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Anmerkungen zur aktuellen Literatur

Es sind nicht immer die zentralen Fragen des Glaubens, die Kopfzerbrechen verursachen. Auch ein eher nebensächliches Problem kann für Glaubenskrisen Auslöser sein. Also soll es erlaubt sein, dass wir unseren Senf dazu geben, z.B. zu...

Christliche (und weniger christliche) Literatur

Harry Potter

Harry Potter wird in kirchlichen Kreisen heiß diskutiert. Vor allem Gabriele Kuby spricht sich deutlich gegen den kleinen Zauberjungen aus. Natürlich gibt es keine offizielle katholische Stellungnahme zu den Romanen (wo kämen wir denn dahin...!). Aber wir von der Karl-Leisner-Jugend haben schon eine Meinung. (Nicht erschrecken - die Harry-Potter-Artikel sind z.T. nicht ganz einfach zu lesen...!)

 

"Potter 1" - Hier findet sich eine Stellungnahme von Christa Meves (zuerst erschienen im Rheinischen Merkur), die sich mit der Frage nach dem Bösen beschäftigt,

"Potter 2" ist eine Analyse von Axel Schmidt, der die Romane als Gleichnis versteht,

"Potter 3" stammt aus der Feder von Thomas Möllenbeck und entdeckt in Harry Potters Geschichten viele Ähnlichkeiten mit der Welt des Glaubens,

"Potter 4" ist ein Artikel, der in der Münsteraner Kirchenzeitung erschienen ist (auch von Axel Schmidt),

"Potter 5" beschäftigt sich mit Gabriele Kuby und dem Problem der "Natürlichen Religion" (wiederum vom Axel Schmidt),

"Potter 6" und "Potter 7" ist noch einmal von Axel Schmidt und erkennt in Potters Welt zwar eine vor-christliche, aber keine un-christliche Welt - im Gegenteil.

"Sakrileg" - Eine Buchkritik
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Warum diese ausführliche Kritik? - Nun, weil dieser Roman Viele verunsichert; manche verunsicherte Christen dagegen nun sicher sind, dass "der Vatikan" abgrundtief böse ist.

Außerdem erlaubt uns dieser unglaubliche Roman, ein paar grundsätzliche Betrachtungen anzustellen: Zur Entstehung des Neuen Testamentes und zur Gnosis.<

Die Narnia-Chroniken

Hier will ich niemandem die Spannung nehmen, sondern nur ein paar Fragen klären, wie C.S. Lewis auf die Idee kam, die Chroniken von Narnia zu schreiben, in welcher Reihenfolge man sie lesen sollte, was er eigentlich damit bezweckte, auf einmal Kinderbücher zu verfassen, und vieles mehr.
Ein anderer Abschnitt auf der Karl-Leisner-Jugend-Seite wird ein paar Fragen behandeln, die ich mit Kindern und Jugendlichen besprochen habe, die alle das Buch kannten, bevor wir uns den Film angesehen haben.

C. S. Lewis

Im englischsprachigen Raum ist C.S.Lewis (C.S. steht für seine beiden Vornamen Clive Staples - er nannte sich aber lieber Jack) und seine Chroniken von Narnia allgemein bekannt - jedes Kind hat irgendwann einmal vom Löwen Aslan gehört, der Weißen Hexe und der Errettung Narnias. Für uns Deutschen dürfte die Begegnung im Kinofilm "Narnia" mit dieser Wunderwelt neu sein.

Lewis hat aber neben seinen Kinderbüchern auch Science-Fiction Romane für Erwachsene geschrieben - und viele Sachbücher zu christlichen Fragen (eine Buchliste findet Ihr am Ende dieses Artikels).

Wer war dieser Clive Staples Lewis?

Ralf Isau
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Zu einem Vielschreiber der deutschen Fantasy-Roman-Welt gehört seit 1992 Ralf Isau. Er schrieb in der Tradition von Michael Ende zunächst Fantasy-Erzählungen, die eine überraschend offenherzige Nähe zu biblischen Motiven zeigen. - Verstörend wirkt dagegen die deutliche Abneigung gegen Priester (die "schwarzen Priester" sind Teil der bösen Welt in Neshan), Institutionen generell und den etablierten Kirchen - der katholischen Kirche im Besonderen.

Richard Dawkins - Gotteswahn
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Eigentlich kann man dieses Buch nicht besprechen: "Pudding kann man nicht an die Wand nageln".
Aber aufgrund häufiger Anfragen und den guten Steilvorlagen, die Dawkins für zahlreiche katechetische Klarstellungen gibt, haben wir uns dann doch an eine Buchrezension gemacht. In wenigen Tagen wird sie online gestellt.
In der ausführlichen Besprechung findest Du einen kompletten Durchgang durch das Buch des Herrn Dawkins, Erläuterungen zu Intelligent Design, den Gottesbeweisen des Thomas von Aquin, dem Gottesbild des Alten Testamentes und der Grundzügen der Moral.

Weitere Buchempfehlungen
Kleines ABC des Zweiten Vatikanischen Konzils
Taschenbuch auch fr den "normalen" Katholiken

Immer wieder reden wir vom „Konzil" - aber kennen wir auch seine Texte?

Die vollständigen Konzilstexte sind als Buch und im Internet für jeden leicht zugänglich. Doch die wenigsten Katholiken haben bislang einen persönlichen Zugang zu den Dokumenten gefunden und sie gelesen - vielleicht auch aufgrund des Umfanges von 168.000 Wörtern.
Doch das Konzil sollte auch für den „normalen Katholiken" kein Buch mit sieben Siegeln bleiben. Das vorliegende Taschenbuch im Sinne einer Kirchenvolksausgabe der Konzilstexte bietet mit knapp 35.000 Wörtern rund 20 Prozent der Dokumente des jüngsten Konzils. Zudem sind die kurzen Textabschnitte inhaltlich 229 Stichworten zugewiesen, nach dem Alphabet geordnet und bieten als „Kleines ABC des Zweiten Vatikanischen Konzils" einen einfacheren Zugang zum Verständnis der Lehre der großen neuzeitlichen Kirchenversammlung.
Kardinal Meisner hält das Werk für eine „nützliche Arbeitshilfe ..., die wirklich für die Praxis taugt". Und Erzbischof Schick hofft, „dass dieses Büchlein mit den wichtigsten Konzilstexten eine weite Verbreitung und einen guten Zuspruch in der Öffentlichkeit findet".

Kleines ABC des Zweiten Vatikanischen Konzils, - Peter Christoph Düren (Hrsg.), Dominus-Verlag, Augsburg 2009. 160 Seiten. Paperback. ISBN 978-3-940879-05-9. 5,90 €

Die Hütte
Ein Wochenende mit Gott

Der Wunsch, einmal Gott selbst zu begegnen; mit ihm ins Gespräch zu kommen und IHN als reale Person vor sich stehen zu haben, ist sehr verlockend und somit Gegenstand zahlreicher Romane oder Erzählungen; ein nicht unbedeutender Teil davon stammt aus dem evangelikalen Bereich. So ist in „Der Besuch" von Adrian Plass Jesus für einige Wochen in einigen Gemeinden Londons zu Gast und bringt das Gemeindeleben sowie die gängigen Vorstellung von dem, was Gott tut und was nicht, ordentlich durcheinander. Weniger neutral, sondern sehr kirchenpolitisch tritt dagegen ein gewisser „John" in dem Roman „Der Schrei der Wildgänse" auf, der zwar nicht Gott ist, aber dennoch in seinem Namen auftritt.

Hier nun begegnet Mack in dem Roman „Die Hütte" nach einem schweren Schicksalsschlag Gott - in seiner dreifaltigen Gestalt als Papa (als liebenswerte dicke schwarze Mama), Jesus und dem Heiligen Geist, der ebenfalls eine flirrende (asiatische) Frauengestalt annimmt. Gott redet mit Mack zwar auch über sich, über ihre Beziehung zu einander und untereinander - aber der Spannungsbogen wird durch die in Mack aufgestaute Wut erzeugt. Wie konnte Gott das zulassen, was passiert ist? Warum? WARUM?

Das hebt „Die Hütte" sehr wohltuend von den anderen Romanen ab: Das Buch ist keine theologische Spielerei, sondern eine dramatische und überaus ernsthafte Darstellung des Ringens Gottes um den verletzten Menschen (und umgekehrt). Dabei findet „Die Hütte" einen Weg in den Herzen jener Menschen, die - wie Mack - großes Leid erlebt und dabei den Zugang zu Gott verloren haben. Vorbei an ihren inneren Barrikaden gegen Gott, gegen Leiderklärung und auch gegen jede Sinnstiftung öffnet William Paul Young eine Hintertür im Menschen, durch die Frieden Einzug halten kann. Das macht „Die Hütte" zu einem idealen Geschenk für verbitterte, verhärmte oder - vor allem - traurige und trauernde Menschen.

Natürlich ist es nicht ungefährlich, Gott über sich und die Welt reden zu lassen. Zu schnell schleichen sich kleinere Ungenauigkeiten ein, die - durch fiktionale göttliche Autorität - manchmal unangenehm aufstoßen. Allerdings sollte dies dem Autor nachgesehen werden, immerhin schreibt er - obwohl nicht studiert oder promoviert - geniale Sätze über Trinität, Beziehung, Freiheit und Schöpfung. Dass ihm bei dem Vergelungenen such, ein Buch über "Gott und das Leid" zu schreiben, auch gröbere Ungenauigkeiten in anderen theologischen Bereichen unterlaufen, sollte ihm verziehen werden...

Auf Seite 114 findet sich zum Beispiel die Aussage, dass die Wunder Jesu nicht von Jesus, sondern von „Papa" gewirkt wurden... Christologisch eine fast schon häretische Aussage; ebenso ist (auf Seite 139f) die Theorie von der Hierarchie als Quelle der Unfreiheit zumindest fragwürdig; zudem klingt (auf Seite 169) seine Einschätzung des Mannes als Ursache der Kriege und Gewalt schon fast nach einer Männer-Diskriminierung; auch die Personifizierung der Weisheit (Kapitel 11) zwar als Teil "Papas", aber dennoch zur quasi vierten göttlichen Person, ist zumindest gewagt... ... aber - nobody is perfect, auch William Paul Young nicht; sehen wir also darüber hinweg.
Etwas dramatischer wird es jedoch, wenn Youngs evangelikale Sicht auf die Mitwirkung des Menschen an seinem Heil Gott in den Mund gelegt wird. Dass die Zehn Gebote gar nicht zu befolgen sind, sondern nur dem Menschen zur Erkenntnis seines eigenen Unvermögens gegeben sind, ist typisch evangelikal - aber deshalb noch lange nicht richtig, auch wenn scheinbar Gott selbst es so sieht (Seite 234). Ob der Mensch nur vertrauen muss, oder auch mitwirken darf, ist eine Frage, die im Buche durchgehend einseitig (evangelikal) ausgelegt wird.

