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Predigt zum Papst Benedikt XVI
Ursprung: 6. Sonntag der Osterzeit - Lesejahr A

Sagen Sie mal, Sie sind doch auch katholisch, was halten Sie denn vom neuen Papst? Sind Sie das auch gefragt worden in den letzten Tagen?

Glücklicherweise beschränkten sich diese Arten von Fragen und Antworten nicht nur auf die Erwartungen, die an den Nachfolger Petri gestellt werden, und die je nach politischer und kirchlicher Ausrichtung stark variieren – frei nach dem Motto: ein guter Papst ist er, wenn er das tut, was ich für richtig halte.

Es wurden auch Fragen nach dem eigenen Glauben gestellt – Glaube war wieder gefragt – immerhin für eine kurze Zeit, solange wie das Thema in den Medien präsent war.

„Seid stets bereit, jedem Rede und Antwort zu stehen, der nach der Hoffnung fragt, die euch erfüllt." Der erste Petrusbrief ermutigt uns zum Zeugnis – wenn wir gefragt werden.

Na schön, so könnten wir schlussfolgern, solange ich nicht gefragt werde, brauche ich also auch nicht Zeugnis zu geben. Geht ja auch schließlich keinen was an, was ich glaube.

Ist das wirklich so? Nach der Hoffnung gefragt, die sie erfüllt – das werden sicherlich nur diejenigen, die durch diese Hoffnungsfülle auffallen, denen man ihre Hoffnung ansieht. Etwas, von dem ich erfüllt bin, kann ich schlechterdings nicht verbergen, ohne mich zu verstecken.

Was ist denn mit dir los – bist du verliebt? So fragen wir einen Menschen, dem auf dem Gesicht geschrieben steht, was ihn umtreibt.
Was ist denn mit dir los – glaubst du an Gott? So müssten uns die Menschen fragen, denen wir begegnen, weil wir eben anders leben können als diejenigen, die keine Hoffnung haben.

Wir könnten also den Satz aus dem Petrusbrief ergänzen und sagen: Antworte jedem, der nach dem Grund der Hoffnung fragt, die dich erfüllt und lebe so, dass du nach dem Grund deiner Hoffnung gefragt wirst! Dieser Grund unserer Hoffnung, das ist Jesus Christus und seine Liebe zu uns und zu jedem Menschen.

Liebe aber kann nicht für sich bleiben. Es liegt im Wesen der Liebe, dass sie weitergeben und dass sie den Geliebten erfreuen will.
„Wenn ihr mich liebt," so sagt der Auferstandene deshalb seinen Jüngern, „werdet ihr meine Gebote halten."
Zuerst die Liebe, dann die Gebote, denn das oberste Gebot ist das der Liebe, der Liebe zu Gott und zu dem Menschen.

Und umgekehrt gilt: „Wer meine Gebote hat und sie hält, der ist es, der mich liebt; wer mich aber liebt, wird von meinem Vater geliebt werden, und auch ich werde ihn lieben und mich ihm offenbaren."
Der Vater wird uns lieben. Das ist nicht nur eine religiöse Leerformel. Das ist eine Zusage des Herrn. Liebe aber ist spürbar. Wenn wir uns auf Gott einlassen, werden wir seine Liebe spüren!
Welcher Mensch aber wünscht sich nicht, geliebt zu werden. Und was tun Menschen nicht alles, um Liebe, um Anerkennung, Angesehenwerden, Zuneigung zu erfahren.
Und wie groß ist dann nicht selten die Enttäuschung, wenn das, was man unter Liebe verstanden hat, sich wieder auflöst, weil Geld, Erfolg oder einfach so ein Gefühl auf neue Wege lockt, die dann nicht selten bald wieder verlassen werden.

Gottes Liebe ist da anders. Sie will uns nicht blenden, sie meint wirklich mich, sie nimmt mich vollkommen an – und was sie verlangt, das Halten der Gebote, dazu gibt sie selbst die Mittel und die Befähigung.
Es heißt nicht: Wenn ihr mich liebt, müsst ihr meine Gebote halten, sondern Wenn ihr mich liebt, werdet ihr meine Gebote halten.
Wenn Sie ihre Frau oder ihren Mann wirklich lieben, müssen Sie nicht bei ihr oder ihm bleiben, sondern sie werden beieinander bleiben.
Worum wir uns also bemühen müssen, ist zuerst die Liebe. Denn die Gebote richten sich nach dem Wesen des Geliebten und des Liebenden, also nach dem Wesen Gottes.
Wenn wir in der Liebe Gottes bleiben wollen, können wir gar nicht anders als die Gebote halten, denn nur dann leben wir wirklich in Gemeinschaft mit ihm – und diese Gemeinschaft ist es letztlich, die unser Glück ist.

Das also muss man an uns Christen ablesen können. Dass wir Geliebte und Liebende sind. Und dass unser Maßstab kein Geringerer ist als Gott selbst.
Das ist ein hoher Anspruch. Es ist auch kein theoretischer, sondern ein praktischer. Aber manchmal habe ich den Eindruck, als wenn wir vorher schon abwinken und sagen: Das ist doch unmöglich, das geht doch nicht, schließlich sind wir ja nur arme kleine Sünderlein.
Jesus denkt offenbar anders von uns. Er zwingt uns nicht, Liebe zwingt nie, aber er lädt uns ein, es wenigstens zu versuchen.

