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Predigtvorschläge - 04. Sonntag im Jahreskreis (Lesejahr A)
1. Predigtvorschlag

von Pfr. Dr. Axel Schmidt (erstellt: 2005)

Liebe Gemeinde!

Ich sehe in der augenblicklichen kirchlichen Großwetterlage vor allem zwei gefährliche Trends. Zum einen eine gewisse Verzuckerung des Lebens durch Abwendung von der harten Wirklichkeit und Hinwendung zu den verschiedensten Symbolen für das, was als ideal empfunden wird. Für zumindest einen Teil seines Lebens wird soll der Christ, der in diesen Trend gezogen wird, in eine heile Welt eintauchen, indem über alles Schlimme und Schreckliche ein Mantel gelegt und indem das christlich-humane Lebensideal mit allerlei suggestiven Worten beschworen wird. Es paßt in diesen Trend, daß die 1200jährige Bistumsgeschichte schlechthin als „Liebesgeschichte“ tituliert wird, als ob sie nicht ebenso eine Geschichte des Unglaubens, der Rivalität, des Hasses und sogar des blutigen Tötens gewesen wäre. Es paßt in diesen Trend, daß mit einem immensen Öffentlichkeitsaufwand, den man sonst anläßlich von Staatsbesuchen betreibt, eine Kerze durchs Bistum getragen wird: das Symbol für Bischof Liudger, in dessen Strahlenglanz wir offensichtlich die ganze Kirchengeschichte (und vermutlich auch die derzeitigen Amtsträger und ihre unpopulären Verfügungen) sehen sollen. Zu den vielen unsäglichen Worten, die dazu gemacht werden, möchte ich nur die Bibelstelle in Erinnerung rufen: „Meine Kinder, wir wollen nicht mit Wort und Zunge lieben, sondern in Tat und Wahrheit.“ (1 Joh 3,18)

Das ist der eine Trend. Der andere hängt sich an das allgemeine Klagen und Jammern an und richtet dieses gegen die „böse Gesellschaft“. Zu lange habe die Kirche mit den Mächtigen Hand in Hand gearbeitet und dadurch eine Wirtschaftsordnung gestützt, in der die Besseren, Schnelleren und Stärkeren gewinnen und die Armen und Schwachen verlieren. Nun sei es an der Zeit, aus dieser unseligen Zusammenarbeit auszusteigen und eine selige Gegenkultur zu bilden, in der endlich die wahren Werte der Bergpredigt zur Geltung kommen, in der die Armen, die Trauernden und die Verfolgten zu ihrem Recht kommen. Zwar weiß niemand zu sagen, wie eine solche gettoisierte Kirche aussehen und evangeliumsgemäß wirken könnte. Aber ein vages Idealbild von ihr genügt schon, um kräftige Kritik an den bestehenden oder vermeintlichen Mißständen zu üben. Überhaupt ist es diesem zweiten Trend gemäß überaus beliebt geworden, das Evangelium und gerade auch die Bergpredigt als Polemik gegen die „böse Gesellschaft“ zu deuten und von daher auszulegen. So hört man z.B.: „Selig, die arm sind vor Gott“ – und stellt fest: „Aber in unserer Gesellschaft sind sie nicht selig. Also müssen wir aus dieser Gesellschaft aussteigen.“

Die beiden Trends sind gleichsam die zwei Seiten ein und derselben Medaille, sie entspringen derselben geistigen Quelle. An ihrem Ursprung sitzt eine tiefe Frustration über das Leben und seine grausamen Härten, darüber, daß es unmöglich ist, das verlorene Paradies wiederherzustellen. Sofern man ein gläubiger Christ ist, versteht man Jesus gleichfalls als jemanden, der unter diesem Zustand leidet, und zugleich als denjenigen, der das Paradies in Form des Reiches Gottes neu aufgerichtet habe. Wer eine solche Sichtweise hat, kann den Geist Gottes nur dort am Werk sehen, wo eine ganz neue Lebensweise herrscht. Und darum gibt es den doppelten Hang, zum einen zum Verklären und Verkleistern, zum Kuscheln und Klönen bei Kerzenschein und Räucherstäbchen, zum anderen aber zum Verteufeln und Verleumden, zum Jammern und Klagen in endlosen Diskussionen, solange der Kaffee reicht.

