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Predigten über Amt und Person des Papstes
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Grundsätzliches zum Papstamt
Zur Unfehlbarkeit des Papstes
Liebe Schwestern und Brüder, das Kennzeichen der christlichen
Gemeinde ist die Freude und die Einheit. Das sagt Jesus in
seiner Abschiedsrede, und das ist der Grund des ganzen Christentums.
Was aber ist mit der Freude und der Einheit, wenn wir uns
die katholische Kirche hier bei uns anschauen?
Ich komme gerade vom Katholikentag. Neben viel Freude (meist
in der Musik junger Menschen oder Christen aus anderen Kontinenten)
war der Katholikentag geprägt von der Auseinandersetzung
zwischen konservativ - und progressiv. Viel Freude kann da
nicht aufkommen, wenn beide Gruppen die schwierige Situation
der Kirche zu retten versuchen, indem sie die jeweils anderen
bekämpfen (zum Teil mit Unterstützung des Veranstalters).
Dabei ist die Situation, dass es innerhalb der katholischen
Kirche äußerst unterschiedliche Bewegungen gibt,
die anscheinend in zwei ganz verschiedene Richtungen laufen,
überhaupt nicht neu. Das hat es immer schon gegeben,
von Anfang an. Paulus hat mit Mühe und Not die selbst
gegründeten Gemeinden zusammenhalten müssen; wenig
später hat er sich mit Barnabas zerstritten und beide
haben ihre eigene Mission betrieben. Und das hat sich ohne
Unterlass so weitergetragen. Durch die ganze Kirchengeschichte,
bis heute. Und für alle hat die katholische Kirche in
der Weite ihres Glaubens Platz gehabt. Die armen Franziskaner
und die reichen Dominikaner; die Fürstbischöfe und
die Missionare in Amerika; die gelehrten Jesuiten und die
schlichten Minoriten. Die haben sich auch zwischendurch ganz
gehörig auf die Füße getreten, aber keiner
durfte für sich beanspruchen, alleine Recht zu haben.
Das ist übrigens einer der wichtigsten Grundsätze
der katholischen Kirche: Deshalb haben wir ja auch die Unfehlbarkeit
des Papstes. Von mehr als 1 Milliarde Mitglieder ist eben
nur einer unfehlbar (und das auch nur ganz selten) - im Unterschied
z.B. zu jedem Stammtisch.
Dass es die unterschiedlichen Richtungen in der Kirche immer
gegeben hat, ist zwar kein Grund, sich mit der modernen Spaltung
der Kirche in konservativ und progressiv einfach abzufinden
- oder sogar unterschiedslos alle heilig zu sprechen. Sie
selbst wissen, dass ich durchaus eine Position in diesem Spektrum
vertrete, und dabei habe ich kein schlechtes Gewissen. Nur
wer eine Position hat, hat auch etwas zu sagen.
Aber müssen wir uns deshalb gegenseitig die Freude nehmen?
Und müssen wir uns deshalb gegenseitig exkommunizieren?
Sollen wir deshalb die Einheit der Kirche aufs Spiel setzen?
Indem wir uns Katholiken gegenseitig zu Feinden erklären,
vergessen wir, dass die größere Gefahr ist, dass
wir der Welt nichts mehr zu sagen haben. "Ich habe ihnen
mein Wort gegeben, und die Welt hat sie gehasst, weil sie
nicht von der Welt sind, wie auch ich nicht von der Welt bin."
Wir haben den Auftrag, die Welt zu bekehren und nicht ausgerechnet
den, der zwar genauso Katholik ist wie ich, aber der anderen
Richtung angehört! Jeder Kirchenkritiker, der ein wenig
bei Verstand ist, weiß, dass er gar nichts mehr tun
braucht, um das Ende der Kirche herbeizuführen. Er braucht
uns Katholiken einfach nur gewähren zu lassen. Wir erledigen
uns schon selbst.
Dagegen nur hilft der Geist, den wir zu Pfingsten erwarten
(allerdings ein sehr wirksames Mittel, das bisher noch jeden
Kirchenkritiker zur Weißglut gebracht hat). Ein Geist,
der uns nicht alles so bierernst nehmen lässt. Der uns
genügend Selbstbewusstsein schenkt. Wir brauchen nicht
erst einen Feind zu ernennen und ihn dann niederzumachen,
damit wir uns selbst gut fühlen.
Ein Geist, der uns die Gabe schenkt, uns mit der Kirche zu
identifizieren, auch wenn wir nicht immer ganz ihrer Meinung
sind. Wer sich nur mit etwas identifiziert, das 100-prozentig
mit ihm übereinstimmt, kann sich schließlich nur
mit sich selbst identifizieren. Das ist eine moderne Art des
Egoismus. Der Geist lehrt uns, zu einer Kirche zu stehen und
zu ihr gehören zu wollen, obwohl dort Unsympathen Mitglieder
sind. Einheit heißt nicht Gleichmacherei, sondern Aushalten,
dass der Andere anders ist.
