Wie auch schon in anderen Katechesen (z.B. zum Wesen
des Priesters oder zu Marienerscheinungen)
erwähnt, besteht das Glaubensproblem unserer Zeit vor allem in einer
Umdeutung. Man kann sie "«Säkulartheologie» nennen,
oder "Anti-Supranaturalismus" (was soviel heißt wie "nichts
Übernatürliches kommt in die Tüte") - oder "Immanentismus"
("bleiben wir in dieser Welt").
Diese mehr oder weniger auf stillschweigender Übereinkunft beruhende
"Säkulartheologie" bestimmt nicht nur unseren Glauben,
sondern auch unser tägliches Tun - nochmehr aber unser religiöses
Handeln. Man geht nicht mehr in die "Heilige Messe", sondern
zum Gottesdienst - und meint damit eigentlich nur eine Art gemeinschaftliches
Erleben des eigenen Glaubens. Gottes übernatürliches Wirken
selber kommt dort oft nicht mehr vor. So backen Kinder in der Erstkommunionvorbereitung
mit viel Begeisterung ihr erstes eigenes Brot ("eine tolle Gemeinschaftserfahrung")
- erfahren aber wenig über das, was früher "Wandlung"
hießt.
Gerade in der Sakramententheologie hat sich da so einiges an Missverständnissen
herausgebildet hat, sowohl beim Sakramentenverständnis im allgemeinen,
als auch bei der Tauftheologie - und noch gravierender bei der Firmtheologie.
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KARL-LEISNER-JUGEND |
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Taufe und Firmung
Die Taufe gilt als Eingangstor in die Kirche - wer sich taufen lässt, der entscheidet sich für ein Leben in der Kirche - und mit ihr. Dummerweise werden die meisten von uns getauft, ohne dass sie gefragt wurden. Und eine ausführliche Katechese (sowie bei der Erstbeichte, der Erstkommunion und bei der Firmung) haben, wenn überhaupt, nur die Eltern gehört. Mit anderen Worten: Die Taufe liegt irgendwo im dunklen Vergessen der eigenen Kindheit. Gibt es deshalb die Firmung? Damit man erneuern kann, was verpasst wurde? Jeder, der sich einmal gründlich informieren möchte, was in der Taufe und der Firmung wirklich passiert, ist hier zum Nachlesen herzlichen eingeladen. |
Das, was in den Sakramentenkatechesen der "modernen Gemeinden" oft fehlt, ist einfach gesagt: Das übernatürliche Wirken Gottes. Dafür hat die Theologie einen einfachen Begriff geprägt: Die Gnade. Das, was Gott tut (zusätzlich zu den menschlichen Zeichen und Vorbereitungen), ist sein gnadenhaftes Wirken.
Warum wird es so wenig erwähnt? - Vermutlich, weil es nicht in unser Weltbild passt; vielleicht auch, weil wir Angst haben, dann zu passiven Marionetten zu werden; eventuell weil der Mensch dann sagen kann: "Okay, Gott, dann mach mal!" und sich gemütlich zurücklehnt - vielleicht aber auch, weil wir inzwischen glauben, auch ohne Gott und sein gnädiges Eingreifen auszukommen.
Um sich also dem gnadenhaften Wirken Gottes in den Sakramenten der Kirche zu nähern, müssen wir erst einmal eine Grundwahrheit des christlichen Glaubens in Erinnerung rufen: Der Mensch bedarf der Gnade Gottes - ohne Gottes Wirken gibt es kein Heil. Die Hoffnung, der Mensch könne sich am eignen Schopf aus der Sünde herausziehen und so gerechtfertigt vor Gott stehen, ist schon früh in der Kirche als "Pelagianismus" verurteilt worden - eine Irrlehre, die in der Unmenschlichkeit endet.
Wer im Pelagianismus den hohen moralischen Anforderungen nicht genügt, bedarf keiner Vergebung (wie im orthodoxen, rechtgläubigen Christentum), sondern einer Tracht Prügel, damit er sich noch mehr anstrengt. Entschuldigungen für Versagen gibt es nicht, denn es ist die Grundauffassung des Pelagiansmus, dass jeder Mensch aus eigener Kraft Heilig werden kann - wem es nicht gelingt, ist selber schuld.