Um es kurz zu sagen: Gründlicher kann man die Bergpredigt nicht mißdeuten. Die Seligpreisungen Jesu sind kein Klagelied über die Mißstände unserer heutigen Welt! Sie geben vielmehr Ausdruck von Jesu eigener Lebenserfahrung: daß er inmitten von Armut und Trauer Seligkeit spürte, Seligkeit infolge seiner Sanftmut, Gerechtigkeitsliebe, Barmherzigkeit und Herzensreinsheit – seiner Verbundenheit mit Gott, seinem Vater. Er hat sich nicht zurückgezogen, als er merkte, daß die große Masse sich bald von ihm abwandte, sondern seine Jünger geschult, damit sie ihm helfen bei der Verkündigung der Frohen Botschaft. Darum darf sich die Kirche nicht in irgendwelche Nischen und Kuschelecken zurückziehen, und ebensowenig die einzelnen Gläubigen, sondern wir müssen die Ärmel aufkrempeln und Hand anlegen: „Sauerteig sein“, um so inmitten der Welt „in Tat und Wahrheit“ Zeugnis von der christliche Liebe zu geben.

Ist nicht der christliche Glaube auch deshalb für viele so unplausibel geworden, weil die genannten Trends überhand genommen haben, so daß man von außen meinen muß, die Christen seien wirklichkeitsfremde Narren? Bei Kaffee und Kuchen läßt sich leicht lamentieren über die Ungerechtigkeit in der Welt. Wo aber bleiben die Taten?

Als im 19. Jahrhundert der Wirtschaftsliberalismus noch weit stärker als heute den Armen, vor allem den Arbeitern jede Chance nahm, da waren es überzeugte Christen, die durch die Gründung von Vereinen, Gewerkschaften und politischen Parteien den Staat durchsäuerten und eine soziale Gesetzgebung erwirkten, auf der bis heute die Idee der sozialen Marktwirtschaft beruht. Ich nenne nur die Namen Adolf Kolping und Bischof v. Ketteler, die das Kolpingwerk bzw. die KAB gegründet haben. Sie sind nicht „ausgestiegen“, sondern „eingestiegen“ und haben so aus ihrer christlichen Überzeugung dazu beigetragen, daß sich die Gesellschaft nicht selbst zerstörte. – Solche Männer brauchen wir heute auch.

2. Predigtvorschlag

Es ist vor ein paar Tagen gewesen. Es ist Nachmittag.
Ich sitze an meinem Schreibtisch. Vor mir liegen die grau-grünen Formulare für meine Einkommensteuererklärung. "Wo ist denn jetzt wieder dieser Beleg hin?" denke ich bei mir. "Ach, da ist er ja. ... Läuft das jetzt unter Werbungskosten oder doch unter außergewöhnliche Belastungen?"
"Anlage N, Bruttoarbeitslohn, Pauschbeträge, Rechnungen, Quittungen, Bescheinigungen. Alles um des lieben Geldes wegen. Ach, ich kann es bald nicht mehr haben."
Ich schließe meine Akten und wende mich der nächsten Arbeit zu.
"Worüber predige ich nur am Sonntag? Was ist denn für ein Evangelium dran? Er setzte sich, und seine Jünger traten zu ihm. Dann begann er zu reden und lehrte sie. Er sagte: Selig, die arm sind vor Gott; denn ihnen gehört das Himmelreich....

Das stimmt wirklich: Die Armen sind wirklich selig. Schließlich müssen die sich nicht mit so lästigen Dingen wie Einkommensteuererklärungen rumschlagen.

Aber Spaß beiseite. Warum sind denn ausgerechnet die Armen selig zu preisen, glücklich zu preisen. Armut, Elend, Not - das ist doch wohl kein Glück.

Selig, die arm sind vor Gott...
Es geht Jesus also nicht um die pure Armut, sondern um die Armut vor Gott. Es geht ihm darum, wie ich mit meinem Besitz umgehe. Vor Gott zählt nicht, wieviel ich besitze, sondern wie ich zu meinem Besitz stehe.

