationen-Kombination keineswegs
abwegig.
Theistische Evolutionisten stimmen allen Erkenntnissen der
Naturwissenschaften grundsätzlich zu, setzen aber anstelle des "Zufalls"
das Wirken Gottes. Die Entfaltung des Lebens in verschiedene Arten hat sich
durch (von Gott gesteuerte) Entwicklung und nicht durch Neuschöpfungen
vollzogen.
D. Intelligent Design
Die in Amerika weit verbreitete Theorie des "Intelligent Design"
(ID) ist eigentlich keine eigene kreationistische Theorie - eher ein Theorie-Bündel
mit einer gemeinsamen Ausgangsthese: Die ID-Vertreter stellen lediglich fest,
dass vor allem die komplexen Strukturen (wie z.B. spezielle Organe, Regelkreise,
Verhaltensweisen oder Symbiosen - beispielsweise beim Lippenblüter oder
Bombardier-Käfer) nicht durch zufällige Mutationen und Selektionen
erklärt werden können, sondern einen intelligenten Designer (also
einen Schöpfer) voraussetzen. Die Argumente der ID-Wissenschaftler sind
unterschiedlicher Qualität - und sie kommen aus unterschiedlichen Richtungen.
So finden sich im "Lager" der "Intelligent-Designer" sowohl
Kreationisten, Jehovas Zeugen als auch katholische und evangelische Christen.
Letztlich bleibt beim Intelligent Design offen, welche Alternative (vom Kurzzeit-Kreationismus
bis zur theistischen Evolution) bevorzugt wird. Einig ist die ID-Szene sich
lediglich in dem Erweis, dass die evolutionistische Behauptung, alles habe
ich "von alleine" entwickelt, unhaltbar ist. Die Argumente dafür
sind allerdings sehr beeindruckend. Ob sie allerdings naturwissenschaftlich
haltbar sind, ist mehr als unsicher.
Intelligent Design versteht sich als naturwissenschaftliche
Alternative zur Evolutionstheorie. Wie es sich für eine vernünftige
naturwissenschaftliche Theorie gehört, sollte die ID-Theorie nur Aussagen
über wissenschaftliche Erfassbares machen: Ob die Behauptung, dass vieles
in der Natur nicht mit den Methoden der Naturwissenschaft allein erklärbar
ist, dazu gehört, ist strittig. Vor allem über die Frage, wie solche
Phänomene tatsächlich erklärt werden soll, sollte sich die
ID-Theorie ausschweigen (wie es ebenfalls zur Selbstbegrenzung einer naturwissenschaftlichen
Theorie gehört).
Wir fassen zusammen
Innerhalb und zwischen diesen drei Hauptströmungen gibt es zahlreiche
"Varianten" und Kombinationen. Die Kritik am Evolutionismus ist
also nicht einheitlich. Nur, weil der Kurzzeit-Kreationismus schnell widerlegt
ist und zudem ziemlich unwissenschaftlich daherkommt, hat der Evolutionist
noch nichts zu den zahlreichen anderen Varianten gesagt. Um für die Neugierigen
und Ungeduldigen (von denen es im Internet ja mehrere geben soll) das Ergebnis
schon einmal vorwegzunehmen: Abgesehen vom Kurzzeit-Kreationismus kann jeder
Katholik jede Zwischenposition von B. bis C. einnehmen - und befindet sich
immer noch auf gut christlichem Boden. Leider ist der strenge Evolutionismus
(und somit auch spezielle Varianten der Position C, wie z.B. die von Teilhard
de Chardin) nicht vereinbar mit dem katholischen Glauben. - Ja, warum denn
nicht? Bevor wir auf diese Frage zu sprechen kommen, schauen wir erst einmal
auf die Argumentationen. «Distinguendam esse...»
2. Wir unterscheiden außerdem:
Die Argumentation
A. Biblische Argumentation
Am ehesten im Kurzzeit-Kreationismus vertreten ist die einfache Argumentation:
«Aber in der Bibel steht es anders!» Da die Bibel unfehlbar und
der Leser der Bibel grundsätzlich besser informiert ist, lohnt sich eine
Diskussion eigentlich nicht. Dennoch ist der biblisch Argumentierende bemüht,
auch naturwissenschaftliche «Beweise» anzubringen, dass die Welt
so entstanden ist, wie es in der Genesis steht. Fällt allerdings das
naturwissenschaftliche Argument in sich zusammen, so ist der biblische Argumentator
nicht traurig: Er hat ja trotzdem recht, weil es doch in der Bibel so steht.
B. Immunisierung durch vollständige
Disjunktion
Aus der Tatsache, dass die Aussageabsicht des Schöpfungsberichtes keine
naturwissenschaftliche ist, sondern eine religiöse, schließen viele
Theologen, dass es auch keinen Widerspruch geben kann, weil beide (Theologie
und Naturwissenschaft) etwas komplett anderes sagen wollen. «Ein Text,
der die Welt beschreibt, was sie ist, kann nicht im Widerspruch stehen zu
einer Wissenschaft, die erkennt, wie sie ist.»
Nun, daran ist schon etwas Richtiges: Wir sollten schon unterscheiden, ob
vor uns ein lyrisches Gedicht über eine Rose liegt, oder ein biologischer
Text. Im Gedicht darf die Rose als "Königin" bezeichnet werden,
vielleicht sogar als "unsterblich". Für die Biologie machen
diese Aussagen keinen Sinn: Sie sind schlichtweg falsch. Aber bedenken wir
die Aussageabsicht und Methode des Textes, klärt sich der Widerspruch
als Missverständnis auf.
Aber auf der anderen Seite kann man Theologie und Naturwissenschaft eben
nicht gegeneinander immunisieren: Denn das würde bedeuten, dass die Naturwissenschaft
unabhängig von der Theologie alles mögliche entdecken kann und die
Theologie dazu nur die Achseln zuckt - und umgekehrt die Theologie sich einen
Dreck um die Erkenntnisse der Naturwissenschaft kümmern braucht, weil
sie ja doch einen anderen Blickwinkel hat. Ein berühmter deutsche Theologe
hat diese gegenseitige "Nicht-Einmischung" folgendermaßen
umschrieben: «Theologie und Naturwissenschaft können grundsätzlich
nicht in einen Widerspruch untereinander geraten, weil beide sich von vornherein
in ihrem Gegenstandsbereich und ihrer Methode unterscheiden.» (Karl
Rahner)
Eine solche vollständige Disjunktion der Methoden übersieht, dass
beide (Theologie und Naturwissenschaft) eben doch die gleiche Wirklichkeit
beschreiben. (Im Rosen-Gedicht-Beispiel gilt ja auch: Ein Gedicht, das von
der Rose als "Pflanze der Wüste" spricht - oder von "der
Königin, die nur des nächtens blüht" - oder "der
ersten Botin des Frühlings, schon blühend in des Eises Winter"
redet, erzählt Unsinn. Wenn das Gedicht über die Rose sämtliche
Erkenntnisse der Rosen-Biologie ignoriert, dann stimmt entweder mit dem Gedicht
oder mit der Biologie etwas nicht!)
Dieser Trick der Theologen (Immunisierung durch vollständige Disjunktion
der Methoden) ist letztlich ein Ausweichmanöver, das unsere Wirklichkeit
halbiert: Dort die Natur, hier die Religion... Dabei ist Gott doch Mensch
geworden und hat unsere Natur angenommen: Deshalb ist es nicht «katholisch»,
die beiden Bereiche so radikal zu trennen.