Vielleicht greift dieser Pelagianismus wieder um sich - bei den ganzen moralischen Imperativen in unseren Gottesdiensten ein naheligender Verdacht. Vor allem aber erhält die Bedeutung und das Verständnis der Taufe (und auch der anderen Sakramente) eine Schieflage, wenn wir das Gnadengeschehen und dazu auch die Gnadenbedürftigkeit des Menschen aus dem Blick verlieren. Genau in dieser Situation befinden wir uns allerdings.
Anhand dieses Satzes wird deutlich, woran das Taufverständnis heute
krankt: Alle Menschen werden in der Säkulartheologie als Gottes
Kinder verstanden. Sie sind Gotteskinder qua Geburt. Die Behauptung,
dass nur die Getauften Kinder Gottes sind (eigentlich biblisch vollkommen
korrekt) wird als arrogante Selbstüberhebung bzw. als Diskriminierung
Andersgläubiger abgelehnt.
Wenn aber alle Menschen, unabhängig von ihrer tatsächlichen
Beziehung zu Gott, als Gotteskinder verstanden werden, so erübrigt
sich die Taufe als sakramentales Geschehen, in dem Gott uns als seine
Kinder annimmt. Aus reiner Tradition wird zwar das äußere Geschehen
beibehalten, aber dann notwendigerweise uminterpretiert. Die Taufe wird
jetzt eher als Bitte an Gott um den Segen für das Kind verstanden,
als Aufnahme in die Gemeinde (mit einer auch liturgisch ausgeformten Betonung
der Gemeindebeteiligung), als Zeichen dessen, was sowieso schon ist (siehe
Vorgrimlers «Kleine Sakramententheologie»).
Das äußere Zeichen der Taufe - das Abwaschen mit Wasser, entweder
durch Übergießen oder durch Untertauchen - hat jetzt nichts
mehr mit "Reinigung" zu tun. Der Zustand des Ungetauften ist
ja nicht "unreiner" als der eines Getauften.
Der biblische Befund spricht da eine andere Sprache: Im Johannesprolog heißt es: «Allen aber, die ihn aufnahmen, gab er Macht, Kinder Gottes zu werden, allen, die an seinen Namen glauben.» (Joh 1, 12) Und im Römerbrief schreibt Paulus: «Denn ihr habt nicht einen Geist empfangen, der euch zu Sklaven macht, so dass ihr euch immer noch fürchten müsstet, sondern ihr habt den Geist empfangen, der euch zu Söhnen macht, den Geist, in dem wir rufen: Abba, Vater! So bezeugt der Geist selber unserem Geist, dass wir Kinder Gottes sind.» (Röm 8,15.16) «Seht, wie groß die Liebe ist, die der Vater uns geschenkt hat: Wir heißen Kinder Gottes, und wir sind es. Die Welt erkennt uns nicht, weil sie ihn nicht erkannt hat.» (1 Joh 3,1)
"In der Taufe wird die Erbsünde des Menschen abgewaschen" - so haben noch unsere Großeltern gelernt - bereits unsere Eltern haben oft von diesem Begriff "Erbsünde" nichts mehr gehört. Ohne Erbsünde lässt sich aber überhaupt nicht begreifen, was in der Taufe geschieht.
Okay - ich gebe zu, hier und dort wird immer noch von diesem antiquierten
Begriff erzählt. Aber wie wird dieser Begriff dann noch gefüllt?
Was fehlt, ist nicht immer das Wort "Erbsünde",
sondern dessen Inhalt: Erbsünde als verlorene Gotteskindschaft.
Ein moderne Umdeutung der Erbsünde sieht z.B. folgendermaßen
aus: Neuerdings ist Erbsünde die Verknüpfung des Menschen in
eine mit sündhaften Strukturen durchsetzte Welt. Wenn ich z. B. Bananen
kaufe, dann versündige ich mich, weil die Bananenpolitik der EG die
Bananenbauern der 3. Welt verarmen lässt. Seitdem die Sünde
in die Welt Einzug gehalten hat, kann sich keiner mehr dieser Verstrickung
in die Struktursünden entziehen.