Der Geist schenkt uns genügend Abstand, um aus den ewigen
Grabenkämpfen herauszukommen. Wenn Sie einmal auf dem
Sterbebett liegen, wird sie nicht interessieren, ob der Papst
immer noch unfehlbar ist, ob Ihr Pastor verheiratet ist oder
ob Ihre Tochter Priesterin ist. Dort werden Sie ganz andere
Fragen bewegen. Das jetzt schon zu erkennen; sich jetzt schon
an der Erlösung zu erfreuen, sich darin jetzt schon einig
zu sein: Das ist katholisch. Das ist heilig. Das ist geistbewegt.
Amen.
Zum Amt des Papstes (vor dem Konklave 2005)
Liebe Schwestern und Brüder,
wir feiern heute den Sonntag vom Guten Hirten und damit verbunden
den Tag der geistlichen Berufungen. Damit ist normalerweise
hauptsächlich die Bitte um Priesterberufungen verbunden.
Gerade am heutigen Sonntag gibt es aber eine andere geistliche
Berufung, die unserem Gebet empfohlen wird: Die Berufung zum
Dienst als Papst.
Liebe Schwestern und Brüder, in der Zeitung wird viel
darüber geschrieben, wie sich verschiedene Menschen den
neuen Papst wünschen; am Donnerstag schrieb Johannes
Loy in der WN (Westfälisch Nachrichten vom 14.4.2005):
"Der neue Papst soll dialogbereit, weltoffen, vermittlungsfähig
und reformwillig sein." Nun - das alles kann ich gerne
unterschreiben. Mir fehlen zwar noch ein paar Eigenschaften,
die auch in anderen Aufzählungen selten erwähnt
werden: Der neue Papst sollte ein Mann des Gebetes sein, mit
Gott verbunden und ein offene Ohr für die Zuflüsterung
des Heiligen Geistes sein. Er sollte überzeugt sein von
dem, was er verkündet und ein echter Diener der Kirche.
Er sollte Jesus Christus lieben und wie Jesus Christus bereit,
sein Amt als Leiden an der Welt und für die Welt zu verstehen.
Aber bleiben wir bei den von Johannes Loy genannten Eigenschaften:
Weltoffen und reformwillig. Dort wird berichtet, das Prof.
Bremer, der Dekan der Theologischen Fakultät in Münster,
meint, der neue Papst müsse vor allem den "Reformstau"
in der Kirche abarbeiten - ähnlich äußerten
sich viele Theologen, Kirchenführer und auch der Dechant
von Ibbenbüren. Seltsam, frage ich mich: Mir fällt
im Moment nämlich kein Feld der Kirche ein, dass dieser
Papst nicht reformiert hat. Vom Kirchenrecht - dem Messbuch
- der Liturgie - dem Bild der Frau - die Bedeutung der Laien
- dem Verhältnis zur Vergangenheit - zu den Wissenschaften
- zu den Medien - zu den Juden - zu den Moslems - zu den Kirchen
der Reformation. Ich habe mich gefragt, wo denn da ein Reformstau
zu finden sei?
Aber Dekan Bremer macht deutlich, worum es ihm geht: Die Mitwirkung
der Laien müsse anerkannt werden; die Bedeutung der Normen
insbesondere im Bereich der Sexualmoral müsse reduziert
werden, die Rolle der Frau in der Kirche überdacht werden.
Andere fassen es konkreter: Der nächste Papst solle das
Zölibat überdenken, Frauen zum Priesteramt zulassen
und das Verbot von Pille und Kondom aufheben.
Liebe Schwestern und Brüder, der Papst ist ein Diener
der Kirche. Er kann nicht machen, was er will. Er ist vielleicht
ein Monarch - ein absoluter Herrscher, wenn man will - aber
kein Herrscher über den Glauben. Den Glauben der Kirche
kann er nicht verändern und nicht nach seinem Belieben
gestalten. Der Papst hat die Aufgabe, auf den Glauben der
Kirche zu schauen und festzuhalten, was die Kirche durch den
Heiligen Geist glaubt.
Mit anderen Worten: Diese Wünsche an den neuen Papst
sind im Grunde wünsche nach einer anderen Kirche. Es
liegt nicht nur an den Kardinälen, dass es solch einen
Papst niemals geben wird. Es liegt am Glauben der Kirche,
dass keiner, der zum Papst gewählt wird, diese Forderungen
erfüllen kann.
Jetzt erklärt sich auch die Kritik an Johannes Paul
den II.: Es war keine Kritik an seiner Person, es war eine
Kritik an unserem Glauben. Und die, die nun von einem Reformstau
sprechen, werden davon auch nach dem nächsten und übernächsten
Pontifikat sprechen.
Es wäre für diese Predigt zuviel verlangt, deutlich
zu machen,
-
warum das Priestertum der Frau vom Papst gar nicht eingeführt
werden kann
-
warum nach der Offenlegung der theologischen Hintergründe
durch Paul VI. die Pille und Kondom zwar aus gesundheitlichen
Gründen, aber nicht als Mittel zur künstlichen
Empfängnisverhütung eingesetzt werden können
-
warum die Kirche die Sexualmoral nicht ändern kann
- wie die Kirche überhaupt nicht eine Moral festlegt,
sondern nur verkündet
-
warum die Laien zwar vieles können und sollen -
viel mehr, als oft gewünscht ist - aber eben nicht
die Aufgaben des geweihten Priesteramtes.