C. Naturwissenschaftliche Argumentation
Und schließlich gibt es das naturwissenschaftliche Argument. Gerade
dieses Argument, das eigentlich als eindeutig und klärend eingeschätzt
wird, macht die ganze Auseinandersetzung um pro oder contra «Evolution»
so unübersichtlich. («Fehlenden Übergänge - Missing Links»;
«Kosmische Singularität»; «Die Nicht-Universalität
des genetischen Codes»; «Fehlende Materie»; «Synthese
der Amonisäuren - Polykondensation»; «gebremste Expansion»;
«Beobachtbarkeit der Makroevolution» - «Einordung des Archaeopteryx»
- «Mosaikformen» - «Rudimentäre Organe?» usw.
usf. ...).
Es fällt einem Laien (wie auch einem Fach-Biologen und Fach-Physiker)
zunehmend schwerer (oder ist sogar unmöglich), den Überblick über
die weit gefächerten Fachgebiete zu behalten, die mit der Evolutionstheorie
in Berührung kommen. Viele naturwissenschaftliche Argumente gegen die
Evolution klingen einleuchtend und sind trotzdem schnell widerlegt; andere
Einwände sind schwer zu verstehen und genauso schwer zu bewerten. (Ist
z.B. die ganze Evolutionstheorie hinfällig, weil eine wichtige Teil-Theorie
widerlegt wurde?)
Naturwissenschaftlich argumentieren vor allem die Vertreter des "Intelligent
Design" - und ich gebe zu, dass zahlreiche Beispiele, Anfragen und Argumente
der ID-Vertreter die Evolutionisten in arge Bedrängnis bringen. Allein
ein kurzer Blick auf die Wunder des Lebendigen lassen auch ohne großes
biologisches "Know-How" Zweifel an der Alleinherrschaft der Evolutionisten
aufkeimen. Wer daran Interesse hat, sei auf folgende, naturwissenschaftlich
fundierte Werke hingewiesen:
Vollmert, Bernhard: Das Molekül und das Leben, 1986
Kuhn, Wolfgang: Alles nur Zufall?, 1994
Leider werden oft genug naturwissenschaftliche Argumente pro und contra Evolutionismus
nicht allein naturwissenschaftlich untersucht - sondern gerne als "kreationistisch"
oder "evolutionistisch" klassifiziert - und abgewertet. Auch, wenn
sich in der Intelligent-Design-Theorie neben guten Argumenten auch viel Spreu
befindet, sollten beide Seiten sich zu einer echten wissenschaftlichen Diskussion
bereitfinden.
D. Philosophische Argumentation
Das philosophische Argument, das von außen an die Naturwissenschaft
herangetragen wird, ist schon etwas gewichtiger. Da werden zum Beispiel die
Fragen nach dem Verständnis von Gut und Böse aufgeworfen: «Wenn
sich die Arten nur entwickelt haben, weil es Aggression, Konkurrenz und Tod
zwischen den Lebewesen gab, dann ist Aggression und Tod doch etwas Gutes -
oder?» Ebenfalls werden die philosophischen und anthropologischen Konsequenzen
(«Was ist der Mensch?») der Evolutionstheorie aufgezeigt und bedacht.
Unter Umständen kommt die Philosophie zu dem Schluss: «Das kann
nicht sein, was die Naturwissenschaft dort behauptet!» Allerdings darf
die Philosophie die naturwissenschaftlichen Erkenntnisse nicht einfach leugnen:
Beide müssen nach einer Lösung suchen, die den unterschiedlichen
Erkenntnissen aus den beiden unterschiedlichen Wissensgebieten genügt
(wie auch Naturwissenschaftler sich einigen müssen, wenn sie zu widersprüchlichen
Ergebnissen kommen). Die Naturwissenschaftler müssen überlegen,
ob die Ergebnisse nicht auf falschen oder ungesicherten Annahmen beruhen -
ob sie vielleicht selbst philosophisch falsche oder zumindest unbewiesenen
Annahmen in die Naturwissenschaft getragen haben. Und die Philosophen müssen
sich prüfen, ob wiederum ihre Überlegungen auf begründeten
oder gesicherten Erkenntnissen aufbaut.
Wir fassen zusammen
(A) Die Bibel ist kein Naturkundebuch: Lassen wir also die Finger davon,
die Bibel wörtlich zu nehmen, wenn sie Naturprozesse beschreibt
(B) Die Welt ist nicht in zwei absolut von einander getrennte Bereiche
gespalten: Finden wir uns also nicht mit dem faulen Frieden ab, Glauben
und Natur hätten sich nichts zu sagen
(C) Lassen wir (zumindest in einer Katechese) die Finger von naturwissenschaftlichen
Argumenten. Die Wissenschaftler sind schon ehrlich bemüht, aufzudecken,
wo Schwachstellen und Fehlinterpretationen in ihren Fachbereichen oder
Theorien liegen. Mal ehrlich: Kein Wissenschaftler läßt es
sich nehmen, seine Kollegen auf ein Gegenargument oder einen Denkfehler
hinzuweisen. Da brauchen wir Theologen nicht auch noch unseren Senf hinzuzugeben.
Was bleibt, ist die philosophische Argumentation. Darauf wollen wir uns im
folgenden beschränken (mit vielleicht ein paar kleinen Blicken auf die
Argumentationen A-C, nur so zur Information) - und beginnen mit der physikalisch/chemischen
Evolution: Der Entstehung der Welt vom Beginn bis zu dem Zeitpunkt, wo das
Leben entstand
3. Die vor-biologische Entwicklung
(Urknall oder Schöpfung?)
A. Widerlegt die Urknalltheorie den
Schöpfungsglauben?
Gerne gebracht wird immer wieder das folgende Argument: «Das mit der
Schöpfung ist inzwischen widerlegt. Das war doch der Urknall!»
Eigentlich ist das Argument schnell besprochen: Ob nun Gott die Planeten,
Sterne und Galaxien höchstpersönlich angefertigt hat (sozusagen
in Handarbeit), oder ob er die Zutaten erschaffen hat, die sich dann
selbst zu Sternen und Galaxien bildeten, ist theologisch/philosophisch ziemlich
einerlei. Dennoch kam das Gerücht auf, dass der Urknall eine Blamage
für den Schöpfungsglauben sei. Wie es dazu kam? Nun, schauen wir
uns die relativ kurze Geschichte der modernen Kosmologie an:
Noch zu Einsteins Zeiten gingen viele Physiker davon aus, dass der
Universum, so wie es sich uns heute zeigt, im wesentlichen immer schon gewesen
ist - und hielten unser Universum übrigens für viel kleiner. Erst
1923 konnte Edwin Hubble mit Hilfe des neu fertiggestellten 250-Zentimeter-Teleskopes
auf dem Mount Wilson einzelne Sterne des Andromeda-Nebels auflösen und
somit nachweisen, dass unsere Milchstraße nicht die einzige Galaxie
im Weltall ist (inzwischen wissen wir, dass es neben unserer eigenen Galaxie
mit 100-300 milliard Sternen - Milchstraße genannt - noch ca. 100-300
milliard weitere Galaxien gibt).
Und dieses Universum war unveränderlich - daran zweifelte zu Beginn des
großen Jahrhunderts der Physik keiner. Albert Einstein persönlich
erfand sogar die kosmologische Konstante (als Bestandteil des kosmologischen
Terms), um den mathematischen Problemen eines statischen Universums zu begegnen.
Denn eigentlich vertrug sich ein statisches Universum nicht mit der einsteinschen
(allgemeinen) Relativitätstheorie - aber für Einstein war trotz
dieses Widerspruches klar, dass das Universum unveränderlich und die
Sterne unbeweglich sein müssen.