Angesichts einer solchen Theologie fragt man sich nun aber, wieso dann
das Sakrament der Taufe eine Tilgung der Erbsünde beinhalten soll.
Ist denn die Banane, die ein Getaufter kauft, nicht mehr mit der Sünde
der Welt verknüpft? Wohl kaum.
Nach dieser Theologie wird die Taufe vielmehr zu einer Absichtserklärung,
die aber keine wesenhafte Veränderung am Menschen mehr bewirkt.
Also machen wir uns erst einmal an eine Begriffsklärung der Erbsünde.
Ein Kleinkind kann nicht sündigen. Ich habe immer wieder Eltern
in Taufgesprächen vor mir sitzen, die mir sofort widersprechen, wenn
ich nur den Begriff «Erbsünde» in den Mund nehmen. Sie
weisen zurecht darauf hin, dass ein Kleinkind ohne sprachliches Selbstbewusstsein
und ohne sittliche Entscheidungsfähigkeit (die Eltern drücken
sich natürlich anders aus) doch noch nicht sündig sein kann.
Und sie haben vollkommen recht: Wer Erbsünde selbst als eine Sünde,
also als eine persönliche Schuld versteht, widerspricht der ausdrücklichen
Lehre der Kirche. Martin Luther z.B. ist auch aufgrund dieser Irrlehre
verurteilt worden.
Nein: Erbsünde bedeutet lediglich, dass im Menschen Einiges in Unordnung
geraten ist. Wir können das auch ganz leicht selbst an uns überprüfen:
Wenn wir eine ganz natürliche Neigung zum Guten hätte, dann
bräuchten wir uns nur gehen zu lassen - und wir würden Heilige
werden. Aber genau das ist nicht der Fall: Wir müssen uns immer wieder
aufraffen zum Guten. Es kann zwar viel Freude und Glück bereiten,
sich auf den Weg zur Heiligkeit zu machen, aber dazu ist es nötig,
dass wir einen inneren Widerstand überwinden. Diesen Widerstand nennen
wir «Erbsünde». Nicht, weil dieser Widerstand selbst
Sünde wäre, sondern deshalb, weil diese Begierlichkeit uns nicht
zum Guten, sondern zum Schlechten, zum Sündigen hinzieht.
Im Grunde ist der Begriff «Erbsünde» - zumindest im Deutschen
- ungenau und missverständlich. Der lateinische Begriff concupiscentia
(Begierlichkeit) ist da wesentlich hilfreicher, da deutlich wird, dass
die erbsündliche Verfasstheit des Menschen nicht mit Sünde gleichgesetzt
wird - sondern eine Neigung zur Sünde ist.
In diesem Sinne kann auch ein Kleinkind schon mit der Erbsünde behaftet
sein: Wir Menschen sind alle nicht mehr restlos auf das Gute hin
ausgerichtet, wir bedürfen der Erziehung und der Selbsterziehung
zum Guten.
Der Mensch ist allerdings mit der ganz natürlichen Neigung zum Guten
geschaffen worden - aber er hat sie verloren. Wer einmal der Alkoholsucht
verfallen ist, verliert die Kraft und die Einsicht in die Gefährlichkeit
dessen, war er tut. Das Süchtigsein selbst ist noch keine sittlich
schlechte Tat - aber sie verleitet dazu, sich zu betrinken. Und zwar mit
einer so großen Anziehungskraft, dass ein akut Alkoholkranker dem
nicht widerstehen kann.
Aber die akute Alkoholsucht ist heilbar - oft nur mit äußerer
Hilfe. Es kann dem Kranken gelingen, «trocken» zu werden.
Was aber bleibt, ist die «Begierlichkeit», die Gefahr, bei
dem kleinsten Alkoholkonsum wieder rückfällig zu werden.
In diesem Zustand befindet sich die Menschheit. Wir sind alle Sünd-süchtig
- wir haben in uns die Begierlichkeit, die uns immer wieder zum Schlechten
hinzieht. Ohne Hilfe von außen - ohne Gottes Hilfe - sind wir nicht
in der Lage, von unserer akuten Krankheit loszukommen.