Selig, die arm sind vor Gott ...
Armsein vor Gott, das heißt mit Sicherheit nicht:
Prahlen mit meinem Besitz: 'Sieh her, Gott, das habe ich mir selber erworben, das gehört alles mir, dafür brauche ich dich nicht.'

Armsein vor Gott, das heißt mit Sicherheit nicht:
Den anderen und Gott aus den Augen zu verlieren, nach dem Motto: 'Ich hab' doch alles. Was brauche ich die anderen, was kümmert mich Gott? Und überhaupt, Geld regiert die Welt!'

Geld, Besitz, Vermögen - das ist ansich nichts schlechtes. Nur: Das Totenhemd hat keine Taschen, wie der Volksmund sehr weise sagt.
Geld, Besitz, Reichtum - das ist Vorläufiges, Vergängliches, das nehme ich im Tod nicht mit.

Ich darf dankbar sein für alles, was ich habe. Geld, Besitz, Vermögen, alles, was ich besitzen kann, sind Dinge dieser Welt. Und diese Welt hat Gott geschaffen. Er hat uns die Dinge dieser Welt anvertraut, damit wir mit ihnen leben können und Leben ermöglichen können, für uns selber und für die anderen.

Deshalb ist Gott daran interessiert, daß die Dinge dieser Welt, die Güter dieser Welt unter uns Menschen gerecht verteilt werden.

Wenn das Bundesverfassungsgericht die steuerliche Benachteiligung der Familien als verfassungswidrig anmahnt, dann ist das in meinen Augen ganz im Sinne Gottes.

Wenn der Papst, wie kürzlich in Mexiko und Amerika, sich gegen einen reinen Kapitalismus wendet, wenn er den Schuldenerlaß für die ärmsten Länder fordert, dann ist das nicht nur gefühlsduselige Mitmenschlichkeit, sondern ein Einfordern, ein Erinnern der Gebote Gottes.

Selig, die arm sind vor Gott; denn ihnen gehört das Himmelreich.
Wer wirklich arm vor Gott ist, egal ob er auf Erden viel besitzt oder nicht,
wer wirklich arm vor Gott ist, der bindet sich nicht überverhältnismäßig an die irdischen Dinge.
Manchmal ertappe ich mich selbst dabei, wie ich mich an bestimmte Dinge binde.
Dann wiederhole ich eine Übung, die ich in der Priesterausbildung kennengelernt habe. Dann sage ich innerlich zu jedem Gegenstand, ja sogar zu lieben Menschen: 'Du bist nicht mein Gott."

Dann spüre ich, daß ich frei komme von den Bindungen an das Irdische, daß ich frei werde für das Himmlische. Frei für Gott.
Selig, die arm sind vor Gott; denn ihnen gehört das Himmelreich.
Wir Mensch sind dazu berufen, uns auf den Himmel vorzubereiten. Je mehr wir uns aber innerlich und äußerlich an die Dinge dieser Welt binden, desto mehr hindern uns diese Bindungen, zum Himmel aufzusteigen. Wir gleichen dann Adlern, die mit einer Kette am Boden gefesselt bleiben, statt sich majestätisch in die Lüfte zu schwingen."

Immer noch am Schreibtisch sitzend, schließe ich meine Preditnotizen ab. Ich denke daran, daß bald wieder Karneval ist. Die Sitzungen hier in Epe, die Närrischen Einlagen im Fernsehen...

Ich denke über die Narren nach:
"Gute Narren zeichnen sich dadurch aus, daß sie sich selbst, andere und diese Welt nicht allzuernst nehmen.
Sie haben genügend Abstand von der Welt, um sich über sie lustig machne zu können.
Letztlich ist es Aufgabe guter Narren, der Welt den Spiegel vorzuhalten und uns daran zu erinnern, daß wir nicht ewig sind, nicht die Wichtigsten, die Einzigen sind. Gute Narren weisen uns so über diese Welt und über uns selbst hinaus.

Ein wirklich guter Narr kann uns daran erinnern, was wir in den Seligpreisungen gehört haben:
Selig, die arm sind vor Gott; denn ihnen gehört das Himmelreich.