Selbstverständlich machte es bei einem solchen Weltbild keine Schwierigkeiten,
an einen Schöpfer zu glauben, der alles einmal geschaffen hat und Sterne
und Planeten, Quasare und Galaxien an ihren Ort verwiesen hat - wo sie bis
heute noch stehen. Ja, es ist kaum vorstellbar, wie ein solches, absolut statisches
Universum ohne Schöpfer auskommen sollte. Wie anders sollten denn die
kosmischen Massen an die entferntesten Ecken des Universums kommen?
Allerdings änderte sich dieses statische Bild vom Universum
in nur wenigen Jahren. Zunächst entdeckte Edwin Hubble 1929, dass alle
kosmischen Objekte bewegt sind - und zwar von der Erde weg. Zudem ist die
Fluchtgeschwindigkeit um so größer, je weiter die Sterne und Galaxien
von uns entfernt sind - es lässt sich sogar eine feste Konstante ausmachen,
die aus der Entfernung einen Rückschluss auf die Fluchtgeschwindigkeit
zulässt und umgekehrt aus der Fluchtgeschwindigkeit die jeweilige Entfernung
berechnen kann (Hubble schätzte diese Konstante zunächst auf 150
km pro Sekunde pro million Lichtjahre; demnach konnte das Weltall nur knapp
2 milliard Jahre alt sein. Inzwischen gehen die Physiker von einer Hubble-Konstante
in der Größenordnung von 15-30 km pro Sekunde pro million Lichtjahre
aus). Damit war klar: Das gesamte Weltall dehnt sich aus - wie ein Luftballon,
der aufgeblasen wird. Es wird in Zukunft immer mehr an Volumen zunehmen -
und war (logisch!) in der Vergangenheit deutlich kleiner. Und ganz am Anfang
muss dann die gesamte Masse des Universums auf einen unvorstellbar kleinen
Raum konzentriert gewesen sein. Fred Hoyle prägte in einer BBC-Rundfunkserie
für den Anfang des Universums den Begriff "Big Bang" (auf deutsch:
Urknall), auch wenn es auch Theorien gab (und bis heute gibt), bei denen der
Anfang des Universums nicht durch eine Explosion, sondern durch eine sukzessive
Entstehung der Materie markiert wird. Deshalb unterscheiden Physiker heute
einen "heißen" und einen "kalten" Urknall - oder
einen sogenannten "Urschwung".
Das ist erst einmal alles - mehr besagt die Urknalltheorie noch nicht.
Aber jetzt, mit einem dynamischen, sich ausdehnenden Universum ist ein kosmischer
Schöpfer nicht mehr so augenfällig nötig. Daraus haben dann
viele Hobby-Astronomen und fundamentalistische Hobby-Theologen (siehe oben:
Die Kurzzeit-Kreationisten) geschlossen, dass damit Gott widerlegt und "ausgebootet"
sei - und waren ziemlich sauer (und viele sind es bis heute). Ein Gedanke,
der den Begriff "Argument" nicht verdient. Denn genau so wenig,
wie ein "statisches Universum" einen Gottesbeweis darstellt, genau
so wenig ist die Widerlegung des "Steady-State"-Modells und die
Annahme, es habe einen Urknall gegeben, eine Widerlegung des Schöpfungsgedanken.
Und was folgt daraus?
Aus der Urknalltheorie, die besser "Theorie eines dynamischen Universums"
heißen sollte, einen Schluss auf die Existenz oder Nicht-Existenz Gottes
zu konstruieren, heißt nicht zu verstehen, was die "Urknalltheorie"
wirklich aussagt. Mit dieser Theorie ist keineswegs die Entstehung der Materie
erklärt, noch warum die Welt aus genau den tatsächlich vorhandenen
Kräften, Massen und Eigenschaften besteht. Die Urknalltheorie - selbst,
wenn sie bis in die allerersten Millisekunden im Leben unseres Weltalls zurückgeht
- setzt immer schon Masse, Energie, Kräfte und Naturgesetze voraus.
Neuerdings behauptet Alan Guth mit seiner Theorie der "Inflation"
bzw. des "inflationären Universums" genau das: Erklären
zu können, warum das Universum genauso ist, wie es ist. Im Klappentext
seines Buches "Die Geburt des Kosmos aus dem Nichts" heißt
es: «Die klassische Urknalltheorie beschreibt die gewaltige Explosion,
mit der das Universum geboren wurde, sie erklärt jedoch nicht, was da
eigentlich "knallte", wie es "knallte" und weshalb es
überhaupt "knallte"...» - «Seine Theorie gipfelt
in der Annahme, dass das Universum durchaus aus dem Nichts entstanden sein
kann.» Wer das Buch aufmerksam liest, wird allerdings nicht umhin kommen,
die von Alan Guth angesprochenen Fragen nach dem "was, wie und weshalb"
des Urknalls als weiterhin unbeantwortet zu betrachten.
Die Urknalltheorie ist genauso wie das "Steady-State"-Modell ein
neutrales kosmologisches Modell. Beide sind genauso offen für den Schöpfungsgedanken,
weder das eine noch das andere benötigt einen Schöpfer als Lückenbüßer.
Und weder das eine noch das andere schließt einen göttlichen Schöpfer
aus. Genauso wie zuvor das statische Bild des Universums beantwortet die Urknalltheorie
nicht die Frage nach dem Woher und Wieso des Seins.
Die Theorie des Urknalls bleibt eine wissenschaftliche Theorie der Entwicklung
der Materie - nicht der Entstehung. Ob nun ein unveränderliches
Universum, oder ein Weltall, das mit einem heißen Knall begann - die
Frage nach dem Schöpfer bleibt davon unberührt: «Wer war es,
der das hat entstehen lassen, was unser Weltall erfüllt? Wer schuf Zeit
und Raum?»
B. Auch der Urknall lässt den Schluss
auf einen Schöpfer zu
Für die christlich (oder grundsätzlich theistisch) denkenden Menschen
ist die Frage nach einem statischen oder dynamischen Universum nicht von Bedeutung.
Entscheidend ist vielmehr, dass das Material, das bereits zu Beginn des Urknalls
vorgelegen hat, Eigenschaften aufweist, die auf eine Intelligenz bzw. einen
Schöpfer schliessen lassen: Sowohl die Kräfteverhältnisse als
auch die Eigenschaften der Materie, die Dimensionierung der Teilchen und das
Auftreten bestimmter Anomalien sind alle so dimensioniert, dass unser Weltall
in der Lage ist, Leben hervorzubringen. Nur eine geringe Veränderung
an einer der Urknall-Komponenten, und unsere Welt wäre entweder in sekundenschnelle
verglüht und wäre nichts anderes als ein Haufen «Asche»
- oder unsere Welt würde so gut wie keine Reaktionen hervorbringen und
bliebe bis in alle Ewigkeit ein kaltes Universum voller vereinzelter Elemente.
Interessant ist vielleicht, dass neben Hubble und Friedmann vor
allem auch Georges Lemaitre in den zwanziger Jahren an der Entwicklung der
Kosmologie beteiligt war - Lemaitre, Professor für Astrophysik in Louvain
und katholischer Priester. Als führender Kosmologe und Priester wurde
Lemaitre oft gefragt, wie er seinen Glauben an die Bibel mit den Entdeckungen
der modernen Naturwissenschaft vereinbaren könne: «Es gibt keinen
Konflikt», sagte Lemaitre immer wieder, "Es gibt keinen Grund,
nicht an die Bibel zu glauben, nur weil wir heute der Meinung sind, dass vielleicht
zehntausend million Jahre vergehen mussten, um das zu erschaffen, was wir
heute für das Universum halten." Von Lemaitre schreibt Alan Guth
(einem der heutigen führenden Kosmologen): «Lemaitre war vermutlich
der erste, der die Physik des Urknallmodells ernst genommen hat. Er versuchte
zu verstehen, wie das Universum am Anfang ausgesehen haben mag, als die gesamte
Materie auf eine enorm hohe Dichte komprimiert war. Er prägte die Bezeichnung
"Uratom", um diesen Zustand zu beschreiben.» Lemaitre, als
katholische Priester, ist vielleicht der schlagenste Beweis, dass die katholische
Kirche die Urknalltheorie nie als ein Argument für oder gegen die Schöpfung
angesehen hat.