Das ist der Kirche so wichtig, dass sie daraus ein Dogma formuliert hat - einen feststehenden Lehrsatz: "Der Mensch kann ohne die Gnade Gottes - z.B. ohne die Taufgnade - auf Dauer nicht der Anziehung zur schweren Sünde widerstehen."
Und diese Begierlichkeit ist vererbbar - wie auch die Alkoholkrankheit sich in der Schwangerschaft auf das ungeborene Kind übertragen kann (auch für andere Süchte ist ein solcher Einfluß nachgewiesen). Das bedeutet nicht, dass unsere Kinder selbst schon Trinker sind - aber sie haben den Hang dahin. Selbst der kleinste Schluck genügt.
Nun hat Gott uns in seinem Erlösungsgeschehen einen Freiraum geschaffen,
einen Gnadenraum, in dem wir durch sein Wirken befreit werden von der
Last dieser Sucht. Dieser Freiraum ist die Kirche.
Und wir betreten diesen Raum durch das Tor der Taufe. Wenn wir die Begierlichkeit
des Menschen - auch noch im Bild der Alkoholkrankheit - als Unordnung
ansehen, so stellt Gott in uns dieser Unordnung durch seine Gnade die
Ordnung wieder her. Wie mit einem Magneten, der Eisenspäne ordnet,
werden wir mit all unseren Begabungen, Fähigkeiten und Verstandeskräften
wieder auf Gott als den uneingeschränkt Guten ausgerichtet. Wir sind
wieder in der Lage, das Gute zu erkennen, wir werden durch das Gnadengeschenk
befähigt, das Gute auch zu wollen und zu tun - und vor allem, uns
wird Freude und Lust am Guten geschenkt. Was wie im Paradies!
Auch das ist der Kirche ein Dogma wert gewesen: "Mit Hilfe der Gnade ist der Mensch in der Lage, der schweren Sünde auch auf Dauer zu widerstehen."
Hierzu eine kleine Nebenbemerkung: Hier regen sich vermutlich die meisten Widersprüche aufgrund unserer Säkulartheologie: «Heißt das etwa, dass alle Nichtgetauften schwere Sünder sind - und alle Christen die besseren Menschen?» Vorsicht! Zunächst gilt definitiv: Die Christen sind nicht die besseren Menschen, sondern erst einmal die Menschen, die erkannt haben, dass sie sündig sind (und deshalb vielleicht sogar die größeren Sünder) und Hilfe benötigen, die aber ebenso erkannt haben, dass sie diese Hilfe nur durch Gott erhalten.
Die Taufgnade schützt uns nämlich nicht davor, wieder rückfällig zu werden. Aber der Hang zur Rückfälligkeit ist beherrschbar, es handelt sich nun um eine wirklich freie Entscheidung zum Bösen. Der erbsündliche Mensch hat diese Freiheit nicht (der Alkoholkranke hat nicht die Freiheit, das nächste Glas abzulehnen, und je mehr er sich betrinkt, desto deutlicher wird dieses). Wer aber von der Sucht befreit ist, kann ohne große Schwierigkeiten widerstehen - auch wenn die Möglichkeit des Zurückfallens real bleibt.
Wichtig bleibt bei diesem skizzenhaften Versuch, die Erbsündentheologie aufzuzeigen, folgendes festzuhalten:
-
Der Mensch hat durch die Ursünde, die erste Sünde des neugeschaffenen Menschen, die Ausrichtung auf Gott verloren.
-
Damit hat er auch das unmittelbare Verhältnis zu Gott verloren, die Kindschaft, und ist zum Sklaven, zum Unfreien geworden, da er sich selbst der Sklaverei der Sünde unterworfen hat.
-
Der Mensch kann nicht aus eigener Kraft zu seinem ursprünglichen, gottgewollten Zustand zurückkehren. Dazu bedarf er notwendig der Hilfe Gottes.
-
Erst in der Erlösungstat Jesu (=Ursakrament) ist uns die Möglichkeit gegeben, wieder zu Gottes Kindern zu werden. Dieser Gnade der unmittelbaren Gottesbeziehung werden wir in der Kirche (=Grundsakrament) teilhaftig. In den Gnadenraum der Kirche gelangen wir durch die Taufe (=Eingangssakrament)
In Mk 16, 16 heißt es: «Wer glaubt und sich taufen lässt,
wird gerettet; wer aber nicht glaubt, wird verdammt werden.» Damit
ist bereits die einzige, aber unverzichtbare Voraussetzung zur Taufe genannt:
Der Glaube.
