|
Predigt zum Hochfest der Geburt unseres Herrn - Weihnachten - 25. Dezember
|
1. Predigtvorschlag
von Manfred Stücker, 2011
Das Wasser des Lebens
Das kleine Kind, das vor der Geburt im Mutterschoß alles empfängt, was sein Leben erhält, das im wärmenden und schützenden Wasser geborgen ist, ist von alters her Bild und Gleichnis für die Menschheit selbst. Und wir glauben heute, an diesem Weihnachtsfest, daß Jesus, das kleine Kind in der Krippe, mit seinen kleinen Armen die ganze Menschheit umfängt und auf seine kleinen und zarten Schultern die Schuld der Welt auf sich nimmt. Ist das denn wirklich zu glauben? Ist das nicht ein zu großer, ja ein unfaßbarer Gedanke? Das Weihnachtsfest bildete sich aus in einer Zeit, in der die Kirche das Bekenntnis zu Christus, dem Sohn Gottes, neu reflektieren und neu festigen mußte. Christus ist uns geschenkt, daß er den Tod besiegt und uns in seiner Auferstehung neues und unvergängliches Leben in Gott schenkt. Er hat die verschlossenen Tore des Paradieses geöffnet und unser sterbliches Dasein von innen her erneuert und verwandelt, durch die Hingabe seines Lebens an den Vater. So ist Ostern das erste und eigentliche Fest der Christen, das Fest aller Feste, der Grund unserer Hoffnung, die Mitte und das Ziel unseres Glaubens.
Doch wie kann das sein, daß Gott, der doch einer ist, einen Sohn haben soll, der von einer einfachen Frau, von Maria aus Nazareth, geboren wird und als Mensch unter den Menschen lebt? Ist das nicht ein Widerspruch, daß Gott zugleich als Mensch geboren wird, fühlt, empfindet, leidet? Wie kann das sein? Weihnachten lehrt uns, an einen Gott zu glauben, der die Überraschung liebt. – Oder besser gesagt: der uns mit dem Erfindungsreichtum seiner Liebe immer neu überrascht. Weihnachten, so haben uns schon die Kirchenväter und Theologen der frühen Kirche zeigen wollen, will uns helfen, Gott nicht nach unseren Vorstellungen und Maßstäben zu denken, sondern sich einfach von ihm beschenken zu lassen. Weihnachten ist das Fest, an dem wir bekennen, daß der unsichtbare, unendlich große Gott sich unfaßbar klein und gering gemacht hat. Aus der unerreichbaren Höhe seiner Herrlichkeit, aus dem wunderbaren Licht des Himmels kommt er in die Dunkelheit unserer Erde, in das Elend unseres sterblichen Lebens. Wie tut Gott das? Wie schlägt er zu uns die Brücke? Wie kommt er aus der Ewigkeit, die doch unzugänglich ist, in unsere Zeit hinein? Auf diese Frage antwortet der Glaube mit dem Bekenntnis zu Jesus, der in seiner Person Gott und Mensch ist, als Gott Licht vom Licht vor aller Zeit, als Mensch in der Zeit geboren von Maria, der Jungfrau, er ist eins mit Gott, dem Einen, den er uns offenbart und verkündet als den liebenden Vater aller Menschen.
So kommt Gott dem Menschen unendlich nahe. So ist Gott in uns Menschen, so umfaßt und umfängt er unser ganzes Dasein. Aber ist das nicht alles immer noch unbegreiflich? Wie können wir von diesem einen Menschen, Jesus, behaupten und bekennen, in ihm sei Gott am Werk, in ihm erlöse er alle Menschen von ihrem Dasein im Schatten, in ihrer unendlichen Entfernung vom wirklichen Leben? Schauen wir noch einmal auf das Geheimnis der Geburt eines Menschen: Es ist wirklich ein Geheimnis, was sich da abspielt. In der Entstehung, in der Geburt eines kleinen Menschenkindes ist der Mikrokosmos, in dem der Mensch zu seiner Geburt heranwächst, ein Abbild des Makrokosmos, der Schöpfung Gottes. Das Fruchtwasser, in dem das Baby schwimmt, ist Urflut und Wasser, aus dem das Leben kommt. Die Wissenschaft sagt uns, daß die Zusammensetzung des Fruchtwassers ganz ähnlich ist wie der chemische und biologische Aufbau der Weltmeere. Alles Leben kommt aus dem Wasser, so sagen uns die Biologen, die das Entstehen des Lebens erforschen: Im Heranwachsen und in der Geburt eines Kindes wiederholt sich im Kleinen, was Gott als seinen Lebensplan in die große Schöpfung hineingelegt hat.
Für das Baby im Mutterschoß ist die Gebärmutter die schützende Höhle, sein bergendes Zuhause, in dem es alles Nötige bekommt und das er gar nicht verlassen kann und will, zumindest nicht für neun Monate lang. Wehe, wenn dieses Zuhause bedroht wird! Wehe, wenn durch Untersuchungen auf Krankheiten und Behinderungen hin, auf Geschlecht oder mögliche Fehlbildungen, das Leben in Frage gestellt wird! Wohin könnte der Ungeborene sich flüchten? An wen kann er sich wenden? Wer hört seine Bitten, seinen Wunsch nach Leben? Der Mutterschoß ist auf dieser Erde zum gefährdetsten Ort für den Menschen geworden. Wo die Achtung vor der Heiligkeit des Lebens vor der Geburt nachläßt, da wird sie auch nachlassen, wenn es um das Leben nach der Geburt geht, vor allem auch um das Leben vor dem Sterben. Das ungeborene Kind hat aber eine vielgestaltige Verbindung zur Welt: Die Nabelschnur ist die Verbindung zum „Himmel“ des kleinen Kindes, sie ist für ihn die Quelle aller Wohltaten, von ihr empfängt das Kind alle nötigen Gaben, um zu überleben. Zugleich ahnt das Kind schon etwas von der Größe und Weite der Welt, die es umgibt, es nimmt ein schwaches Licht wahr, es hört Stimmen und Musik, es fühlt, wenn der Bauch gestreichelt wird, es spürt die Bewegungen der Mutter.
In diese wunderbare Welt geht Jesus in seiner Menschwerdung hinein und erfüllt den Mikrokosmos des Ungeborenen mit seiner göttlichen Gegenwart und Liebe. Was für ein Geheimnis! Was für ein wunderbarer Gedanke! So geschieht Erlösung! Gott, der den Kosmos geschaffen hat und in seinen Händen hält, er macht den Mikrokosmos des Menschen zu seiner Heimat und zum Ort seiner Offenbarung. Wir können nur staunen über soviel Demut, wir können nur anbeten und dankbar sein über diesen Erfindungsreichtum der Liebe Gottes. Weihnachten schenkt uns einen neuen Blick für das Geheimnis Gottes und zugleich das Geheimnis des Menschen. Seit Weihnachten läßt sich beides nicht mehr voneinander trennen: denn Gott ist einen Bund mit uns Menschen eingegangen, den kein Mensch mehr auflösen kann. Im Lebensweg eines jeden einzelnen Menschen will Jesus gegenwärtig sein und mitgehen. Wieviel Ehrfurcht müssen wir deswegen vor dem Leben haben! Vor dem ungeborenen Leben, vor dem Leben in jeder Phase seiner Existenz! Das Leben der Schwächsten, das Leben der Ungeborenen, der Kranken, der Alten, der Behinderten: es ist heilig, denn Jesus ist in jedem dieser Menschen gegenwärtig.
Anm.: Die Anregung zu dieser Predigt kommt aus einem Artikel von Roland W. Moser, Vorgeburtliche Geborgenheit, PUR-Magazin 12/2011, 20-21, aus der einige Formulierungen wörtlich übernommen sind.
2. Predigtvorschlag
von Pfarrer Klaus Klein-Schmeink - 2008
Eis der Antarktis dünn wie nie
Bauer sucht Frau – 4 verliebt, 5 alleine
Europa – Größte Rezession in der Nachkriegszeit erwartet
Manager von Tokio Hotel – Natürlich singt Bill live
In Betlehem wir Jesus Christus geboren.
Boris Becker – Neue Frisur! Alte Freundin?
Selbstmord eines Kranken im britischen Fernsehen ausgestrahlt
Gundis Zambo macht das Dschungelcamp schön
Zwangsurlaub bei deutschen Autobauern – Retten die Milliardenhilfen
Liebe Schwestern und Brüder,
haben Sie es gemerkt:
In den Schlagzeilen dieser Tage geht die Nachricht von der Geburt Christi
fast unter.
Zwischen den Nachrichten über Boris, Bill und BMW fällt die Botschaft
von Betlehem kaum auf.
Die Zeitungen, Radio- und Fernsehsendungen sind voll mit Schlagzeilen.
Solche Schlagzeilen spiegeln etwas vom Seelenzustand einer Gesellschaft wider.
Zum einen werden wir mit Belanglosigkeiten bombardiert, z. B. über den
Tagesablauf von kameraüberwachten Spießbürgern in einem Wohncontainer
oder viertklassigen Stars im australischen Dschungel.
Nachrichten, die die Welt wahrhaftig nicht braucht, und die an Inhaltslosigkeit
fast nicht zu unterbieten sind.
Zum anderen werden wir durch viele Nachrichten auch im Innersten beunruhigt.
Wie sicher ist unser Wirtschaftssystem? Haben wir blind auf den Konsum gebaut
und geht jetzt alles den Bach runter?
Kommt der Klimaschutz unter die Räder oder gar zu spät? Schlägt
die Natur zurück?
Was ist mit mir, wenn ich alt werde? Tragen dann noch die Sozialsysteme? Tötet
man demnächst die Leidenden, weil die Gesellschaft kein Leid mitansehen
will?
Belanglosigkeit und tiefe Beunruhigung.
Beides prägt die Schlagzeilen unsere Tage.
Beides prägt die Gemütsverfassung unserer Gesellschaft.
Dazwischen nun die Botschaft des heutigen Tages, die Botschaft von Weihnachten:
Gott wird Mensch in Jesus Christus.
Gott wird Mensch auf der Erde. In Jesus Christus teilt Gott unser Schicksal.
Wenn Gott unser Leben auf Erden lebt in seinem Sohn, dann kann dieses Leben
der Menschen nicht belanglos sein.
Die Botschaft von Weihnachten mahnt uns, unser Leben ernst zu nehmen.
Weil Gott unser menschliches Leben gelebt hat, können wir unser Leben
nicht mit Belanglosigkeiten vertun, wenn wir wirklich menschlich leben wollen.
Angesichts des Kultes der um die Bewohner von Wohncontainern und Dschungelcamps
oder heiratswilligen Bauern getrieben wird, habe ich die Befürchtung,
dass aus dem einstigen Land der Dichter und Denker ein Land der Spinner und
Spanner zu werden droht.
Denn die Stars und Sternchen der künstlichen Medienwelt, sind alles
andere als Vorbilder; erst recht keine Helden, an denen man sein Leben ausrichten
könnte.
Vorbildlich leben diejenigen, die in ihrem konkreten Lebensumfeld ihren Mann
oder ihre Frau stehen. Und nicht in einem konstruierten Wolkenkuckucksheim.
Helden dieser Tage sind diejenigen, die sich bemühen, ihren Glauben
zu leben und zu bekennen. Und das tagtäglich auch über Weihnachten
hinaus, allen inneren und äußeren Anfechtungen zum Trotz.
Helden dieser Tage sind diejenigen, die gewissenhaft ihrer Arbeit nachgehen
und sich zudem ehrenamtlich für die Gesellschaft engagieren, die nicht
nur sich sehen, sondern auch das Ganze und die anderen.