Die Theorie des Urknalls mit der sich daran anschließenden
Expansion des Weltalls, der Ballung und Konzentration der Materie und der
daraus entstehenden stabilen und instabilen Sterne - all dies läßt
auch weiterhin den Schluß auf einen Schöpfer zu: In all dem
zeigt sich ein solch ausgewogenes Kräftegefüge (das zur Entstehung
einer lebensfreundlichen Zone führte), dass die Annahme eines intelligenten
Schöpfers mindestens genauso nahe liegt wie bei der Steady-State-Theorie.
C. Gibt es aus katholischer Sicht Gründe,
die Urknalltheorie abzulehnen?
Nun gibt es nicht nur Naturwissenschaftler, die behaupten, die Annahme eines
Urknalls der Theologie widerspreche grundsätzlich der Annahme eines Schöpfergottes
(wenn das auch nur ganz wenige Naturwissenschaftler tun). Vielmehr gibt es
auch Kreationisten (vor allem die Kurz-Zeit-Kreationisten), die - umgekehrt
- aus theologischer Sicht die Urknall-Theorie widerlegen wollen: «Im
Schöpfungsbericht steht doch, dass das alles viel schneller gegangen
ist. Sieben Tage, eigentlich sogar nur sechs Tage - das steht da schwarz auf
weiß. Also: Der Urknall mit der Entwicklung der Sterne im Anschluss
kann nicht passiert sein, weil milliard Jahre eben nicht sieben Tage sind...»
- Da haben wir es wieder, das biblische Argument!
Für die katholische Kirche hat das II. Vatikanische Konzil (eine maßgebliche
Versammlung aller katholischer Bischöfe) hat darauf hingewiesen, dass
die Bibel (unfehlbar) die Heilsgeschichte verkündet und ankündet
- aber dass sie keine naturwissenschaftliche Publikation sein wollte.
Im Schöpfungsbericht sind die heilsbedeutsamen Aussagen für
uns eher auf den zweiten Blick erkennbar: Zum Beispiel richtet sich der Verfasser
des Berichtes gegen die Nachbarvölker, die in den Sternen, in Sonne und
Mond Götter sahen. Der Schöpfungsbericht macht diesen Glauben zunichte:
Dort am Himmel sind keine Himmelsgewalten, sondern nur "Lichter",
die Gott gemacht und dort "befestigt" hat. Das gleiche gilt auch
für andere Natur-Vergötterungen (von Flüssen, Bergen, Tieren
und Pflanzen bspw.)
Außerdem werden entscheidende Aussagen über den Menschen gemacht:
Gott erschuf ihn nach seinem Bilde - geistbegabt, frei in seiner Entscheidung
und fähig zur Liebe. Er erschuf ihn als Mann und Frau - weder der Mann
noch die Frau ist der bessere Mensch. Eine solche Aussage zur Gleichberechtigung
war für den Orient vor 3500 Jahren revolutionär!
Noch mehr wesentliche Aussagen finden wir im Schöpfungsbericht (Gott
haucht Adam SEINEN Atem ein: Die Göttlichkeit der Seele - Eva entsteht
aus der SEITE Adams: Beide sind ein Fleisch und auf "gleicher
Augenhöhe" - usw.), und wir können sicher sein, dass das die
zentralen Aussagen sind - nicht die Frage, wie lange Gott insgesamt dafür
gebraucht hat.
Aus biblischer bzw. theologischer Sicht wird die Urknalltheorie oft mit zwei
Gegenargumenten abgelehnt: Zum einen stimmt die Dauer und zum anderen
die Reihenfolge der Schöpfung nicht mit dem biblischen Bericht
überein.
Die Frage nach der Dauer und der Reihenfolge der Schöpfung
wäre tatsächlich unfehlbar und von Gott "inspiriert" -
wenn sie eine Heils-Bedeutung für uns Menschen hätte. Aber hat die
7-Tage-Schöpfung irgendwelche Bedeutung für meinen Glauben
an Gott den Vater, der mich liebt und durch seinen Sohn erlöst hat? Spielt
es für meine Beziehung zu dem dreifaltigen Gott, für mein
Leben in der Kirche und meine Zukunft eine Rolle, ob (beispielsweise)
zuerst die Pflanzen oder zuerst die Sonne entstanden ist?
Die Antwort ist schlichtweg: Nein. Diese Aussagen sind nur am Rande
von Bedeutung - und von nahezu keiner Bedeutung für mein Heil. Deshalb
können wir abschließend feststellen:
Die physikalisch/chemische Evolution vom Urknall bis zur Entstehung unseres
Sonnensystems ist ohne Probleme vereinbar mit dem katholischen Glauben.
Davon abgesehen schlägt der Theologe und Physiker Bernhard Philberth
bezüglich der Dauer der Erschaffung der Welt einen Lösungsweg
vor, der den Schöpfungsbericht in einem anderen Licht erscheinen lässt:
D. Die richtige Übersetzung
Wir vergessen oft, dass die Bibel nicht auf deutsch geschrieben wurde - sondern
dass wir lediglich eine Übersetzung lesen. Wer einmal einen Blick in
den hebräischen Urtext geworfen hat, der versteht, dass die Übersetzung
sehr viel schwerer ist als z.B. eine Übersetzung vom Englischen ins Deutsche.
Das liegt unter anderem daran, dass die Begriffe in der orientalischen Sprache
wesens-orientiert sind - und der Sachbezug findet sich im Kontext. (Uff, was
soll denn das wieder bedeuten? Ich versuche es einmal zu erklären:)
Ein Beispiel: Es gibt oriental kein Wort für Wasser, sondern nur das
Wort "Fließendes". Ein See ist nichts Fließendes; wohl
aber Flusswasser oder eine einströmende, feindliche Armee. Wenn das Wort
für "Fließendes" im Text vorkommt, muss der Zusammenhang
(der Kontext) entscheiden, ob damit eine Flut, der Angriff eines Heeres oder
eine in Panik geratene Menschenmenge gemeint ist.
So gibt es im Orient auch kein Wort für "Tag" oder "Morgen"
oder "Abend", aber es gibt Worte für "Zeitabschnitt",
"Anbruch" und "Abbruch". Der damit umschriebene Zeitablauf
kann Sekunden dauern, Stunden oder Jahrtausende (nicht einmal in einer Versicherungspolice
heißt "Abend des Lebens", dass der Mensch nur einen Tag lebt).
Wenn man einmal naiv das Wort "iom" (im hebräischen für
"Zeitabschnitt") in der Schöpfungsgeschichte als "Tag"
übersetzt, dann ist dessen Anbruch ebenso naiv übersetzt eben "Morgen"
und dessen Abbruch dann "Abend".
Aber diese Übersetzung ist sehr seltsam - denn wie sollten die ersten
Epochen der Schöpfungsgeschichte Tage mit Sonnenauf- und Sonnenuntergang
sein, wenn die Sonne erst in der vierten Schöpfungsepoche geschaffen
wird?