Nehmen wir also Abstand von diesen Forderungen, die letztlich
Forderungen gegen die Kirche sind - nicht an
die Kirche. Bedenken wir das Wort des Heiligen Augustinus:
"In dem Maße, in dem jemand die Kirche liebt, hat
er den Heiligen Geist."
Wir können uns keinen anderen Papst wünschen, als
einen Papst voll des Geistes - einen Papst, der die Kirche
liebt und ihr dient. Dann dient er dem Glauben und erfüllt
er sein Amt.
Beten wir um einen Papst, der voll des Geistes ist - der
Freude am Glauben und Liebe zu Gott ausstrahlt und spürbar
macht. Beten wir um einen Papst, der seine Kirche umsichtig
führt und die Menschen zu Gott führt; einen Papst
der heten kann und zum Gebet einlädt. Amen.
»We love the pope«
Liebe Schwestern und Brüder!
Es gibt ein Lied der Kelly-Family, übrigens eines der
ersten Lieder, das die Kellies selbst geschrieben haben, mit
dem Titel: «We love the pope.» Zu deutsch: «Wir
lieben den Papst.»
Nun, ein Werbegag kann das wohl nicht sein. Mit einer solchen
Aussage kann man heute mit Sicherheit keine Pluspunkte gewinnen,
keine Werbeeinnahmen machen.
Aber wenn die Kelly-Family das wirklich ernst meint, dann
stellt sich die Frage, was denn gerade am Papst so liebenswert
sein soll. Wie kommen die dazu, so ein Lied zu schreiben?
Liebe Schwestern und Brüder, vielleicht fällt Ihnen
das gar nicht mehr auf, dass ich Sie immer wieder mit «liebe
Schwestern und Brüder» anrede. Vielleicht meinen
Sie auch, dass sei nur so ein Floskel, mit der man halt Predigten
anfängt. Aber ich meine es ernst.
Auch wenn sie weder meine wirklichen Schwestern und Brüder
sind, und auch wenn sie nicht alle lieb sind: Uns verbindet
etwas ganz anderes als Sympathie oder Verwandtschaft. Uns
verbindet die Tatsache, dass wir alle zu Jesus Christus gehören,
und dass wir von unserem Gott berufen und beschenkt sind,
ja, dass wir für einander Geschenke Gottes sind. Da mag
jeder auch seine Fehler und unsympathische Züge haben,
trotzdem: Weil sie von Gott beschenkt wurden, sind sie mir
lieb und teuer, sind sie für die Kirche und auch für
mich ein Geschenk Gottes, für dass ich nur dankbar sein
kann.
Petrus wurde nicht aufgrund seiner persönlichen Vorzüge
oder Liebenswürdigkeit zum Fels der Kirche. Hätte
sich Jesus danach gerichtet, so hätte dieser wankelmütige
Fischer wohl schlechte Karten gehabt. Vielmehr ist die Erkenntnis
des Petrus «Du bist der Messias» ein Geschenk
Gottes, etwas, das Petrus ganz unverdient erhalten hat und
weiter geben kann, um seine Brüder zu stärken. Und
Jesus beschenkt ihn mit einer Gabe - die zugleich auch eine
enorme Aufgabe ist -, nämlich mit dem Amt, Fels der Kirche
zu sein. Indem Jesus seinen Petrus so beschenkt, drückt
er seine Liebe zu seiner Kirche aus: Mit Ihm beschenkt er
auch seine Jünger.
Liebe Schwestern und Brüder, ob das Amt des Petrus tatsächlich
ein Geschenk Gottes an seine Kirche ist, bleibt eine Frage
des Glaubens. Es gibt genug Stimmen die eher von einer Last
als von einem Geschenk sprechen. Auch Petrus hat, nachdem
er seinen Herrn verleugnet, missverstanden und verlassen hatte,
Anlass genug gegeben, als Last empfunden zu werden. Trotzdem
ist keiner der Jünger daraufhin auf die Idee gekommen,
eine Kirche von unten zu gründen. Freiwillig hätten
sie den Felsen, den Christus seiner Kirche geschenkt hat,
nicht verlassen.
Ich weiß, dass das oft schwer fällt: Aber ich
versuche immer wieder neu, Tag für Tag, für jeden
Menschen dankbar zu sein, der die Gabe Gottes annimmt und
damit selbst zum Geschenk für andere wird. Ob er nun
sympathisch ist, oder nicht. Ob er nun Papst, Bäcker
oder Schüler ist. Ich persönlich kann Gott nicht
genug danken, für die vielen Menschen, die mich mit ihrem
Glauben immer wieder bereichern. Und ich kann mich aus ganzem
Herzen dem anschließen, was Mutter Teresa einmal gesagt
hat: «Dieser Papst ist das größte Geschenk
Gottes an unser Jahrhundert.»
Amen.
Petrus und der Papst - Mai 2004
Liebe Schwestern und Brüder!