Helden dieser Tage sind die Väter und Mütter, die in der Ehe zueinanderstehen
und sich gemeinsam um die Kinder kümmern.
Jesus Christus ist schließlich auch nicht in einer Scheinwelt aufgewachsen,
sondern in der konkreten Welt Palästinas, unter ärmlichen Umständen,
in einem von den Römern besetzten Landstrich, unter Pharisäern,
politischen Mitläufern und religiösen Schwärmern.
Den größten Teil seines Lebens hat er arbeitend, als Zimmermann
verbracht.
Gerade deshalb ist seine Botschaft für uns von Belang. Die Flucht in
die Welt der Belanglosigkeiten aus Spass-TV und Regenbogenpresse ist alles
andere als christlich. Das nämlich ist „Opium fürs Volk“.
Nicht der Glaube.
Die Botschaft von Weihnachten lautet: Gott wird Mensch in Jesus Christus.
Wenn Gott unser Leben teilt, dann sind wir ihm wichtig. Wenn er, der Ewige,
in unsere Zeit hinabsteigt, dann ist ihm nicht gleichgültig, was aus
uns wird.
Auch daran erinnert uns das Weihnachtsfest. Und das kann uns Halt geben angesichts
der Nachrichten, die uns zu Recht beunruhigen.
Auch wenn die politischen und wirtschaftlichen Systeme, unser Staat ins Wanken
geraten sollte. Gott ist da für uns.
Sein Reich ist ein ewiges Reich und steht allen offen. Und seine Kirche hat
– wenn auch unter Verfolgung – viele Staats- und Gesellschaftsformen
überlebt. Selbst die Nazis und die Kommunisten konnten seine Kirche nicht
vernichten.
Auch wenn Katastrophen uns gefährden sollten.
Gott ist da für uns.
In all den bedrohlichen Szenarien, die sich uns darstellen, dürfen wir
darauf vertrauen, dass Gott es ist, der unsere Welt trägt und lenkt.
Er lässt seine Schöpfung nicht ins Leere fallen. Die vergängliche
Welt hat nicht das letzte Wort, denn Christus hat diese Welt besiegt. Für
uns.
Auch wenn die Würde des Menschen und das Recht auf Leben mit Füssen
getreten wird. Gott ist da für uns.
Mord, Krieg, Terroranschläge, Abtreibung, Euthanasie – all das
scheinen Anzeichen dafür zu sein, dass uns Menschen das Maß verloren
geht. Wir selber spielen uns immer mehr zu Herren über Leben und Tod
auf. Die Würde des einzelnen Menschen wird immer mehr in Frage gestellt.
Bei Gott aber ist niemand vergessen. Unsere Namen sind in seine Hand geschrieben.
Er wird uns nicht aus seiner Hand fallen lassen. Für jede, für jeden
einzelnen von uns ist er Mensch geworden, um jeden einzelnen, jede einzelne
von uns zu erlösen.
Die Botschaft von Weihnachten lautet: Gott wird Mensch in Jesus Christus.
Er ist nicht umsonst für uns Mensch geworden. Er hat sich nicht ohne
Sinn erniedrigt. Durch seine Menschwerdung hat er uns erlöst, damit wir
nicht unser Heil in einer halt- und heillosen Welt suchen.
Die Botschaft von Weihnachten bewahrt uns davor, dass unser Leben in Belanglosigkeiten
dahindümpelt.
Die Botschaft von Weihnachten schenkt uns Hoffnung, wo andere verzweifeln,
weil sie sich allein an vergängliche Güter festmachen.
In Betlehem wird Christus geboren. Gott ist da für uns.
Was für eine Nachricht...
3. Predigtvorschlag
von Pfarrer Klaus Klein-Schmeink - 2007
Das Weihnachtsfest, liebe Schwestern und Brüder, war einmal das Fest
der Kinder par exelance. Das war es einmal. Mir scheint, dass es nun hauptsächlich
ein Fest für Erwachsene geworden ist. Das sieht man an den Regalen, den
Schaufenstern, den Anzeigen und Werbeblättern.
War es früher die Freude der Großen, die Kleinen zu beschenken,
so meine ich feststellen zu müssen, dass es heute hauptsächlich
darum geht, dass Erwachsene sich gegenseitig eine Freude machen.
Das liegt wahrscheinlich daran, dass immer mehr Erwachsene keine Kinder kennen,
die sie beschenken könnten. Darauf hat der fast alles regierende Markt
reagiert.
Unser Land – wie viele andere in Westeuropa auch – hat immer
weniger Kinder. Das ist so und wird auch erst einmal so bleiben, auch wenn
im vergangenen Jahr mehr Kinder geboren wurden als die Jahre zuvor.
Deutschland vergreist. Kindertagesstätten werden nicht nur wegen der
Kosten reihenweise geschlossen. Es gibt schlicht zu wenig Kinder.
Das ist der Politik mittlerweile auch aufgefallen, nachdem der drohende Kollaps
der Sozialsysteme von niemanden mehr übersehen werden konnte.
Kinder zu kriegen ist zu teuer geworden. Das ist eine der immer wieder angefügten
Begründungen des Kindermangels. Aber war das früher anders? Waren
Kinder nicht immer teuer, eine finanzielle Belastung? Reiche Länder müssten
dann doch eigentlich eher mehr Kinder haben als ärmere? Aber dem ist
ja nicht so.
Mütter können den Beruf und die Kindererziehung nicht mehr in Einklang
bringen. Ein weiteres vielzitiertes Argument.
Deshalb unternimmt man viele Anstrengungen Kindergarten- und Krippenplätze
zu vermehren und flexibler zu gestalten.
Als Träger von vier Kindertageseinrichtungen weiß unsere Pfarrei,
was das heißt. Diesen Dienst wollen wir wohl zur Unterstützung
der Familien gerne tun.
Dabei kommen mir aber manchmal Zweifel, ob es dem Großteil der Lösungsansätze
wirklich um die Kinder geht. Wichtiger scheinen hier wohl die Belange der
Wirtschaft zu sein. Frauen sollen frei sein, um im Berufsleben das Bruttosozialprodukt
anzukurbeln. Nichts dagegen.
Nur wenn in einer Gesellschaft als Arbeit ausschließlich anerkannt
wird, was auch Geld einbringt, jeder Ansatz zur Entlohnung von Familienarbeit
aber mit Schlagworten wie "Herdprämie" oder "Heimchenbonus"
abzutöten versucht wird, kann es jedenfalls nicht weit her sein mit einer
Wertschätzung von Familie. Und dass Menschen, die eben darauf hinweisen
– manchmal auch ungelenk oder provokativ – dass solche Menschen
in den Medien mit Dreck beworfen oder gar bei laufender Kamera des Studios
verwiesen werden, stimmt mich mehr als nachdenklich.
Wirtschaftliche und gesellschaftliche Hemmnisse gibt es. Und sie haben ihre
Auswirkung auf die Zahl der Kinder. Sicherlich. Aber Probleme dieser Art gab
es immer.
Das Problem scheint tiefer zu liegen.
Es ist der Mangel an Hoffung verbunden mit dem, was das mit sich bringt: der
Verlust an Vertrauen in die Zukunft, Lebenskraft, Kreativität, Poesie
und Lebensfreude.
So wie die Ehe ein Akt des Vertrauens, des Sich-Trauens ist, so ist das Kinderkriegen
vornehmlich ein Akt der Hoffnung. Hoffnung auf Zukunft für die Welt,
in die hinein die Kinder geboren werden.
In diese Welt kann man doch keine Kinder mehr setzten – So sagen viele
und denken dabei an Kriege, Klimakatastrophe, globalisierter Ungerechtigkeit.
usw. Viele haben keine Hoffnung für diese Welt mehr.
Und tatsächlich, wer seine Hoffnung allein in diese Welt setzt, der
wird bald keine Hoffnung mehr für diese Welt haben. Der wird resignieren,
stagnieren, leblos die Hände in den Schoß fallen lassen.
Hoffnung für die Welt trägt nur der in sich, der seine Hoffnung
nicht in die Welt setzt, sondern auf deren Schöpfer.
Gott kennenlernen – den wahren Gott, das bedeutet Hoffnung empfangen.
schreibt Benedikt XVI in seiner Enzyklika „Spe salvi“ –
Auf Hoffnung hin. Und damit ist er am Puls der Zeit.
Der Glaube schenkt Hoffnung, weil er uns über diese Welt hinaushebt.
Wieder der Papst:
Nicht die Elemente des Kosmos, die Gesetze der Materie, herrschen letztlich
über die Welt und über den Menschen, sondern ein persönlicher
Gott herrscht über die Sterne, das heißt über das All; nicht
die Gesetze der Materie und der Evolution sind die letzte Instanz, sondern
Verstand, Wille, Liebe – eine Person. Und wenn wir diese Person kennen,
sie uns kennt, dann ist wirklich die unerbittliche Macht der materiellen Ordnungen
nicht mehr das Letzte; dann sind wir nicht Sklaven des Alls und seiner Gesetze,
dann sind wir frei. ...
Das Leben ist nicht bloßes Produkt der Gesetze und des Zufalls der Materie,
sondern in allem und zugleich über allem steht ein persönlicher
Wille, steht Geist, der sich in Jesus als Liebe gezeigt hat.
Wer Hoffnung hat, lebt anders, dem ist neues Leben geschenkt worden. Und
deshalb vermag er auch neues Leben zu schenken.
Aus den Kindern blicken uns nicht nur hoffnungsvolle Augen an, sondern die
Hoffnung selbst.
In den Schriften Charles Peguy gibt es eine schöne Stelle – ich
habe sie leider nicht mehr so schnell gefunden –darin beschreibt er
Glaube, Hoffnung und Liebe wie drei Schwestern, die sich an den Händen
haltend einhergehen. In der Mitte ist die Hoffnung. Ein kleines Kind, das
die anderen beiden größeren Geschwister zieht.
Wenn die Hoffnung stehen bleibt, bleibt alles stehen, heißt das.
Kinder sind Hoffnung. Wo wenig Kinder sind, ist wenig Hoffnung.
Liebe Schwestern und Brüder,
wir haben als Christen Hoffnung. Denn wir feiern heute die Geburt eines Kindes
– Gottes Sohn Jesus Christus strahlt uns mit seinen hoffnungsfrohen
Augen an. Gott hat Hoffnung für uns, für diese Welt.
Diese Hoffnung ist kein billiger Optimismus, keine Vertröstung nach dem
Motto: Wird schon irgendwie.
Diese Hoffnung ist angefochten – am Kreuz schien sie sogar besiegt zu
sein – aber sie ist unsterblich, ewig nicht zerstörbar, weil sie
die Welt und ihre Schrecken besiegt hat.
Das göttliche Kind in der Krippe ist der Hoffnungsträger –
keine politischen Parteien, Ideologien oder esoterische Ersatzreligionen.
Unsere Hoffnung könne wir stärken – gerade auch in der Anfechtung
– wenn wir auf das Kind in der Krippe schauen. Die Umstände seiner
Geburt waren alles andere als ein hoffnungsvoller Einstieg in die Welt. Statt
eines staatlich mitfinanzierten Krippenplatzes hatte Er nur in einer ärmlichen
Krippe Platz.
Es gilt, auf dieses Kind zu schauen, mit ihm zu sprechen, auf ihn zu hören,
zu beten – dann wird die Hoffnung in uns wachsen.
In seiner Enzyklika nennt der Papst das Gebet eine Schule des Hoffens.
Pflegen wir das Gebet. Persönlich.