In drei Passagen (Seite 204-210; 228-230 und nochmal 237) jedoch erliegt Young auf äußerst unangenehm Weise seinen evangelikalen Vorurteile (die zum Beispiel in „Schrei der Wildgänse" ein ganzes Buch füllt): Nämlich der Kritik an den religiösen Institutionen - an allen Religionen und all ihrem Tun. Natürlich: In jeder Religion oder Kirche finden sich auch Menschen, die ohne wahre Beziehung zu Gott leben. William Paul Young jedoch legt Gott die Aussage in den Mund, dass dort - in den Kirche und Religionen - niemals Wahrheit zu finden ist, weil dort keiner eine wirkliche Gottesbeziehung hat; und deshalb sind alle Antworten falsch, selbst wenn sie doch einmal richtig sein sollten... (Seite 229) Während Young Gott fast im ganzen Buch Mack beibringen lässt, dass man niemanden beurteilen darf - und schon gar nicht verurteilen - schafft es "Gott" nicht, sich den Religionen etwas differenzierter zu verhalten.
Schade? Natürlich drängt sich hier ein hässliches Vorurteil in den Vordergrund, das - im Gegensatz zum ganzen Buch - äußerst lieblos und pauschalisierend ist. Aber auf der anderen Seite erinnert uns diese absolut ungöttliche Aussage daran, dass der Gott, der in „Der Hütte" mit Mack spricht, nur eine Erfindung eines Autors ist - eine sehr gute, aber eben nicht Gott selbst.

Empfehlenswert? - Ja, ich denke schon. Die tröstende und aufbrechende Wirkung des Buches wird zwar durch den Ausrutscher auf Seite 189 getrübt, aber wenn wir das Buch jemanden empfehlen, der in Unfrieden mit Gott lebt, dann wird der wiedergefundene Gott ihn nicht nur mit sich selbst, sondern auch mit der Kirche versöhnen.
Beim Verschenken oder Empfehlen schadet es aber nicht, auf die offensichtliche Inkonsqeuenz in dieser Hinsicht hinzuweisen - und ansonsten auf die erhebende Wirkung der restlichen schönen Gedanken zu vertrauen.

Die Hütte - William Paul Young, allegria-Verlag, Berlin 2009, ISBN 978-3-7934-2166-5, Hardcover, 16,90 €.

Pantaleon der Arzt - und: Leo. Allah mahabba.
Zwei "Arztromane" der anderen Art:

Wer kennt außerhalb von Köln den Namen des Arztes Pantaleon, der zu den „Großmartyrern" der frühen Kirche zählt? Und wer kennt den Namen der „deutschen" Kaiserin Theophanu, der griechischen Gemahlin Kaiser Ottos II., die kurz vor der Wende des ersten Milleniums diesen griechischen Heiligen (zusammen mit dem heiligen Nikolaus) zur Verehrung nach Westeuropa in das damalige Ottonische Reich brachte? Die Kaiserin und der Heilige ruhen gemeinsam in der frühesten romanischen Kirche Kölns, in der herrlichen Basilika St. Pantaleon, wo immer am 27. jeden Monats ein Gottesdienst zu ihren Ehren gefeiert wird; Pantaleons Gedenktag ist nämlich am 27. Juli.
Der langjährige Pfarrer von St. Pantaleon, der erst vor kurzem nach Münster zu neuen Aufgaben wechselte, Peter von Steinitz, hat ein Buch vorgelegt, das dieser Unkenntnis aufhilft und in die erregende Zeit des 3./4. Jahrhunderts, mitten in die Spätantike hineinführt. Ähnlich wie heute ist diese Endphase der Antike durchsetzt von vielerlei Sinnsuchen: Krause Mischreligionen, zuchtlos-orgiastische Kulte, orientalische Götternamen dringen in das spätrömische Reich ein, das bereits in einen ost- und einen weströmischen Teil aufgespalten ist und in den Hauptstädten Nikomedien (an der heutigen Westküste der Türkei) und Trier von zwei Kaisern regiert wird. Aber neben den verwirrenden Religionen in dem Vielvölkerreich wird auch der klärende Einfluss der griechischen Philosophie in den platonischen Schulen spürbar – und die Morgenröte des Christentums geht auf. Lange gilt es noch als jüdische Sekte, ergreift aber im griechisch-römischen Kulturraum immer mehr Gebildete und Ungebildete, Sklaven wie Adelige.
In dem Roman wird eine germanische Sklavin Friedhild zur Begleiterin der Geschichte: Nach Nikomedien verkauft, nimmt sie den ungewohnten Geist der christliche Domina wahr, erzieht nach dem Tod der Mutter den jungen, hochbegabten Sohn Pantaleon und wird später nach seiner tödlichen Folterung den Leichnam waschen und begraben. Der Autor greift die überlieferten historischen Daten auf: die Abstammung Pantaleons (des „Ganz-Löwen") von einer christlichen Mutter und einem heidnischen Vater, dessen ärztliche Kunst der Sohn übernimmt; die Berufung Pantaleons zum Leibarzt des Kaisers Diokletian; die überlieferten Wunderheilungen durch den Neugetauften; die grauenhafte Folterung in der Christenverfolgung um 400, als das Weihrauchopfer vor den Standbildern der Kaisergötter von den Christen verweigert wird.
Die Erzählung bietet aber weit mehr als diese genau recherchierten Hintergründe. Der Autor baut darin die spätantike Weltsicht ein, die den eher langsamen Weg des jungen Arztes zur Taufe zunächst hemmt; darauf aber entwickelt er dessen wachsende Freude an der Einsicht in die innere Logik des Christentums. Diese Passagen verbinden sich mit einer unaufdringlichen Katechese und Erläuterung des Glaubensbekenntnisses – für viele Leser, gerade Jugendliche, zum eigenen Eindringen gewiss hilfreich! Verbunden wird diese innere Entwicklung mit der reizvoll eingeflochtenen Liebe zu der jungen heidnischen Römerin Aurelia (die nach der Taufe Katharina heißen wird, sich Christus verlobt und in Alexandria gemartert wird!) und mit leicht hingetuschten Bildern des Hoflebens, der geheimen Gottesdienste und Tauffeiern der Christen, auch mit Ausflügen in die platonische Philosophie: so besonders im Kapitel über die göttliche Schönheit und die Schönheit des Göttlichen.
Kurz: In der zweifelhaften Gattung der „Arztromane" ist ein ganz anderer Roman entstanden, der in den wirren weltanschaulichen Mustern der Spätantike die Figur des jungen Arztes so bewegend zeigt, daß damit die Jahrhunderte übersprungen sind und das bis heute Gemeinsame, das wunderbar Menschliche des Christentums sichtbar wird.
Der Autor hat auch bereits ein zweites Buch nachgeschoben, dessen rasante Handlung zeitgenössisch in unseren Tagen und bis in den islamischen Raum hinein spielt. Leo Pantalsky (!), unverkennbar ein Namensvetter Pantaleons und ungetaufter slowakischer Medizinstudent in Köln, geht durch Himmel und Hölle der westlichen Kultur, befreundet sich mit moslemischen Studenten, wird in eine scheinbare Konversion zum Islam hineingetrickst, kann sich mit Mühe daraus befreien, findet – auch aufgrund seiner Großmutter Anna – zum Christentum. Ebenso stabilisiert ihn die Liebe zu Catherine, einer französischen jungen Christin, in den verschiedenen Möglichkeiten zu sexuellen Abenteuern. Die Freundschaft mit dem türkischen Mitstudenten Sahin führt ihn nach Istanbul, von dort weiter nach Ephesus ins Haus der Mutter Maria, Meryem Ana – wo am 11. September 2001 ein Mordanschlag auf ihn und eine Pilgergruppe geschieht... In diese flüssig und vielschichtig erzählte Handlung werden die Ringparabel Lessings, die Sufi-Mystik und viele andere Fragen hineingeflochten; die dichteste darunter lautet: Wer ist Gott? Es berührt wohltuend und lösend, daß der Autor das Freundespaar, den Christen und den Muslim, zu der Antwort finden läßt, die der Koran so nicht formuliert: Allah mahabba; Gott ist die Liebe. Dieser theologisch wohlbegründete, zugleich mit Spannung geschriebene Roman bringt viele Erfahrungen, vor allem der Multi-Kulti-Jugendszene, ins Wort und macht begründete Ängste und die tragische Richtungslosigkeit heutiger Jugendlicher deutlich. Aber es vermag auch furchtlos mit dem Evangelium eine Antwort vorzuschlagen. Junge Erwachsene werden es wegen der kriminalistischen Spannung gerne lesen und dabei die theologischen Aussagen „unter der Hand" mitnehmen; andere werden die Zielvorgabe des Glaubens an die heutigen Lebens(irr)wege schätzen. Ein kluges, spritziges und gläubiges Buch.

Hanna-Barbara Gerl-Falkovitz

Peter von Steinitz, Pantaleon der Arzt. Roman, mit Ill. v. Wladimir Naumez, Verlag Freundeskreis St. Pantaleon, Köln 2008, 266 S., ISBN 978-3-9805197-3-1, Paperback, 14,90 €

Peter von Steinitz, Leo. Allah mahabba. Roman, Edition Zero, Verlag Pro Business GmbH, Berlin 2008, 429 S., ISBN 978-3-86805-223-7, Paperback, 16,90 €.

Only You
Gib der Liebe eine Chance

Gabriele Kuby, die auf unserer Homepage eher als Harry-Potter-Kritikerin erwähnt wurde, hat nun ein kleines Büchlein geschrieben, das Mut machen und Freude schenken will. Eine solches Unterfangen scheint besonders schwierig, wenn es um die Sexualmoral aus Sicht der Jugendlichen geht - dennoch meistert Kuby dieses mit Bravour. Ihr Plädoyer für ein erfülltes Leben gelingt ihr auch dann, wenn sie auf die Gefahren der heutigen Zeit und Gesellschaft verweist: Immer versucht sie nicht die Negativ-Zeichnung der heutigen Welt, sondern die Aussicht auf Umkehr, Neubeginn und Schönheit eines veränderten Lebens zum Anlass einer Lebens-Veränderung zu machen.
Gabriele Kuby begründet nicht, warum die Sexualmoral der Kirche so ist, wie sie ist. Sie hat somit kein katechetisches Werk geschrieben, sondern ein motivierendes Geschenkebüchlein. Als Geschenk eignet es sich zwar weniger dafür, kritischen Jugendlichen Antworten zu geben, umso mehr öffnet "Only You" vielmehr den bislang fraglos-orientierungslosen jungen Menschen für eine andere Sichtweise. "Only You" empfiehlt sich also vor allem den Jugendlichen, die verlernt haben, sich (und die Kirche) überhaupt in Frage zu stellen.

Only You - Gabriele Kuby, fe-Medien-Verlag, Kisslegg 2009, ISBN 978-3-939684-51-0, broschiert, 5,- €.

Ein Rabbi spricht mit Jesus
von Jacob Neusner
und
Das Leben des Messias
Zentrale Ereignisse aus jdischer Perspektive - von Arnold G. Fruchtenbaum

Immer wieder finden sich populärwissenschaftliche Bibel-Erklärungs-Schriften, die von sich selbst behauptet, die biblischen Ereignisse so darzustellen, wie sie wirklich waren... ohne Vorurteile und ohne eine konfessionelle Festlegung. Dass das gar nicht möglich ist, wird oft vergessen - denn jeder, der die knappen Linien der Evangelien mit Farbe anreichert, verändert - oft genug nur nach eigenem Geschmack.

Da ist es wohltuend, wenn Bücher geschrieben werden, die erst gar nicht behaupten, einen ungebundenen Blick auf Jesus zu werfen - sondern von vorneherein klar machen, dass sie einen bestimmten Verstehenshintergrund haben.
Dass die beiden hier besprochenen Bücher Jesus aus jüdischer Perspektive betrachten, ist besonders wertvoll: Denn so haben ihn seine Zeitgenossen gesehen. Wir können das heute nicht, weil uns der gesamte jüdische Background fremd geworden ist.
Jacob Neusner und Arnold Fruchtenbaum erzählen daher viel über jüdische Traditionen, Gesetze und Interpretationen, Mishna und Thora - und erhellen damit für uns bisher unentdeckte Bedeutungen der bekannten biblischen Erzählungen.