Kurz nach Ostern veröffentlichte der Vatikan die Instruktion
Redemptionis Sacramentum über einige Dinge bezüglich
der
heiligsten Eucharistie, die einzuhalten und zu vermeiden sind.
Bevor dieses Dokument erschienen war gab es schon Gerüchte:
"Der Papst will die Messdienerinnen abschaffen."
"Der Papst und der Ratzinger wollen wieder die Messe
auf Latein und mit dem Rücken zum Volk einführen."
usw.
Wie sich herausstellte noch vor der Veröffentlichung
des Dokumentes war Stimmungmache gegen den Apostolischen
Stuhl aus sogenannten "kirchenkritischen" Kreisen.
Nichts von alledem findet sich in er Instruktion.
Andere wiederum in den Medien oder am kirchenpolitischen
Stammtisch fühlten sich am Tag der Erscheinung
oder am Tag darauf geharnischte Kommentare gegen das ach so
konservative, rückwärtsgewandte Rom. Wir in Deutschland
seien da ja schon viel weiter, offener.
Fragte man dann mal nach, ob die Betreffenden das Dokument
denn schon gelesen haben, wurde schnell das Thema gewechselt.
Die 74 Seiten durchzulesen haben dann doch wohl die wenigsten
geschafft. Geschweige denn, sich überhaupt bemüht,
das Dokument zu erwerben.
Dann wurde zum Schluß noch über den kühlen
Stil gemeckert, der sei so kalt und juristisch. Da stellt
sich mir dann die Frage, ob eine "Instruktion",
also eine Anweisung, in Reimform verfasst werden muß.
So wie dieser Instruktion, die eigentlich nur das bestätigt
und in Erinnerung ruft, was seit dem zweiten Vatikanum gilt
so wie dieser Instruktion geht es vielen Dokumenten
aus Rom.
"Zentralismus" sei das Ganze wird geschrieen. Rom
mache die Ortskirchen unmündig, nehme sie nicht ernst.
Da entsteht dann eine andere Frage, ob denn Rom, der Papst,
das Lehramt denn noch ernstgenommen werden, oder ob da nicht
allzu häufig Vorabverurteilungen kommen nach dem
Motto: "Was kann von da schon Gutes kommen?"
Schwestern und Brüder,
Konflikte, Streitigkeiten kommen unter uns Menschen zwangsläufig
vor. Davon bleibt auch die Kirche nicht verschont. Die Frage
ist, wie man damit umgeht.
Schon ganz früh gab es in der Kirche heftige Auseinandersetzungen.
Davon berichtet die Lesung aus der Apostelgeschichte. Worum
ging es da? Und welchen Weg weist uns hier die Hl. Schrift,
mit Uneinigkeit umzugehen?
Damals ging es um eine wichtige Frage: Muß man, um
Christ werden zu können, zuerst Jude gewesen sein?
Für die frommen Juden, die Christen geworden waren, war
die Beschneidung und die Befolgung jüdischer Gesetze
unaufgebbare Bedingung. Dagegen stand die Meinung, die auch
von Paulus und Barnabas vertreten wurde, dass allein der Glaube
an Christus zähle.
Wo diese beiden Meinungen aufeinandertrafen, war klar, daß
eine Entscheidung und eine Klärung bald erfolgen mußte.
Denn beides zugleich ging nicht, das eine schloß das
andere aus. Wer aber hat recht? Was ist zu tun? Wie finden
wir die Wahrheit?
Die Gemeinde macht nun keine Umfrage in dieser Sache und läßt
auch nicht einfach eine Mehrheit entscheiden. Was sie tun,
gibt den Weg der Kirche in den späteren Jahrhunderten
vor:
Man geht nach Jerusalem, wo Petrus ist. Bei Petrus sind auch
noch andere Apostel. Diesen wird die Streitfrage vorgetragen.
Es ist das erste Konzil der Kirche: Das Apostelkonzil. Die
Apostel hören, prüfen und schließlich entscheiden
sie. Sie geben Paulus und Barnabas recht: Der Glaube an Christus
genügt zur Taufe und zum Heil. Der Geist wirkt überall,
auch bei denen, die nicht zum jüdischen Volk gehören.
So begründet das Konzil seine Entscheidung: "Der
Heilige Geist und wir haben beschlossen".
Der Heilige Geist kommt also zuerst. In ihm lebt Christus.
In ihm lehrt Christus. Jesus hatte versprochen: "Der
Beistand aber, der Heilige Geist, (...) der wird euch alles
lehren und euch an alles erinnern, was ich euch gesagt habe"
spricht der Herr im Evangelium.
Darauf können die Apostel sich berufen. Sie glauben,
was die Kirche seitdem immer glaubte und auch in Zukunft immer
glauben wird: Der Heilige Geist läßt die Kirche
nicht im Stich. In den notwendigen Entscheidungen hilft er,
den richtigen Weg zu finden. Aber es muß Vertrauen da
sein. Und es muß gebetet werden. Der Heilige Geist will
erbetet, erfleht werden.