Aber auch besonders in der Familie zu Hause. Unsere Hoffnung reicht weiter,
wenn wir nicht nur an Weihnachten beten und zur Kirche gehen.
Liebe Schwestern und Brüder.
Weihnachten war das Fest für die Kinder. Kinder sind unsere Zukunft,
sind Zeichen der Hoffnung, das alles gut wird und Gott uns trägt und
lenkt.
Weihnachten ist das Fest des göttlichen Kindes, das uns reich beschenkt.
Es sagt uns ohne Worte: Gott hat Hoffnung für euch und diese Welt.
Dieses Kind beten wir an. Diesem Kind vertrauen wir uns an. Voller Hoffnung.
4. Predigtvorschlag
(Pfr. Dr. Axel Schmidt, 2007)
Liebe Gemeinde!
Jahr für Jahr hören wir die wunderbare Geschichte von der Geburt
des Jesuskindes, und wir hören sie immer wieder gern. So geht es
vermutlich den meisten heute nacht (heute morgen): sie sind freudig gestimmt
und voller guter Erwartungen. Das neu geborene Kind weckt in uns Menschen
den Beschützerinstinkt, es vertreibt die Härte aus unserem Alltag
und rührt uns zu zärtlichen Gefühlen. Doch wir sollten
bei diesen Gefühlen nicht stehen bleiben. Schauen wir auf das diesjährige
Altarbild, das Frauen nach einer Vorlage des Priesters und Künstlers
Sieger Köder gestaltet haben! Am vierten Adventssonntag habe ich
dazu gesagt, dass dieses Bild uns das Rätsel des Menschen vor Augen
führt und zugleich schon die biblische Lösung des Rätsels
andeutet. Das Rätsel besteht im Widerspruch, der in unserem Leben
waltet: Wir stehen in Konkurrenz mit den anderen und müssen ums Überleben
kämpfen und zugleich sehnen wir uns nach Frieden, nach Aufhebung
der Konkurrenz. Wir müssen sterben und wollen doch ewig leben. Wir
unterliegen einerseits dem Gesetz des Stärkeren und andererseits
dem der Barmherzigkeit. Dieser Widerspruch schlägt uns in dem Bild
entgegen: der tote Baumstumpf und darauf die Rose; die Dunkelheit und
mitten drin das helle Licht, das von oben herabscheint. Nicht nur das
Rätsel wird uns hier dargestellt, sondern auch bereits die Auflösung.
Es ist ein Ros entsprungen aus einer Wurzel zart. Wie uns die Alten
sungen, von Jesse kam die Art und hat ein Blümlein bracht mitten
im kalten Winter wohl zu der halben Nacht. Mit Jesse ist Isai gemeint,
der Vater des Königs David: Aus der niedergegangenen davidischen
Dynastie soll ein neuer Spross hervorgehen mit dichterischer Freiheit
hier unter dem Bild der Rose vorgestellt. Und dieser Spross, diese Rose
ist Maria bzw. ihr Sohn Jesus: Das Röslein, das ich meine,
davon Jesaja sagt, ist Maria, die reine, die uns das Blümlein bracht.
Aus Gottes ewgem Rat hat sie ein Kind geboren und blieb doch reine Magd.
Das heißt: Als Maria ihren Sohn Jesus zur Welt gebracht hat
was wir eben heute mit den Christen auf der ganzen Welt feiern
, da hat sich die alte Verheißung erfüllt, da ist der
Retter geboren, auf den die Welt bis dahin voller Sehnsucht gewartet hat.
Das Blümelein so kleine, das duftet uns so süß;
mit seinem hellen Scheine vertreibts die Finsternis, wahr
Mensch und wahrer Gott, hilft uns aus allem Leide, rette von Sünd
und Tod. Ich sagte, dass damit auch schon die Auflösung des
Rätsels gegeben ist. Was ist durch das neu geborene Kind in der Krippe
anders geworden? Wenn ich diese Frage vor 2000 Jahren dem König Herodes
gestellt hätte, so hätte dieser vermutlich gedacht: »Ich
weiß nicht. Aber vielleicht macht mir dieses Kind bald Konkurrenz
und erhebt Anspruch auf meinen Thron.« Und er hätte damit nur
gezeigt, dass er nichts verstanden hat. Wie übrigens so viele damals
und heute. Aus dem Fluch von Konkurrenz, Kampf und Krieg befreit nicht
einer, der ebenfalls in diesen Kategorien denkt. Das hieße den Teufel
mit Beelzebub austreiben. Dieses Denken hat den Herodes dazu gebracht,
eine Unzahl von kleinen Kindern in Bethlehem zu töten, und es bringt
die heutigen Herodesse an den Schaltstellen der politischen und wirtschaftlichen
Macht immer wieder neu dazu, zu drohen, zu erpressen, zu diffamieren,
mundtot zu machen oder gar zu töten und zu morden. Was ist durch
das neu geborene Kind in der Krippe anders geworden? Dass Gott in die
Welt eingreift, indem er gerade nicht den Weg der Macht und Gewalt wählt,
sondern den Weg der Erniedrigung und Armut, den Weg der wehrlosen Liebe,
die nicht droht und übermächtigt, sondern bittet und einlädt.
Das ist die eigentliche Überraschung, die uns Jahr für Jahr
neu in Staunen versetzen sollte. Aber nicht nur überraschend ist
diese Botschaft, sondern auch tröstend für jeden, der an der
Ungerechtigkeit dieser Welt zu verzweifeln droht. Denn wir wissen ja,
dass es nicht bei dem Zeichen geblieben ist, welches das kleine Kind aussendet,
das zwar nicht alle, aber doch sehr viele Herzen erweichen kann, sondern
dass Jesus später konsequent diesen Weg der Liebe weitergegangen
ist. Jesus war kein Softie, der uns etwa zuruft: Lach doch, Gott
liebt dich! Das hätte niemanden überzeugt weder
damals noch heute. Nein, Jesus hatte eine überragende Ausstrahlung
und Autorität, eine Ehrfurcht gebietende Persönlichkeit und
eine überlegene Argumentationskraft, die seine Gegner in den Schatten
stellte. Aber Jesus hat diese seine menschlichen Fähigkeiten einzig
und allein für den Dienst an den Menschen eingesetzt, zum Schutz
für die Verachteten und Entrechteten, die Niedrigen und Geringen,
auch für die Sünder. Jesus hatte vor niemandem Angst, denn er
wusste sich in der Hand seines Vaters sicher geborgen, er kannte keine
Konkurrenz, sondern kündete einen umfassenden Frieden im Reiche Gottes,
das mit ihm angebrochen war. Wieso ist dieser Friede in der Person Jesu
schon gekommen? Was hat sich geändert, seit Jesus auf der Erde war?
Es hat doch seitdem immer wieder Kriege und Streitigkeiten gegeben!
Jesus war der erste, der die Gewalt der Bosheit freiwillig an seinem eigenen
Leib ausgehalten und getragen hat. Wie ein Lamm hat er die Sünden
getragen und dadurch gerade weggenommen. Als er sich dem Kreuzesurteil
unterwarf, hat er den Teufelskreis der Gewalt gebrochen und einen neuen
Anfang ermöglicht, einen neuen Weg, eine neue Lebensweise, welche
nach und nach die Welt verändert hat. Alle, die sich Jesus im Glauben
angeschlossen haben, sind durch die Jahrhunderte hindurch den neuen Weg
der Liebe gegangen, haben sozusagen überall, wo tote Stümpfe
waren, neue Sprosse der Hoffnung gepflanzt wie sähe die Welt
ohne diese vielen überzeugten Christen, ohne die Heiligen aus? Wir
sollten nicht so oft klagen: »Warum ist noch so viel Elend in dieser
Welt?« Sondern eher ausrufen: »Wie schlimm könnte es
sein ohne den christlichen Glauben und die christliche Liebe!« In
diesem Zusammenhang erinnere ich an die Geschichte vom jungen Mann, der
im Traum einen Laden betritt. Hinter der Theke steht ein Engel. Er fragt
den Engel: »Was verkaufen Sie, mein Herr?« Der Engel antwortet
freundlich: »Alles, was Sie wollen.« Der junge Mann beginnt
aufzuzählen: »Dann hätte ich gern das Ende aller Kriege
in der Welt, bessere Bedingungen für die Randgruppen der Gesellschaft,
Beseitigung der Elendsviertel in Lateinamerika, Arbeit für die Arbeitslosen,
mehr Gemeinschaft und Liebe in der Kirche und. .. und ...« Da fällt
ihm der Engel ins Wort: »Entschuldigen Sie, junger Mann, Sie haben
mich falsch verstanden. Wir verkaufen keine Früchte, wir verkaufen
nur den Samen.« Das Altarbild zeigt uns nicht, wie eine Rose die
Stelle des Baumstumpfs einnimmt, sondern wie sie auf ihm wächst.
Eine Änderung und Verbesserung der Welt ist nicht anders möglich
als durch das geduldige Wachsen und Reifen des Guten, durch den Samen
des guten Vorbildes, das nach und nach das Denken und Handeln der Menschen
umformt. Gott hat in seinem Mensch gewordenen Sohn Jesus Christus dazu
den Anfang gemacht. Weihnachten gibt das frohe Hoffnungssignal, dass die
Welt nicht im Dunkel versinken wird, sondern vom Licht verwandelt wird.
Weihnachten ermutigt uns, selber den Weg der Liebe zu gehen, nicht einzustimmen
in der Klagelied der Unzufriedenen und nicht mitzumachen beim allgemeinen
Hauen und Stechen, der verbreiteten Selbstbedienungsmentalität zu
widerstehen und die eigene Kraft einzusetzen für den Dienst am anderen
Menschen, wie Jesus und die Heiligen es uns vorgelebt haben.
5. Predigtvorschlag
Liebe Schwestern und Brüder,
vielleicht sind sie schon einmal selber in die Situation geraten,
dass ein lieber Mensch, der gerade noch gesund und voller Lebenskraft
war, aus heiterem Himmel krank wurde, plötzlich vom Leid
gezeichnet ist, vielleicht sogar sterbenskrank.
Wenn wir diesem Menschen nicht nur aufrichtig verbunden sind,
sondern wir ihn wirklich lieben, aus ehrlichem Herzen, dann
wollen wir ihn in seinem Leid nicht allein lassen. Nur Trost
spenden, nur die Liebe in Worte fassen, ist uns dann zu wenig.
Wir sind bereit, die Schmerzen mitzutragen, nicht nur Mitleid
zu empfinden. Wenn wir wirklich lieben, dann wünschen wir
uns, die Krankheit und das Leid auf uns zu nehmen, dann fragen
wir uns: Warum nur er, warum nicht ich auch?
Vielleicht ist einigen von ihnen dieser Gedanke fremd, aber
wer wirklich liebt und in eine solche Situation gekommen ist,
der weiß, wovon ich rede.
Aber wir stehen ohnmächtig da. Wir können nicht tatsächlich
jemanden von seiner Krankheit erlösen, und wir fragen uns:
Warum denkt Gott nicht auch so? Warum nimmt er das nicht auf
sich? Er hat doch die Möglichkeit! Er ist doch Gott! Wo
bleibt Er?!
Liebe Schwestern und Brüder, Gott ist gekommen. Er hat
genau das getan, was wir nicht können. Weil er uns liebt,
so grenzenlos liebt, und unser Leid mittragen will, deshalb
ist er Mensch geworden. Das ist Weihnachten!