Beide haben jedoch ein unterschiedliches Niveau - und einen anderen Zugang. Während Jacob Neusner deutlich macht, warum er KEIN Christ ist, bekennt sich Arnold Fruchtenbaum sehr wohl zum messianischen Anspruch Jesu. Aber auch, wenn wir den Interpretationen Fruchtenbaums nicht immer folgen können (Warum soll die Sünde gegen den heiligen Geist eine nationale Sünde sein? Und warum war der Stern von Bethlehem kein Stern? Und...); und auch, wenn wir Jacob Neusner in seinem Unvermögen, den Anspruch der Göttlichkeit Jesu zuzustimmen, nicht immer nachvollziehen - wir lernen dennoch viel über Jesus, seine verborgenen Aussagen; über die Evangelisten und ihre Zuhörer, vor allem aber über die Juden zur Zeit Jesu und zu unserer Zeit.

Zum Buch von Jacob Neusner sollte sicherlich hinzugefügt werden, dass es in ganzen Passagen von Papst Benedikt XVI. in seinem Werk "Jesus von Nazareth" zitiert und weitergeführt wird. Das ist sicherlich ein Empfehlungsschreiben für sein Buch.

Ein Rabbi spricht mit Jesus - Jacob Neusner, Herder-Verlag, Freiburg 2007, ISBN 978-3-451-29583-6, Hardcover, 16,90 €

Das Leben des Messias - Arnold G. Fruchtenbaum, CMD Verlag, Hünfeld 2007, ISBN 978-3-939833-05-5, Taschenbuch, 9,50 €.

Father Elijah - Eine Apokalypse

Bereits 1908 schrieb Robert Hugh Benson eine erste katholische Apokalypse aus der Sicht seiner Zeit. 2001 schrieben Tim LaHaye und Eva Weyandt mit der Reihe "Finale" das evangelikale Gegenstück dazu - und brauchten dazu schließlich 12 Bände; ebenfalls im Jahre 2001 erschien in der englischen Originalausgabe "Father Elijah" von Michael D. O'Brian, das nun Gabriele Kuby - genau 100 Jahre nach Bensons genialem Werk - ins Deutsche übersetzt hat.

Besonders im Vergleich zu "Finale" wird deutlich, wo die eigentlichen Stärken von "Father Elijah" liegen. Es geht in diesem Buch nämlich nicht um eine actionreiche und buchstäbliche Übertragung der "Apokalypse des Johannes" in die reale Welt. Vielmehr spielt sich die Apokalypse im Inneren des Father Elijah ab - sein innerer Kampf ist der Kampf, der sich in der Endzeit in allen Menschen abspielt und damit die eigentliche Herausforderung der Endzeit.

Der Endzeit? Natürlich spielt der Roman in unserer Zeit, deren Tendenzen so verlängert werden, dass sie apokalyptische Züge bekommen. Aber O'Brian geht es nicht darum zu zeigen, dass unsere Welt in den letzten Zügen liegt, sondern um die Erkenntnis, dass jede Zeit Endzeit ist - auch und gerade die unsere! Seit 2000 Jahren tobt der letzte Kampf zwischen Gut und Böse - manchmal auf der Weltbühne - immer aber im Herzen eines jeden Menschen. Allein deshalb ist der Roman lesenswert!

Darüber hinaus besticht "Father Elijah" durch eine tiefe Reflexion über das Leid und die Theodizee, vor allem im Gespräch und in der Bekehrung des Grafen Smorske. Auch die theologischen Dispute mit dem Antichristen oder dessen kirchlichen Vertreters, des Kardinals Vettore, geschehen auf höchstem Niveau, ohne langweilig zu werden. O'Brian zeigt keine platten Pappkameraden als Gegner, sondern gesteht auch seinen dämonischen Antagonisten enorme Intelligenz und bestechende Argumente zu. Die Gefahr eines jeden apokalyptischen Romanes, zur Anklageschrift einer bestimmten theologischen Partei zu werden, wird so von vorneherein vermieden.

Der Roman endet überraschend und gewagt; so dass vielleicht der eine oder andere Leser verlegen den letzten Buchdeckel auf fehlende Seiten hin untersucht. Aber es liegt im genialen Konzept des Romanes, dass nach der inneren Klärung der Fronten kein wirkliches Interesse an den weiteren äußeren Fakten besteht. Am Ende des Buches sagt das zitierte Kapitel der "Offenbarung des Johannes" alles, was zu wissen nötig ist.

Ein kleiner Wehrmutstropfen besteht in den relativ häufig falsch gesetzten Anführungszeichen und Einrückungen, die gerade in längeren Dialogen störend und manchmal sogar irreführend (aufgrund der drucktechnischen Vertauschung der Gesprächspartner) sind. Für ein Hardcoverbuch in dieser Preislage ein schwerwiegender Faux-Pas.

Fazit: Kein Buch für oberflächliche Actionliebhaber! Aber, das wird jedem klar, der dieses Buch liest: Die eigentliche "Action", der eigentliche Kampf, tobt in der Seele. Und das ist spannender als jedes Schlachtengemälde!

Empfehlenswert!

Father Elijah - Eine Apokalypse, Michael D. O'Brian, fe-Medienverlag, Kisslegg 2008, 542 Seiten, ISBN-13: 978-3-9396-8432-9, 19,95 Euro.

Der Himmel über Hollywood - Was große Filme über den Menschen sagen

Jose García, der auch die Filmkritiken für unsere Homepage schreibt, hat sich bereits im letzten Jahr mit seinem "Filmführer" eine Empfehlung bei uns verdient. Während der Filmführer einen Überblick über die "besten Filme der letzten Jahre" bietet, weitet sich nun der "Himmel über Hollywood": Es sind nicht mehr nur die letzten Jahren, die García in den Blick nimmt; viel wichtiger ist jedoch, dass García nun auch tiefer blickt: Er fragt nach dem Menschen in den Filmen und hinter den Filmen.

Dabei ist ein Buch herausgekommen, das weder in reines Nachschlagwerk ist (trotz seiner Fülle an Filmen und Menschen), noch eine geschlossene Abhandlung (aufgrund der Kürze der zahlreichen Kapitel). "Der Himmel über Hollywood" ist vielmehr ein Lese-Buch im besten Sinne des Wortes und damit eine unterhaltsame Ergänzung und Vertiefung zum Schau-Medium Kino. Natürlich findet der eingefleischte Cineast besonders viel Freude an den zahlreichen Hintergründen und Querverbindungen; aber auch der Neuling im Kinosaal, der nur eben einen Film nachschlagen wollte oder das Buch aus purer Neugier irgendwo aufschlägt, findet sich unvermittelt 20 oder 30 Seiten weiter - und wird das Gefühl nicht los, nunmehr ein Insider zu sein.

Allerdings gibt es auch hier einen Wehrmutstropfen: Netterweise wurde das Buch mit zahlreichen farbigen Hochglanzbildern ausgestattet - deren Qualität allerdings so stark zu wünschen übrig lässt, dass sie genauso gut auch hätten wegbleiben dürfen. Auch die oft nichtssagende Motivauswahl der Filmbilder enttäuscht ... schade.

Dennoch lautet das Fazit: Lesenswert!

Der Himmel über Hollywood - Was große Filme über den Menschen sagen, Jose García, Sankt Ulrich Verlag, Augsburg 2008, ISBN-10: 3867440697, ISBN-13: 978-3867440691, 204 Seiten, 19,90 Euro.

Mohammed - Eine Biographie

Eine Biographie über Mohammed zu schreiben, ist ein heikles Unterfangen - nach den Übergriffen im Zusammenhang mit dem Karikaturenstreit dürften viele politisch verantwortlich denkende Historiker davon Abstand nehmen.

Hans Jansen, Professor für islamisches Denken in der Gegenwart an der Universität Utrecht, hat es gewagt - und herausgekommen ist ein äußerst gewissenhaftes und informatives Buch, das vor allem mit einer großen Schwierigkeit bravourös umgeht: Der Frage nach der historischen Zuverlässigkeit der biographischen Berichte. Denn über Mohammeds Leben gibt es im Grunde nur eine einzige Quelle, die des Ibn Ishaq aus dem 9. Jahrhundert. Und selbst diese ist historisch immer wieder kritisch zu hinterfragen.

Damit rührt Jansen an ein grundsätzliches Problem historisch-kritischer Anfragen an religiös motivierte Geschichtstexte: Darf man Wunderberichte und mirakulöse Legenden ignorieren, weil der moderne Mensch sie nicht glauben kann? Darf man deshalb diesen Texten jede Glaubwürdigkeit absprechen? Oder sollte man alles glauben, was nicht widerlegbar ist? - Dem Rezensenten fällt es natürlich schwer, die Arbeit Jansens aus eigener Anschauung auf ihre Stichhaltigkeit zu überprüfen. Aber die "goldene Regel" (Was Du nicht willst, dass man Dir tu...) ist in diesem Fall sehr erhellend: Angenommen, Jansen würde mit seiner Art, die Historizität der Mohammed-Erzählungen zu hinterfragen, an die christlichen Evangelien und Heiligengeschichten herangehen - wir könnten sehr zufrieden sein.

Dabei macht Jansen keinen Hehl daraus, dass er im Grunde einer jeden Religion - also auch der christlichen - skeptisch bis ablehnend gegenüber steht. Aber ersten bewahrt diese Distanz Jansen davor, in den Verdacht zu geraten, seine Kritik sei religiös inspiriert. Und zweitens wird sein Buch durch die gelegentlich aufblitzenden humoristischen Spitzen leichter lesbarer und unterhaltsamer.

Vor allem brilliert Jansen als Historiker: Es gelingt ihm durch seine religiöse Distanz, im höchsten Maße unvoreingenommen die Wirklichkeit des Propheten Mohammed zu beleuchten; er billigt allen Quellen ein Maximum an Zuverlässigkeit zu, entlarvt eindeutige Verfälschungen und hat auch den Mut, unsichere Quellenlagen als "nicht-entscheidbar" stehen zu lassen. Er schafft es immer wieder, die modernen Vorbehalte zwar zu bennenen (z.B. beim Verhältnis Mohammeds zu den Juden, seiner Heirat mit der 7-jährigen Aischa und der Begegnung mit den Christen), sich aber von vorschnellen Wertungen frei zu machen und einen Blick aus der Geschichte heraus zu wagen.

Fazit: Für jeden Leser - auch, wenn er nur hier oder dort ein wenig stöbern würde - ein großer Gewinn und ein wichtiger Schritt zum gegenseitigen Verständnis der Religionen.

Mohammed - Eine Biographie, Hans Jansen, Verlag Beck, ISBN-10: 3406568580, ISBN-13: 978-3406568589, 491 Seiten, 24,90 Euro.

Der Anfang von allem

Dieses Buch ist kein Roman, kein "Schmöker" - sondern eine kleine, zarte Erzählung - die tief blicken lässt. Ein wunderbare Fantasie über die ersten Tage im Paradies - in Freundschaft und Vertrautheit mit Gott, dem Herrn des Gartens; aber eine noch einfühlsamere Schau in die Seele des aus dem Paradies vertriebenen Menschen.