Die Apostel in Jerusalem, die Jünger in Antiochia und
die vielen, vielen Christen, die auf den Heiligen Geist gehofft
haben, sie haben gehorcht mit den Ohren und sie haben gebetet
mit dem Mund und sie haben geglaubt mit dem Herzen. Sie werden
in der Kunst darum auch gezeichnet mit einem Lichtschein,
dem "Heiligenschein", um das Haupt herum.
Ein Pfarrer, den ich kenne, hatte als regelmäßiges
Bonmot, das er immer wieder zum Besten gab: Bei den vielen
Sitzungen, die es heute in der Kirche gibt und bei denen mehr
geredet als gebetet wird, haben wir demnächst die Heiligenbilder
nicht mehr mit dem Heiligenschein am Kopf, sondern um den
Hintern. -
Das Gebet ist entscheidend, um mit dem Heiligen Geist in Kontakt
zu kommen. Und ein Zweites kommt hinzu, was Barnabas und Paulus
und die übrigen Christen auszeichnete: Sie haben gehört.
Nachdem die Entscheidung gefallen war, die das Lehramt in
Form des Apostelkollegiums getroffen hatte, hatten sie gehört,
die Entscheidung weitergegeben und sind selber der Entscheidung
gefolgt.
Dieses Hören und Hörenkönnen ist in unserer
Zeit wieder bitter nötig.
Ich frage mich immer wieder, wenn über Dokumente des
Papstes von einigen auch von der Kirche bezahlten
Leuten hergezogen wird:
Glauben die denn nicht mehr, daß Petrus in Rom ist?
Daß Christus durch die Nachfolger der Apostel, durch
das Bischofskollegium auch heute zu uns spricht?
Ist das Lehramt für jene nur so lange akzeptabel, so
lange es die eigene Meinung wiedergibt? Ist die Kirche für
diese Menschen noch Hierarchie was so viel heißt
wie heiliger Ursprung, heilige Ordnung oder ist die
Kirche nur eine Art Weltanschauungsverein mit sozialer Note?
Der Papst verkörpert die Einheit der katholischen Kirche.
Er tut das nicht willkürlich, sondern in Übereinstimmung
mit dem Kollegium der Bischöfe und dem, was schon immer
geglaubt worden ist. Es geht da nicht um Erfindung neuer Glaubenssätze,
sondern um die Bewahrung der Botschaft Jesu und der Lehre
der Apostel. Das erfordert manchmal auch klare Entscheidungen.
Und aus denen spricht der Hl. Geist. Auch heute.
Ich jedenfalls für mich allein bin nicht so katholisch,
dass ich keinen Papst und keine Bischöfe nötig hätte.
Ich bin dankbar für den Dienst der Lehre und auch des
Erinnerns, den die Nachfolger Petri und der Apostel leisten.
Zum Papst Johannes Paul II
Der Papst und wir (1. Version) -
Zum Tode von Johannes Paul II. - Weißer Sonntag 2005
Als im Jahr 1945 das Konzentrationslager Auschwitz durch
die russische Armee befreit wurde, gab es unter den vielen
Befreiten, die überlebt hatten, ein 16jähriges Mädchen,
das völlig erschöpft durch die Straßen irrte,
ohne Ziel, ohne jemanden zu haben, zu dem sie hätte gehen
können. Als sie nicht mehr imstande war, auch nur einen
Schritt zu gehen, hat sie ein junger polnischer Priester angesprochen.
Er besorgte ihr Brot und Käse - Kostbarkeiten damals
im hungernden Polen - und dann trug er sie 3 km weit auf dem
Rücken zum nächsten Bahnhof. Die damals Befreite
sagt: Nie werde ich dieses Gesicht vergessen.
Der Name des Priesters, der ihr damals geholfen hat, war Karol
Wojtila.
Als im Jahr 2000 der Papst in der jüdischen Gedenkstätte
Yad Vashem war, sah das Mädchen von damals ihren Retter
wieder. Sie brach in Tränen aus.
Das amerikanische Nachrichtenmagazin "Time", bestimmt
kein kirchliches Blatt, hat ihn vor fünf Jahren zum "Mann
des Jahres" gewählt, weil er eine der bedeutendsten
moralischen Autoritäten in der Welt sei. Im kommenden
Monat Mai würde er 85 Jahre alt.
Als der Papst vor beinahe 25 Jahren zum ersten Mal Deutschland
- damals noch ein geteiltes Land - besuchte, hatte ich gerade
in Münster mein Studium begonnen. Mich interessierte,
was dieser Mann zu sagen hatte und wie er auf die Menschen
wirkte. Und als ich dann in Fulda, Mainz und München
ihm, wenn auch nur aus der Ferne, begegnen konnte, fing ich
an zu begreifen, daß hier einer war, der viel bewegen
würde in der Welt. Damals war die Begeisterung für
den Papst auch hier bei uns noch ungebrochen. Obwohl er doch
nichts anderes sagte und lehrte, was er auch 20 Jahre danach
noch sagt und lehrt. (Vielleicht waren damals seine Worte
sogar noch deutlicher und direkter als heute.)