Gott ist nicht in aller Süße und Wohligkeit Mensch
geworden, nein, sein Kommen ist genauso geschehen wie auch sein
Sterben: In aller Armut, in Leid und in Kälte. Bereits
in seiner Geburt wird deutlich, warum er zu uns gekommen ist:
Nicht, um einfach nur zusammen mit uns Menschen glücklich
zu werden. Sondern, weil er uns liebt und deshalb uns erlösen
will.
Die erste Weihnacht, damals in Bethlehem, hat einen rauen und
unwirtlichen Charakter. Vielleicht haben die älteren unter
uns das noch etwas nachempfinden können, als sie früher
zu mitternächtlicher Stunde zum Gottesdienst aufstanden
und in Eiseskälte zur Kirche gingen.
Vielleicht haben wir auch etwas vom ersten Kommen Jesu nachvollziehen
können, als ich mit einigen Jugendlichen am Samstag um
Mitternacht draußen im Wald in einer Hütte einen
Gottesdienst gefeiert habe. Nass, kalt und klamm war es. Rau,
unwirtlich und überhaupt nicht gemütlich. Fast wie
in Bethlehem.
In unseren Geschäften, heimatlichen Krippen und Weihnachtsliedern
sieht Weihnachten allerdings oft anders aus: Gemütlich,
häuslich und wohlig warm. Was wir heute feiern, sind nur
noch Gefühle. Wenn dieses weihnachtliche Gefühl kommt
(und dazu ziehen wir alle Register, dass es kommt), dann sagen
wir: Das war ein schönes Fest.
Unser Weihnachten ist nicht mehr das Fest der Liebe, auch wenn
wir es uns noch so oft einreden. Auch dann nicht, wenn es tausendmal
auf den Werbeprospekten von Karstadt steht. Liebe ist - entgegen
weit verbreiteten Gerüchten - nämlich kein Gefühl.
Liebe ist eine Art zu leben.
Vielleicht, liebe Schwestern und Brüder, zerstöre
ich gerade Ihr weihnachtliches Gefühl. Aber vielleicht
öffnet sich dadurch auch der Sinn für das, was wir
wirklich heute feiern.
Ein Wunder nämlich, das größer ist als alle
Weihnachtsgeschenke: Gott liebt uns. Er will unser Leid nicht
nur uns Menschen überlassen. Er gesellt sich zu uns. Genau
genommen: Unfassbar. So, wie wir - wenn überhaupt - nur
ganz wenige Menschen lieben, nämlich mit der Bereitschaft
zum Leid, so liebt er einen jeden von uns.
Wenn Weihnachten das Fest der Liebe ist, dann zunächst
der Liebe Gottes zu uns. Keine realitätsfremde Liebe, die
sich nur in Worten und Gefühlen erschöpft:
Gott scheut nicht die Kälte, die sich zwischen unseren
Herzen breit macht: Er friert in seiner Krippe - mit uns.
Er vermeidet nicht die Armut, die sich in unserem Handeln offenbart:
Er leidet an der Armut seiner Eltern und der ersten Freunde,
die er gewinnt: Den Hirten. Er leidet für uns, die wir
auch an Herz und Seele so arm sind.
Er umgeht auch nicht das Los der Ausgestoßenen: Er findet
mit dem Beweis seiner Liebe in keiner Herberge Unterkunft. Er
wird vor die Tür gesetzt - von uns.
Gott ist nicht Mensch geworden, um uns nur glücklich zu
machen. Tatsächlich interessiert es Gott weniger, ob wir
glücklich sind oder nicht. Gott wird Mensch, um uns zu
lieben und uns selbst liebesfähig zu machen. Damit beginnt
er in Bethlehem. All sein Trachten, sein Handeln, sein Denken
und sein Fühlen richtet sich auf diese eine Botschaft an
uns: Lasst euch lieben! Von mir, aus ganzem Herzen! Und: Liebt
einander! Nicht mit Gefühlen oder mit Worten, sondern mit
ganzem Herzen, mit eurem Leben!
Ein weihnachtlicher Mensch feiert Weihnachten nicht nur einmal
im Jahr. Ein weihnachtlicher Mensch ist ein Mensch, der sein
ganzes Leben um die Liebe Gottes ringt, sich von ihr leiten
lässt, sie verschenkt und dabei mit der Liebe ernst macht,
auch im Leid. Und dabei über allem seine Freude in Gott
findet. Deshalb sagt man: Frohe Weihnachten!
Und deshalb wünsche ich auch ihnen ein frohes Weihnachtsfest.
Nicht nur für die paar Tage. Sondern frohe Weihnachten
für ihr ganzes Leben. Amen.
6. Predigtvorschlag
Liebe Schwestern und Brüder, wenn wir auf das vergangene
Jahr zurückschauen, dann dürfte eigentlich keine so
rechte Weihnachtsstimmung aufkommen: Kriege, Terror und Ängste
haben dieses Jahr geprägt, und eine Ende ist noch nicht
abzusehen.
"Hat denn die Friedensbotschaft der Engel nur für
2000 Jahre gereicht?" kommt und vielleicht als Frage in
den Sinn. "Hat sich denn in dieser Welt überhaupt
etwas geändert - seit Jesus Christus uns angeblich erlöst
hat?"
Den Juden wurde eine großartige Verheißung geschenkt,
die wir in der Jesaja-Lesung gehört haben: "Der Welt
wird ein Licht aufstrahlen." Das, glauben wir Christen,
ist mit der Geburt Jesu in Bethlehem geschehen. Aber bei Jesaja
ist nicht die Rede davon, dass wir Menschen dieses Licht auch
wirklich ergreifen und selber hell werden. Ganz im Gegenteil:
Bei Johannes heißt es: "Und das Licht kam in die
Welt, aber die Welt nahm es nicht an." Ja, es heißt
dort sogar: "Die Seinen nahmen ihn nicht auf."
Wir leben also in einer Welt, in der das Licht Gottes zwar
erschienen ist; aber damit die Welt hell wird, ist es notwendig,
dass wir das Licht auch in uns aufnehmen. Mit der Geburt Jesu
hat sich in dieser Welt noch nichts geändert - leider.
Aber mit der Geburt Jesu haben die Menschen die Möglichkeit,
sich zu ändern.
Durch das Licht, das in die Welt gekommen ist, erkennen wir
vielleicht deutlicher als vorher, woran die Welt krankt, wo
Schattenseiten sind und wie schön es doch sein könnte.
Das Licht der Krippe zeigt uns Wege auf, die wir gehen können.
Doch an dieser Welt ändert sich erst dann etwas, wenn wir
diese Wege auch gehen.
Unser Christsein besteht nämlich nicht darin, dass ich
an Gott glaube; dass ich also von seiner Existenz zutiefst überzeugt
bin. Wer Augen hat und einen Kopf zum Denken, wird um diese
Erkenntnis ohnehin kaum herumkommen.
Wäre Gott nur darauf aus, uns von seiner Existenz zu überzeugen,
würde er ein Wunder nach dem anderen vollbringen, das seine
Wirklichkeit unwiderlegbar beweist. Dafür ist diese Aktion
im Stall von Bethlehem nun wirklich nicht geeignet. Zuwenig
Zeugen, zu unscheinbar, zu abgelegen. Warum, Gott, bist Du nicht
heute Mensch geworden? Israel hatte damals keine Massenmedien,
kein Satellitenfernsehen und keine Bildzeitung.
In unserem Glauben geht es eben nicht um den Kopf, sondern
um Herz und Hand. Friede wurde den Menschen verheißen,
die Guten Willens sind, so verkündeten es schon die Engel
in der Weihnachtsnacht. Und nun stellt sich die Frage: Wer ist
willens, zu ihm zu gehen? Zu ihm an die Krippe? Nach Bethlehem,
draußen, vor den Ort? In den Stall, wo es stinkt und kalt
ist? Offensichtlich haben dass damals nicht allzu viele gemacht.
Und auch heute und in Zukunft wird es Menschen geben, die das
Dunkle mehr lieben. Kriege, so lehrt uns der Glaube, wird es
immer wieder geben.
Aber, liebe Schwestern und Brüder, das ist eine klare
Aufforderung an uns, hinauszuziehen! Wer Gott begegnen will,
der muss sich aufmachen! Glauben, dass Gott existiert, kann
ich auch im Fernsehsessel. Aber Licht werden kann ich nur, wenn
ich mich vor die Tür begebe.
Dass bei der Herbergssuche Maria und Josef kein Zimmer bekommen
hatten und weiter frieren mussten, weiß jeder. Dabei ist
das das kleinste Problem. Viel schlimmer ist, das die Wirtsleute
mit der geschlossenen Tür sich selbst verschlossen haben,
sich eingeschlossen haben. Sie haben dadurch ein Wunder verpasst,
das sie bis in die Zehenspitzen verändert hätte.
Es kann nicht Weihnachten werden, wenn wir uns in unsere eigenen
vier Wände einschließen. Das spüren so viele
- deshalb sind auch die Weihnachtsgottesdienste hier und allen
anderen Kirchen die bestbesuchten. Aber Was für für
Weihnachten gilt, gilt auch für unseren Glauben: Glauben
kann ich nicht in meinen eigenen vier Wänden. Glauben heißt
immer: Ich mache mich auf.
In unserem Predigtspiel gerade kam die Bekehrung der Familie
auch erst, als sie sich auf den Weg zur Krippe gemacht haben.
Wären sie zuhause geblieben, so hätte sich nichts
geändert.
Liebe Schwestern und Brüder, Gott ist in dieser Welt erschienen.
Ein Licht erstrahlt, bis auf den heutigen Tag. Es strahlt in
so vielen Menschen, von großen Gestalten wie Mutter Theresa,
Schwester Maria Euthymia oder Johannes Paul II. - bis hin zu
dem, der mich pflegt, als ich krank war; getröstet hat,
als ich weinen musste; Mut gemacht hat, als ich nicht mehr weiter
wollte. Es gibt ein Licht, dass sich in so vielen Menschen widerspiegelt,
bis auf den heutigen Tag, bis hier nach Halverde.
Unsere Welt ist tatsächlich heller geworden, trotz Krieg
und Terror.
Aber mein Leben wird erst dann hell, wenn ich ausbreche aus
den Kreisen der Gewohnheit. Glauben, das heißt leben vor
der Tür. Amen.
7. Predigtvorschlag
(nimmt Bezug auf
das Predigtspiel zu Weihnachten Nr.
1) - Auch ohne diesen Bezug möglich
Liebe Schwestern und Brüder!
In den letzten Schultagen ist mir deutlich geworden, warum
der Engel den Hirten auf dem Feld und nicht den Lehrern oder
Priestern erschienen ist: Die Hirten hatten nicht soviel zu
tun. Die haben noch hingehört. In deren Terminkalender
war nämlich noch Platz...
(In dem kleinen Spiel, das wir gerade erlebt haben, ist
uns der Engel erschienen. Wir haben uns während der Vorbereitung
überlegt, wer denn wohl der Einladung des Engels gefolgt
wäre, wenn er heute erscheinen würde. Vermutlich nicht
so viele... aus den einfachen Gründen, die wir gerade gehört
haben: Wir haben uns auf etwas anderes eingestellt, unsere Festtage
sind schon verplant.)
Dahinter steckt eine Grundhaltung. Es muss alles bestens und
sorgsam organisiert werden. Nicht nur unsere Feierlichkeiten,
sondern unser ganzes Leben. Wenn wir uns allerdings nach allen
Seiten absichern wollen, kostet das viel Zeit und Organisation
- und Nerven. Klappt alles, dürfen wir uns auf die Schulter
klopfen. «Haben wir das nicht wieder gut hingekriegt?»