Jutta Richter wagt mit diesem kleinen Büchlein natürlich einen Blick in das Unverstehbare. Es bleibt letztlich ein Geheimnis der Liebe Gottes, warum er diese Welt erschaffen und dem Menschen die Freiheit geschenkt hat, den Herrn zu lieben und sich dieser Liebe auch zu entziehen. Noch größer als ein Blick in die Gedanken Gottes ist allerdings ist der Versuch, das Geheimnis des Bösen zu ergründen: Warum hat Adam gesündigt - warum Eva - warum Kain?
Jutta Richter entzaubert diese Geheimnisse nicht. Der Gedanke zum Beispiel, Gott habe die Welt erschaffen, um seine Einsamkeit zu überwinden, kann theologischen Betrachtungen zwar nicht standhalten; aber Jutta Richter geht es nicht um Theologie, sondern um den Menschen - und zwar den heutigen Menschen, der sich in Adam, in Eva und Kain wiederfindet. Vor allem die Fragen Adams, die er in der Nacht an Gott richtet, sind auch die Fragen des heutigen Menschen.

Schließlich läuft alles auf die eine Erkenntnis hinaus: So wie Adam sind auch wir - gerade aus dem Paradies entlassen; noch mit der Erinnerung an die dortige Schönheit vertraut, und doch schon abgründig böse. So wie Adam sind auch wir - voller Sehnsucht, zwiespältig, im Gespräch mit Gott frustriert. Aber: So wie Adam sind auch wir - von Gott behütet auch in der widrigen Welt; von Gott besucht, wenn wir nach ihm rufen; vom Glück umgeben, wenn wir nur auf den wahren Adam in uns hören.

Fazit: Ein wunderbares kleines Büchlein, dass die Sehnsucht nach dem Paradies wach hält und zeigt, dass alles ganz einfach sein kann. Und dass Gott (und damit unser Glück) niemals weiter weg ist als ein Gebet.

Der Anfang von allem, Jutta Richter, Hanser Belletristik, 112 Seiten, ISBN-10: 3446230963, ISBN-13: 978-3446230965, 12,90 Euro.

Der Papst, der Hitler trotzte: Die Wahrheit über Pius XII.

Es ist mir schon fast peinlich, ein jedes Buch, das Michael Hesemann auf den Markt bringt, zu empfehlen. Nein - ich bekomme keine Bestechungsgelder. Und nein: Wir sind auch nicht verwandt oder verschwägert. Michael Hesemann schreibt einfach gute Bücher zu brisanten Themen.

Klar: Ich habe sein neues Buch noch gar nicht gelesen, es erscheint ja erst in wenigen Tagen. Darum lest einfach selbst:

Der Papst, der Hitler trotzte: Die Wahrheit über Pius XII., Michael Hesemann, Sankt Ulrich Verlag, Augsburg 2008, 208 Seiten, ISBN-10: 3867440646, ISBN-13: 978-3867440646, 19,90 Euro.

Buchkritik: Richard David Precht - Wer bin ich, und wenn ja, wie viele?

Mit einem Buch über Philosophie als Kerkeling-Nachfolger hatte wohl kaum einer gerechnet. Doch Richard David Precht schuf mit seinem Werk "Wer bin ich? Und wenn ja - wie viele?" ein gut lesbares Portal zur Philosophie - ähnlich den "Portal-Seiten" im Internet. Entlang den drei großen philosophischen Fragen Kants "Was können wir wissen? Was sollen wir tun? Was dürfen wir hoffen?" (Die letzte Frage: "Was ist der Mensch?" sieht Precht in den ersten drei Fragen eingeschlossen) geht Precht die Philosophie nicht aus der historischen Sicht an (wie noch Jostein Gaardner in "Sofies Welt"), sondern verschafft sich einen guten Überblick über die heute anstehenden bzw. immer noch aktuellen Fragen.

Dabei kündet Precht im Vorwort an, endlich aus dem philosophischem Elfenbeinturm auszubrechen und die Philosophie mit den anderen Wissenschaften in Verbindung zu setzen - zum Beispiel mit der modernen Hirnforschung. Zum Beispiel...? Das lässt vermuten, dass er auch die Bögen zu anderen Wissenschaften sucht. Genau das tut Precht aber nicht.

Im Gegenteil: Precht geht vom philosophischen Elfenbeinturm schnurstracks in den nächsten Turm der Hirnforschung, der vermutlich weniger aus Elfenbein ist, zudem noch nicht einmal ein fertiger Turm, sondern eher ein Rohbau ohne Fundament. Dennoch misst Precht alle Erkenntnisse der Philosophie immer nur an dieser einen Messlatte: Der Hirnforschung. Mag es die Erkenntnis, die Moral oder Gott sein - am Ende eines jeden Kapitels befragt Precht immer nur die Hirnforschung. Nicht die Quantentheorie, nicht die Relativitätstheorie, nicht die Suche nach der "Großen Vereinheitlichung". Immer nur die Hirnforschung.

Das wäre ja dennoch ein ganz interessanter Ansatz, wenn Precht die Hirnforschung selber philosophisch hinterfragen würde. Ist das Gehirn Produzent von Erkenntnis und Gefühlen - oder nur ein Werkzeug der Seele? Ist das "Ich" ein Produkt der Neuronen oder sind die Neuronenströme Produkt eines überzeitlichen, nicht-materiellen Geistes? Was ist Geist - im Gegensatz zum Gehirn?
Aber diese Fragen beantwortet Precht nicht. Nein - er stellt sich diese Fragen noch nicht einmal! Er geht weder dem Seele-Leib-Dualismus nach, erwähnt noch nicht einmal das Konzept der "anima forma corporis", noch befragt er die Hirnforschung auf deren materialistische oder theologische oder epistemologische Konzeption. Das ist mehr als ein Manko. Das ist eine Bankrott-Erklärung.

Demnach kann Precht zwar einen Überblick über die Fragen geben, die sich ein materialistischer Hirnforscher zur Zeit stellt. Ob das aber ausreicht, sich als Einsteiger-Philosoph zu gebärden, ist zweifelhaft.

Besonders peinlich ist für einen Philosophen die Antwort "Das muss jeder selber für sich entscheiden!" - solche Antworten sind gerade die Verweigerung jeder philosophischen Betätigung. Interessant, dass Precht genau diese Antwort für abschließend hält, wenn es um die Frage nach Gott und dem Essen von Tieren geht. Es scheint, als wenn der Autor weder den Vegetariern noch den Glaubenden eine seiner Antworten zumuten wollte.

Allerdings soll auch Gutes erwähnt werden: Wirklich beeindruckend und auch überzeugend ist Prechts kurze moral-theologische Stellungnahme: Werte lassen sich nicht rational herleiten, sondern werden intuitiv erkannt; ebenfalls überzeugend ist seine Kritik am Präferenz-Utilitarismus; auch seine Überlegungen zum Glück und Glücklichsein sind stellenweise erhellend und schlicht wahr... allerdings immer nur, bis Precht deren tieferen Gründe in Hormonen, Glückstoffen und Hirnaktivitäten findet.

Fazit: Precht bleibt weit hinter seinem eigenen Anspruch zurück, die Philosophie auf den modernen Stand zu bringen. Das gelingt ihm weder in Hinblick auf die philosophischen Fragen noch im Hinblick auf dem aktuellen Stand der Wissenschaft. Ausgerechnet die Hirnforschung, die zur Zeit überhaupt nicht weiß, was sie glauben soll, erwählt er zum Sieb, um Wahrheit von Spekulation zu trennen. Precht dreht sich im Kreis: Die Hirnforschung wird zum Kriterium für die Wahrheit in der Philosophie, dabei bleibt das philosophische Fundament der Hirnforschung dunkel und unklar - bzw. entpuppt sich als materialistisch: Precht sortiert dann aufgrund einer philosophischen Vorentscheidung alles aus, was dazu nicht passt. Gegenteilige Meinung werden ignoriert (!). So scheint es, als wenn Precht nur das zu Fischen erklärt, was seine Netze fangen. Und das ist nicht allzuviel.

Prädikat: Nicht lesenswert.

Wer bin ich? Und wenn ja - Wieviele?, Richard David Precht, Verlag Goldmann HC, September 2007, 397 Seiten, ISBN-10: 3442311438, ISBN-13: 978-3442311439, 14,95 Euro.

Die Dunkelmänner - Mythen, Lügen und Legenden um die Kirchengeschichte

Michael Hesemanns Bücher haben schon fast einen Stammplatz in unseren Buchempfehlungen - nach dem Gral, Fatima, dem ersten Papst widmet sich Hesemann nun in einem Überblick zahlreichen geschichtlichen Phänomenen - ähnlich dem Werk Brandmüllers "Licht und Schatten".

Dass Hesemann nun wieder eine Empfehlung der Karl-Leisner-Jugend erhält, liegt (wie auch schon zuvor) nicht an der Person Hesemanns, sondern ausschließlich seinem guten, informiertem Stil und seiner klaren Beweisführung.
So ziemlich alle angeblichen "Leichen im Keller der Kirchengeschichte" geht Hesemann auf den Grund - sachlich, nüchtern, faktenreich und unparteiisch. Im Gegensatz zu Brandmüllers Werk, das aus einzelnen Essays und Vorträgen zusammengestellt wurde, bietet Hesemann einen zusammenhängenden Durchgang durch die Minenfelder der Kirchengeschichte.

Lesenswert und gut lesbar!

Die Dunkelmänner - Mythen, Lügen und Legenden um die Kirchengeschichte, Michael Hesemann, Sankt Ulrich Verlag, Augsburg 2007, 269 Seiten, ISBN-10: 3-8674-4016-6, ISBN-13: 978-3-8674-4016-5, 19,90 Euro.

Gott - Eine kleine Geschichte des Größten

Manfred Lütz hat mit seinen ans Kabarett grenzenden Vorträgen inzwischen große Erfolge auch in kirchenkritischen und kirchenfernen Kreisen - obwohl er ein offensichtlich treuer Sohn der Kirche ist und dabei auch keine tabuisierten Themen auslässt. War ihm mit "Der blockierte Riese" noch ein Bravourstück der Kirchen-Psychoanlayse gelungen, interessierte er sich in seinem zweiten Werk "Lebenslust" mehr für ein Spartenthema.
Das kann man von seinem neuesten Buch überhaupt nicht mehr sagen - im Gegenteil. Lütz beschäftigt sich nicht nur mit dem größten Thema überhaupt - sondern er streift dabei auch alle Aspekte und geschichtliche Epochen, so dass er auf der Annäherung an das göttliche Wesen alle Leser mitnehmen kann - selbst die, die zu Beginn des Buches noch davon überzeugt waren, dass Gott nicht existiert.

Lütz belässt es aber nicht nur bei der Frage nach der Existenz Gottes - sondern er geht den Weg über die Frage nach den Religionen, den Konfessionen und den geschichtlichen Irrungen und Entdeckungen konsequent und nahezu vollständig nach.
Sein rheinischer Humor steht diesmal nicht so sehr im Vordergrund wie im letzten Buch - aber es ist noch genügend vorhanden, um das Buch amüsant und unterhaltsam zu gestalten - ohne an Informationswert zu verlieren.

Gott - Eine kleine Geschichte des Größten, Manfred Lütz, Pattloch-Verlag, ISBN-10: 3-6290-2158-1, ISBN-13: 978-3-6290-2158-8, 320 Seiten, 19,95 Euro.

Lohnt sich Atheismus? - Antwort auf eine so nie gestellte Frage

Dieses kleine Buch, im Selbstverlag (Book on demand) von Thomas Lüken herausgebracht, ist als ein Gespräch zwischen einem Atheisten und einen Glaubenden (der Atheist wandelt sich im Laufe des Buches zum Kritiker, der Glaubende zum Christ) gestaltet - und trifft damit den richtigen Ton. Denn die vorgebrachten Argumente (vor allem auch die der "Gegenseite") sind keineswegs platt und reine Stichwortgeber.
Thomas Lüken war selbst Atheist und Kritiker des Glaubens; seine Fragen stammen so aus eigenen Erleben und seine Antworten sind auch nur die, die ihn selbst überzeugt haben.

