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Grundkurs des Glaubens - Theologie
Der katholische Glaube ist reich. Und leider auch etwas unübersichtlich,
wenn es gilt, ihn systematisch darzustellen. Das liegt vermutlich
nicht so sehr an der Unorganisiertheit der Theologen, sondern an
der unterschiedlichen Gewichtung unserer Fragen. Mal wollen wir
wissen, ob es einen Gott gibt, dann fragen wir nach dem Zölibat
und schließlich wundern wir uns über die Haltung der
Kirche zur Homosexualität. Alles drängende Fragen - aber
in unterschiedlicher Gewichtung.
Unser Homepage hat sich zunächst vorgenommen, den Fragen der
Jugendlichen von heute gerecht zu werden. Gelegentlich wird aber,
nachdem psychologische Stolpersteine (wie Zölibat und Hexenwahn)
aus dem Weg geräumt wurden, die Frage nach einem systematischen
Durchgang durch alle Bereiche des Glaubens laut.
Nun, die klassische Theologie bietet tatsächlich ein System
an, in dem der Glaube umfassend dargestellt werden kann: Die "Sieben
Traktate der Dogmatik". - Ich gebe allerdings zu, dass ich
mich in diesem "Grundkurs des Glaubens" eher locker an
diesen klassischen Vorgaben orientiert habe. Hier nun ein erster
Versuch, der bei Gelegenheit noch ergänzt und überarbeitet
werden soll:
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1. Was heißt Glauben?
Glauben und Vernunft bilden keinen Gegensatz, sondern ergänzen
sich: Der Glaube nimmt vertrauend an, was ihm geboten wird; die Vernunft
überprüft die Wahrnehmung, folgert daraus und bildet Begriffe.
Auch im profanen, alltäglichem Bereich müssen wir immer unserer
Erfahrungen vertrauen - und von diesem Vertrauen hängt dann auch
die Richtigkeit dessen ab, was wir durch unsere Vernunft daraus folgern.
Der Theologie nennet dieses Grundvertrauen "Natürlichen Glauben".
Text: Natürlicher Glaube (noch
nicht eingestellt)
Glauben und Wissen: Auch Glauben und Wissen bilden - entgegen
einem weitverbreiteten Gerücht - keinen sich ausschließenden
Gegensatz. Leider sind viele davon überzeugt, dass man entweder etwas
weiß - oder es nur glaubt. Im Umkehrschluss behaupten
sogar einige, dass man Glauben immer bedeutet, etwas nicht sicher zu wissen;
keiner könne also seinen Glauben als "wahr" bezeichnen.
In Wirklichkeit steckt in allem, was wir erkennen, immer eine Mischung
von vertrauendem Erkennen und vernünftigem Folgern und Überprüfen.
Glauben steht also nicht im Gegensatz zu Wissen. Der Unterschied
zwischen geglaubten Erkenntnissen und gewussten Erkenntnissen ist nur
subjektiv: Je nach dem, wie sicher ich meiner Erkenntnis bin, benutze
ich einen der beiden Ausdrücke.
Text: Glauben und Wissen
Wie unsinnig es ist, zwischen Glauben und Wissen einen absoluten Gegensatz
zu konstruieren, hat Douglas Adams in seinem satirischen Werk "Per
Anhalter durch die Galaxis" ausgeführt:
Text: Der Babelfisch
Um die Verwirrung im Alltagsgebrauch des Begriffes "Glauben"
nun komplett zu machen, benutzen wir das Wort darüberhinaus nicht
nur, um einen bestimmten Grad an Sicherheit zu bezeichnen. "Glauben"
wird nämlich in drei unterschiedlichen Bedeutungen benutzt, die sich
im Deutschen nur durch einen kleinen Zusatz unterscheiden: Glauben an
(ich vertraue mich an), glauben dass (ich halte für wahr)
und jemandem glauben (ich vertraue Dir). Alle drei Bedeutungen
spielen im Alltag und in der Religion eine Rolle.