Wenn aber mal etwas schief geht - oder schief zu gehen droht
- dann liegen unsere Nerven blank. Am liebsten würden wir
die Schuld für das Misslingen anderen in die Schuhe schieben,
und oft genug tun wir es auch. Aber letztlich müssen wir
in kauf nehmen, dass wir für das, was wir selbst in die
Hand nehmen, auch selbst verantwortlich sind.
Wir haben die Verantwortung für unser Leben übernommen
und tragen sie jetzt selbst.
Und wir tragen so sehr daran, dass wir keinen Platz mehr für
Gott haben. Keinen Platz in der Herberge, kein Luft mehr für
Gottesdienste, keine Zeit mehr fürs Gebet. (Keine Chance
mehr für den Engel Annika.) Wir haben auch keinen Grund
mehr zu beten: Wir haben doch alles schon selbst organisiert.
Wir brauchen Gottes Hilfe nicht mehr. Wenn wir beten, dann allerhöchsten
noch darum, dass Gott unsere eigenen Pläne nicht durchkreuzt:
«Lieber Gott, bitte, halte dich da heraus. Ich habe mir
alles schon so schön zurechtgelegt, bring jetzt nicht alles
durcheinander.» Wenn wir beten, dann doch meist darum,
dass Gott uns nicht von unseren Plänen erlöst, sondern
sie durch Abwesenheit unterstützt!
Bei den frühen Christen gab es das schon einmal. Eine
starke philosophische Bewegung in den ersten Jahrhunderten,
Pelagianismus genannt, behauptete nämlich, dass wir uns
selbst erlösen müssten. Nicht Gott, sondern wir sind
es, die für unser Heil zuständig sind. Nicht Gottvertrauen,
sondern Selbstvertrauen ist wichtig. - Gottseidank hat Gott
sich nicht daran gehalten, und gottseidank hat sich der Pelagianismus
nicht halten können: Die Christen der ersten Jahrhunderte
haben diese Auffassung als absolut unchristlich abgelehnt. Und
wenig später verschwand diese Philosophie.
Aufmerksame Theologen sind allerdings inzwischen der Meinung,
dass der Pelagianismus inzwischen zurückgekehrt ist. Es
gibt deutliche Anzeichen dafür:
Gottesdienste werden immer weniger gefeiert, dafür immer
mehr organisiert. Schließlich sind wir verantwortlich
für einen guten Gottesdienst. Nicht Gott.
Wir haben kaum noch den Mut, Sonntags die Arbeit ruhen zu lassen
- ob im Handel oder in der Landwirtschaft. Schließlich
sind wir verantwortlich für unser Einkommen. Nicht Gott.
Wir haben selten Lust und Ruhe, zum Gebet in die Kirche zu gehen,
ob während der Gottesdienste oder still für uns. Letztlich
ist ja nicht Gott für meine Freizeit zuständig, sondern
ich.
Wir wollen unsere Freunde und Bekannte nicht verlieren oder
überfordern, indem wir unsere Kirchlichkeit betonen. Denn
meine Freunde suche ich mir ja aus, nicht Gott.
Wir ertrinken in Aktivismus, in einer ständigen Beschäftigung
und Berieselung, wir schnappen nach Luft, um den Terminen noch
nachzukommen; erfinden Handys und Computer mit Zugang zum Internet,
damit wir noch mehr zu tun haben.
Aber an Weihnachten kommt alles anders: Gott ergreift die Initiative.
Er kommt zu uns Menschen. Da sind nicht Philosophen, die sich
ein Erlösungsprogramm ausgedacht haben, oder Psychotherapeuten,
die eine heilsame Botschaft zusammengestellt haben. Es sind
Engel, die uns Gottes Initiative bekannt geben; es ist Gott,
der zu uns kommt. Eine weihnachtliche Botschaft ist: «Euer
Heil und Unheil hängt nicht von Euch ab! Werft die Lasten
ab, die Ihr tragt! Lasst Euer ewiges Organisieren und vertraut
auf Gott!» Es hängt nicht alles von uns ab; viel,
viel weniger, als wir glauben. Klar, wir müssen uns dann
mit etwas weniger äußerem Komfort zufrieden geben
- aber dafür steigt dann unsere innere Lebensqualität.
Angefangen bei den heilenden Magengeschwüren bis hin zum
zurückgewonnen Familienfrieden.
An Weihnachten kann der Mensch an der Krippe nichts anderes
tun als Staunen. Joseph und Maria haben nichts planen können.
Keiner der Hirten hat etwas organisiert. Alles hat in Gottes
Händen gelegen. Es brauchte auch nichts geplant zu werden,
Gott sorgt schon für seine Kinder. Eine Luxus-Karawane
oder eine 4-Sterne-Herberge waren nicht nötig. Der Ein-Stern-Stall
in Bethlehem hat vollkommen gereicht.
An Weihnachten sind wir nicht die Schenkenden, sondern die Beschenkten.
Was für das nächste Jahr unter unserem Weihnachtsbaum
liegt, bestimmt Gott. Was der Engel uns verkündet - ob
Jesus nun auf dem Langenacker oder hinterm Osterbauer ankommen
wird - braucht keinen menschlichen Souffleur. Er weiß
schon, was er uns zu sagen hat.
Was Not tut, ist zu delegieren. Anderen Vertrauen. Gott etwas
zutrauen. (Beispiele aus der Gemeinde...). Natürlich wird
es dann nicht immer ganz genauso, wie ich es mir gedacht habe.
Aber oft wird es sogar besser.
Ein bisschen mehr Passivität, gottgefüllte Passivität,
tut uns manchmal ganz gut, auch wenn es uns schwer fällt.
Ein bisschen weniger reden, dafür hinhören. Auf den
Gesang der Engel, auf die Botschaft Gottes. Ein bisschen weniger
Tun, dafür etwas mehr Gebet. Etwas weniger Action, dafür
mehr Humor. Weniger Medikamente gegen Magengeschwüre, dafür
mehr Gelassenheit.
Liebe Schwestern und Brüder, es hängt nicht alles
von uns ab. Es gibt einen Gott. Frohe Weihnachten! Amen.
8. Predigtvorschlag
(nimmt Bezug auf
das Predigtspiel zur Weihnachten Nr.
4) - Auch ohne Predigtspiel möglich
Liebe Schwestern und Brüder,
(in dem Traum, den wir gerade gesehen haben, spricht der
Engel die erlösenden Worte: «Es ist Euch der Retter
geboren, der Heiland, der Herr!» Natürlich, es war
nur ein Traum. Aber)
versetzen Sie sich nur für einen Moment in die Vorstellung,
es gibt keinen Gott. Es gibt keinen Gott, keine Bibel, keine
Gottesdienste, keine Kirche. Sie glauben an nichts als an das,
was sie sehen.
(kurze Stille)
Auf den ersten Blick wären wir von einer ziemlichen Last
befreit: Keine Sünde mehr, keine Hölle, keine Gebote
und kein schlechtes Gewissen. Niemand, der uns belohnt oder
straft, wir können tun und lassen, was wir wollen.
Dieser erste Blick ist attraktiv, besonders für diejenigen,
die schon einmal ein wenig geglaubt haben, so ein bisschen.
Die ab und zu in der Kirche sind, ein paar Gebet kennen und
ein paar Sakramente empfangen haben. Der Verlust des Glaubens
kann eine echte Befreiung sein.
Aber auf den zweiten Blick beginnt dann die Welt und das Leben
dunkel zu werden: Keine Hoffnung für den, der unschuldig
leiden muss; keine Belohnung für den, der den guten Kampf
kämpft und darin umkommt. Keinen Sinn in dem Leben einer
Schwester Maria Euthymia, die nichts erreicht hat: Für
den, der nicht an Gott glaubt, ist an ihrem Leben nichts reizvolles.
Es macht keinen Sinn, sich für andere einzusetzen, wenn
es mich selbst Opfer kostet. Es macht keinen Sinn, überhaupt
anderen Gutes zu tun - es sei denn, um mir selbst ein Gutes
Gefühl zu geben.
Alle Menschen verspüren eine tiefe Sehnsucht, ein unstillbares
Verlangen nach Leben und Liebe. Menschen, die ihren Glauben
verloren haben, versprühen diese Sehnsucht vielleicht noch
mehr - und leiden darunter. Sie sehnen sich nach Sinn - und
suchen ihn in Zerstreuung, Vergnügen, Gewinn und Erfolg
- um jeden Preis. Solche Menschen können leicht unsympathisch
werden.
Und dennoch sendet Gott seinen Engel diesen Menschen, ihnen
eine große Freude zu verkünden: Es gibt Gott, mehr
noch: Er ist hier, mitten unter uns. Es gibt einen Sinn, es
gibt ein Leben ohne Ende und es gibt jemand, der uns liebt und
der es mehr als alle und alles verdient hat, von uns geliebt
zu werden.
Das ist die Botschaft des Engels.
Die Weihnacht vor zweitausend Jahren ist vergangen. Das Lied
der Engel ist verklungen und der Glanz der Krippe verblasste
schon im nächsten Morgengrauen.
Jetzt ist es an uns, zum Engel zu werden.
Denken sie nicht in erster Linie daran, zu teilen und zu spenden
und Lebensmittel zu verteilen und Kirchensteuern zu zahlen.
Die Menschen, die ihren Glauben verloren haben, können
ihren Hunger damit nicht stillen. Sie versuchen es ständig
- da sollten wir nicht ins gleiche Horn stoßen.
Nein, zum Engel werden wir, wenn wir das Lied der Weihnacht
aufnehmen: Es gibt Gott, mehr noch: Er ist hier, mitten unter
uns. Es gibt einen Sinn, es gibt ein Leben ohne Ende und es
gibt jemand, der uns liebt und der es mehr als alle und alles
verdient hat, von uns geliebt zu werden.
Liebe Schwestern und Brüder, werden sie ein Engel, der
Erlösung bringt. Reden sie davon, nicht nur an Weihnachten.
Erzählen Sie ihren Kindern von ihrem Glauben und geben
Sie ihnen damit ein größeres Geschenk als alles andere,
was Sie für Geld kaufen können.
Bringen Sie Licht in diese Welt, in dem sie Gott verschenken.
Reden sie davon, und wenn ihnen die Worte fehlen, dann singen
Sie. Beten Sie. Seien Sie ein Engel - diese Welt braucht Sie
mehr als alles andere. Amen.
9. Predigtvorschlag
Liebe Schwestern und Brüder!
Nachdem bei mir gestern Abend einige fachkundige Helfer meinen
Weihnachtsbaum aufgestellt haben, habe ich mich heute morgen
daran gemacht, meine Krippe aufzubauen. Ich habe noch nicht
ganz so viele Figuren, wie die monumentale Krippe hier in der
Kirche - und sie ist auch nicht sonderlich sehenswert - aber
sie hat alles, was dazu gehört: Maria und Josef, Ochse
und Esel, Hirten und Schafe. Nur das Jesuskind, das habe ich
noch nicht in die Krippe gelegt - das war bei uns zuhause so
üblich. Bis nach der Christmette wurde es erst einmal versteckt,
- aus rein praktischen Gründen unter dem weiten Gewand
der Maria.
Die anderen sechs Figuren der Krippe - ohne das Jesuskind -
können uns etwas sagen: Etwas, das mit den Kerzen zu tun
hat, die wir gerade eine nach der anderen gelöscht haben.
Maria zum Beispiel, eine Figur, die wir mit der Liebe verbinden
können. Sie hält sich sehr im Hintergrund, fast das
ganze Leben ihres Sohnes lang. Aber immer, wenn es darauf ankommt,
ist sie zur Stelle: Vor allem unter dem Kreuz, als ihr Sohn
von allen anderen verlassen ist, ist sie da.