Ich wünsche dem Karneval in unserer Gemeinde und unserer Stadt solche Narren.

3. Predigtvorschlag

Liebe Schwestern und Brüder!

Wenn man bedenkt, dass wir in diesen Tagen den Gedenktag der Opfer des Nationalsozialismus begangen haben, dann wirken die Worte des heutigen Evangeliums nochmal anders: «Selig, die um der Gerechtigkeit willen verfolgt werden, denn ihnen gehört das Himmelreich. Selig seid ihr, wenn ihr um meinetwillen beschimpft und verfolgt und auf alle mögliche Weise verleumdet werdet. Freut euch und jubelt: Euer Lohn im Himmel wird groß sein.» Das klingt zu einfach, zu glatt, nach dem Motto: Je schlechter das Leben auf Erden, desto schöner wird's im Himmel.

Es war nicht erst Karl Marx oder Ludwig Feuerbach, die dem Christentum Vertröstung auf das Jenseits vorgeworfen haben. Immer schon war ein Gedanke der Religionskritik, dass der Glaube von den weltlichen Dingen zu sehr ablenkt, dass die Christen - nur den Himmel vor Augen - vergessen, die Erde zu verbessern. Karl Marx hat dann allerdings den eingängigen Begriff gewählt: Opiums des Volkes. Die Religion bzw. das Christentum sei mit seiner Vertröstung auf das Kommende ein Rauschgift, das uns hier auf Erden lähmt.

Ein Vorwurf, der gerade die Christen unseres Jahrhunderts tief getroffen und verunsichert hat. Um nun diesen Vorwurf der Vertröstung zu entkräften, betonten sie, wie wichtig, ja wie notwendig es sei, sich als Christ in allen möglichen Bereichen der Gesellschaft hervorzutun: In der Politik, in der sozialen Verantwortung, in der Moral und in der Menschlichkeit. Mit diesen - manchmal überhöhten Ansprüchen - konnte der Vorwurf, das Christentum sei das «Opium des Volkes» zwar widerlegt werden. Aber dafür entstand der Eindruck, wir müssten uns den Himmel verdienen. Manchmal habe ich auch heute noch das Gefühl, als wenn viele, die Religion sagen, nur noch Menschlichkeit oder Gerechtigkeit meinen.

Beide Seiten haben allerdings ihren Pferdefuß.

Wer glaubt, gerade ohne Religion und ohne ihre Vertröstungen besser zum politischen Handeln gerüstet zu sein, der wird z.B. durch das Geschehen im Dritten Reich eines Besseren belehrt. Ein Jude, der erst im letzten Augenblick Deutschland verlassen hatte, schrieb nach dem Holocaust, dass er sich gerade in Deutschland, dem Land des Humanismus und der Menschlichkeit, in dem Land, in dem Goethe und Lessing und all die anderen vielen großen freien Denker gelebt haben, besonders sicher gefühlt hat.
Anscheinend lässt sich eben mit einer humanistischen, nicht-religiösen Weltanschauung nicht nur freier verantwortete Politik, sondern vor allem auch freier unverantwortete Politik machen - wie die des Nazi-Regimes.

Auf der anderen Seite können wir auch nicht die Religion dazu missbrauchen, uns hier auf Erden ein Paradies zu schaffen. Alle Hoffnung, dass es, wenn sich alle Christen nur richtig anstrengen würden, keinen Krieg mehr geben wird, sind Illusionen. Solange wie es Menschen gibt, die sich bewusst für Gott entscheiden, solange gibt es auch die anderen, die sich bewusst von Gott abwenden. Nein, liebe Schwestern und Brüder, das Paradies hier auf Erden wird es auch mit einer noch so großen moralischen Anstrengung nicht geben. Auch das hat uns die Erfahrung des 3. Reiches deutlich vor Augen gehalten.