Man kann es nicht oft genug betonen: Voraussetzung zur Taufe ist weder
eine geordnete Ehe noch ein sozialer Status, sondern allein die Bereitschaft
des Täuflings, den Glauben der Kirche anzunehmen. So wird auch in
der Taufvorbereitung Erwachsener seit Beginn der Kirche feierlich das
Glaubensbekenntnis überreicht - und nicht abgefragt!
Und so ist auch die Frage nach dem Glauben der Eltern bei der Taufe unverzichtbarer
Bestandteil, weil der Glaube stellvertretend für den Täufling
angenommen und bekannt wird.
Von einem Sakrament sprechen wir Katholiken immer dann, wenn neben einem
menschlichen Tun (z.B. einer Salbung oder Handauflegung) auch noch göttliches
Tun hinzukommt. Damit das menschliche Tun auch eindeutig ist (nicht bei
jeder Handauflegung wird ein Priester geweiht!), kommt zum äußeren
Zeichen noch das gesprochene Wort - beides Zusammen ist die Voraussetzung
für ein verborgenes, aber reales Wirken Gottes.
Der Beginn des Lebens mit Gott in seiner Kirche bedarf eines deutlichen
Zeichens, genauso wie die Versöhnung zwischen Menschen eines Handschlags
bedarf (oder einer symbolischen Handlung wie dem Zerreißen eines
Schuldscheines). Gott hat sich selbst mit seinem Gnadenwirken an dieses
Zeichen gebunden, damit wird seiner Gnade spürbar - und wir können
sicher sein, nun zu den Kindern Gottes zu gehören.
In einigen evangelikalen Kirchen wird man zum Christen, indem man sich innerlich Jesus anvertraut und seine Erlösung perönlich annimmt. Die Taufe ist dann nur noch ein öffentliches Bekenntnis - Christ wird man in Gedanken. Das mag ja auch ein tiefes persönliches Erlebnis sein - aber es kann sehr schnell die Frage aufkommen (nicht erst Jahre später), ob diese innerliche Anerkennung Jesu auch wirklich ehrlich war - wirklich gewollt, voll verstanden. Nicht selten macht sich Unsicherheit breit, weil eine solche Entscheidung auch für den Christen selber nicht "objektivierbar" ist.
Eine heikle Frage im Dialog mit einigen evangelischen Kirchen (den Freikirchen und den Baptisten z.B.) und auch mit einigen Sekten ist die Frage, ob es erlaubt oder zumindest sinnvoll ist, Kinder im Säuglingsalter zu taufen.
Biblisch ist der Befund nicht sicher: In der Apg 16 heißt es vom
Gefängniswärter, der Paulus bewachte: «Er nahm sie in
jener Nachtstunde bei sich auf, wusch ihre Striemen und ließ sich
sogleich mit allen seinen Angehörigen taufen. Dann führte er
sie in seine Wohnung hinauf, ließ ihnen den Tisch decken und war
mit seinem ganzen Haus voll Freude, weil er zum Glauben an Gott gekommen
war.» Offensichtlich sind hier auch die Kinder des Hauses mitgetauft
worden.
Ebenfalls ist der Taufbefehl in Mt 28,19 nicht gegen die Kindertaufe zu
werten: «Darum geht zu allen Völkern, und macht alle Menschen
zu meinen Jüngern; tauft sie auf den Namen des Vaters und des Sohnes
und des Heiligen Geistes, und lehrt sie, alles zu befolgen, was ich euch
geboten habe.»
Zwar wird hier von taufen und lehren in einem Atemzug gesprochen, daraus
ist aber nicht zu folgern, dass man erst im lernfähigen Alter taufen
dürfte. Immerhin wird erst getauft - und dann gelehrt; eine Kindertaufe
hält sich zwangsläufig an diese Reihenfolge.