Das entscheidende Wort "iom" sollte also nicht mit "Tag"
übersetzt werden, sondern neutral mit "Epoche" - das können
eben Sekunden oder auch Jahrtausende, oder, nach heutigen Erkenntnissen auch
Milliarden von Jahren sein. Mit dieser kleinen Korrektur in der Übersetzung
enthüllt die Genesis eine enorme Sachkenntnis über die gewaltige
Epochen der Schöpfung, mit für diese jeweils charakteristischen
Anbrüchen und Abbrüchen. Denn faszinierender Weise deckt sich der
Schöpfungsbericht, korrekt übersetzt, exakt mit den heutigen Ergebnissen
der Kosmologie des Weltalls.
Eine sehr gute Erläuterung zur Frage, wie die richtige Übersetzung
der Tage-Einteilung lauten kann (und viele weitere, lesenswerte Anmerkungen
zur Frage von Bibel und Naturwissenschaften), findet Du auf der Homepage von
Armin Held:
www.urzeitundendzeit.de
Offensichtlich ist das Hauptproblem bei der Synopse (der «Zusammenschau»)
von Schöpfungsbericht und evolutiver Weltwerdung die Frage nach dem Zeitraum
(«7 Tage»). Alles andere muss nicht zurechtgebogen werden: Die
Bibel steht in wunderbarer Übereinstimmung mit der modernen Kosmologie
(soweit die Aussagen von B. Philberth).
Schauen wir nun, wie es mit der biologischen Evolution aussieht: Der Entstehung
des Lebens und der Entfaltung des Lebendigen in die verschiedenen
Arten bishin zum Auftreten des ersten Menschen.
4. Die biologische Entwicklung (Evolution
oder Schöpfung?)
Ich habe am 17. 3. 2003 zwei Begriffe in die Suchmaschine "Google"
eingegeben: «Schöpfung Evolution».
An erster Stelle lieferte Google eine kritische Auseinandersetzung mit der
Evolution - mit dem Tenor: «Die Evolution ist längst widerlegt;
in Wirklichkeit hat Gott die Welt erschaffen» - (da es sich um eine
islamistische Seite handelt, steht dort an Stelle von "Gott" der
islamische Gottesname "Allah" oder "der Allerbarmer").
An zweiter Stelle lieferte Google eine Seite, die sich kritisch mit dem Anti-Evolutionismus
beschäftigt - mit dem gegensätzlichen Tenor: «Die Evolution
ist längst gesichert, Kritiker der Evolution sind wissenschaftlich nicht
ernst zu nehmen.»
Damit liefert Google an den ersten beiden Stellen bereits das ganz Spektrum,
dass sich zu diesem Thema findet. Interessant ist allerdings, dass die Kritiker
der Evolution eine Fülle von wissenschaftlichen Daten, fossilen Funden,
komplizierten Wahrscheinlichkeitsrechnungen und "neuesten Erkenntnissen"
bieten, während die Verteidiger der Evolution sich auf dieses "Hickhack"
selten einlassen, sondern grundsätzlich erkenntnis-theoretisch antworten.
Ich möchte mich hier ebenfalls nicht auf die Details einlassen. Selbstverständlich
gibt es eine Fülle von Daten und Fakten, die von der heutigen evolutionstheoretischen
Forschung nicht oder nur schwach bewältigt werden können. Ob dadurch
allerdings die Evolutionstheorie insgesamt widerlegt ist - oder zumindest
in Frage gestellt wird - will ich hier nicht entscheiden. Das ist letztlich
eine naturwissenschaftliche Frage.
A. Grenzüberschreitungen und Vorentscheidungen
Nun, zunächst will ich kurz den Begriff "Evolutionstheorie"
näher fassen: In unserem Zusammenhang ist damit nämlich ein ganzes
Bündel von verschiedenen Theorien gemeint, die alle etwas gemeinsam haben:
Sie versuchen die Entstehung des Lebens und der Ausdifferenzierung des Lebens
in die verschiedenen Lebensformen unseres Planeten allein aufgrund natürlicher
Mechanismen zu erklären.
Diese Form der naturwissenschaftlichen Evolutionstheorie möchte ich
im Folgenden «Evolutionismus» nennen: Die Erklärung
der Entstehung des Lebens - auch des menschlichen Lebens - allein aufgrund
natürlicher Ursachen.
Im preisgekrönten Lehrbuch "Evolution - ein kritisches Lehrbuch"
von Reinhard Junker und Siegfried Scherer heißt es: «Evolutionsforschung
ist der Versuch, die Entstehung und Entfaltung des Lebens ausschließlich
durch natürliche Prozesse verständlich zu machen... Die Erfahrung
zeigt, dass das Scheitern evolutionärer Erklärungsansätze in
aller Regel nicht dazu führt, das Forschungsziel einer naturalistischen
Erklärung der Entstehung des Lebens aufzugeben. Dafür scheint es
nur eine Erklärung zu geben: Es ist die weltanschaulich motivierte Grundüberzeugung,
dass es trotz aller bisherigen Fehlschläge doch möglich sein wird,
die Entstehung und Entfaltung des Lebens ohne übernatürliche Ursachen
zu erklären.» Und das ist eine Vorentscheidung und somit eine Grenzüberschreitung,
denn die Natur selber sagt nichts darüber, ob sie natürlich oder
übernatürlich erklärbar ist. Eine solche Vorentscheidung ist
«aber nicht schlimm», d.h. sie widerspricht nicht der Wissenschaftlichkeit:
Die Naturwissenschaft kann gar nicht existieren, ohne Vorentscheidungen und
Grenzüberschreitungen.
Zum Beispiel ist die rein pragmatische Annahme, alles in dieser Welt auf
rein natürliche Vorgänge reduzieren zu können, eine Voraussetzung
der Naturwissenschaft. Im gesamten Bereich der experimentellen Wissenschaft
wird auf der Basis des sogenannten "methodischen Atheismus" gearbeitet:
Experimente oder Studien im Freiland werden unter der Annahme durchgeführt,
dass empirisch erfassbare Vorgänge nicht von übernatürlichen
Ursachen beeinflusst werden. Das heißt nicht, dass ein solcher Forscher
"tatsächlicher Atheist" wäre; wir sprechen vom "methodischen
Atheismus", weil es sich eben um eine pragmatische Annahme nur für
die Methode des Forschens handelt - und nicht notwendigerweise um eine tatsächliche
Weltanschauung.
Das ist eine notwendige und legitime Annahme: Würde die experimentelle
Wissenschaft ständig mit übernatürlichen Eingriffen «rechnen»,
bräuchte sie nicht zu forschen: Alles unerklärlich wäre eben
ein Eingreifen Gottes - was soll man da noch weiter suchen? Erst die Annahme,
zunächst nach rein natürlichen Ursachen zu forschen und ein übernatürliches,
handelndes Wesen (zunächst) nicht in Betracht zu ziehen, führt zur
Naturwissenschaft.
Wissen wir allerdings um diese Vorentscheidung, dann sind auch die Grenzen
der naturwissenschaftlichen Methode klar:
Alles, was sich im persönlichen (subjektiven) Bereich der Wirklichkeit
ereignet, kann nicht mit dieser Methode erfasst werden; ebenso wenig...
...Ereignisse, die aufgrund einer freien, willentlichen Entscheidung
zustande kommen; zum Beispiel die Liebe oder Freundschaft zwischen zwei
Menschen. Und schließlich alle...
...Ereignisse, an denen geistig-Seelisches unmittelbar oder mittelbar
beteiligt ist (z.B.der Tod des Menschen (Zeitpunkt) oder die Frage nach
Gut und Böse).