So scheint es mir auch mit der Liebe zu sein: Sie drängt
sich nicht in den Vordergrund, und manchmal kann man den Eindruck
haben, es gäbe sie nicht mehr. Aber, seien wir einmal ehrlich:
Wie oft haben wir erfahren, dass es sie doch gibt - oft genau
denn, wenn es darauf ankam. Es gibt sie noch, die Liebe, genauso,
wie meine Krippe eine Maria hat.
Oder Josef, der Schweigsame. Das einzige, was wir von ihm wissen,
ist seine Treue Sorge um Maria und das Kind. Immer, wenn Gott
ihm im Traum einen Hinweis gab, hat er dem ohne zu Zögern
Glauben geschenkt.
Ja, es gibt noch Glauben, auch in der heutigen Welt, mehr, als
wir oft vermuten. Statistiken und Messwerte geben unserem Leben
keinen Sinn. Aber der Glaube gibt uns Halt: Und dass wir den
brauchen, wissen wir im Grunde unseres Herzens ganz genau. Genauso,
wie auch eine richtige Krippe eine Josef hat.
Oder der Ochse, im Gegensatz zum Stier ein gemütliches,
friedliches Tier. Es hat - so erzählt die Legende - mit
seinem Atem des Jesuskind gewärmt. So ist es auch mit dem
Frieden in dieser Welt: Er ist nicht laut, nicht schreiend,
der Friede. Und deshalb nur selten eine Meldung wert. Der Friede
geht nicht aggressiv gegen den Krieg an, und deshalb wird er
keine Siege verbuchen. Aber es gibt ihn, weil die Menschen die
Wärme brauchen. Wenn die Kälte des Krieges lange genug
gedauert hat, wird die Sehnsucht nach dem Frieden irgendwann
größer sein als das Denken in Gewinn, Verlust oder
Macht. Es gibt den Frieden in dieser Welt. Vielleicht nur etwas
im Verborgenen - genauso wie der Ochse im Stall von Bethlehem
im Hintergrund blieb.
Naja, meine Krippe hat auch einen Esel. Und der ist nicht durch
seine Dummheit oder Dickköpfigkeit bekannt, sondern vor
allem durch seine einmalige Begabung, sich zu freuen. Und dabei
gibt er sich mit so wenig zufrieden. Seien wir ehrlich: Wahre
Freude ist immer auch bescheiden. Es wird wohl kaum ein Mensch
geben, der lieber sein Leben im Vergnügungspark verbringt
als in der Nähe eines Menschen, der Freude versprüht.
Wahrscheinlich hat sich der Esel im Stall wohlgefühlt:
Weil er dort jemand hatte, der ihm Freude schenkte.
Und dann gibt es noch die Hirten: Das Sinnbild für die
Ruhe und Ausgeglichenheit. Hirten haben Verantwortung, eine
schwere Aufgabe und es nicht immer leicht. Aber sie sind ganz
für ihre Aufgabe da - und machen nicht noch tausend Sachen
nebenher. Und es gibt sie noch heute - die Menschen, die die
Ruhe in Person sind. Bewundernswerte Menschen, weil sie sich
nicht von Kleinigkeiten aus der Fassung bringen lassen.
Es gibt aber auch die Schafe, die sich vor allem durch ihr
Vertrauen zu den Hirten auszeichnen. Sie wissen, dass der Hirt
es gut mit ihnen meint, und deshalb vertrauen sie ihnen.
Auch wenn unsere Welt vielleicht einen anderen Anschein hat:
Ohne ein solches Vertrauen könnten wir gar nicht leben.
Es gibt viel mehr davon, als wir spüren: Uns fällt
es erst auf, wenn jemand unser Vertrauen missbraucht.
Aber alle diese Figuren könnten nicht bestehen ohne den eigentlichen
Mittelpunkt: Das Jesuskind.
Denn das ist das Zeichen der Hoffnung, das Gott der Welt gibt.
Jedes Kind zeigt, dass Gott unsere Welt noch nicht aufgegeben
hat. Und gerade das Kind in der Krippe zeigt, warum es noch
Grund zur Hoffnung gibt: Denn dort versammeln sich Maria und
Josef, der Ochse, der Esel, die Hirten und die Schafe. Dort
finden wir Ruhe, Frieden, Vertrauen, Freude, Liebe und Glauben.
Ohne die Hoffnung wären alle diese Werte längst aufgegeben
worden. Ohne die Zusage Gottes, dass er diese Welt und damit
jeden einzelnen von uns für liebenswert hält, hätte
sie jede Hoffnung und damit jeden Wert verloren.
Aber dem ist eben nicht so: Und das, liebe Schwestern und Brüder,
das ist Weihnachten. Das ist die Botschaft der heiligen Nacht:
Wir haben allen Grund zur Hoffnung, denn Gott steht noch immer
auf unserer Seite. Amen.
10. Predigtvorschlag: Barbie im Nirwana
Liebe Schwestern und Brüder, hat jemand von Ihnen dieses
Jahr eine Barbie-Puppe geschenkt bekommen? Ich musste letztes
Jahr - gegen meine Überzeugung - und auch gegen die Überzeugung
meiner Schwester - meinem Patenkind Sarah eine solche Puppe
schenken.
Barbie-Puppen sind seelenlose Wesen. Dass sie kein Eigenleben
haben, dass sie gefühllos und leblos sind, dass macht sie
gerade zum Spielzeug. Um mit ihnen zu spielen, muss man ihnen
Leben einflössen - eine Aufgabe, die Kinder gerne übernehmen,
wenn auch nur für kurze Zeit.
Vielleicht liegt im Erfolg dieser Barbie-Puppe ein verborgener
Wunsch der Menschen: So zu sein wie diese Puppe. Seelenlos und
gefühllos. Für viele östlichen Religionen und
auch für viele aus unserer aufgeklärten, westlichen
Welt ist das die Erlösung. Das «Nirwana», der
Ort, an dem sich Freude und Leid, Schmerzen und das eigene Ich
einfach in Nichts auflösen. Nirwana ist inzwischen auch
für viele Christen der Begriff der Erlösung. «Erlöst
von Schmerzen, vom Leiden, einfach nicht mehr sein. Dann kann
ich auch nicht mehr verletzt werden.» So eine Barbie-Puppe
ist zwar ziemlich hohl, aber unverletzlich schön.
Gott allerdings hält nicht viel von Barbie-Puppen, und
mit dem Nirwana kann Gott auch nicht so viel anfangen. Er geht
den anderen Weg: Er zieht sich nicht zurück und freut sich
darüber, dass er mit unserer unheilvollen Welt nichts zu
tun hat, sondern er kommt in unsere Welt, in all das Leid und
Unheil, Krieg und Elend, Krankheit und Böswilligkeit. Er
beginnt wie wir Menschen zu fühlen und zu leiden. Seine
Liebe zu uns wird menschlich erfahrbar, aber auch verletzbar.
Er ist mächtig als Gott, aber er wird wehrlos in seinem
Wunsch, uns zu erlösen.
Aber warum tut Gott das? Ginge es Gott um ein «gelungenes
Leben», so wäre er sicherlich im Himmel geblieben.
Auf der Erde droht ihm allerlei Gefahren. Sicher ist er hier
unten bei uns nicht.
In einem interessanten Buch mit dem originellen Titel «Wie
man mit Fundamentalisten diskutiert, ohne den Verstand zu verlieren»
erklärt der Autor, er verstehe die Christen nicht. Warum
dieser ganze Aufwand mit der Menschwerdung, dem Predigen und
dem Kreuzigen und Auferstehen? Um sich mit den Menschen wieder
zu versöhnen? Hätte sich dieser Gott nicht einfach
selber etwas versöhnlicher geben sollen, und alles wäre
wieder in Butter?
Das wäre in der Tat der einfachste Weg, wenn Gott Gesetzesgeber
und Polizist wäre. «Okay, wegen Apfelklau und etwas
Übermut wollen wir mal nicht so sein. Ich bin Gott und
drücke einfach beide Augen zu...»
Das verkennt aber, dass es hier um Liebe geht. Wenn wir sündigen,
dann verletzen wir nicht ein Gebot oder eine Regel. Wir verletzen
uns und den Geliebten; manchmal so stark, dass die Liebe stirbt.
Wir brechen keine Regeln, wir brechen Beziehungen ab.
Wir Menschen haben schon seit langem die Beziehung zu Gott abgebrochen.
Wir empfinden doch nichts mehr, wenn wir an Gott denken. Er
ist für uns eher wie ein Einrichtungsgegenstand, wie ein
Stück Möbel, wie ein Bild an der Wand. Wenn Gott nicht
mehr wäre, würde uns etwas fehlen. So wie wir auch
ein Bild oder ein Sofa vermissen würden, weil da jetzt
eine Lücke ist. Aber Liebe?
Deshalb reicht es nicht, dass Gott sich einfach nur versöhnlicher
gibt, weniger nachtragend ist. Dadurch ändern wir uns nicht.
Nein, er muss uns wieder neu gewinnen, um uns werben, sich zu
uns herablassen, uns an sich ziehen; dabei ohne Zwang oder Druck,
denn das würde jede liebevolle Beziehung wieder zerstören.
Deshalb kommt Gott als Kind von Bethlehem, deshalb ist Weihnachten
ein Fest der Liebe. In der Krippe von Bethlehem liegt Jesus
als Retter und Erlöser, verletzlich und wehrlos, weil er
die Liebeserklärung Gottes an uns ist.
Das Geheimnis eines erfüllten Lebens liegt also nicht
darin, alles Unheil zu verbannen, damit unser Leben gelingt.
So erreichen wir nicht das Glück, so werden wir allerhöchsten
hohl und gefühllos, wie Barbie im Nirwana.
Erst wenn wir es so machen, wie Gott es tut: Wenn wir mitfühlen,
dem Leid nicht ausweichen, wenn wir lieben, auch wenn wir uns
dadurch der Enttäuschung aussetzen, wenn wir uns vergeben
und uns verletzbar machen, gewinnt unser Leben Fülle, Tiefe
und Glück. Gerade weil wir dann auch empfänglich sind
für das Leid, sind wir empfänglich für das Glück.
Gott erfüllt uns Wünsche. Aber er erfüllt sie
nicht so, wie wir es uns wünschen. Wenn wir uns Glück
wünschen, wirkliches, erfüllendes Glück, dann
muss Gott uns erst einmal die Schale abschuppen, die wir uns
angelegt haben. Die Schale, mit der wir uns vor den unangenehmen
Seiten des Lebens und des Glaubens schützen. Denn diese
Schale, dieses dicke Fell schützt uns vor Angriffen genauso
wie vor dem Glück. Wer sich nach Geborgenheit sehnt, muss
erst einmal das Frieren lernen.
Liebe Schwestern und Brüder, Gott hat mit der Geburt seines
Sohnes begonnen, die Welt zu missionieren. Mission heißt
ja nicht, eine Botschaft überbringen. Mission heißt,
sich selbst überbringen. Und jetzt ist es an uns, diese
Mission fortzusetzen: Sind wir bereit, mit dem Fest der Liebe
ernst zu machen?