Ein kleines, preiswertes und dennoch lesenswertes Buch für alle, die sich selbst mit dem Glauben an Gott auseinandersetzen wollen oder nach Argumenten suchen.

Eine sehr gute Vorstellung des Buches findet sich auf seiner Homepage www.lohnt-sich-atheismus.de

Lohnt sich Atheismus? - Antwort auf eine so nie gestellte Frage, Thomas Lüken, Book on demand, ISBN 978-3-8334-8461-2, 109 Seiten, broschiert, 8,90 Euro. HP: www.lohnt-sich-atheismus.de

Kurzgefasste Verteidigung der Heiligen Inquistion

Hans Conrad Zander ist eine streitbare Persönlichkeit, die sich nicht in das links-rechts-Schema der Kirchenkorrektheit einordnen lässt - und er ist kirchengeschichtlich bestens informiert. Vor allem über die geschichtlichen Randbedingungen, die uns frühere Ereignisse fremdartig oder bekannt vorkommen lassen - und zum Verstehen unabdingbar sind.
Nach seinem kleinen Büchlein "10 Gründe für das Zölibat", das stark gegen den Zeitgeist gebügelt worden ist, hat er nun ein ähnliches Werk herausgebracht. Allerdings zeigt er sich hier deutlich besser informiert und positioniert.

In seiner kurzgefassten Verteidigung der Heiligen Inquistion zeigt uns Zander das wahre Gesicht dieser berüchtigten Behörde - und lässt uns staunen, dass vieles (nicht alles) ganz anders war. Dabei führt Zander soviele Belege an, dass er damit spontan überzeugen kann.

Nicht nur für historisch Interessierte und auch nicht nur als Steinbruch für gute Argumente gegen Kirchenkritiker! Das Buch ist vor allem auch für das tiefere Verständnis eines bis heute bestehenden Problems äußerst hilfreich: Wie geht die Kirche mit Andersdenkende und Andersgläubige um?

Kurzgefasste Verteidigung der Heiligen Inquisition, Hans Conrad Zander, Gütersloher Verlagshaus, ISBN-10: 3-5790-6952-7, ISBN-13: 978-3-5790-6952-4, 191 Seiten, 14,95 Euro

Filmführer

José Garcìa ist in kirchlichen Kreisen (bei Komma-Lesern, Lesern der Tagespost oder Besuchern unserer Homepage) als kompetenter Kinokritiker bekannt. Filme zu kritisieren bedeutet ja nicht nur, sie nach rein künstlerischen oder technischen Gesichtspunkte zu bewerten, sondern sie auch auf ihr Menschenbild hin zu befragen. Genau das tut Garcia regelmäßig in Zeitungen und auf seiner eigenen Homepage. www.textezumfilm.de
Nun hat er im MM-Verlag - als Komma-Sonderausgabe - einen sehr interessanten und gut bebilderten Filmführer mit den besten Filmen der letzten Jahre vorgelegt. Sortiert nach Genres findet sich dort nicht etwa einen Übersicht über alle Filme - oder eventuell über die erfolgreichsten Kassenschlager. Vielmehr ist sein Kinoführer eine Sammlung der besten Filme; derjenigen, die durch ihr Menschenbild, ihre Familientauglichkeit, ihre Thematik oder Fragestellung aus der Masse der Produktionen hervorstechen.

Wer allerdings glaubt, hier nur unbekannte Spartenfilme zu entdecken, wird überrascht sein, wieviele der großen Filme sich dort neben kleinen, kaum bekannten Werke finden. Hollywood ist nicht unchristlich - man muss nur wissen, wo man die Perlen findet. Garcia's Filmführer hilft dabei.

Filmführer von José García, Jose Garcia, MM-Verlag Aachen, ISBN 978-3-9282-7287-2, 226 Seiten (Illustrierte), 14,80 Euro.

Indizien für einen Schöpfer

"Intelligent Design" hat in Deutschland keine große Anhängerschaft - die These, es gäbe Hinweise auf einen intelligenten Schöpfer der Welt, wird von allen Medien durch die Reihe als "fundamentalistischer Blödsinn" bezeichnet und in eine Ecke mit den Kurzzeit-Kreationisten (sprich: Fundamentalisten) gestellt.
Zudem stellen sich auch die deutschen ID-Vertreter oft dümmlicher oder fundamentalistischer dar als es nötig wäre. Mit dem neuen Buch von Lee Strobel macht uns ein Amerikaner nun vor, wie ein neutraler und zugleich wissenschaftlicher Ansatz aussehen könnte. In elf Kapiteln geht Strobel den wichtigsten Fragen des Intelligent-Design und der Evolutionstheorie nach - wie auch in seinen vorangegangenen Büchern ("Der Fall Jesus" und "Glaube im Kreuzverhör") in der Form von Interviews mit angesehen Wissenschaftlern - von Biologie und Biochemie, über Astrophysik und Kosmologie bis hin zur Quantenphysik und Soziobiologie. Durch die gewählt literarische Form aber auch durch seine hervorragenden naturwissenschaftlichen Kenntnisse gelingt Strobel so ein Buch, das sich leicht liest und doch (so scheint mir) auf der Höhe der wissenschaftlichen Forschung steht.

Auch wenn Strobel nicht wirklich neutral ist und hier und dort seine Wurzeln in der amerikanischen Erweckungsbewegung durchscheinen, hat er ein durch und durch lesenswertes und hilfreiches Buch geschrieben. Seine Ausführungen räumen endlich mit dem Vorurteil auf, ID-Vertreter hätten nur die Bibel gelesen und von Naturwissenschaften keine Ahnung.

Lesenswert - und hilfreich!

Indizien für einen Schöpfer, Lee Strobel; Gerth-Medien GmbH Asslar 2005; ISBN 3-865-591-012; 17,95 Euro.

Kult

Vielleicht kennst Du die beiden Ausgaben von "Schott's Sammelsurium" (kleine Büchlein mit allen möglichen interessanten und unterhaltsamen Fakten, Zahlen und Erklärungen aus allen Bereichen des Lebens)? - Ganz in diesem Stil ist das kleine Büchlein "Kult" von Peter Seewald gehalten - hochwertig im noblen Hardcover mit ausgestanztem Kreuz und in zweifarbigem Druck.
Inhaltlich bezieht sich "Kult" im Gegensatz zu den "Sammelsurien" ausschließlich auf die Skurillitäten der Bibel und der katholischen Kirche. Von "den erotischsten Bibelstellen" über "die schlimmsten Sünden", die "höchsten Kathedralen", die "unwahrscheinlichsten Wunder" bishin zu einfachen Zahlen und Fakten des Pontifikats von Johannes Paul II. - in diesem Buch blättert jeder gerne - und wird sich nur schwer losreißen können.

Originell! (Leider mit 18,- Euro auch relativ teuer).

Kult, Peter Seewald; Pattloch-Verlag 2007; ISBN 978-3-629-021-51-9; 18,00 Euro.

Licht und Schatten

Wieder ein Buch, das mit kirchengeschichtlichen Vorurteilen aufräumt. Offenbar ist die Zeit gekommen, die ideologischen Scheuklappen abzulegen und in der Kirchengeschichte nicht die Rechtfertigung der eigenen Unkirchlichkeit zu sehen, sondern zu fragen: "Was war damals wirklich?"

Und mit Walter Brandmüller, dem ehemaligen Augsburger Ordniarius für Kirchengeschichte, der heute gerne als "Chefhistoriker des Vatikans" tituliert wird, findet die Betrachtung der heißen Eisen der Kirchengeschichte auch den kompetentesten Schmied.

In 17 Essays (nicht immer so ganz leicht zu verstehen - aber immer leicht zu lesen!) erleuchtet Brandmüller die Hintergründe der Inquisition, der Kreuzzüge, der Reformation - und nimmt mit grundlegenden historischen Analysen Stellung zum Papsttum, zur historischen Kirchenkritik, der europäischen Kultur, der bibelkritischen Hinterfragung der Weihnachtsgeschichte zu Bethlehem bishin zur Jungfrauengeburt Mariens.

Lesenswert!

Licht und Schatten, Walter Brandmüller; Sankt Ulrich Verlag Augsburg; ISBN 978-3-936-484-99-1; 16,90 Euro.

Das wahre Gesicht des Pater Pio

Dass Andreas Englisch mit seinem "Wunderbuch" (Gottes Spuren) einen Bestseller geschrieben hat, deutet darauf hin, dass nach Jahren der kritischen Abstinenz allem Wunderbaren gegenüber der Hunger nach einer Welt gewachsen ist, in der sich nicht alles berechnen und prognostizieren lässt. Und so wundert es nicht, dass ein Buch aus den 70-er Jahre nun im Weltbildverlag eine neue Auflage erhält, das gefüllt ist mit den gut bezeugten Wundergeschichten, die sich um Pater Pio ranken.

Das Schöne an den Geschichten des Pater Pio ist, dass es sich nicht um reine Heilungswunder handelt, die meist als Zeugnisse für Selig- und Heiligsprechungsprozesse überprüft werden. Die Geschichten, die sich in diesem Büchlein wieder finden, halten einer medizinischen Überprüfung kaum stand - vor allem deshalb, weil sie zum größten Teil nicht aus dem medizinischen, sondern alltäglichen Leben stammen. Aber gerade das macht sie so lesens- und glaubenswert. Nach der Lektüre dieses Büchleins, das nicht im eigentlichen Sinne eine Heiligenbiographie ist - sondern eher ein Denkmal für den Pater aus San Giovanni Rotondo - weiß der Leser auch, warum sich Pater Pio in Italien so großer Beliebtheit gerade im einfachen Volk erfreut: Er war ein Heiliger für den im Alltag gelebten Glauben. Und diese Erfahrung wünsche ich auch dem Lesen der Neuauflage von "Das wahre Gesicht des Pater Pio".

Aufgrund des günstigen Preises auch gut als Geschenk für jeden Anlass geeignet!

Das Wahre Gesicht des Pater Pio, Maria Winowska; Weltbild-Verlag (nur dort zu bestellen!); ISBN 978-3-828-949-91-1; 176 Seiten; 6,95 Euro.

Gottes Spuren - die Wunder der katholischen Kirche

Andreas Englisch hat ein Buch vorgelegt, in dem er den "Wundern der katholischen Kirche" nachgeht. Packend und fesselnd geschrieben, oft aus seiner persönlichen Erinnerung an Erlebnissen und Gesprächen, geht Englisch den Wundern von Medjugorje, Civitavecchia, Fatima, Guadelupe und Lourdes, des Grabtuches von Turin und des Bildes von Manopello nach, der Exorzisten Milingo, Amorth und einiger anderer - eingerahmt von zwei bislang unbekannten Wundern, die Englisch selbst aufgespürt hat: Eine Totenerweckung in Rom und einem geheimnisvollen Klosterbau in der Nähe von Ascoli Piceno.

Wieder bleibt Englisch seinem Schreibstil und seiner Einstellung treu: Er schreibt als Kritiker, als Nicht-Glauben-Könnender, als Kind der heutigen Zeit. Für den heutigen Menschen wird seine Darstellung und persönliche Herangehensweise dadurch attraktiv, weil er sich nicht festlegen will - und immer wieder (mit Vorliebe am Ende eines Kapitels) kritische Fragen auflistet und damit das abschließende Urteil dem Leser überlässt.

Genau darin liegt aber auch die erste Schwäche des Buches. Denn die modernen Fragestellungen, die sich Englisch zu eigen macht, gehen oft genug an der Sache vorbei.