Das heutige Evangelium allerdings - richtig verstanden - bewahrt uns vor dem einen wie vor dem anderen Missverständnis, denn es spricht durchaus von unserer Verantwortung für das Gelingen menschlichen Zusammenlebens. «Selig, die keine Gewalt anwenden. Selig, die hungern und dürsten nach der Gerechtigkeit. Selig die Frieden stiften.» Selig sind die, die sich einsetzen für eine bessere Welt hier auf Erden. Es ist unsere Aufgabe, den Menschen hier auf Erden schon einen Vorgeschmack auf das zu geben, was uns im Himmel erwartet. Wir werden nicht vertröstet, sondern mit einer Aufgabe für jetzt und hier betraut: «Selig, die Frieden stiften.»

Und wir können uns dieser Aufgabe stellen, wir sind dazu befähigt, weil uns Gott uns Anteil an seinem Leben verheißt («Wir werden sein Land erben, wir werden Gott schauen, uns wird das Himmelreich gehören...») - und weil diese Verheißungen jetzt schon durch uns Wirklichkeit werden. Es heißt nicht, dass wir einmal selig sein werden. Vielmehr: «Selig seid ihr!»

Ja, es gibt eine Verheißung für uns, die kein Humanismus und keine bloße Menschlichkeit geben kann. Aber diese Verheißung macht uns nicht träge oder blind für die Realität, sondern die beginnt jetzt schon Wirklichkeit zu werden, wenn wir sie den Menschen bringen, die unsere Hilfe bedürfen.

In den brutalen Wirren des Nationalsozialismus war der Glaube eben kein Opium, das betäubt; ebenso wenig war er moralischer Zeigefinger. Vielmehr hat der Glaube in den unmenschlichsten Situationen zu den größten Wundern der Menschlichkeit Kraft gegeben. Und da haben sich Himmel und Erde berührt. Amen.

4. Predigtvorschlag

Liebe Schwestern und Brüder,

an diesem Wochenende kommen vier Dinge zusammen: Am 2. Februar feiern wir Maria Lichtmess, oder besser: Das Fest der Darstellung des Herrn, am 3. Februar den Heiligen Blasius, (am Sonntag morgen die feierliche Aufnahme von 20 Messdienern und Messdienerinnen), und dann noch den 4. Sonntag im Jahreskreis mit dem Evangelium von den 8 Seligkeiten.

Bei all diesen Ereignissen findet sich allerdings ein roter Faden, der sich durchzieht; sehen sie selbst:

Am Fest Darstellung des Herrn begegnet Jesus, noch als kleines Kind, zum ersten Mal dem Volk Israel (deshalb wird dieses Fest auch im Osten "Fest der Begegnung" genannt). Wird Israel, das auserwählt Volk, seinen Herrn erkennen? Gott, der so oft zu seinem Volk gesprochen hat, findet er offene Ohren?
In den beiden Alten, Hanna und Simeon, findet er die Sehnsucht nach Erlösung und die Bereitschaft, diese Erlösung in dem kleinen Säugling zu erkennen. Da ist die Suche nach der Wahrheit - und die Demut, diese Wahrheit in einem kleinen Kind zu finden.
Dazu gehört schon eine ganze Portion von Gottesliebe. Die Wahrheit nicht in philosophischen Traktaten zu suchen, sondern (verlacht von den Philosophen) in einem kleinen Kind - das ist Glaube und Liebe zugleich.

Am Ende des Gottesdienstes empfangen wir den Blasiussegen. Die beiden gekreuzten Kerzen erinnern daran, das früher die Ärzte bei Halskrankheiten zwei gekreuzte Kerzen an den Hals gehalten haben, um den Hals zu wärmen und die Schmerzen zu lindern. Darüber wird jetzt der Segen gesprochen. Die Menschen tun das, was sie damals medizinisch verstanden haben, (heute würde man sinnvollerweise anstelle der Kerzen Halstabletten verteilen) und bitten dennoch zusätzlich um Gottes Segen. Wir können viel - aber ohne den Segen Gottes ist es zu nichts nütze. Den Blasiussegen empfangen heißt, sich vor dem Wirken Gottes klein machen.

(20 Messdiener werden in ihren Dienst feierlich aufgenommen. Damit symbolisieren sie, dass wir alle im Gottesdienst zum Dienst gerufen sind. Wir dienen Gott, ob nun als Messdiener am Altar oder als Christ in der Bank, mit unseren Gebeten, unserem Singen und der Zeit, die wir für Gott opfern. Unser Amt ist der Dienst; daran erinnern uns die Messdiener.)