Text: Drei Glaubensweisen
Die Existenz Gottes anzunehmen ist also kein reine Gefühlssache,
sondern Sache der Erkenntnis. Ob ich allerdings zu dem Schluss komme,
dass es Gott gibt, hängt entscheidend von einer zuvor getroffenen
Entscheidung ab: Wie weit stecke ich den Rahmen meiner Erkenntnis?
Ein Materialist wird nicht zum Materialisten, weil er nach eifrigem
Forschen zu dem Schluss kommt, dass es nur die Materie gibt. Vielmehr
trifft er zuvor die Entscheidung, nur materielle Dinge in seine
Überlegungen einzubeziehen - und schließt daher alle nicht-materiellen
Erklärungsmodelle aus.
Weiterführende Links auf dieser Site:
Wahrheit, Glaube, Glaubwürdigkeit
Eine Wahrheit - viele Wahrheiten?
Ich glaube an Gott
2. Was heißt Beweisen? - Grundlagen der Erkenntnis
Wenn wir das Wort "Beweis" hören, denken wir immer an
eine endgültige Erkenntnis, die keinen Widerspruch mehr duldet.
Deshalb ist es gut, die drei grundlegenden Vorgehensweisen (Beweise) zu
kennen. Überhaupt ist es besser, von Erkenntniswegen zu sprechen:
Denn einen strengen, nicht mehr hinterfragbaren Beweis gibt es tatsächlich
nicht (dazu hat Douglas R. Hoffstaedter ein umfangreiches, leicht lesbares
Werk geschrieben: "Gödel, Escher, Bach").
Der mathematische Beweis ist streng logisch und rein geistig;
d.h. er beschreibt nicht die Wirklichkeit, sondern führt Axiome aus
Der naturwisenschaftliche Beweis ist gemischt: Von empirischen
Erkenntnissen (Daten) ausgehend folgert er experimentell überprüfbare
Gesetzmäßigkeiten
Der historische / juristische Beweis beschäftigt sich mit
den einmaligen Ereignissen, die weder aus Gesetzmäßigkeiten
noch auch logischen Gründen zu erwarten sind
Text: Drei Beweise
Text: Drei Beweise (Kurzfassung)
Weiterführende Links auf dieser Site:
Gottesbeweise - Was beweisen die wirklich?
3. Anwendung der Beweise
Der mathematische Beweis
Anselm von Canterbury hat mit seinem "ontologischen Gottesbeweis"
einen logischen (mathematischen) Beweis vorgestellt. Ob dieser Beweis
tatsächlich eine logische Hinführung zur Erkenntnis der Existenz
Gottes ist, ist in der Philosophie umstritten - vermutlich krankt der
Beweis an der Beschränkung aller Logik - der Überstieg von der
Logik zur Wirklichkeitsbeschreibung bleibt brüchig.
Text: Der ontologische Gottesbeweis
bei Anselm von Canterbury
Der physikalische Beweis
Die "5 Wege der Erkenntnis Gottes" von Thomas von Aquin
sind physikalischer Natur: Von der Wahrnehmung (z.B. der Bewegung) folgert
er auf die Existenz eines göttlichen Wesens. Widerstand gegen diese
Wege der Gotteserkenntis regen sich vor allem durch ein Missverständnis
im Begriff "Gott": Erkannt wird nicht etwa Gott
in seiner speziell christlichen Prägung. Die Wege der Gotteserkenntis
führen also nicht unmittelbar zur Annahme eines gütigen, personalen
Vatergottes. Ob der "unbewegte Beweger" der Schöpfergott,
eine unpersönliche Kraft oder göttliche Materie ist, ist für
den thomistischen Gedankengang unerheblich.