Unser Papst liebt Deutschland und liebt die Deutschen. Schon
dreimal hat er unser Land besucht. Zuletzt, 1996, hat er das
nunmehr geöffnete Brandenburger Tor durchschritten. Für
ihn persönlich, so wird bezeugt, war das einer der größten
Augenblicke seines Lebens. Als Bischof und Kardinal in Polen
war er einer der treibenden Kräfte der Aussöhnung
mit Deutschland. Trotz seiner eigenen bitteren Erfahrungen
mit den deutschen Besatzern und trotz der starken Bedenken
und Reserven seiner eigenen Mitbrüder im polnischen Klerus
und Episkopat hat er die Hand zur Versöhnung mit Deutschland
ausgestreckt. Wenn heute gerade aus Deutschland wegen seiner
Amtsführung als Papst oder wegen seiner angegriffenen
Gesundheit Häme, Spott und abschätzige Bemerkungen
fallen, dann müssen wir uns schämen. Denn gerade
das hat dieser Mann nicht verdient.
Als vor 20 Jahren die Weltjugendtage ins Leben gerufen wurden,
in denen der Papst die Jugend der Welt einlädt, über
sich selbst, die Kirche und Gott nachzudenken, zu beten und
zu feiern, sich zu treffen mit dem Nachfolger des heiligen
Petrus, da kam von Deutschland zunächst so gut wie keine
Antwort. Ich hörte, wie in Tschenstochau 1991 und in
Denver zwei Jahre später der Papst fragte: Wo ist die
Jugend aus Deutschland? - Manches braucht eben in Deutschland
etwas länger, und so ist die Begeisterung für dieses
einmalige Erlebnis bei uns erst langsam in Fahrt gekommen.
Wie schafft der Papst das, seine Aufgaben alle zu bewältigen?
Mit wieviel verschiedenen Personen aus unterschiedlichen Kulturen
und Mentalitäten, mit wieviel Politikern mit all ihren
Anliegen und Interessen trifft er sich tagtäglich? Unser
Papst ist wahrscheinlich der am besten informierte Mensch
auf dieser Erde. Niemand hat so viel Einblick in die Lage
der Kirche und der Politik wie er. Es ist unglaublich, wie
er nach wie vor die Menschen anrührt und begeistert:
in Gottesdiensten, die häufig mehrere hundertausend Menschen
versammeln. Wenn ich schon bei mir selbst sehe, wie die Vorbereitung
und die Feier eines Erstkommuniongottesdienstes mich schlauchen
können, dann ahne ich, welche innere Kraft und welchen
inneren Glauben dieser Mann besitzt.
Eine Bitte möchte ich mit diesen Gedanken über
unseren Papst verbinden: Glauben Sie doch bitte nicht alles,
was an Schlagworten über Papst und Kirche verbreitet
wird. Gebrauchen Sie auch hier Ihren eigenen Verstand. "Zentralismus":
Gibt es eine Gemeinschaft in dieser Welt, die wie die katholische
Kirche eine solche Vielfalt kennt an Ausdrucksformen des Glaubens,
so viele verschiedene Gemeinschaften, Orden, eine bunte Vielfalt
an Bewegungen und Gruppen? Der Vorwurf des Zentralismus in
der Kirche ist absurd.
Ebenso absurd ist der Vorwurf, der Papst sei "leibfeindlich".
Dieser Vorwurf trifft im Grunde die ganze Kirche. Aber die
häufige Wiederholung macht den Vorwurf nicht richtiger.
Richtig ist, daß die Kirche und auch unser Papst immer
wieder die Würde des Leibes, die Würde der Frau,
die Würde der Kranken usw. betonen und einfordern. Feinde
des Leibes sind die, die ihn ausbeuten und als bloßes
Objekt ansehen.
Der Papst ist inzwischen eine Kultfigur für unzählige
Menschen aller möglicher Glaubensrichtungen und Überzeugungen.
Unser jetziger Bundeskanzler, Gerhard Schröder, hatte,
als er noch Ministerpräsident von Niedersachsen war,
einmal eine Audienz beim Papst. Nun steht Herr Schröder
sicherlich nicht im Verdacht, ein religiöser Schwärmer
zu sein. Doch er war von dieser Begegnung überaus beeindruckt.
Als er nach dieser Begegnung den Papst lobte und lobte, war
auch ein deutscher Bischof dabei, der es für angebracht
hielt, den Politiker ein wenig zu bremsen. Es gäbe doch
auch kritische Stimmen gegen den Papst, und überhaupt
sei der Mann in Rom doch ziemlich unmodern ... und was dieser
Bischof noch alles an Bedenken vorzutragen hatte. "Ach,
wissen Sie", tröstete der jetzige Bundeskanzler
den Bischof, "kleine Geister gibt es überall."
Der Papst und wir (2. Version) -
Zum Tode von Johannes Paul II. - Weißer Sonntag 2005
Liebe Schwestern und Brüder,
als im Jahr 1945 das Konzentrationslager Auschwitz durch
die russische Armee befreit wurde, gab es unter den vielen
Befreiten, die überlebt hatten, ein 16-jähriges
Mädchen, das völlig erschöpft durch die Straßen
irrte, ohne Ziel, ohne jemanden zu haben, zu dem sie hätte
gehen können. Als sie nicht mehr imstande war, auch nur
einen Schritt zu gehen, hat sie ein junger polnischer Priester
angesprochen. Er besorgte ihr Brot und Käse - Kostbarkeiten
damals im hungernden Polen - und dann trug er sie 3 km weit
auf dem Rücken zum nächsten Bahnhof. Die damals
Befreite sagt: Nie werde ich dieses Gesicht vergessen."