Und im heutigen Evangelium knüpft Jesus die zukünftige Herrlichkeit, die 8 Seligkeiten, an unser irdisches Leben. Damit sind keine Bedingungen gemeint: "Erst, wenn ihr arm seid, könnt ihr das Himmelreich erben" - oder "Erst wenn ihr ein reines Herz habt, werdet ihr Gott schauen". Nein, es sind keine Bedingungen, sondern der Beginn der himmlischen Herrlichkeit liegt hier im irdischen Leben: Glauben ist keine Überzeugung, sondern eine Art zu leben; und dieses Leben, das hier auf der Erde beginnt, setzt sich fort im Leben bei Gott nach unserem Tod.

Was, liebe Schwestern, ist nun der rote Faden, der sich durch all diese Gedanken durchzieht?

Die Bereitschaft zur Demut - meiner Meinung nach. Zu erkennen, dass nur der Demütige Gott finden wird. Hanna und Simeon waren bereit, den Wunsch nach einem heldenhaften Erlöser aufzugeben und sich dem Erlöser in Gestalt eines Kindes zu beugen. Wir sind bereit, trotz unseres großen Wissens, Gott um seinen Segen zu bitten und auch unsere Gesundheit in seine Hände zu legen. Wir sind bereit, uns von Jesus in den Dienst nehmen zu lassen, jederzeit in der Welt und auch hier im Gottesdienst. Denn wir wissen, wer sich frei macht in dieser Welt, der wird frei für die Herrlichkeit der nächsten Welt.

Es gibt Menschen, die meinen, um an Größe zu gewinnen, müssten sie sich selbst auf das Podest stellen. Wir Christen wissen, dass wir dann unsere größte Größe finden, wenn wir uns verbeugen. Vor unserem Nächsten und vor Gott. Amen.

5. Predigtvorschlag

Liebe Schwestern und Brüder in Glauben!

Die Lesungen des heutigen Sonntages verdeutlichen sehr gut, was durch die Entscheidung des Deutschen Bundestages am Mittwoch klar geworden ist.

Der Prophet Zefanja spricht davon, dass nur ein kleines Volk mittendrin übrigbleibt, dass noch den Namen des Herrn sucht, dass noch auf die Worte Gottes achtet. Nur noch ein kleiner Haufen von dem ursprünglichem Volk.

Der Papst hat es kürzlich ähnlich bekannt: die westliche Welt ist keine christliche mehr. Und auch in unserem land ist es Mittwoch deutlich geworden: das menschliche Lebens wird nicht mehr grundsätzlich geschützt. Das Embryonenschutzgesetz wird nun aufgeweicht und es wird legitimiert, dass heranwachsende Kinder, nichts anders sind Embryonen, dass unschuldige Kinder getötet worden sind um Stammzellenkulturen herzustellen, mit denen es nun auch deutschen Forschern erlaubt ist, zu experimentieren. Um vielleicht irgendwann einmal Krankheiten zu behandeln, sind gesunde Menschen umgebracht worden und der Deutsche Bundestag, mehrheitlich mit sogenannten Christen besetzt, erlaubt diese getöteten nun zu nutzen.

Es werden zwar Einschränkungen gemacht, doch letztlich sind sie alle hinfällig angesichts der Grundsatzentscheidung, die nun getroffen worden ist.

Ich will nur die meistdikutierte Einschrängung herausgreifen, um es ihnen deutlich zu machen. Da wird ein Stichtag genannt, Nur die bis z.B. letzten Mittwoch durch getötete Kinder gewonnenen Stammzellen dürfen in D genutzt werden.
Im Ausland werden jeoch neue Stammzellenkulturen geschaffen, da es dort solche inen Frist nicht gibt. Man wird nun bald daruaf hinwiesen, dass aufgrund der ermutigenden entscheidung des DBT der Förderung der Deutschen Forschungsgemeinschaft kostspielige Sonderforschungsbereiche eingerichtet wurden, die nun wegen der immer schelchter werdenden Qualität der Stammzelllinien brachliegen, Man würde - das wäre die vorsichtige Variante - eine Änderung des Stichtages vorschlagen. Und da man ja schon einmal für eine Stichtagsregelung gestimmt hat, wird es nicht schwerfallen, auf diesem Weg nun weiterzugehen.