In der Tradition der Kirche ist der Befund allerdings eindeutig: Zwar wurden in den frühen Zeit der Kirche genauso wie in den Missionsgebieten überwiegend Erwachsene getauft, die sich zum Glauben der Kirche bekannten. Mit ihnen sind aber auch ihre Kinder getauft worden. Glaube war eine soziale Größe! In der jüngsten Zeit ist der Akzent aber so sehr auf die individuelle Entscheidung verschoben worden, dass die Säuglingstaufe in Frage gestellt wurde. Die Kirche jedoch hat immer an einer Argumentation festgehalten, die heute wieder mehr Akzeptanz findet: Die Kinder sind so sehr mit ihren Eltern verbunden, dass die Eltern stellvertretend für die Kinder entscheiden können.
Natürlich bleiben die meisten älteren Kindern dem Glauben ihrer Eltern treu. Daraus zu schließen, dass eine glaubensvermittelnde Erziehung die Freiheit einschränkt, ist jedoch Unsinn. Ein gelebter Glaube der Eltern ermöglicht erst eine spätere freie Entscheidung der Kinder: Erst, wenn die Kinder im Glauben erzogen wurden, den Glauben gelebt und erlebt haben, können sie sich für oder gegen den Glauben der Eltern entscheiden. Würden sich die Eltern (wie es manche moderne Ehepaare versuchen) glaubens-neutral verhalten, damit die Kinder in fortgeschrittenem Alter selbst entscheiden, wüssten diese nicht, wofür oder wogegen sie sich entscheiden sollen. Einen Glauben kann man niemals durch Bücher und Infostände kennenleren.
Somit ist für die freie Entscheidung der Kinder der Glauben der Eltern unverzichtbar. Letztlich ermöglicht erst eine Erziehung im Glauben, begleitet von der Gnade Gottes, die freie und selbsttätige Entscheidung des Kindes für oder gegen den Glauben. Eine Taufe im Säuglingsalter ist also keine Beschneidung der Freiheit, sondern eine Ermöglichung.
Oft heißt es, dass die Katholiken nur durch Übergießen taufen, die Baptisten dagegen als einzige die ursprüngliche und richtige Form des Untertauchens bewahrt haben. Nun, auch in der katholischen Kirche kann und wird immer wieder durch Untertauchen getauft werden - vor allem in den Missionsgebieten ist das noch üblich. Zwar kann die Taufe auch als "Waschung" verstanden werden, eine "Ganz-Körper-Taufe" entspricht aber eher dem Taufritus; denn dort wird nach dem "Bad" der Taufe typische Bade-Riten angefügt: Nach dem Bad wird der frisch Getaufte gesalbt (so eine Art göttliche Body-Lotion - Chrisam; danach bekommt der Täufling frische Kleider - das weißes Kleid wird überreicht (zumindest symbolisch). Der Taufritus nimmt also immer noch an, die Taufe sei ein Bad.
Ein weiterer Grund für die Taufe durch Untertauchen ist Bild des
Todes (auch wenn es ziemlich unpassend klingt): Untertauchen wird als
"Untergehen" erlebt, und das anschließende Auftauchen
als "Auferstehen" - so werden wir durch die Taufe Christus-ähnlich.
Die frühe Christenheit verband die Taufvorbereitung und die Taufe
mit der Fasten- u. Osterzeit (wie auch heute wieder an vielen Orten bei
Erwachsenentaufen praktiziert): An Laetare (dem 4. Sonntag der Fastenzeit)
wird das Credos überreicht; in der Osternacht fand dann die feierlcihe
Taufe statt, am Weißen Sonntag hielten dann die Neugetauften feierlich
Einzug in den Gottesdienst in Weißen Kleidern (zusammen mit denen,
die zr Buße während der Fastenzeit vom Gottesdienst ausgeschlossen
worden waren.
Gerade in der Zeit, in der viele Menschen Namen von heidnischen Gottheiten trugen, wurde die christliche Taufe mit der Wahl eines neuen Namens verbunden. So spricht man ja auch heute noch bei der Namensgebung z.B. eines Schiffes von der "Schiffstaufe". Dabei ist die Namensgebung etwas, das bereits vor der Taufe geschehen sein soll. Zu Beginn der Taufe fragt der Priester: "Welchen Namen haben sie dem Kind gegeben?". Das Kind wird dann nicht auf diesen Namen getauft, sondern auf den Namen des Vaters, des Sohnes und des Heiligen Geistes.