Der Name des Priesters, der ihr damals geholfen hat, war Karol
Wojtila, unser jetziger Papst, der heute nacht gestorben ist.
Als im Jahr 2000 der Papst in der jüdischen Gedenkstätte
Yad Vashem war, sah das Mädchen von damals ihren Retter
wieder. Sie brach in Tränen aus.
Das amerikanische Nachrichtenmagazin "Time", bestimmt
kein kirchliches Blatt, hat ihn vor fünf Jahren zum "Mann
des Jahres" gewählt, weil er eine der bedeutendsten
moralischen Autoritäten in der Welt sei. Im kommenden
Monat Mai würde er 85 Jahre alt.
Als der Papst vor beinahe 25 Jahren zum ersten Mal Deutschland
- damals noch ein geteiltes Land - besuchte, war die Begeisterung
für den Papst auch hier bei uns noch ungebrochen. Obwohl
er doch nichts anderes sagte und lehrte, was er auch 20 Jahre
danach noch sagte und lehrte. (Vielleicht waren damals seine
Worte sogar noch deutlicher und direkter als später.)
Unser Papst hat immer wieder betont, dass er Deutschland
und die Deutschen liebt. Für ihn persönlich, so
wird bezeugt, war es 1996 einer der größten Augenblicke
seines Lebens, als er das nunmehr geöffnete Brandenburger
Tor durchschritt. Als Bischof und Kardinal in Polen war er
einer der treibenden Kräfte der Aussöhnung mit Deutschland.
Trotz seiner eigenen bitteren Erfahrungen mit den deutschen
Besatzern und trotz der starken Bedenken und Reserven seiner
eigenen Mitbrüder in Polen er die Hand zur Versöhnung
mit Deutschland ausgestreckt. Wenn danach gerade aus Deutschland
wegen seiner Amtsführung als Papst oder wegen seiner
angegriffenen Gesundheit Häme, Spott und abschätzige
Bemerkungen gefallen sind, dann müssen wir uns schämen.
Denn gerade das hat dieser Mann nicht verdient.
Als vor 20 Jahren die Weltjugendtage ins Leben gerufen wurden,
in denen der Papst die Jugend der Welt einlädt, über
sich selbst, die Kirche und Gott nachzudenken, zu beten und
zu feiern, sich zu treffen mit dem Nachfolger des heiligen
Petrus, da kam von Deutschland zunächst so gut wie keine
Antwort. Ich hörte, wie in Tschenstochau 1991 und in
Denver zwei Jahre später der Papst fragte: Wo ist die
Jugend aus Deutschland? - Manches braucht eben in Deutschland
etwas länger, und so ist die Begeisterung für dieses
einmalige Erlebnis bei uns erst langsam in Fahrt gekommen.
Jetzt hat er nicht mehr erlebt, dass die deutschen Jugendlichen
ihm zujubeln.
Unser jetziger Bundeskanzler, Gerhard Schröder, hatte,
als er noch Ministerpräsident von Niedersachsen war,
einmal eine Audienz beim Papst. Nun steht Herr Schröder
sicherlich nicht im Verdacht, ein religiöser Schwärmer
zu sein. Doch er war von dieser Begegnung überaus beeindruckt.
Als er nach dieser Begegnung den Papst lobte und lobte, war
auch ein deutscher Bischof dabei, der es für angebracht
hielt, den Politiker ein wenig zu bremsen. Es gäbe doch
auch kritische Stimmen gegen den Papst, und überhaupt
sei der Mann in Rom doch ziemlich unmodern ... und was dieser
Bischof noch alles an Bedenken vorzutragen hatte. "Ach,
wissen Sie", tröstete der jetzige Bundeskanzler
den Bischof, "kleine Geister gibt es überall."
Wir haben heute das Evangelium vom gläubigen Thomas
gehört. Es gehören die Augen des Glaubens dazu,
den Auferstandenen zu erkennen. Es gehören Augen des
Glaubens dazu, in jedem Menschen, der uns geschenkt ist, die
Liebe Christi zu erkennen. Und es gehören Augen des Glaubens
dazu, in Johannes Paul den leidenden und liebenden Christus
zu erkennen.
Amen.
Zum Amtsjubiläum Johannes Paul
II. - Oktober 2003
«Von Krankheit gezeichneter Papst begeht sein Jubiläum»
«Wer wird Nachfolger von Johannes Paul II?»
So oder so ähnlich lauteten Schlagzeilen in den letzten
Tagen. So oder so ähnlich haben Sie sie auch wohl gehört
und gelesen, liebe Schwestern und Brüder.
Seit Jahren schon wird öffentlich darüber spekuliert,
wie lange Johannes Paul II. noch im Amt bleibt. Es wird weniger
über die Inhalte seiner Ansprachen gesprochen als über
seinen Gesundheitszustand. Manchmal scheint die Presse seinen
Tod herbeischreiben zu möchten...