Wenn damit de facto der import von embryonalen Stammzellen akzeptiert wird, dann werden zwei weitere Argumente nicht lange auf sich warten lassen. Zum einen wird man sagen, dass es unredlich sei, um Ausland Embryonen töten zu lassen und so zu tun, als hätte man damit gar nichts zu tun, wenn man dennoch von den Früchten dieser Tötungen profitiert. Es sei ehrlicher, redlicher, auch in D zu töten.

Diesem Argument träte schnell in wirtschaftliches zur Seite: die Importkosten könnten durch Patente so hoch werden, dass die Etablierung inländischer Zelllinien die einzige Möglichkiet wäre, die Fortsetzung der Forschungen in eiem finazierbaren Rahmen zu halten. Denn man müsse ja unbedingt weitermachen, man wolle schließlich Menschen helfen.

Einzelne Abgeordnete bezogen sich auch heute schon auf die Bibel, die ihnen die Pflicht gebe, Krankheiten zu heilen. Aber doch nicht, indem ich Menschen zuvor umbringe!

Auch wenn Theologen mitdiskutiert haben und zu unterschiedlichen Meinungen gekommen sind, so sind sich die Kirchen doch darin einige, dass diese nun getroffene Entscheidung nicht im Sinne der Bibel, der Christen und unseres Gottes ist.

Was können wir tun?

Paulus im Brief an die Korinther: seht auf eure Berufung!
Ist sie auch noch so klein, Gott hat das Schwache erwählt, um das Starke zuschanden zu machen. Das Kreuz, zuvor Zeichen der Erniedrigung und der Ohnmacht, hat Gott erwählt, um daran alle Weisheit der Welt zuschanden zu machen. Das hat die Welt damals nicht kapiert, und sie versteht diesen Gedanken der absoluten Hingabe und Liebe auch heute noch nicht. Die Welt versteht es nicht, dass jemand freiwillig sein Leben hergibt, um anderen das Leben zu ermöglichen.

Da ist ein entscheidender Unterschied zu unserem Staat. Er lässt andere töten, um unsere Krankheiten heilen zu wollen, Christus lässt sich töten, um anderen, uns das Leben zu schenken.
Das ist auch unser Weg, der Weg des Kreuzes Christi. Und wir sollen es nicht verstecken, gerade dann nicht, wenn die Welt Abstand nimmt von christlichen Werten. Gerade dann gilt es, sich des Herrn zu rühmen.

Auch das Evangelium der Seligpreisungen fordert uns auf, Christus zu folgen: barmherzig sein, ein reines Herz haben, Frieden stiften, für Gerechtigkeit auch unter drohender Verfolgung einsetzen. Konkreter kann die Bibel doch kaum werden. Amen.

Fürbitten

Herr, unser Gott, Du hast uns in Deinen Dienst gerufen. Von Dir und Deiner Liebe dürfen wir Zeugnis geben. Dich bitten wir:

  • Erfülle uns mit Deinem Geist, damit wir den Menschen mit Tatkraft und Mut zur Seite stehen können.
  • Stärke uns mit Deinem Geist, damit wir zur Dir und zur Kirche stehen können.
  • Führe uns durch Deinen Geist, damit wir uns nicht vom Ungeist der Zeit verwirren lassen.
  • Schenke Deinen Geist den Bischöfen und Priestern, damit sie mit Liebe und Klarheit Deine Botschaft verkünden.
  • Gib Deinen Geist den Regierenden und Herrschenden, dass sie Frieden und Freiheit verwirklichen können.
  • Tröste mit Deinem Geist die Leidenden, Verfolgten und Traurigen.
  • Nimm unsere Verstorbenen auf in Dein Reich. Wir feiern diesen Gottesdienst...

Gott, unser Vater, in Dir leben wir, in Dir glauben und hoffen wir. Bewahre Deine Kirche in der Liebe und in der Wahrheit, durch Christus, unseren Herrn.