Text: Die Wege der Gotteserkenntnis
des Thomas von Aquin
In diesen Bereich gehören auch die "Hinweise auf Gott"
aus den Naturwissenschaften. Grundsätzlich ist es naturwissenschaftlich
zulässig, bestimmte Phänomene als natürlich nicht erklärbar
zu bezeichnen. In diesen Fällen sprich der Theologe von natürlicher
Offenbarung. Dazu gehören die klassischen Wunder, Bekehrungserlebnisse
und Erkenntnisse der Naturwissenschaften.
Text: Natürliche
und übernatürlich Offenbarung
Weiterführende Links auf dieser Site:
Hinweise auf Gott
Wunder
Der historische Beweis
In den "historischen" Beweiskategorien gehören die persönlich-einmaligen
Erfahrungen (z.B. von Frossard), Glaubenszeugnisse, Wunder und Erscheinungen
etc. - Hier ist auch die übernatürliche Offenbarung anzusiedeln.
Auch dazu findet sich in "Hinweise auf Gott" ein Beispiel.
Weiterführende Links auf dieser Site:
Hinweise auf Gott
1. Glaube und Naturwissenschaft
Sechs Problemfelder können im Spannungsgebiet von Glauben
und Naturwissenschaften ausgemacht werden:
- Geist und Gehirn
- Gebet und Vorsehung
- Freiheit und Determinismus
- Urknall und Schöpfung
- Evolution oder Schöpfung
- Wunder oder Naturgesetze
Text: Konfliktfelder zwischen Glauben und
Naturwissenschaften
Auf diese Problemfelder gibt es drei Reaktionen, die als "Ausweichmanöver"
vermieden werden müssen:
- Fundamentalismus: allein der Glaube ist sicher, die Naturwissenschaften
sind untergeordnet
- Theologischer Materialismus: allein die Naturwissenschaften
sind sicher, der Glaube ist untergeordnet; die Problemfelder des Glaubens
werden in Symbole und Mythen aufgelöst
- Vollständige Disjunktion: Trennung von Glauben und Naturwissenschaften
in zwei vollkommen unterschiedene Wirklichkeiten
Anmerkung zur Disjunktion: Eine Disjunktion der Methoden ist durchaus
sinnvoll; unterschiedliche Methoden liefern unterschiedliche Aspekte zu
tage; so können z.B. scheinbare Widersprüche beim Schöpfungsbericht
aufgelöst werden. Eine vollständige Disjunktion allerdings,
die sogar einander ausschließende Aussagen "versöhnt",
ist abzulehnen. Es gibt nur eine Wirklichkeit.
Text: Fundamentalismus
Text: (Theologischer) Materialismus
Text: Vollständige Disjunktion
Die eigentliche Lösung der sechs Problemfelder geschieht
durch verschiedene Methoden, vor allem aber durch die konsequente Anwendung
der Quantenphysik.
Text:
Quantenphysik als Lösung
Weiterführende Links auf dieser Site:
Glaube und Naturwissenschaften
2. Glauben und Religion
Gerade Kritiker der Institution Kirche verweisen darauf, dass Glauben
auch ohne Religion möglich ist. Daher ist eine Beleuchtung der Beziehung
von Glauben, Religion und Religionsgemeinschaft sinnvoll: Gerade in einer
Offenbarungsreligion kann der persönliche Glaube nur in Ausrichtung
auf eine Religionsgemeinschaft vollzogen werden.
Text: Glauben, Religion und Religionsgemeinschaft
Das gilt natürlich nicht für alle Formen von Religion und religiösen
Überzeugungen. Hilfreich ist es daher, die unterschiedlichen Konzepte
der religiösen Vorstellungen und Weltanschauungen einzuordnen - z.B.
anhand des "Abstraktionsgrade".
Text: Abstraktionsgrade des Glaubens
3. klassische Religionskritik
Die Klassiker der Religionskritik (allen voran Feuerbach) verstehen den
Glauben als Projektion des Menschen: Der Mensch ist unzufrieden mit der
Wirklichkeit und ersehnt sich eine bessere Welt - die Welt des Glaubens.