Sind wir bereit, uns auslachen zu lassen, weil wir von Gottes
Liebe reden? Sind wir bereit, Verletzungen zu ertragen, weil
wir den Menschen vertrauen, auf deren Güte bauen? Sind
wir bereit, arm zu werden; aus Liebe zu Gott? Sind wir bereit,
aus der Hohlheit unseres gelungenen Lebens auszubrechen und
uns Gott auszuliefern? Wenn Sie mit Ja antworten - und dieses
Ja auch Leben - dann steht Ihnen Freude ins Haus, die sie noch
nie erlebt haben. Dann werden sie Wärme spüren, die
Ihnen noch kein Mensch geschenkt hat. Dann werden Sie bei Gott
Geborgenheit finden, wie bei keinem Menschen auf dieser Erde.
Wenn Sie Gott an die Haut lassen, werden sie den Himmel spüren.
Liebe Schwestern und Brüder, gehen sie in den nächsten
Tagen in Stille einmal zur Krippe, hier in der Kirche. Bewundern
Sie nicht den, der diese Krippe gebaut hat, bewundern sie nicht
die Größe und Schönheit des Aufbaus. Bewundern
Sie Gott, der sich in unsere Hände gegeben hat. Machen
Sie Seine Liebe zu Ihrer Liebe. Amen.
11. Predigtvorschlag
(Pfr. Dr. Axel Schmidt, 2006)
Liebe Gemeinde!
Es gibt kein Fest im Laufe des Kirchenjahres, das auf die Menschen, jung
und alt, eine solche Anziehungskraft ausübt wie das Weihnachtsfest.
Vor allem die Liturgie der Heiligen Nacht verbreitet eine herzbewegende
Stimmung, der sich niemand so leicht entziehen kann. Auch Sie haben, bevor
Sie zur Feier der Christmette in die Kirche gekommen sind, in ihren Familien
mit Ihren Lieben zusammen vor dem Christbaum und vor der Krippe gestanden
und eine traute Atmosphäre geschaffen. Sie haben sich leiten lassen
von dem beseligenden Gefühl der Freude dieser einmaligen mit Kerzenschein
und Tannenduft erfüllten Nacht. Obwohl in diesen Stunden der Heiligen
Nacht Stimmungen und Gefühle aufbrechen, die wir sonst in der Hetze
des Alltags nicht kennen, wissen wir, daß dies alles nicht genügt.
Wir müssen die Weihnachtsbotschaft auch in unser Herz und in unseren
Verstand aufnehmen. Wir müssen sie als eine Botschaft aufnehmen,
die an uns ganz persönlich gerichtet ist, die nicht nur für
unsere Vorfahren da ist, sondern auch für uns heute. Die Botschaft
ist an sich sehr einfach: Gott hat die Welt so sehr geliebt, daß
er seinen einzigen Sohn hingab, damit jeder, der an ihn glaubt, nicht
zugrunde geht, sondern das ewige Leben hat. (Joh 3,16) Gott hat
die Welt nicht sich selbst überlassen, sondern eine Rettungsinitiative
gestartet, die ihren Höhepunkt darin hatte, daß er selbst in
die Welt eingetreten ist. Derjenige, der seit Ewigkeit bei Gott war, der
ewige Sohn Gottes, ist auf die Erde gekommen und wurde geboren von einer
Frau als kleines Kind wie jeder andere Mensch auch. Und dieses
neugeborene Kind, welches an Weihnachten zum Gegenstand der Bewunderung
und nostalgischer Gefühle wird, ist der Retter der Welt, der Retter
also auch von dir und mir. Doch sobald ich es so auf den Punkt bringe,
kann es geschehen, daß der eine oder andere die Zustimmung des Herzens
und Verstandes zurückzieht. Was soll hier Retter heißen?
Sind wir überhaupt zu retten? Müssen wir gerettet werden? Empfinden
wir uns als rettungsbedürftig? Wovon denn? Nun können
wir leicht einsehen: Wenn es kein Feuer gäbe, dann bräuchte
man auch keine Feuerwehr und jede Ausbildung zum Feuerwehrmann wäre
überflüssig. Wenn wir Menschen nicht in einer tiefen Not steckten,
dann bräuchten wir keinen Retter, und dann wäre Weihnachten
ein überflüssiges Fest. Es wäre höchstens ein Beitrag
zur vorübergehenden Verbesserung der Stimmung. Die tiefe Not, aus
der wir Menschen zu retten sind, ist am ehesten zu greifen an unserer
Sterblichkeit, an der Vergeblichkeit unserer Anstrengungen und an dem
Leid, das die Menschen einander bereiten. Je nachdem, in welcher Lebensphase
jeder einzelne von Ihnen gerade ist, wird er oder sie die existentielle
Bedürftigkeit stark, wenig oder gar nicht erfahren. Wir müssen
ihr entgegenwirken mit all unseren Kräften, sonst macht sie uns kaputt.
Und Gott sei Dank haben wir ja auch viele Möglichkeiten, unsere Not
zu lindern, ja, insgesamt sogar ein weitgehend sorgen- und beschwerdefreies
Leben zu führen und sind damit vor den Menschen früherer
Generationen und vieler anderer Länder äußerst privilegiert.
Leider machen wir uns diese Bevorzugung nur selten bewußt: daß
es uns in vieler Hinsicht besser geht als selbst den Königen vergangener
Zeiten; man denke z.B. nur an die Reisebedingungen, an Informationsmöglichkeiten,
an Hygiene und ärztliche Versorgung. Im Gegenteil: Wir machen uns
dieses Privileg nicht nur nicht bewußt, sondern sind trotz aller
Begünstigung sogar sehr häufig unzufrieden und manchmal sogar
unglücklich. Dies ist ein Hinweis darauf, daß aller Fortschritt
unsere Not nicht wirklich behoben und uns nicht wirklich gerettet hat.
Wir haben die Bedürftigkeit nur in andere Bereiche verschoben, wo
sie nicht mehr so auffällig ist und uns manchmal sogar die Illusion
erlaubt, wir hätten gar keine Rettung nötig. Menschen früherer
Zeiten waren so sehr in den harten Daseinskampf verstrickt und den grausamen
Seiten der Natur ausgeliefert, daß sie sich tagtäglich nach
Erlösung sehnten. Für sie war die Weihnachtsbotschaft unmittelbar
ansprechend. Wir Menschen der Spätmoderne haben es da in dieser Hinsicht
schwerer, und zwar genau deshalb, weil uns das Leben leichter erscheint.
Freilich ist das nur ein Schein, hinter dem die Wahrheit nicht weniger
bedrückend hervorlugt: Alle Unzufriedenheit der Menschen, alle Einsamkeit,
alle Kälte, alle seelische Not sprechen eine andere Sprache. Sie
schreien nicht weniger laut nach dem Erlöser und Retter, nach dem,
der überirdische Kräfte hat, die Macht, einen Frieden zu geben,
den die Welt offenbar immer noch nicht geben kann und nie wird geben können.
Liebe Brüder und Schwestern! Einmal wieder hören wir die tröstende
Botschaft von einem Gott, der diesen immerwährenden Ruf der Menschheit
nicht ungehört verhallen läßt, sondern mit der größtmöglichen
Liebe darauf antwortet: indem er sich selbst in das Elend des Menschenlebens
herabläßt, um uns die verlorene Würde wiederzugeben. Unsere
Würde ist nämlich ein Gut, das man nicht wie einen Mantel kaufen
und umlegen kann. Gott kann uns die Würde nicht einfach wie ein Etikett
anheften, denn die Würde ist ein Gut der Person, ein solches, das
im Herz seinen Sitz hat und ohne die freie Annahme nicht gegeben werden
kann. Die Würde ist ein Gut, das der Mensch sich nicht selbst zurückgeben
kann, wenn er es verloren hat, das er andererseits aber doch nicht von
außen, sondern nur von innen erlangen kann. Darum ist Gott Mensch
geworden, weil so beides zusammenkommt: Gott, der die Würde wiederherstellt,
und ein Mensch, der diese Würde innerlich annimmt. In Jesus Christus
begegnet uns der erste Mensch, der trotz aller äußeren Armut
und Not innerlich ganz und ungeschmälert die Würde besitzt,
Kind Gottes zu sein. Darum strahlt uns dieses Kind so an, darum leuchtet
auf seinem Antlitz der göttliche Glanz eines unverfälschten
Ebenbildes Gottes. Darum heißt der zentrale Satz des Prologs im
Johannesevangelium: Und das Wort ist Fleisch geworden und hat unter
uns gewohnt, und wir haben seine Herrlichkeit gesehen, die Herrlichkeit
des einzigen Sohnes vom Vater, voll Gnade und Wahrheit. (Joh 1,14)
Allen, die ihn aufnahmen, gab er Macht, Kinder Gottes zu werden,
heißt es dort gleichfalls (Joh 1,12). Ein Kind Gottes ist derjenige
Mensch, der dem Gottmenschen Jesus Christus begegnen und sich von ihm
die verlorene Würde zurückschenken läßt. Dies geschieht
durch Aufnahme des Erlösers, d.h. durch Annahme der Weihnachtsbotschaft.
Dann wird auch etwas von dem Glanz des Antlitzes Christi auf den Christen
übergehen. Der gläubige Mensch ist die einzige Bibel, die die
Öffentlichkeit noch liest. Nehmen wir den Frieden, der uns heute
wieder angeboten wird, an und verbreiten wir ihn über die Menschen
in unserer Nähe! Zögern Sie nicht, noch heute Frieden zu schließen
mit einem Menschen, mit dem Sie in Streit liegen!
12. Predigtvorschlag
(Pfr. Dr. Axel Schmidt, 2005)
Liebe Gemeinde!
Nun freut euch, ihr Christen!, heißt es in einem beliebten
Weihnachtslied. Und jedem ist klar, daß man diese Freude nicht allein
haben kann, man muß sie mit anderen zusammen erwecken und zum Ausdruck
bringen. Darum sind wir hier in der Kirche zusammengekommen. Wieder ist
Weihnachten, heiß ersehnt von den Kindern, herbeigewünscht
aber auch von vielen anderen, die in den letzten Tagen und Wochen schwer
gearbeitet haben und sich nun auf die Feiertage freuen.
Neulich habe ich in einer Predigt gesagt: Weihnachten ist kein
Fest zum Kuscheln. Vielleicht hätte ich etwas genauer sagen
müssen: Weihnachten darf sich nicht in Kuschellaune erschöpfen.
Das gilt auch für diejenigen, die frisch verliebt sind, oder für
junge Eltern, die sich an den strahlenden Augen ihrer kleinen Kinder erfreuen.
Bei allen großen Gefühlen, die seit alters her mit diesem Fest
verbunden sind, dürfen wir es doch nicht auf bloße Sentimentalität
herabstufen. Weihnachten ist zweifellos ein schönes Fest, aber es
geht nicht um einen niedlichen Knaben, dessen lockiges Haar uns entzückt.
Schon das Geschehen der Heiligen Nacht war alles andere als sentimental
eine Geburt wie diese würden wir keiner Familie, keinem Ehepaar
und keinem Kind wünschen. Schon das Geschehen der Heiligen Nacht
kennt die ganze Dramatik, die das Leben mit sich bringt und uns abverlangt.
Das Evangelium des Weihnachtstages bestätigt diesen Eindruck: Das
Licht kam in die Finsternis, und die Finsternis hat es nicht erfaßt.