Nun kann ich die Grenzen der Methode leugnen, indem ich eine tatsächlich
atheistische (bzw. deistische) Vorentscheidung treffe: Nehme ich tatsächlich
an, dass es weder eine Person gibt - noch einen freien Willen - noch eine
Übernatur, dann muss ich mit der naturwissenschaftliche Methode die gesamt
Wirklichkeit abbilden können (und würde in unserem Beispiel der
menschlichen Liebe sämtliche Gefühle auf biochemische bzw. verhaltensbiologische
Faktoren zurückführen können; tatsächlich haben Forscher
keine hormonelle oder biologische Erklärung für die "Frühlingsgefühle"
des Menschen - im Gegensatz zu vielen Tierarten - und einige schließen
daraus, dass die Frühlingsgefühle "nur Einbildung" sind).
Treffe ich die andere Vorentscheidung (dass es ein Person gibt - einen freien
Willen - eine Übernatur), kann ich zu dem Schluss kommen, dass es Bereiche
unserer Wirklichkeit gibt, die naturwissenschaftlich nicht erfassbar sind.
Einige Wissenschaftstheoretiker sehen darin das Ende der Wissenschaft, so
z.B. Neukamm; aber wenn zum Beispiel die Liebe zwischen zwei Personen naturwissenschaftlich
nicht ableitbar ist (und wir sind uns - glaube ich - einig, dass kein Mathematiker
der Welt berechnen kann, wer sich in wen verliebt...!), wird kaum ein Naturwissenschaftler
als das "Ende der Wissenschaft" bezeichnen. Wissenschaft heißt,
die Grenzen der eigenen Methode zu erkennen.
B. Kritik am Evolutionismus aus katholischer
Sicht
These: Aus katholischer Sicht gibt es einen guten Grund, den Evolutionismus
abzulehnen - denn er stellt eine unzulässige Grenzüberschreitung
dar: Er leugnet die Beschränkung der eigenen Methode und behauptet,
Phänomene zu erklären, die nicht in den Zuständigkeitsbereich
der naturwissenschaftlichen Methode fallen: Die geistigen, seelischen und
freiheitlichen Akte.
Diese These möchte ich nun im Folgenden begründen. So gibt es gegen
den Evolutionismus zunächst...
...moralische Bedenken
Der Evolutionismus behauptet, dass das "Leben" nur eine natürliche,
graduell höhere Komplexität der anorganischen Materie ist. Mit anderen
Worten, im Evolutionismus ist der Unterschied zwischen einer "wunderschönen"
Landschaft und einem "wunderschönen Menschen" nicht wirklich
vorhanden: Beidemale bewundern wir die Komposition der Zutaten (bei der Landschaft
die Kombination von Seen, Wäldern und Wiesen - beim Menschen die Komposition
von Körperbau und Charaktereigenschaften); eine Landschaft zu zerstören
wäre somit genauso unmoralisch wie die Zerstörung eines Menschen.
Ja, vielleicht ist sogar aus evolutionistischer Sicht die Landschaft das höhere
Gut: Denn sie besteht länger und hat eine höhere ökologische
Bedeutung. Warum sollte das Leben ein höheres Gut sein?
Wir Christen antworten: Weil das Leben von Gott geschenkt wurde und - vor
allem das geistbegabte Leben des Menschen - selbst göttliche Züge
trägt. Aber wenn das Leben nichts anders ist als eine besonders komplizierte
Anordnung der Materie - dann fällt unser ganzes moralisches System.
Moralische Bedenken (I)
Im Evolutionismus unterschiedet sich jedes Lebewesen - auch das menschliche
Leben - von der toten Materie nur durch sein Organisationsgrad. Es gibt
also keinen Platz für eine "Würde" des Menschen oder
eine "Würde des Tieres". Einen Menschen zu zerstören
ist dann genauso zu bewerten wie die Zerstörung eines Kieselsteines.
Aber die moralischen Bedenken gehen noch tiefer: Der Evolutionismus
fordert als Prinzip der Höher-Entwicklung neben der Mutation die Selektion;
also die Bevorzugung des besser angepaßten Lebens und das Verschwinden
und (zumindest mittelbare) Absterben der weniger angepaßten Lebensformen.
Tod und Ausrottung von Lebewesen und Lebensformen sind im Evolutionismus
keineswegs bedauernswert; ganz im Gegenteil - das "sogenannte Böse"
(Lorenz) ist die Voraussetzung für die Weiterentwicklung des Lebens
- also begrüßenswert als eigentliche Triebfeder des Lebens. Jede
Art, die ausstirbt, war offensichtlich den neuen Umständen nicht gewachsen
und hat es also auch nicht "verdient", weiterzuleben.
Sogenannte "Sozialdarwinisten" haben die Entwicklunglehre Darwins
auch auf den menschlichen Bereich angewandt: Alles Leben, das schwach und
minderbegabt ist, ist zum Tode verurteilt, damit das höherwertige Leben
Platz und Raum findet. Jeder Mensch, der stirbt, war offensichtlich den
neuen Umständen nicht gewachsen und hat es auch nicht "verdient",
weiterzuleben. Ob das nun für einzelne Menschen gilt (der Jäger,
der dem schwächeren Konkurrenten alle erlegten Tiere einfach abnimmt),
oder für Gruppen von Menschen (der Steinzeitmensch, der das Feuer beherrscht,
vernichtet die noch nicht so weiter entwickelten Nachbarstämme), ob
für Nationen (die "Herrenrasse der Deutschen") oder für
Menschen mit bestimmten Eigenschaften (Abtreibung von behinderten Kindern)
- im Sozialdarwinismus ist das alles nur "sogenanntes" Böses.
Natürlich sträuben sich uns die Haare, wenn wir an den Sozialdarwinismus
denken. «Was für den Bereich des nichtmenschlichen Lebens gelten
mag», so denken wir, «kann und darf nicht für den Menschen
gelten!» Allerdings können die Evolutionisten nur schwer erklären,
warum das für den gesamten Bereich der der Natur gelten soll, aber
nicht im mitmenschlichen Bereich. Wenn der Mensch nichts anderes ist als
ein "nacktes Tier", wenn also der Unterschied zur Tierwelt nur
darin liegt, dass der Menschen kein Fell hat - warum gilt dann das alleinige
Prinzip von Mutation und Selektion für alles Lebendige, aber nicht
in unserer menschlichen Gesellschaft?
"Gut" und "Böse" im Evolutionismus sind somit
keine objektiven (grundsätzlichen) Maßstäbe. Unserer Intuition
dagegen hält auf dem Hintergrund der Evolutionstheorie daran festhält,
dass es schlecht ist, behinderte und häßliche und kranke Menschen
zu töten (und eben keine Voraussetzung für den nächsten Evolutionsschritt).
Deshalb wird heute die Moral nicht grundsätzlich geleugnet, sondern
wurde zu einer Erfindung des Menschen, die hilft, das menschliche Leben
in Gemeinschaften zu ordnen - und dadurch einen Selektionsvorteil bringt.
Die Moral dient dem Zweck des menschlichen Zusammenlebens - sie ist also
eine Kultur-Erscheinung.
Aber auch diese Ehrenrettung von "Gut und Böse" steht auf
wackeligen Füßen. Ein Blick in die Geschichte zeigt, dass eine
Moral ohne objektive Begriffe das Ende der Moral ist. Wie oft haben Menschen
gesagt. «Gut und Böse gelten für mich nicht - denn es geht
hier um ein höheres Ziel!» - und mit dieser Rechtfertigung sehr
viel Leid über die Menschheit gebracht.