Marx und Freud varieren den Grundgedanken der Projektion von Feuerbach:
Marx sieht in der Unzufriedenheit eine sozial-politisch Ursache, Freud
eine psychische Reaktion auf den Verlust der Vaterfigur.
Text: Feuerbach
Text: Marx
Text: Freud
Eine Antwort auf die drei Religionskritiker ist nicht einfach. Grundsätzlich
gilt: Man darf von den Religionskritikern nicht zuviel verlangen: Einen
hieb- und stichfesten Beweis, dass Gott nicht existiert,
kann es gar nicht geben. Die Frage, mit der wir den Religionskritikern
begegnen, sollte also auf eine Prüfung der Plausibilität reduziert
werden. Ist es tatsächlich so, dass der Glaube an Gott sich schlüssig
und plausibel aus dem Wunschdenken der Menschen ergibt?
Text: Kritik an der Religionskritik
Weiterführende Links auf dieser Site:
Feuerbach, Marx, Freud und Nietzsche - die
Nägel zum Sarg Gottes?
1. Die Güte und Allmacht Gottes - (Die Theodizeefrage)
Epikur hat als Erster auf den (scheinbaren?) Gegensatz von Allmacht
und Güte angesichts des Leids der Welt hingewiesen; die Antwort von
Leibniz ist (unabhängig von seiner Monaden-Philosophie) einleuchtend,
aber sehr spekulativ. Voraussetzung ist zumindest, die Begriffe von Allmacht
und Freiheit näher zu fassen. Schließlich bleibt uns nur die
Erkenntnis, dass das Theodizee-Problem nicht restlos lösbar ist.
Text: Die Theodizeefrage bei Leibniz
Text: Die Theodizeefrage bei Epikur
Text: Allmacht und Freiheit
2. Das Zeugnis des Alten Testamentes
Die Exodus-Erfahrung ist der Schlüssel zu einem Gottesbild,
das nicht aus den Naturgottheiten ableitbar ist - Gott ist radikal anders.
Damit beginnt die Geschichte der Offenbarung.
Text: Der Exodus in der Interpretation
durch Russel Stannard
An der Exodus-Geschichte entzündet sich auch das Problem der Bibelinterpretation:
Ist das AT ein Geschichtsbuch? Analysiert man den Exodus-Text und unterscheidet
die unterschiedlichen Schichten der Tradition, wird deutlich, dass ein
historisches Ereignis als Erfahrung des Glaubens interpretiert wird.
Text: Analyse des Exodus-Berichtes
Daraus lässt sich schließen, dass 1. der alttestamentlichen
Überlieferung tatsächliche Ereignisse zugrunde liegen, und 2.
die Interpretation als Ereignis des Glaubens den historischen Text ergänzt
- aber nicht verändert.
Text: Biblische Rede im AT
Ein Gott der Gebote und nicht der Opfer ist Jahweh seit der Sinai-Erfahrung.
Nach katholischer Auffassung sind die Gebote Ausdruck der Verheißung
Gottes: Ich will Euer Glück; nach evangelischer Auffassung sind die Gebote
Mittel zur Selbsterkenntnis der Menschen, dass sie Erlösung benötigen.
Text: Die Zehn Gebote
Weiterführende Links auf dieser Site:
Die Zehn Gebote
3. Das Zeugnis des Neuen Testamentes
Das "unerhörte" an der Gottesbeziehung Jesu war, Gott
als Vater (sogar "Papa") zu denken.
Text: Gott unser Vater
Da Jesus sich selbst auch als Gott (dazu später in der Christologie)
und Sohn bezeichnet, ergibt sich der Gedanke der Dreifaltigkeit (auch
dazu später). Für jetzt schließen wir daraus, dass Gott
in sich "Familie" ist.
Text: Gott als Familie
Weiterführende Links auf dieser Site:
Gott, unser Vater
Der Heilige Geist