(wird noch ergänzt: Taufe als Heilsnotwendigkeit: Begierdetaufe, Bluttaufe)
Damit kommen wir auch schon zur säkulartheologischen Deutung der
Firmung: Allgemein wird die Firmung als Tauferneuerung gedeutet. Im Zeitalter
der Säuglingstaufe liegt der Gedanke ja auch nahe. Firmung wird zum
Sakrament der Mündigkeit.
Aber damit wird man dem Sakrament der Firmung nicht wirklich gerecht:
Demnach bräuchten Erwachsene, die getauft werden, nicht auch noch
zur Firmung. Was sollten sie, wenige Minuten nach ihrer Taufe, diese schon
wieder erneuern? Genauso widerspricht die Praxis der orthodoxen Kirche
diesem Gedanken: Dort wird das Kind unmittelbar nach der Taufe gefirmt
(und bekommt auch gleichzeitig noch die Erstkommunion), und diese Firmung
wird auch von der katholischen Kirche als gültig anerkannt.
Tatsächlich ist der Zusammenhang zwischen Taufe und Firmung geschichtlich viel enger: Die Firmung wurde ursprünglich immer im Zusammenhang mit der Taufe gespendet. Erst, als die Anzahl der vorzunehmenden Taufen vom Bischof nicht mehr bewältigt werden konnte, nahmen die Priester die Taufe ohne Firmung vor, der Bischof firmte dann bei nächster Gelegenheit alle bisher getauften Kinder und Erwachsene. Als Ersatzritus wurde daher in die Taufliturgie die Salbung mit Chrisam eingeführt, an deren Stelle zuvor die Firmsalbung stand.
Firmung gehört zu den drei Initiationsriten: Taufe, Firmung,
Eucharistie, wobei mit dieser Reihenfolge auch eine zeitliche Abfolge
gemeint ist: Jedes dieser drei Sakramente führt den Christen in die
tiefere Gemeinschaft mit Gott ein. Höhepunkt (und Quelle) bleibt
die Eucharistie. Dass sich inzwischen die Reihenfolge verschoben hat,
mag an der oben erwähnten Umdeutung der Firmung als eine «Tauferneuerung
im reifen Alter» liegen (hat aber geschichtlich andere Gründe,
z.B. die längere Schulzeit ud die Einführung der "Frühkommunion").
Tatsächlich sind Taufe und Firmung auch theologisch viel stärker
miteinander verbunden. Der Zusammenhang zwischen Taufe und Firmung ist
so eng, dass die Frage aufkommen kann, ob es denn überhaupt noch
einen Unterschied gibt. Sind Taufe und Firmung nicht eher ein Sakrament?
Im letzten Jahrhundert stellte sich diese Frage so brennend, dass die
katholische römische Akademie sogar eine Art Preisausschreiben gestartet
hatte. Aufgabe war, die theologische Eigenständigkeit von Taufe und
Firmung herauszuarbeiten.
Während in der Taufe der Christ befähigt wird, mit der Gnade
Gottes mitzuwirken und zu einem Kind Gottes wird, wird in der Firmung
dieses Geschehen, diese neue Seinsform besiegelt und mit Geist erfüllt.
Im Bild: Während in der Taufe die Gnade Gottes die menschlichen Kräfte
wieder ordnet und auf das Gute hin ausrichtet, so wird diese Ordnung in
der Firmung gefestigt und befähigt, auch nach außen hin zu
wirken. Daher ist es durchaus sinnvoll, die Firmung erst später zu
spenden. Die Kirche schreibt als Mindestalter (für die erlaubte Firmspendung)
7 Jahre vor, dem Unterscheidungsalter, also dem Beginn des sittlichen
Lebens. Fassen wir Firmung als Sakrament der Festigung und Stärkung
auf, so ist dieses Alter auch das sinnvollerer Alter. Gerade zu Beginn
der Jugendzeit - am Ende der Kindheit - sollte diese Stärkung erfolgen,
nicht erst, wenn der Glaube sich schon «von allein» gefestigt
hat.
