Sagen Sie mal, Sie sind doch auch katholisch, was halten Sie denn vom neuen Papst? Sind Sie das auch gefragt worden in den letzten Tagen?
Glücklicherweise beschränkten sich diese Arten von Fragen und Antworten nicht nur auf die Erwartungen, die an den Nachfolger Petri gestellt werden, und die je nach politischer und kirchlicher Ausrichtung stark variieren frei nach dem Motto: ein guter Papst ist er, wenn er das tut, was ich für richtig halte.
Es wurden auch Fragen nach dem eigenen Glauben gestellt Glaube war wieder gefragt immerhin für eine kurze Zeit, solange wie das Thema in den Medien präsent war.
Seid stets bereit, jedem Rede und Antwort zu stehen, der nach der Hoffnung fragt, die euch erfüllt." Der erste Petrusbrief ermutigt uns zum Zeugnis wenn wir gefragt werden.
Na schön, so könnten wir schlussfolgern, solange ich nicht gefragt werde, brauche ich also auch nicht Zeugnis zu geben. Geht ja auch schließlich keinen was an, was ich glaube.
Ist das wirklich so? Nach der Hoffnung gefragt, die sie erfüllt das werden sicherlich nur diejenigen, die durch diese Hoffnungsfülle auffallen, denen man ihre Hoffnung ansieht. Etwas, von dem ich erfüllt bin, kann ich schlechterdings nicht verbergen, ohne mich zu verstecken.
Was ist denn mit dir los bist du verliebt? So fragen
wir einen Menschen, dem auf dem Gesicht geschrieben steht,
was ihn umtreibt.
Was ist denn mit dir los glaubst du an Gott? So müssten
uns die Menschen fragen, denen wir begegnen, weil wir eben
anders leben können als diejenigen, die keine Hoffnung
haben.
Wir könnten also den Satz aus dem Petrusbrief ergänzen und sagen: Antworte jedem, der nach dem Grund der Hoffnung fragt, die dich erfüllt und lebe so, dass du nach dem Grund deiner Hoffnung gefragt wirst! Dieser Grund unserer Hoffnung, das ist Jesus Christus und seine Liebe zu uns und zu jedem Menschen.
Liebe aber kann nicht für sich bleiben. Es liegt im
Wesen der Liebe, dass sie weitergeben und dass sie den Geliebten
erfreuen will.
Wenn ihr mich liebt," so sagt der Auferstandene
deshalb seinen Jüngern, werdet ihr meine Gebote
halten."
Zuerst die Liebe, dann die Gebote, denn das oberste Gebot
ist das der Liebe, der Liebe zu Gott und zu dem Menschen.
Und umgekehrt gilt: Wer meine Gebote hat und sie hält,
der ist es, der mich liebt; wer mich aber liebt, wird von
meinem Vater geliebt werden, und auch ich werde ihn lieben
und mich ihm offenbaren."
Der Vater wird uns lieben. Das ist nicht nur eine religiöse
Leerformel. Das ist eine Zusage des Herrn. Liebe aber ist
spürbar. Wenn wir uns auf Gott einlassen, werden wir
seine Liebe spüren!
Welcher Mensch aber wünscht sich nicht, geliebt zu werden.
Und was tun Menschen nicht alles, um Liebe, um Anerkennung,
Angesehenwerden, Zuneigung zu erfahren.
Und wie groß ist dann nicht selten die Enttäuschung,
wenn das, was man unter Liebe verstanden hat, sich wieder
auflöst, weil Geld, Erfolg oder einfach so ein Gefühl
auf neue Wege lockt, die dann nicht selten bald wieder verlassen
werden.
Gottes Liebe ist da anders. Sie will uns nicht blenden, sie
meint wirklich mich, sie nimmt mich vollkommen an und
was sie verlangt, das Halten der Gebote, dazu gibt sie selbst
die Mittel und die Befähigung.
Es heißt nicht: Wenn ihr mich liebt, müsst ihr
meine Gebote halten, sondern Wenn ihr mich liebt, werdet ihr
meine Gebote halten.
Wenn Sie ihre Frau oder ihren Mann wirklich lieben, müssen
Sie nicht bei ihr oder ihm bleiben, sondern sie werden beieinander
bleiben.
Worum wir uns also bemühen müssen, ist zuerst die
Liebe. Denn die Gebote richten sich nach dem Wesen des Geliebten
und des Liebenden, also nach dem Wesen Gottes.
Wenn wir in der Liebe Gottes bleiben wollen, können wir
gar nicht anders als die Gebote halten, denn nur dann leben
wir wirklich in Gemeinschaft mit ihm und diese Gemeinschaft
ist es letztlich, die unser Glück ist.
Das also muss man an uns Christen ablesen können. Dass
wir Geliebte und Liebende sind. Und dass unser Maßstab
kein Geringerer ist als Gott selbst.
Das ist ein hoher Anspruch. Es ist auch kein theoretischer,
sondern ein praktischer. Aber manchmal habe ich den Eindruck,
als wenn wir vorher schon abwinken und sagen: Das ist doch
unmöglich, das geht doch nicht, schließlich sind
wir ja nur arme kleine Sünderlein.
Jesus denkt offenbar anders von uns. Er zwingt uns nicht,
Liebe zwingt nie, aber er lädt uns ein, es wenigstens
zu versuchen.
Ganz konkret: Beten wir wieder. Ob morgens, abends, zum Essen,
wenn wir froh oder traurig sind halten wir Kontakt
zu dem, der uns helfen will, in der Wahrheit zu leben.
Suchen wir die Nähe Jesu in den Sakramenten, vor allem
in der Eucharistie am Sonntag. Bitten wir ihn ehrlich, dass
er uns an die Hand nimmt und führt auf dem Weg der Hoffnung.
Und wenn wir dann gefragt werden: Was machst du eigentlich, dass du so voller Liebe leben kannst, wenn wir dann nach dem Grund unserer Hoffnung gefragt werden, dann dürfen wir uns freuen und bereitwillig Rede und Antwort stehen, damit immer mehr Menschen den Weg zurück finden zur Liebe des Vaters.