Für einen modernen Menschen mag das Verhalten des Indio Juan Diego seltsam sein, der sich trotz der Marienerscheinung noch Sorgen um seinen sterbenden Onkel macht. So schreibt Englisch kopfschüttelnd: (S. 219) "Dabei geht es doch bei jeder Marienerscheinung im Kern immer um die Suche nach einer Antwort auf all die Fragen, die die Menschheit seit Anbeginn ihrer Geschichte bewegt: Gibt es eine Welt außer der unseren? Was geschieht, wenn ein Mensch stirbt? Erlöscht sein Geist, oder was geschieht mit ihm? Gibt es einen Gott?" - Die Möglichkeit, dass für die Menschen zu anderen Zeiten ganz andere Fragen drängend waren (z.B. ob Gott ein liebender Gott, ein Gott aller Menschen sei!), kommt Englisch gar nicht in den Sinn.

So passiert es häufig, dass Englisch voller Staunen über die Wunder der katholischen Kirche berichtet - die Sinnspitze der Wunder aber verfehlt und deren kirchenpolitische oder heilsgeschichtliche Bedeutung schlicht nicht wahrnimmt.

Zudem finden sich viele Fehler, Fehlinterpretation und Spekulationen, die Englisch als Fakten darstellt. Dies scheint mir die zweite, größere Gefahr des Buches zu sein: Während der Leser über die Wundertätigkeit Gottes staunt, schüttelt er über die (falsch dargestellte) Kirche nur den Kopf. Dabei hätte ein Fachmann für Kirchenfragen durch einfache Recherche vieles vermeiden können:

S. 125: "Dagegen warnt die Glaubenskongregation von Kardinal Joseph Ratzinger sogar mehrfach vor einer Verehrung der angeblichen Marienerscheinungen von Medjgorje". Oder auf S. 132 "Die Kirche hatte das Erscheinen der Muttergottes in Medjugorje nicht anerkannt." - Die Marienerscheinungen in Medjugorje dauern noch an, deshalb ist eine Anerkennung nicht möglich. Eine Ablehung dagegen wäre schon möglich - ist aber noch nicht erfolgt. Allein diese Tatsache spricht schon für den Wallfahrtsort in der Herzegowina. Dass ein Besuch in Medjugorje "Ketzerei" gleichkommen soll, ist vollkommener Unsinn.

Zusammenfassend lässt sich das Buch als gelungene trivial-theologische Abhandlung bezeichnen. Wer einem lieben Menschen, der der katholischen Kirche und einer übernatürlichen Welt vollkommen ablehnend gegenübersteht, kein anderes Buch schmackhaft machen kann (und solche Menschen gibt es viele), der wird vermutlich mit diesem Buch einen ersten Zugang ermöglichen. Allerdings ist dann anschließend viel Zuspruch nötig, um die verworrene Sichtweise auf die Grundwahrheiten der katholischen Kirche ins rechte Lot zu rücken.

Nicht empfehlenswert... (abgesehen vom ersten und den letzten Kapiteln).

Gottes Spuren - die Wunder der katholischen Kirche, Andreas Englisch; C. Bertelsmann-Verlag München 2006; ISBN 3-570-008-55-3; 19,95 Euro; 384 Seiten.

Michael Hesemann - Der erste Papst

Jahrzehntelang hielten Theologen es für nicht nötig, die Archäologie zu bemühen: Sie waren von der Bildhaftigkeit der alt- und neutestamentlichen Angaben so überzeugt, dass auch aufsehenderregende Funde aus biblischer Zeit daran nichts änderten. Inzwischen ist in die kirchengeschichtliche Forschung ein wohltuender Realismus eingekehrt, der es erlaubt, einen unverfälschten Blick auf die Entdeckungen der letzten Jahrzehnte zu werfen.
In seinem Buch „Der erste Papst" fasst Michael Hesemann in spannender und lebendiger Weise zusammen, wie sich aus vielen einzelnen Details und Erkenntnissen aus der Geographie, Archäologie, Biologie, der Exegese, sogar der Kriminologie und dem heutigen Stand der Geschichtsforschung auch das Bild des Apostel Petrus neu formiert.
Ausgangspunkt seiner Zusammenfassung ist die Entdeckung eines Grabes unter dem Petersdom - dem Petrusgrab? Bevor er diese Frage überraschend und kompetent beantwortet, fügen sich in seinem lesenswerten Buch weitere Bruchstücke zu einem harmonischen Ganzen zusammen - angefangen beim Haus des Petrus, den neutestamentlichen Berichten, der Auffindung des sog. Petrus-Boot - über die Rolle der Essener, Qumran, der Entstehung der Evangelien, der Reisen des Petrus - bis hin zur Kreuzigung des Petrus, seiner Beisetzung und der Entstehung der unterirdischen Totenstadt unter dem Petersdom.

Michael Hesemann hat dabei ein leicht lesbares, spannendes Buch geschrieben, dass von großer Sachkenntnis genauso zeugt wie von einer gesunden Glaubensüberzeugung.

Sehr empfehlenswert!

Michael Hesemann - Der erste Papst - Pattloch Verlag 2003 - ISBN 3 629 016 65 0

Scott Hahn - Die Hochzeit des Lammes

Die Offenbarung des Johannes („Die Apokalypse") scheint schon fast das Lieblingsbuch der evangelikalen Protestanten zu sein: Ein Buch voller Rätsel, das einem Code gleicht, der „geknackt" werden will.
Scott Hahn, einer der bekanntesten evangelikalen Theologen Amerikas, überraschte vor einigen Jahren mit seiner Konversion zum katholischen Glauben („Mein Weg nach Rom" - ebenfalls lesenswert!). Nun behauptet er, dass er nach mehr als 20 Jahren vergeblichen Studien mit dem neuen, katholischen Blick auf dieses letzte Buch der Bibel endlichen den Schlüssel zur „Apokalypse" gefunden hat: Die Offenbarung des Johannes sei vor allem ein „liturgisches Buch", in dem die Messe - „Das Mahl des Lammes" (so der Titel des Buches) - als „Himmel auf Erden" beschrieben wird.

Scott Hahn, der schon zu seinen Zeiten als Protestant dafür bekannt war, schwierige Gedanken allgemeinverständlich vermitteln zu können, hat mit diesem Buch der katholischen Kirche ein doppeltes Geschenk gemacht: Zunächst erschließt er uns das so fremde Buch der Offenbarung neu, - zum anderen gewinnen wir einen tieferen Blick auf das Geheimnis der Eucharistie.

Scott Hahn - Die Hochzeit des Lammes - Sankt Ulrich Verlag 2003 - ISBN 3 929 246 94 5

Vittorio Messori - Gelitten unter Pontius Pilatus?

Nicht erst durch den Film "Die Passion Christi" wurde die Diskussion über die geschichtliche Glaubwürdigkeit der Evangelien neu entfacht. Für viele sind gerade viele Details der Leidensgeschichte nur Symbole, bildliche Übertragungen aus den Prophezeiungen oder sogar dreiste Hinzufügungen der Evangelisten.

Vittorio Messori - wie Michael Hesemann als Journalist eigentlich "fachfremd" - geht ausführlich allen Details nach und fragt nach deren geschichtlicher Glaubwürdigkeit. Obwohl Messori penibel jeder Formulierung und jedem Einwand nachgeht, ist ein spannendes und äußerst informative Buch entstanden - gründlich und sachlich, informativ und umfangreich. Gerade zum o.g. Film von Mel Gibson ein unverzichtbares Nachschlagwerk!

Vittorio Messori - Gelitten unter Pontius Pilatus? - Adamas Verlag 1997 - ISBN 3 925 746 72 2 -

Reinhard Junker, Siegfried Scherer - Evolution - Ein kritisches Lehrbuch

Die katholische Kirche pflegt eine offene Haltung zu den modernen Naturwissenschaften; sie ist keineswegs so kritisch und schon gar nicht ablehnend, wie von den modernen Medien gerne behauptet. Wenn einige Politiker auch gerne auf Verlautbarungen des apostolischen Stuhls mit Stereotypen wie "Das ist ja noch vor-mittelalterlich" oder "Die Kirche ist immer noch nicht in der Gegenwart angekommen" reagieren - wie können ihnen nur zugute halten, dass sie nicht wissen, was sie sagen.
Verursacht wird das negative Bild der naturwissenschaftlichen Offenheit der Kirche unter anderem durch unqualifizierte, bibel-fundamentalistischer Kritik an der Evolution. Vor allem freikirchliche (baptistische) Bewegungen aus den USA tragen immer wieder grundsätzliches Misstrauen den modernen Wissenschaftlern gegenüber zur Schau - und werden dann leider mit der katholischen Kirche in einen Topf geworfen.

Nun haben Reinhard Junker und Siegfried Scherer ein sehr wohl Oberstufen-taugliches Lehrbuch zur Evolution geschrieben. Keine Rede von Wissenschaft-Feindlichkeit: Gerade aus wissenschaftlicher Sicht bleibt die Frage nach Schöpfung und Evolution offen. In dem sehr systematischen und vollständigen Lehrbuch "Evolution - Ein kritisches Lehrbuch" wird endlich einmal eine zusammenfassende Darstellung der ungelösten Fragen mit einer vollständigen Zusammenschau der gesicherten Fakten versucht.

"Wer nach dem Ursprung der Welt, des Lebens und der Menschen fragt", so heißt es im Vorwort, "muss zwischen unterschiedlichen weltanschaulichen Vorstellungen wählen: Alle Antworten auf diese Frage beinhalten Glaubensentscheidungen. Wir wünschen uns, dass dieses Buch dazu beiträgt, die Unumgänglichkeit dieser Wahl bewußt zu machen."

Für einen naturwissenschaftlich vorgebildeten Leser eine wahre Fundgrube der biologischen Aufklärung!

Reinhard Junker, Siegfried Scherer - Evolution, ein kritisches Lehrbuch - Weyel Lehrmittelverlag, Gießen 1998 - ISBN 3 921 046 10 6

Michael Hesemann - Die Entdeckung des Heiligen Grals

Was viele nur für einen Mythos halten, dem geht Michael Hesemann mit den harten Methoden der historischen Forschung auf dem Grund. Und welcher Mythos ist gewaltiger als der des Heiligen Grals? Michael Hesemann hat ihn gefunden - und er lässt uns teilhaben an seiner Suche.
In seinem spannend geschriebenen, bis ins Detail überzeugenden Geschichtskrimi zeichnet er den Weg des Kelches, mit dem Jesus beim letzten Abendmahl die erste Hl. Eucharistie gefeiert hat, bis in die heutige Zeit nach. Dabei bleibt er gewissenhaft und ehrlich; wo eindeutige Belege fehlen, scheidet er sauber mögliche Alternativen aus. Dabei ist er viel weniger auf Spekulationen angewiesen, als man zuvor vermuten sollte.
Aber auch andere Rätsel der Weltgeschichte streift er im Vorübergehen und lässt sie in einem neuen Licht erscheinen: Von der Verbindung der ersten Christen zu den Essenern, der Hinrichtung des Hl. Laurentius, der Arthur-Sage, dem Phänomen der Albigenser bishin zur nationalsozialistischen Mythen-Geschichte.

Die Beweislast ist erdrückend: Die Suche hat ein Ende, der Hl. Gral ist gefunden.

Michael Hesemann hat erneut ein leicht lesbares, spannendes Buch geschrieben, dass von großer Sachkenntnis genauso zeugt wie von einer gesunden Glaubensüberzeugung.

Sehr empfehlenswert!