Es ist wiederum ein Missverständnis der Säkulartheologie, dass
nur im Glauben gefestigte Jugendliche die Firmung empfangen sollten -
als Bestätigung ihrer eigenen Meinungsbildung. Kein einziges Sakrament
ist als Belohnung oder Bekräftigung Gottes für eine zuvor erfolgte
menschliche Leistung zu begreifen. Der Mensch kann eben nicht aus eigener
Kraftanstrengung den Glauben bewahren und anschließend selbst vor
Gott treten und sagen: "So, jetzt verleihe mir einmal die golden
Glaubens-Medaille."
Ich betone es noch einmal: Jedes Sakrament ist das Eingeständnis
des Menschen, dass er der Hilfe Gottes bedarf. So ist auch die Firmung
die Bitte an Gott um Stärkung und Festigung des Glaubens (und nicht
die Firmvorbereitung!).
Wie schon eingangs bemerkt, liegt der Firm- und Taufkatechese eine Säkulartheologie
zugrunde, die Missverständnisse enthält. Mit einer korrigierten
Theologie müsste sich auch das Firmkonzept ändern:
Die Firmvorbereitung ist nicht die Stärkung des Glaubens, sondern
die Firmung selbst. Deshalb ist eine Hinführung zum Sakrament keine
Einführung in den Glauben - sondern ein Einführung in die Begriffe
der Gnadenbedürftigkeit, der Gnade und der Gotteskindschaft. Die
Firmkatechese soll nicht den Glauben vermitteln, sondern das, was in der
Firmung geschieht: Dass wir Menschen der Hilfe Gottes bedürfen und
dass Gott die heilsnotwendige Hilfe uns in den Sakramenten gewährt.
Leider aber gestaltet sich die Firmkatechese immer mehr zu einer Evangelisation.
Während Sakramentenkatechese den Glauben voraussetzt und deshalb
lediglich das nächste Sakrament begreiflich machen soll, soll Evangelisation
überhaupt erst zum Glauben hinführen.
Tatsächlich ist aber in vielen Fällen der Glaube selbst so fragmentarisch,
dass es eher not tut, zu evangelisieren, als zu katechetisieren. Es hilft
aber nicht, beides mit einander zu vermengen. Das bläht unnötig
die Firmkatechese auf - und was meiner Erfahrung nach als erstes auf der
Strecke bleibt, ist die Sakramentenkatechese.
Zusammenfassend lässt sich sagen, dass im Tauf- und Firmverständnis der zentrale Begriff die Gnade Gottes und unsere Bedürftigkeit ihr gegenüber ist. Taufe und Firmung lassen sich nicht begreifen, wenn nicht diese beiden Begriffe einsichtig gemacht werden. Hier aber krankt die heutige pastorale Konzeption, wodurch Taufe und Firmung immer mehr zu sozialen Riten werden, d.h. zu Riten, die sich selbst genügen müssen. Taufe wird zunehmend zur Geburtsfeier ohne jeden Gottesbezug, Firmung wird zunehmend zum Fest der Mündigkeit (weshalb auch die Gleichsetzung des Firmalters mit dem Volljährigkeitsalter angestrebt wird).
Allerdings ist diese Akzentverschiebung nicht ein reines Problem der
Sakramentenkatechese, sondern der Theologie schlechthin. Es wird kaum
noch über die Bedürftigkeit des Menschen oder seiner restlosen
Abhängigkeit von Gottes Gnade gepredigt. Auswirkungen zeigen sich
in allen Sakramenten, aber auch in der alltäglichen Lebensgestaltung
und in der Moral. Wird aber die Bedürftigkeit des Menschen verneint,
so verdunkelt sich auch der Begriff der Erlösung und unsere Freude
darüber.
Demgegenüber gibt es keine vordringlichere Aufgabe der Verkündigung
als die, von der Paulus schon sprach: «Ja, Gott war es, der in Christus
die Welt mit sich versöhnt hat, indem er den Menschen ihre Verfehlungen
nicht anrechnete und uns das Wort von der Versöhnung (zur Verkündigung)
anvertraute. Wir sind also Gesandte an Christi Statt, und Gott ist es,
der durch uns mahnt. Wir bitten an Christi Statt: Lasst euch mit Gott
versöhnen!» (2 Kor 5,18)