Ganz konkret: Beten wir wieder. Ob morgens, abends, zum Essen, wenn wir froh oder traurig sind – halten wir Kontakt zu dem, der uns helfen will, in der Wahrheit zu leben.
Suchen wir die Nähe Jesu in den Sakramenten, vor allem in der Eucharistie am Sonntag. Bitten wir ihn ehrlich, dass er uns an die Hand nimmt und führt auf dem Weg der Hoffnung.

Und wenn wir dann gefragt werden: Was machst du eigentlich, dass du so voller Liebe leben kannst, wenn wir dann nach dem Grund unserer Hoffnung gefragt werden, dann dürfen wir uns freuen und bereitwillig Rede und Antwort stehen, damit immer mehr Menschen den Weg zurück finden zur Liebe des Vaters.

Ursprung: 5. Sonntag der Osterzeit - Lesejahr A

Liebe Schwestern und Brüder,

morgen (heute) um 10.00 Uhr wird in Rom der neue Papst Benedikt XVI. in sein Amt eingeführt. Dabei dürfen wir Deutschen uns besonders freuen, denn der neue Papst stammt aus unserem Land.

Doch Vorsicht: Wir freuen uns besonders, ja - aber nicht etwa, weil - wie die Bildzeitung titelte - WIR PAPST SIND. Das Papstamt kennt keine Nationalität. Die katholische Kirche ist immer international - wenn es dort eine Staatsbürgerschaft gibt, dann ist es die der Kinder Gottes.
Wir freuen uns nicht, weil wir nun also "Rom übernommen haben". Wir freuen uns, weil die Wahl eines Deutschen ein Zeichen an uns Deutsche ist: Wir, die Kardinäle aller Welt, trauen Euch.

Wir trauen Euch Deutschen. Nach all dem Terror und Tod, der von Deutschland ausgehend die Welt vergiftet hat - wir trauen den Deutschen. Umso schöner ist die Antwort, die Kardinal Ratzinger mit der Wahl seines Namens getroffen hat: Benedikt. Der letzte Papst Benedikt hat erlebt, wie der erste Weltkrieg aus Deutschland kommend die Welt überzog. Jetzt knüpft Ratzinger daran an und macht deutlich: Ich führe die Friedensbemühungen des letzten Benedikts, der an den Deutschen scheiterte, weiter.

Und damit führt Benedikt XVI. nicht nur das weiter, was der letzte Papst vor den Weltkriegen begonnen hat. Er knüpft auch am Vertrauen seines unmittelbaren Vorgängers, Johannes Paul II. an: Dieser Papst aus Polen hat schon, bevor er Papst wurde, die Versöhnung mit den Deutschen vorangetrieben - auch gegen den erbitterten Widerstand seiner eigenen Landsleute.

Doch nicht genug: Papst Johannes Paul glaubte nicht nur an die "Normalität" der Deutschen. Er hatte die Vision, dass von diesem unserem Volk, von dem soviel Leid ausgegangen ist, auch eine neue Welle der Evangelisation, der inneren Erneuerung der Kirche ausgehen wird. Bis vor wenigen Tagen sah es nicht danach aus - Häme und Arroganz überzogen in den Fernsehtalkshows mit ungewohnter Taktlosigkeit den toten Papst, noch bevor er beigesetzt wurde. Aber vielleicht war das nur das letzte Zucken eines im Grunde schon toten Geistes. Etwas Neues bricht nun an in unserem Land.

Ich habe die Hoffnung, dass mit Benedikt XVI. eine neue Verbundenheit mit der Weltkirche unsere Gemeinden ergreift.

Ich habe die Hoffnung, dass mit Benedikt XVI. und dem Wirken des Geistes die junge Kirche in unserem Land bricht mit der unbeweglichen, ewig gestrigen Kirchenkritik.

Ich habe die unglaubliche Hoffnung, dass wir Zeugen sind einer neuen Morgenröte, einer Morgenröte einer erneuerten Liebe zu dem dreifaltigen Gott. Papst Johannes Paul II. hat diese neu aufgehende Sonne schon lange angekündigt - aufgrund seiner inneren Größe konnte er weiter blicken als die vielen kleinen Geister.

Ich habe diese Hoffnung, obwohl jede Soziologie, jede Erfahrung und jede finanzielle Expertise dagegen spricht. Ja, vielleicht habe ich gerade deshalb diese Hoffnung: Der Geist, der weht wo er will, bedient sich gerne der schwächsten Glieder. Und - darin dürften wir uns einig sein - unser Land ist eindeutig das Schlusslicht gewesen.

Kardinal Meisner hat nach der Wahl des Papstes gesagt: "Unsere Jugendlichen verstehen ja die Nachhut des vergangenen Jahrunderts - Drewermann und Küng usw. - nicht mehr. Darüber lachen sie oder schütteln den Kopf. Die Jugend weiß wieder, worauf es ankommt und braucht eine Vergewisserung ihres Christusglaubens. Bei der Vorstellung des neuen Papstes am Dienstag war der Petersplatz brechend voll - bis in die Via Conciliazione. Es waren zu achtzig Prozent Jugendliche." Und der Kardinal fügt hinzu: "Lasst uns jetzt diesem Papst, der unser Landsmann ist, so den Rücken stärken, wie das die Polen mit ihrem Landsmann Karol Wojtyla auf dem päpstlichen Thron getan haben."

Amen.