Michael Hesemann - Die Entdeckung des Heiligen Grals - Pattloch Verlag 2003 - ISBN 3 629 016 59 6

Paul Badde - Maria von Guadelupe

Es ist der größte Wallfahrtsort der Welt: Guadelupe in Mexiko. Und dennoch ist seine Geschichte und die wunderbare Geschichte des dort verehrten Marienbildes in Europa wenig bekannt.

Paul Badde, der bekannte Publizist und Redakteur der Tageszeitung DIE WELT, hat sogar erst 1999 in Medjugorje davon erfahren - und hat sich auf den Weg nach Mexiko gemacht. Dort erfährt er, wie er selber sagt, "die größte Geschichte, die ich jemals gehört habe": Zehn Jahre nach der Eroberung Mexikos erscheint dem Indio Juan Diego 1531 die Muttergottes. Ihr Erscheinen löst eine Bekehrungswelle aus - obwohl in den 10 Jahren zuvor trotz eifriger Bemühungen der Missionare sich kaum ein Indio taufen ließ. Nach der Erscheinung Mariens lassen sich in wenigen Jahren sieben Millionen Indio taufen - Lateinamerika wird christlich.

Und auf dem Poncho Juan Diegos hinterlässt die Muttergottes ihr Abbild, das heute in der Kathedrale von Guadelupe verehrt wird. Paul Badde befragt, untersucht, schaut und schreibt seine Erfahrungen nieder: "Ich verschweige in meinem Buch die Zweifel nicht, ich kann auch nicht alle Fragen auflösen. Aber ich habe neben all den Zweifeln eben auch die anderen Erfahrungen niedergeschrieben. Ich will nichts beweisen, sondern vielmehr berichten, was ich selber mit diesem Bild erlebt habe, wofür ich Zeuge bin." - Und das, nebenbei bemerkt, ist eine ganze Menge und auf jeden Fall sehr beeindruckend.

Wer sich schon einmal für das Grabtuch von Turin interessiert hat, wird dazu erstaunliche Parallelen im Buch Baddes finden. Und wer weiß - vielleicht geht unsere nächste Wallfahrt dann nach Guadelupe?

Paul Badde - Maria von Guadeupe - Ullstein Verlag 2004 - ISBN 3 550 075 81 2

T.H. White - Der König auf Camelot (2 Bände)

Während im Kino mit dem Film "King Arthur" der Versuch läuft, die "wahre Geschichte hinter der Legende" zu erzählen (wer kann das schon?), vergnügt sich T.H.White damit, die Legende selbst zu erzählen - aber auf eine Art und Weise, die alles andere als verstaubt oder antiquiert ist. White weiß schier alles über das Mittelalter, von Falknerei über Wildschweinjagd, über Mode und Turnierwesen, bis hin zur Psyche des mittelalterlichen Menschen. Und wenn White auch nicht unterscheidet zwischen Legende und historischer Wahrheit - in seinem Werk steckt mehr Wahrheit über die Geschichte, diese Welt und die Schwierigkeit des Menschen, Frieden zu halten, als in jeder bisherigen Adaption der King-Arthur-Sage - o.g. Kinofilm eingeschlossen.

Ein Vergnügen!

T. H. White - Der König auf Camleot - Klett-Cotta (Hobbit-Presse) 1996 - ISBN 3 608 87504 2 (Band 1), ISBN 3 608 87505 0 (Band 2) - broschierte Taschenbücher

Alessandra Prinzessin Borghese - "Mit neuen Augen" - Mein Weg zum Glauben

Zeugnisse von persönlichen Bekehrungen rühren an. Je näher mir der Mensch, je ähnlicher er mir ist, um so bereiter bin ich, seinen Weg auch für mich als möglich zu halten.

Da scheint das Bekenntnis einer Jet-Set-Prinzessin aus einem der reichsten Fürstenhäuser Europas eher ein Fremdkörper. Ich bin doch ganz anders - oder?

Nein. Das bin ich nicht. Zu diesem Ergebnis wird derjenige kommen, der "Mit neuen Augen liest". Denn Alessandra ist alles das, was sich junge Menschen erträumen: Gut aussehend, reich, begabt und mitten im High-Society-Leben der anderen Reichen und Schönen. Sie ist der Wirklichkeit-gewordene Traum. Und deshalb ist ihr Weg zum Glauben auch unser Weg: Denn der Traum vom erfüllten Leben erfüllt sich für Alessandra Borghese genauso wie für jeden anderen jungen Menschen nicht im Luxus - dort herrscht die gleiche Leere wie in jedem Menschen, der Gott nicht gefunden hat.

Das Buch "Mit neuen Augen" ist nicht nur deshalb spannend zu lesen, weil dort der Weg vom Luxustraum zum Lebensglück beschrieben wird - sondern auch, weil Alessandra ehrlich und umkompliziert schreibt, offen und ohne überflüssige Schnörkel. Und sie verheimlicht nicht, was sie mit diesem Buch beabsichtigt: Die Konversion des Lesers vom Träumer zum glaubenden Realisten. Im Vorwort schreibt Gloria von Thurn und Taxis ohne falsche Scham: "Auch darum geht es bei Alessandra Borgheses Versuch, andere zu konvertieren: um sicherzugehen, niemanden bei den großen Feierlichkeiten, die in Ewigkeit andauern, vermissen zu müssen - nur weil sie die Einladung dazu nicht rechtzeitig erhalten haben."

Alessandra Prinzessin Borghese - Mit neuen Augen - Langen Müller Verlag 2005 - ISBN 3-7844-2986-6, 18,90 Euro

Joseph Kardinal Ratzinger
"Vom Geist der Liturgie" - "Einführung in das Christentum" - "Das Salz der Erde"

Nach der Wahl Joseph Kardinal Ratzingers zum Papst haben die Deutschen die Buchläden gestürmt und alles gekauft, was vom Vorsitzenden der Glaubenskongregation in den Regalen stand. Offensichtlich hatte man sich über Jahre hinweg ein Bild vom "Panzerkardinal" gemacht, ohne seine Bücher zu lesen. Es reichte, gelegentlich die Schlagzeilen der Bunten Presse zu lesen, um mitschimpfen zu können. Nun - als Benedikt XVI - freuen sich über 73 % der Deutschen über diese Wahl - und interessieren sich spät, aber nicht zu spät, für den Menschen hinter dem Amt.

Aber welches der zahlreichen Werke Ratzingers vermittelt das, was der Kardinal mit in sein Papstamt nehmen wird?

Drei Werke möchte ich Euch hier empfehlen. Das schönste Zeugnis des Menschen Ratzingers ist ohne Frage sein als Interview mit Peter Seewald verfasstes Werk "Salz der Erde". Ratzinger gibt dort einen wunderschönen Einblick in seine persönliche Geschichte und einen leicht verständlichen Überblick über seine theologische Positionen und Einschätzungen. Ein absolut lesenswertes Buch!

(Joseph Ratzinger - Salz der Erde - Heyne-Verlag - ISBN 3-4538-7942-2 - 8,95 Euro)

Schön und immer noch leicht lesbar ist seine Beschreibung der Liturgie - wie sie ist und wie sie sein sollte. In "Der Geist der Liturgie" erfährt der geneigte Leser auch, dass Ratzinger weniger ein "Panzer", sondern vielmehr ein "Brückenbauer" ist: Er weiß vom Idealfall der Liturgie die Brücke zum Menschen zu schlagen und das, was praktikabel ist, mit dem, was wahr ist, in Einklang zu bringen.

(Joseph Ratzinger - Der Geist der Liturgie - Herder Freiburg, 2005 (Nachdruck) - ISBN 3-4512-7247-4 - 18,90 Euro)

Und zuletzt sei dem theologisch Interessierten das grundlegende Werk Ratzinger aus den 60-er Jahren empfohlen: Die "Einführung in das Christentum". Obwohl die Einführung inn das Christentum zum Standardwerk der Theologiestudenten der 70er und 80er Jahre wurde, hat Ratzinger sich gelegentlich von einzelnen Positionen distanziert - und schließlich im Jahre 2000 eine Neuauflage veranlasst. Somit umfasst dieses Kompendium nicht nur einen theologischen Rahmen von fast 40 Jahren, sondern ebenso einen Zugang zu Christentum par excellence.

(Joseph Ratzinger - Einführung in das Christentum - Weltbildverlag Augsburg, 2004 (Sonderausgabe) - ISBN 3-8289-4932-0, 9,95 Euro.)

Klaus Berger - JESUS

Es gibt viele Bücher über Jesus - klar. Klaus Bergers "Jesus" ist anders als alles anderen Jesus-Bücher zuvor - ebenso klar. Das behauptet jeder, der über Jesus schreibt.
Das entscheidend Neue an Klaus Bergers "Jesus" ist, dass er absolut auf der Höhe der Zeit schreibt - und dennoch ganz und gar gegen den Trend der Zeit. Er berücksichtigt die ganze moderne Exegese und die heutige Situation in unseren Gemeinden - und stößt sie alle vor den Kopf.
Vielleicht wird sich die eigentliche Bedeutung seines Werkes erst in einigen Jahrzehnten zeigen: Es sieht so aus, als ob Klaus Berger Vorreiter eines neuen Denkens ist - das Jesus einfach als das nimmt, was er war: Überraschend, provozierend, fordernd und verstörend - gleichzeitig ein Gottmensch mit Charakter und voller Liebe. Anders eben, als das bisher verzweckte und deshalb glattgebügelte Jesusbild der Moderne.

Klaus Bergers "Jesus"-Buch ist keine Abhandlung, sondern eher eine Sammlung von Betrachtungen. Gerade das ist die Stärke des umfangreichen Buches: Wer will, kann jeden Tag an einer anderen Stelle aufschlagen und mit Bergers Augen Jesus neu begegnen. Ein Buch, das wahrlich zur Betrachtung "mit neuen Augen" anregt.

Klaus Berger: Jesus - Pattloch Verlag München, 2004 - ISBN 3-629-00812-7, 28,00 Euro

Michael Hesemann - Das Fatima-Geheimnis

Die zahlreichen Hesemann-Buchempfehlungen auf der KLJ-Site haben mich bisher davon abgehalten, auch noch ein drittes Werk vom gleichen Autor hier zu besprechen. Aber im Rückblick auf das Pontifikat Johannes Paul II. muss ich einfach auf Michael Hesemann zurückgreifen: Neben den berühmten und empfehlenswerten Biographien von Andreas Englisch und George Weigel sollte auch das kleine Büchlein von Michael Hesemann "Das Fatima Geheimnis" empfohlen werden. Zu sehr ist das Leben des letzten Papstes mit der Geschichte und den Geheimnissen von Fatima verbunden.
Michael Hesemann verknüpft ausgesprochen nüchtern und zurückhaltend die Ereignisse aus dem kleinen Dorf in Portugal mit den Geschehnissen auf der Weltbühne - bis zum Auftreten des letzten Wunders, dem Polen Karol Wojtyla. Lesenswert!

Michael Hesemann: Das Fatima-Geheimnis - Weltbild-Verlag Augsburg, 2003 - ISBN 3-8289-4908-8, 7,95 Euro

Jugendbücher aus dem Petra-Kehl-Verlag

Elisabeth von Schmidt-Pauli, Boten der Liebe. Eine Heiligenlegende für die Jugend, 223 Seiten (2005);
Elisabeth von Schmidt-Pauli, Pilger auf Erden. Kleine Heiligenlegende, 207 Seiten (2005);
Ferdinand Oertel, Jugend im Feuerofen, 192 Seiten (2001)

alle im Verlag Petra Kehl, Sturmiusstr. 9, 36037 Fulda

Im Verlag Petra Kehl sind einige Bücher erschienen, die sich sowohl als Geschenk für Jugendliche als auch für Erzieher und Seelsorger eignen.