Die Naturwissenschaften können aufgrund ihrer methodischen Beschränkung
keine Aussagen zur Moral machen. Der Evolutionismus aber macht aus der Moral
nicht nur einen (Selektions-) Mechanismus, sondern löst sie ganz und
gar auf. Damit überschreitet der Evolutionismus seine Zuständigkeit
- und ist aus religiösen Gründen genauso abzulehnen wir aus wissenschaftstheoretischen
Gründen.
Moralische Bedenken (II)
Der Evolutionismus löst jede Moral auf. "Gut" ist, was
zur Fortentwicklung führt; "Böse" ist, was nicht überlebt.
Dem Menschen wird allerhöchstens eine Moral zugestanden, die Grundlage
des Gemeinwesens ist und somit einen Selektionsvorteil bringt. Der Evolutionismus
steht also im direkten Gegensatz zur Lehre der katholischen Kirche, die
jedem Menschen eine Würde zuspricht, unabhängig von seinem Entwicklungsbeitrag
zur Gesellschaft. Der Mensch ist Gottes Geschöpf; die Würde erhält
er aus Liebe - und nicht aufgrund seiner Produktivität, seiner Gene
oder seiner gesellschaftlichen Stellung.
...subjektive Bedenken
Der Mensch empfindet sich als frei. Die Freiheit des Menschen, die ihn verantwortlich
macht für sein Handeln (im Gegensatz zu einem Vulkan, der für eine
Eruption nicht verantwortlich ist), kann aber keine Funktion der Materie sein.
Die Materie gehorcht den Gesetzen der Natur - den Gesetzen von Ursache und
Wirkung. Eine Wirkung, die nicht frei gewählt wird, sondern notwendig
aus der Ursache folgt, hat keine moralische Qualität. Eine Maschine,
die anstatt Papier zu schneiden durch eine Kette von unglücklichen Umständen
den Finger eines Arbeiters abtrennt, ist nicht "böse". Ein
Mensch dagegen, sofern er willentlich und bewußt handelt, wird für
eine solche Tat verantwortlich gemacht.
Nun können wir philosophisch lange diskutieren, ob der Mensch tatsächlich
frei ist - worin seine Freiheit liegt und wodurch sie beschränkt oder
aufgehoben wird. Wir können auch lange darüber diskutieren, welche
Verhaltensweisen "gut" und welche "böse" sind. Grundsätzlich
ist aber festzustellen, dass alle Menschen aller Kulturen die Begriffe
"Gut und Böse" und "Freiheit und Verantwortung" kennen
und darauf aufbauen - und damit dem Menschen eine Eigenschaft zusprechen,
die sich nicht aus der Funktion von Biologie, Chemie und Physik ableiten läßt.
Der "evolutionäre" Schritt vom komplexen chemischen Gemisch
über die Pflanzen, die Tiere bis hin zum Menschen setzt also (an irgendeiner
Stelle) eine nicht-materielle Hinzufügung voraus. Irgendwo in dieser
Entwicklung geschieht ein Schöpfungsakt, der aus der "lebenden Maschine"
eine "freie Person" werden läßt. Jeder Naturwissenschaftler,
der seine methodischen Grenzen überschreitet und leugnet, dass es einen
solchen Schöpfungsakt gegeben hat, widerspricht dem universalen Bewußtsein
von Gut und Böse.
Der Biologe kann feststellen, dass es einen solche Entwicklungsschritt gibt
(oder er stellt fest, dass sich ein solcher Entwicklungsschritt nicht erkennen
läßt), aber er kann und darf weder diesen Schritt leugnen noch
kann er ihn mit seinen Methoden erklären. Genau das tut aber die materialistische
Variante des Evolutionismus und begeht damit eine Grenzüberschreitung,
die die Auflösung jeder Moral, jeder Gesellschaft und jeder Religion
bedeutet - und letztlich auch die Auflösung jeder Wissenschaft: Maschinen
und Kausalketten, selbst wenn sie hoch komplex sind, betreiben keine Forschung,
sondern arbeiten nur vorgegebene Prozesse ab.
Subjektive Bedenken: Jeder Mensch empfindet sich als frei; Freiheit
ist die Voraussetzung für Moral, Verantwortung und Person. Freiheit ist
aber eine geistige Größe und das Gegenteil von materiellen Prozessen.
Der Evolutionismus, der den Menschen als eine hochkomplexe Maschine versteht,
widerspricht allen subjektiven Erkenntnissen des Menschen und letztlich auch
jeder Wissenschaft. Somit widerspricht der Evolutionismus auch dem katholischen
Glauben, der gerade in der Freiheit des Menschen dessen Würde begründet
sieht.
Exkurs: Adam und Eva
An dieser Stelle macht es Sinn, eine weitere Kritik am Schöpfungsbericht
zu erwähnen. "Adam und Eva? Die hat es doch nie gegeben! Der Mensch
ist doch aus einer Tierart entstanden, von der auch die Affen abstammen!"
- Einmal angenommen, es hat tatsächlich eine langsame Entwicklung vom
affenähnlichen Vorläufer zum Menschen gegeben: Irgendwann ist ein
"Kind" des Affenmenschen nicht mehr Affe, sondern Mensch. Es spielt
keine Rolle, ob diese Schritt früher oder später vollzogen wurde,
oder ob dieser erste Mensch vielleicht doch direkt von Gott erschaffen wurde
und keine affanähnliche Vorfahren gehabt hat. Dieser "erste Mensch"
wird eben Adam genannt. Immerhin heißt "Adam" ja nichts anderes
als "Mensch".
Wichtig ist, dass dieses erste Menschenkind (ob als unmittelbare Neuschöpfung
oder als "Kind eines Affen") von Gott etwas geschenkt bekommen hat,
was alle Tiere zuvor nicht besessen haben: Eine Geistseele, die frei entscheiden
konnte.
Vermutlich war diese Freiheit noch sehr begrenzt und stark durch Instinkte
und äußerliche Zwänge eingeschränkt. Deshalb wird es
selbst einem Forscher, der "damals" dabeigewesen wäre, kaum
aufgefallen sein, dass dieser Urmensch nun kein Tier, sondern eine Person
ist. Aber wenn wir annehmen, dass der Unterschied zwischen Mensch und Tier
nicht in der Anzahl der Hirnzellen besteht, sondern in der "Begabung
mit dem Geist", dem Geschenk der Geistseele, muss es logischerweise einen
ersten Menschen gegeben haben.
Der Schritt vom Vor-Menschen zum Menschen (also der Schritt vom nicht-geistbegabten
Tier zum Wesen mit einer Geistseele) ist immer ein Quantensprung. Ein "bisschen"
Mensch geht genauso wenig wie "ein bisschen schwanger".
...theistische Bedenken
Der Tod und die Vernichtung von Leben ist in der Evolutionstheorie als "Selektion"
notwendiger Bestandteil der Höherentwicklung. Einmal angenommen, das
sei die Art und Weise, auf der Gott Leben schafft und sich entwicklen läßt:
Dann schafft Gott also eine Welt, in der sich Leben entwickelt und entfaltet,
weil Leben ausselektiert - vernichtet wird. Gott, der den Tod als ein
"gutes Prinzip" zum Prinzip seines Handelns macht, widerspricht
aber unserem Gottesbild.
Nach katholischer (und allgemein christlicher) Auffassung ist der Tod die
Folge der Sünde und damit unwiderruflich etwas Schlechtes und Wider-Göttliches.
So wenig Platz, wie dieses Argument zur Darstellung braucht, umso mehr pragmatische
Fragen ergeben sich daraus im Anschluss: Wie, bitteschön, soll denn eine
Welt ohne Tod aussehen? Die Welt wäre doch restlos übervölkert,
gäbe es keinen Tod! Und die fleischfressende Tiere brauchen andere Tiere
als Nahrung - soll etwa der Löwe Gras fressen? Und vor allem gilt das
evolutionistische Argument: Ohne den Tod gäbe es keine Höherentwicklung
und keine Evolution.