Dass unser Hl. Vater alt geworden ist, dass seine Gesundheit
schwer angeschlagen ist, all das ist unbestritten, weil offensichtlich.
Viele haben Mitleid mit ihm, wenn sie Fernsehbilder von ihm
sehen, der Kopf gebeugt, die Hand zitternd, sich auf einen
fahrbaren Wagen stützend, weil die Arthrose ihm das Gehen
nicht mehr möglich macht.
Kann der nicht auf sein Amt verzichten? Das tut weh,
mit anzusehen, wie er sich quält. Das geht doch über
alle menschlichen Kräfte."
Ja, es stimmt. Unser Heiliger Vater hat wirklich die Grenzen
seiner körperlichen Kraft erreicht. Sein Geist und sein
Wille aber sind wach. Er brennt vor Glauben.
Und so ist gerade der jetzige Papst ein Zeugnis dafür,
was das Amt des Nachfolgers Petri ausmacht.
Zum Petrus, zum Fels der Kirche hat sich der Herr den Simon
erwählt. Einen, der leicht an seine Grenzen stößt,
einen Fischer, keinen Gelehrten, einen der mutig sein kann,
aber auch feige. Immerhin hat er Jesus verleugnet.
Ausgerechnet diesem Petrus übergibt er die Schlüssel
zum Himmelreich.
Ist das nicht eine totale Überforderung. Wäre nicht
vielleicht der jüngere Johannes der Bessere gewesen für
dieses Amt? Oder hätte man das nicht auf zwei, drei Leute
verteilen sollen?
Diese Fragen sind müßig. Der Herr hat entschieden.
Einer soll der Fels der Kirche sein. Petrus und seine jeweiligen
Nachfolger, die Päpste.
Ein einziger Mann soll für die ganze Kirche, weltweit
Oberhaupt sein,
die Schwestern und Brüder in Ost und West, Nord und Süd
im Glauben stärken,
die Interessen und die Sendung der Kirche gegenüber der
ganzen Welt vertreten.
Ist damit ein einziger nicht überfordert?
Ja, er ist damit überfordert. Das ist nicht menschenmöglich.
Das kann man nur mit Christi Hilfe schaffen.
Und darum geht es: Im Amt des Nachfolger Petri wird deutlich,
dass es Christus ist, der diese Kirche trägt und lenkt.
In der totalen Überforderung des einen Menschen sehen
wir die Kraft Gottes am Werk.
Nicht das Menschenmögliche zählt, sondern das Gottgewollte.
Wenn es nicht Gott wäre, der ein Interesse am Papsttum
und an der Kirche hätte, dann wäre beides schon
längst verschwunden angesichts der zahlreichen Sünden
und Sünder in der Kirche und auf der Kathedra Petri.
Während das 1000jährige Reich Hitlers nach 12 Jahren
zerstört war, gibt es die Kirche nach fast 2000 Jahren
immer noch.
Aber warum könnte Gott ein solches Interesse am Papst
und an der Kirche haben?
Eines hat die Kirche immer getan: das Evangelium verkündet
und die Sakramente gespendet, also die Botschaft und die Nähe
Christi weitergegeben.
Und darum geht es. Das ist der Dienst der Kirche an ihren
Gläubigen und an der Welt: Christus verkünden, die
Sakramente spenden. Selbst ein so moralisch heruntergekommener
Papst wie Alexander VI. hat immerhin das Angelusläuten
weltweit eingeführt.
Liebe Schwestern und Brüder!
Der Papst soll Zeugnis ablegen von Christus und seiner Lehre.
Es geht nicht darum, dass er sich und seine Qualitäten
in den Vordergrund rückt.
Er ist kein politischer Führer, vom Volk gewählt.
Er ist kein Manager auf Zeit für einen Global Player,
Weltkonzern Kirche.
Er ist erst recht kein "Mächtiger" im üblichen
Sinn. Er dient der Kirche mit seinem ganzen Leben. Das Tagespensum
und die Strapazen dieses Dienstes würde vermutlich kein
Top-Manager der Welt auf sich nehmen wollen.
Der Papst ist von Gott berufen, das Evangelium zu verkünden
und Christus in dieser Welt darzustellen.
Wir dürfen Gott sehr dankbar sein, dass er uns in diesen
Jahren einen solchen Papst geschenkt hat, der gerade in seiner
körperlichen Gebrechlichkeit ein überzeugender Prediger
des Wortes Gottes ist.
Gerade an ihm sehen wir, dass es bei der Kirche auf Gott
und nicht so sehr auf die Leistung des Menschen ankommt.
Und die heutige Seligsprechung von Mutter Teresa macht deutlich,
dass in den Augen der Kirche jeder Mensch eine unveräußerliche
Würde hat, gerade die Kleinen, die Geschundenen, die
Ausgestoßenen, die Kranken und die Sterbenden.
Denn der Menschensohn ist nicht gekommen, um sich dienen
zu lassen, sondern um zu dienen Daran muss sich die Kirche
messen lassen, vom Papst bis zum Neugetauften, auch wir.