„Boten der Liebe“ und „Pilger auf Erden“ sind Reprints gleichnamiger Werke, die 1954 bzw. 1964 im Verlag Butzon und Bercker (Kevelaer) erschienen sind, aber nichts von ihrer Aktualität eingebüßt haben. Gerade in einer Zeit, in der Idole und Vorbilder Hochkonjunktur besitzen, stoßen Heiligengeschichten und Lebensbilder von Heiligen in eine wichtige Lücke. Die in den Büchern vorgestellten heiligen Jugendlichen und jungen Menschen (Agnes, Bernadette, Elisabeth, Franz von Assisi, Michael Pro u.a.) werden in einer klaren, einfachen und ungeschnörkelten Sprache vor dem Auge des Lesers lebendig. Gut recherchiert sind ihre Lebensgeschichte und die äußeren Umstände ihrer Berufung.
Die äußere Aufmachung der Bücher ist einfach und zurückhaltend; die Illustrationen lassen Raum für eigene Vorstellungen und die eigene Phantasie.

„Jugend im Feuerofen“ ist dagegen eine dokumentarische Erzählung mit dem Anspruch, lebendige Zeitgeschichte zu vermitteln. Es geht um die Auseinandersetzungen und Bedrängnisse der katholischen Jugend im Würgegriff der nationalsozialistischen Ideologie. Im Mittelpunkt der Erzählung steht Wolf Dorn, Jungführer im katholischen Jungmännerverband, der erleben muß, wie seine Arbeit und die Freiheit der katholischen Jugend immer mehr geknebelt und unterdrückt werden. Spannend wird erzählt, wie er sich dem Zugriff der Gestapo entziehen kann, indem er sich freiwillig zur Wehrmacht meldet. Trotzdem sind ihm die Häscher weiterhin auf den Spuren, sogar sein früherer Freund.

Besonders wertvoll wird die Erzählung durch immer wieder eingestreute Zitate im Originalton aus kirchlichen und staatlichen Dokumenten, die deutlich machen, unter welch schwierigen Bedingungen die Kirche in der NS-Zeit die Seelsorge auch unter den jungen Menschen aufrecht zu erhalten versuchte. Ein Buch, das darum auch sehr gut auch im Religions- und Geschichtsunterricht eingesetzt werden kann.

Der neue katholische Kurz-Katechismus

Unter dem Titel: «Katechismus der katholischen Kirche - Kompendium» ist der sogenannte «Kurz-Katechismus», der in Italien zum Bestseller avancierte, nun auch in Deutschland erschienen. Obwohl er in seiner Form (Frage-Antwort) an die alten Schulkatechismen erinnert, ist er anders und moderner. So spricht er anstelle von im "Stande der Gnade" von der "Freundschaft Gottes" (Nr. 210) oder anstelle von der "Anschauung Gottes als Lohn der Seligen" davon, dass der Selige "mit Leben erfüllt wird" (Nr. 135) - um nur zwei Beispiele zu nennen.
Insgesamt hält sich der Kurz-Katechismus eng an den "großen" Katechismus von 1992; neben der Kürze unterscheidet er sich jedoch vor allem durch mehr katechetische, das heißt erklärende und bildhafte Gedankengänge. So kommt es, dass der Kurz-Katechismus insgesamt leichter lesbar ist, umfassender als frühere Werke des vergangenen Jahrhunderts und - das ist sein eigentliches Ziel - informativer. Denn darin sind wir uns einig: Es mangelt Katholiken wir Nicht-Katholiken an grundlegendem Wissen.

«Kompendium - Katechismus der Katholischen Kirche» - Pattloch-Verlag München, 2005; ISBN 3-629-02140-9; 6,90 Euro.

Hinweis: Bis zum 31. Oktober ist der Kurzkatechismus dank einer Großspende beim Bonifatiuswerk kostenlos erhältlich, lediglich die Versandkosten von 1,75 Euro werden berechnet.

Bestelladresse: Bonifatiuswerk der deutschen Katholiken, Kamp 22, 33098 Paderborn; Telefon: (0180) 346 77 77 (zum Ortstarif), Fax: (0 52 51) 29 96 88; eMail: info@bonifatiuswerk.de;

Aktions-Hinweis: Die Aktion ist befristet bis zum 31.10.2005. Der Versand erfolgt über den St.-Benno-Verlag, Leipzig, als Aktionspartner des Bonifatiuswerkes. Der Versandkostenanteil in Höhe von € 1,75 wird dem Empfänger in Rechnung gestellt.

Scott Hahn: «Die Königin des Himmels»

In unseren Buchempfehlungen ist Scott Hahn schon zweimal erwähnt worden - eine dritte Erwähnung wollte ich eigentlich vermeiden. Aber sein neues Werk über Maria ist so gut - dabei schlicht, einfach und ehrlich - dass ich es euch nicht vorenthalten kann, ohne dabei ein schlechtes Gewissen zu bekommen.
Dass Maria in den protestantischen Kirchen wenig Beachtung findet, überrascht - wenn man dieses Buch gelesen hat. Denn Scott Hahn erweist die katholische Mariologie als ur-biblisch; zudem als menschlich absolut angemessen und - so ein häufiger Vorwurf aus evangelischen Kreisen - nicht im geringsten die Christusverehrung beeinträchtigend - ganz im Gegenteil.

Hahn's Buch ist überragend in seiner einfachen Sprache und tiefen Inhalten; er findet klare Zusammenhänge, die sofort einleuchten und die Frage hinterlassen, warum man da nicht schon längst selbst darauf gekommen ist. Er verortet Maria im Leben der Heiligen Schrift (auch des Alten Testamentes) genauso wie im Leben des Lesers. Außerdem (ein nicht zu verachtender Vorteil für Kaminabende im Flackerschein): Es ist in schönen großen Buchstaben gesetzt.

Empfehlenswert!

Scott Hahn: «Die Königin des Himmels»; Sankt-Ulrich-Verlag Augsburg 2004; ISBN ; 16,90 Euro.

Nebenbei bemerkt: Wer kann, sollte Scott Hahn im englischen Original lesen. Seine vielfältigen Wort-Witze sind z.T. nicht übersetzbar. So ist z.B. der Titel des Buches "Hail, Holy Queen" eine Anspielung auf das bekannte Marienlied - während sich eine Kapitelüberschrift mit "Mary had a little lamb" an einem Kinderlied orientiert. Oder: Sein Erstlingswerk "Unser Weg nach Rom" heißt im Original "Rome sweet home".

Erich Zenger (Hrsg.): «Stuttgarter Altes Testament»

Gerade das Alte Testament erscheint wenig geeignet als Lesebuch; zuviel unverständliche Begriffe, unbekannte geschichtliche Zusammenhänge und ferne kulturellen Rahmenbedingungen lassen es uns immer, wenn wir eine erneute Lektüre versuchen, nach wenigen Seiten wieder weglegen.

Da kommt das theologische Werk von Erich Zenger gerade recht: Der dicker Wälzer von Prof. Zenger aus Münster (er hat selber viele der Kommentare geschrieben, aber auch Kollegen dazu gewinnen können) ist nicht gerade billig - aber sein Geld wert. Die aufschlussreichen und lesenswerten Kommentare sind zwischen die Einheitsübersetzung geschrieben und nicht als Anhang unten darunter, das ermutigt einen, eher mal einen Kommentar schnell nebenbei zu lesen. Ein Buch für alle, die sich stärker mit dem ersten Teil der Bibel auseinandersetzen wollen und dafür 52,- € aufbringen möchten.

Wer möchte (und das nötige Geld hat), kann gleich das «Stuttgarter Neues Testament» mitbestellen - zusammen kosten sie "nur" 68,- Euro.

Erich Zenger (Hrsg.): «Stuttgarter Altes Testament»; Katholische Bibelanstalt Stuttgart 2004 (2. durchgesehene Auflage); ISBN 3-920609-45-X; 52,- Euro
«Stuttgarter Neues Testament»; Katholische Bibelanstalt Stuttgart 2000; ISBN 3-920609-43-3; zusammen mit dem Alten Testament 68,- Euro

Adam Fawer: Null.

Was soll ein solches Buch hier, bei der Karl-Leisner-Jugend? Ein knallharter Roman mit haarsträubender, stellenweiser brutaler Action - einer nicht geringen Prise Science-Fiction, und dem Anspruch, ein Wissenschaftsthriller zu sein? - Trotz seiner ausgeklügelten Dramaturgie und seinem drehbuchreifem Ende, das alle Erwartungen düpiert (wirklich gut!) - dieser Roman ist scheinbar einer von vielen. Im Gegenteil: Die etwas holprige Erzählweise entlarvt den Roman "Null." als Erstlingswerk von Adam Fawer.

Es gibt aber doch einen Grund, dieses Buch zu empfehlen und (für Leute mit gutem Magen) auch zu lesen: Es geht um die Quantenphysik, die menschliche Freiheit und die Vorherbestimmung der Geschichte. Neben manchen sehr untheologischen Thesen erweist Fawer mit der populären und verständlichen Darstellung der quantenmechanischen Grundzusammenhänge auch der Theologie einen Dienst: Obwohl die Quantentheorie seit einem Jahrhundert diskutiert wird und mittlerweile allgemein anerkannt ist, ist sie kaum in das Bewusstsein der allgemeinen Bevölkerung vorgedrungen - im Gegensatz zu der sehr viel schwierigeren Relativitätsphysik Einsteins. Dabei ist gerade die Quantenphysik ein Schlüssel zur Aussöhnung von Theologie und Naturwissenschaften.

Ob Fawer dazu helfen kann, breite Bevölkerungsschichten zu erreichen, ist fraglich. Aber Du, nachdem Du "Null." gelesen hast, kannst davon erzählen.

Adam Fawer: «Null.», Kindler-Verlag 2005; Gebunden, ISBN 3-463-40476-1; 19,90 Euro.

Franz Xaver Brandmayr: «Heilige sind auch nur Menschen»

«Willst Du heilig werden?» - «Wer? Ich? Gott behüte, nein!» - Dieser Dialog, der auch am Anfang der Einleitung steht, deckt sich voll und ganz mit meiner Erfahrung. Heilige sind nicht nur angestaubt und langweilig, sie haben auch oft etwas Abstossendes: Sie sind unmenschlich perfekt und machen Angst, gerade weil sie nie einen Fehler gemacht haben.

Heilige? Fehlerfrei? - Mit dieser Vorstellung räumt Brandmayr gründlich auf - ohne die Heiligen schlicht vom Sockel zu stoßen. Seine Bemühungen gehen vielmehr dahin, sie uns nahe zu bringen, menschlicher werden zu lassen, nicht, um sich von ihnen zu distanzieren, sondern um eine Identifikation zu erleichtern.

Das gelingt Brandmayr nicht nur deshalb, weil er sozusagen "Insiderwissen" verbreitet, das jenseits der süßlichen Legenden liegt, sondern vor allem auch durch seine lebendige Sprache, seinem Witz und seinen passenden Querverbindung zu unserem Alltag heute. Oder hast Du gewusst, dass Mutter Teresa sich jahrelang von Gott verlassen fühlte, Österreichs letzter Kaiser (Karl I.) einsam für den Frieden kämpfte und der Eremit Klaus von der Flüe oder der angriffslustige Philipp Neri nicht eben nur tugendsam und fromm lebten?

Franz Xaver Brandmayr: «Heilige sind auch nur Menschen»; Langen-Müller-Verlag 2004; Gebunden; ISBN 3-7844-2955-6; 14,90 Euro.