Aber gerade hier zeigt sich, dass der pure Evolutionismus sich im grundsätzlichen
Widerspruch zu einer guten Schöpfung begibt: Das "Gute", das
wir als "lebensfördernd" bezeichnen, und das "Böse",
das wir als "lebenszerstörend" bezeichnen, sind im Evolutionismus
nur noch das "sogenannte Böse und das sogenannte Gute" (Konrad
Lorenz). Der "gute Gott" ist nicht wirklich gut und lebensfreundlich,
denn er braucht den Tod, um etwas zu schaffen.
Darauf antwortet die katholische Philosophie, dass Gott den Tod nicht benötigt,
um Neues hervorzubringen. Wenn der Evolutionismus behauptet, die Konkurrenz
sei der Mechanismus, der Neues hervorbringt, so stellt sie einen rein
hypothetischen Zusammenhang her. Unsere Begriffe von Gut und Böse legen
eher nahe, dass Neues entstanden ist, weil Gott Freude am Vielfältigen
und Neuen hatte. Er mag dabei an bereits vorhandenem "weitergeschaffen"
haben oder in Ähnlichkeit zu bestehenden Lebensformen Neues "aus
dem Nichts" erschaffen haben - so oder so erschafft Gott immer zum
Leben.
Der strenge Evolutionist will aber seine Behauptung, dass der Tod der Unangepassten
notwendig ist, um Neues entstehen zu lassen, nicht aufgeben, und deshalb steht
er im Gegensatz zum Glauben an einen guten und freien Gott.
Theistische Bedenken: Wäre die Evolution ein in sich abgeschlossener
Mechanismus, dann wäre der Tod nicht schlechtes: Der Untergang der einen
ist die Lebensgrundlage für andere. Ein Gott, der so seine Schöpfung
entstehen läßt, ist ein Toten-Gott - zumindest nicht der christliche
Gott. Der Tod in der Welt kann sehr wohl mit einem guten Gott zusammengedacht
werden; vorausgesetzt, Mutation und Selektion sind nicht die einzigen Mechanismen,
die Neues entstehen lassen.
Exkurs: Der Tod in der Welt
Und noch einmal scheint mir ein Exkurs angebracht, denn schnell ist folgender
Einwand vorgebracht: «Es mag ja sein, dass der Tod als Mechanismus der
Evolution im Widerspruch zum Glauben an den guten Gott steht - aber Tatsache
ist, dass der Tod Bestandteil der Natur ist.»
Außerdem werfen biblisch-fundamentalistische Kreationisten ein, dass
laut der Bibel der Tod erst Folge der Sünde des Menschen ist;
er dürfte also erst nach dem Auftreten des ersten Menschen in
die Welt gekommen sein. Logisch folgert der Kurzzeit-Kreationist: «Gibt
es den Tod von Anfang an in der Welt, gibt es auch den Menschen von Anfang
an. Ergo ist die Welt doch in wenigen Tagen erschaffen worden und wir haben
das Problem des vormenschlichen Bösen überhaupt nicht - weil es
eben keine Evolution gegeben hat.»
Dagegen legt die katholische Theologie großen Wert darauf, dass zwar
der Tod des Menschen Folge seiner eigenen Loslösung von Gott ist; der
Tod als Phänomen in der Schöpfung aber bereits vor dem Auftreten
des Menschen Bestandteil der Natur ist. Die Theologie hat dafür den
Begriff "gefallene Schöpfung" geprägt: Die Schöpfung,
in der auch der Tod einen Platz hat, ist nicht die Schöpfung, die Gott
gewollt hat. Bereits von Anfang an hat sich in die reine Schöpfung Gottes
der Beitrag des Teufels gemischt. Vor dem Sündenfall des Menschen hat
es den Sündenfall des Engels Luzifer gegeben.
Die Annahme, dass es einen Teufel gibt, ist heute nicht mehr modern. Viele
menschliche Böswilligkeiten werden mittlerweile eher psychologisch oder
sozial erklärt. Das Vorhandensein des Bösen in der Schöpfung
in der vormenschlichen Zeit ist allerdings nicht zu bewältigen
ohne die Lehre vom Fall und Sturz des Satans (der, soviel sei noch angemerkt,
ebenfalls ein Geschöpf ist, das gut geschaffen wurde, sich aber in seiner
Freiheit zum Bösen verkehrt hat).
5. Zusammenfassung
Es gibt zwei extreme Positionen, die sich unversöhnlich gegenüberstehen:
Die eine Extrem-Position ist der Kurzzeit-Kreationismus, und die andere Positon
ist der Evolutionismus. Beide Positionen werden zwar nicht ausdrücklich
von der katholischen Kirche verurteilt (wie gesagt, es gibt keine offizielle
Lehre über die Weltentstehung - genauso wenig wie es eine offizielle
Lehre der Kirche über die Entstehung von Schokoladenkuchen gibt), beide
stehen aber bei näherem Hinsehen im Widerspruch zur katholischen Lehre.
Der Kurzzeit-Kreationismus hat ein ebenso seltsames Bild von Gott (der Betrüger-Gott,
der allein zur Irreführung Fossilien schafft) wie der Evolutionist (der
Gott durch Vernichtung schaffen läßt).
Die moderne Naturwissenschaft geht zunächst methodisch als
Atheist an die Erforschung der Welt. In dem Augenblick allerdings, in dem
der Naturwissenschaftler seine Grenzen vergisst und geisteswissenschaftliche
Behauptungen aufstellt (über Gut und Böse; über Wesen der Person,
über Freiheit und Verantwortung), wird aus dem methodischem Atheismus
ein weltanschaulischer Atheismus - und damit beweist sich der Evolutionist
seine eigenen Voraussetzungen.
Verträglich mit der Lehre der Kirche sind die mittleren Positionen:
Vom Langzeit-Kreationist, der Gott an bereits vorhandenem Weiterschaffen läßt
(creatio continua) oder der immer wieder in Ähnlichkeit zu bereits vorhanden
Lebensformen neue erschafft (creatio ex nihilo), bishin zum theistischen Evolutionist,
der Gott die intelligente Steuerung der Ausfaltung des Lebens zutraut. Dabei
müssen die Biologiebücher nicht unbedingt neu geschrieben werden:
Vieles von dem, was die Evolutionisten entdeckt haben, kann unbesehen übernommen
werden. Lediglich die Auffassung, mit dem Gefundenen bereits die gesamte Wirklichkeit
abbilden zu können, ist unwissenschaftlich und sollte aus den Lehrbüchern
entfernt bzw. demnächst vermieden werden.
Fazit
Nicht die Evolution (als sukkzessive Entfaltung des Lebendigen) steht
im Widerspruch zum Glauben an den Schöpfer, sondern die Behauptung,
die Entstehung des Lebens und der verschiedenen Arten sei naturwissenschaftlich
vollständig beschreibbar (also der Evolutionismus).
Wissenschaftler, die Voraussetzungen und Mechanismen z.B. im Miteinander
der Menschen mit Hilfe der Naturwissenschaften beschreiben, erweitern
unser Wissen. Behaupten die gleichen Wissenschaftler, sie hätten damit
das Wesen der Freundschaft und Liebe vollständig beschrieben,
sollten wir uns von ihnen fern halten: Sie könnten versuchen, Medikamente
gegen Verliebtheit zu verabreichen.
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ist Peter verantwortlich.