(Joh 1,3) Und an anderer Stelle heißt es: Die Menschen liebten
die Finsternis mehr als das Licht; denn ihre Taten waren böse. Jeder,
der Böses tut, haßt das Licht und kommt nicht zum Licht, damit
seine Taten nicht aufgedeckt werden. (Joh 3,19f)
Damit ist schon angedeutet, warum so viele Menschen Jesus nicht aufnahmen,
ihm weder Herberge gaben noch später seine Botschaft hören geschweige
denn umsetzen wollten: weil sie Angst vor dem Licht, Angst vor der Wahrheit
hatten. Und dieses Drama der Verweigerung geht bis heute weiter. Wie viele
schenken auch heute lieber denen Glauben, die ihnen schmeichlerisch das
Blaue vom Himmel versprechen, als der Kirche, die seit 2000 Jahren unbeirrt
die göttliche Offenbarung in Erinnerung ruft und dabei immer wieder
auf den Ernst dieser Botschaft hinweisen muß!? Die Kirche muß
der Versuchung widerstehen, die Frohe Botschaft als Spaßprogramm
auszulegen, sie zu verniedlichen und zu banalisieren, sonst kann sie die
Menschen nicht vor weltfremden Träumereien bewahren.
Das gilt auch für das Verständnis von Frieden, wenn wir
zu Recht sagen, Weihnachten sei das Fest des Friedens. Der Friede,
den die Engel in der Heiligen Nacht verkündet haben, ist offensichtlich
keine aus dem Hut gezauberte allseitige Harmonie, die automatisch auf
jeden übergeht, der ihren Gesang hört. Das hätten wir vielleicht
gerne, aber so ist es nicht. Der Friede, den der menschgewordene Gottessohn
tatsächlich gebracht hat und weiterhin bringt, ist vielmehr ein Geschenk,
das denjenigen ergreift und verwandelt, der sich bewußt für
das Licht und die Wahrheit entscheidet und der sich aufrufen läßt,
nun seinerseits für den Frieden in seiner Umwelt einzutreten. Der
Friede der Weihnacht muß unsererseits angenommen werden, sonst bleibt
die Rede vom Frieden hohl und leer. Wer nur die Frucht des Friedens will,
nämlich behagliche Ruhe, Wohlstand und Prosperität, aber selber
nichts für den Frieden tun will, der wird leer ausgehen. Frieden
kann heute nur der erfahren, der gewillt ist, selbst im tiefsten Herzen
ein friedlicher Mensch zu sein.
Frieden zwischen Menschen ist keineswegs selbstverständlich
das hat uns das Jahr 2005 wiederholt schonungslos vor Augen geführt:
Terror und Gewalt im Irak und in Afghanistan, bestialische Grausamkeiten
im Sudan, Anschläge sogar in Europa, in London. Wir dürfen uns
nicht ausruhen auf den Lorbeeren anderer und die 60 Jahre Zeit ohne Krieg
im eigenen Land für unser eigenes Verdienst halten. Schneller als
wir glauben, kann diese Illusion wie eine Seifenblase zerplatzen
das sehen wir an den bürgerkriegsähnlichen Krawallen in Paris
im jüngsten Herbst. Der Friede ist ein sehr zerbrechliches
Gut, und da ist er der Gesundheit sehr ähnlich. Meist merkt man erst,
wenn sie verloren ist, wie kostbar die Gesundheit ist, doch dann ist es
zu spät. Dann jammert man: Ach hätte ich doch nicht soviel
Raubbau an meiner Gesundheit getrieben! Und genauso kann es geschehen,
wenn der Friede plötzlich nicht mehr da ist. Doch immerhin spricht
heute jedermann von der Notwendigkeit, etwas für die Gesundheit zu
tun, doch wer mahnt die Menschen zur regelmäßigen Friedensarbeit?
Darum habe ich mir vorgenommen, dies ab heute immer wieder zu tun, Ihnen
und auch mir selbst eindringlich vor Augen zu führen, wie unermeßlich
wichtig es ist, daß wir als Gemeinde Friedensdienst leisten. Da
ist jeder gefragt, und keiner sage, das gehe ihn nichts an, das sei höchstens
eine Sache für die Politik oder die Polizei! Freilich müssen
wir dazu wissen, wo die Unfriedenskeime liegen, die ähnlich wie die
Krankheitserreger eine ganze Kettenreaktion entfalten und sich seuchenartig
ausbreiten können. Von Paris können wir lernen, daß man
die soziale Gerechtigkeit nicht mit Füßen treten darf: Wer
die Wehrlosen im Lande ausgrenzt und ihrer Zukunft beraubt, der begeht
soziale Brandstiftung.
Ein Sprichwort lautet: Es kann der Frömmste nicht in Frieden
leben, wenn es dem bösen Nachbarn nicht gefällt. Und wir
müssen hinzufügen: Es gibt nicht nur böse Nachbarn, sondern
wir selbst tragen alle möglichen sündigen Neigungen in uns,
die immer wieder zu Streit und Unfrieden, ja zu katastrophalen Schicksalen
führen können. Nach Auskunft der Bibel hat aller Unfrieden seine
Wurzel im inneren Kampf der Leidenschaften (Jak 4,1), d.h.
in sündigen Gedanken und Begehren, die man nicht zu beherrschen gelernt
hat. Ich nenne nur ein paar Beispiele: Habsucht und Neid, weitverbreitete
Untugenden, die das Klima in Familien, Betrieben, Gemeinden, Ländern
und auf der ganzen Welt vergiften; Stolz, Ehrsucht und Rechthaberei, die
nur allzu häufig einen versöhnlichen Umgang miteinander verhindern;
Feigheit und Bequemlichkeit, wodurch oft dem Bösen erst die Türen
geöffnet werden. Wenn wir uns diesen Leidenschaften nicht widersetzen,
können wir dem Frieden nicht dienen.
Liebe Mitchristen! Weihnachten ist das große Fest des Friedens,
denn wir feiern einen Gott, der selbst eine unvorstellbare Friedensinitiative
gestiftet hat, indem er uns vorgemacht hat, wie man aus der Spirale von
Ichsucht und Streit herauskommt, nämlich durch Selbstzurücknahme,
durch Demut und Verzicht. Denn derjenige, der Gott gleich war, hielt
nicht daran fest, wie Gott zu sein, sondern er entäußerte sich
und wurde wie ein Sklave und den Menschen gleich. Sein Leben war das eines
Menschen; er erniedrigte sich und war gehorsam bis zum Tod, bis zum Tod
am Kreuz. (Phil 2,6-8) Auf diese Weise hat uns der Mensch gewordene
Gottessohn das Geschenk der Versöhnung und des Friedens gemacht
um einen geringeren Preis war es nicht zu haben. Erweisen wir uns dieses
großen Geschenks würdig, indem wir uns fest vornehmen, der
Friedensinitiative Gottes beizutreten und die bösen und unwürdigen
Regungen in unserem Innern zu beherrschen. Dann können und sollen
wir auch beten:
Herr, mache mich zu einem Werkzeug des Friedens.
Laß mich Liebe bringen, wo Haß ist.
Laß mich verzeihen, wo Schuld ist.
Laß mich vereinen, wo Zwietracht herrscht.
Laß mich Wahrheit bringen, wo Irrtum ist.
Laß mich Glauben bringen, wo Finsternis ist.
Laß mich Freude bringen, wo Leid ist.
13. Predigtvorschlag
(Pfr. Dr. Axel Schmidt, 2004)
Liebe Gemeinde!
In dieser Heiligten Nacht (an diesem Weihnachtsmorgen) haben wir uns
auf den Weg zur Kirche gemacht. Wir feiern die Geburt Christi. Was die
Propheten des Alten Bundes verheißen haben, ist in der hochheiligen
Weihnacht Wirklichkeit geworden.
700 Jahre vorher hat der Prophet Jesaja ein Licht aufstrahlen sehen,
das die ganze Welt verändert, er hat die Freude gesehen, die alle
Welt erfaßt. Das Licht, die Freude, der Friede gehen von einem Kind
aus: Ein Kind ist uns geboren, ein Sohn ist uns geschenkt.
Gibt es etwas Machtloseres, etwas Hilfloseres als ein Kind? Und doch wird
jedes Jahr an Weihnachten deutlich, welche Macht von diesem Kind ausgeht.
Menschen fangen wieder an, an das Gute zu glauben, Menschen finden den
Weg zur Kirche. Menschen denken aneinander, versöhnen sich.
Vom Weihnachtsfest geht ein Zauber aus, der Menschen aus allen Kulturen
anspricht. Wo kommt dieser Zauber her? Warum verblaßt er nicht mit
den Jahren? Der Zauber der Weihnacht besteht darin, daß alles zusammenstimmt:
das Zeichen, die emotionale Empfänglichkeit für das Zeichen
und seine religiöse Bedeutung. Das Zeichen ist schlicht: ein neugeborenes
Kind, das arm und hilflos in einer Krippe liegt, umgeben von seinen Eltern
und einigen staunenden und hilfsbereiten Menschen. Auf so ein Kind reagiert
der normale Mensch immer mit Zuneigung und Herzenswärme, zumal wenn
seine Bedürftigkeit so deutlich ist. Selbst schwer beschäftigte
Menschen oder solche, die selbst voller Sorge um ihren Lebensunterhalt
sind, vergessen für einen Augenblick, was sie bedrückt und öffnen
ihr Herz für das Kind. Bliebe es freilich dabei, dann wäre die
Wirkung des Zeichens bald erschöpft. Die Hirten würden wieder
nach Hause gehen, und von Engeln wäre schon gar nicht die Rede gewesen,
höchstens im bildlichen Sinne. Bestimmt würde kein Mensch auf
dieser Erde im Jahr 2004 Weihnachten feiern, niemand wüßte,
was für eine geweihte, heilige Nacht gemeint sein könnte.
Zur Weihnacht wird das Ereignis erst durch die religiöse Bedeutung
des Zeichens: Im neu geborenen Kinde stehen wir nicht einfach nur einem
Menschen gegenüber, sondern unserem Schöpfergott höchstpersönlich.
Der unbegreifliche Gott läßt sich in diesem Kind berühren
und liefert sich dem Menschen aus. Wie kann das sein? Verstehen werden
wir es nie, aber das Herz erfaßt doch etwas von der unerhörten
Liebe, die sich da kundtut. Gewiß Gott ist unser Schöpfer
und darum unser Herr. Ihm gebührt Anbetung und Gehorsam. Das wissen
alle, die verstanden haben, was der Name Gott bedeutet, das
wissen die Juden und alle heidnischen Völker. Aber ein herzliches
Verhältnis zu Gott ist damit noch lange nicht gegeben, wohl Respekt
und Angst, aber keine Liebe. Doch nun erfahren wir, daß dieser Gott
nicht nur unseren Respekt will, sondern unsere Liebe, und dafür ist
ihm nichts zu schade. Dazu entäußert er sich all seiner Macht,
wird niedrig und gering und wählt als Zeichen für seine entäußernde
Liebe das Kind. Gott schenkt sich selbst in diesem Kind, er schenkt sich
ganz und gar und gibt sich völlig preis. Der Apostel Paulus hat dies
später so ausgedrückt: Er, der reich war, wurde euretwegen
arm, um euch durch seine Armut reich zu machen. (2 Kor 8,9) Die
Güte und Menschenfreundlichkeit unseres Gottes erscheint in jenem
armen Kind, welches die Hirten in der Krippe fanden. Die Antwort Gottes
auf die Friedlosigkeit der Welt liegt in der geheimnisvollen Geburt eines
Kindes, das trotz seiner scheinbaren Bedeutungslosigkeit die Welt verändert.
Die Geburt des Christkindes hat über der Welt einen Stern aufgehen
lassen, der nicht mehr versinkt.
Das haben zuerst die ganz einfachen Menschen gemerkt, die Hirten, freilich
aufmerksam gemacht durch die himmlischen Boten. Sie gingen hin zu dem
Kind und teilten mit ihm ihre wenigen Habseligkeiten. Etwas später
kamen die Vertretet der Gelehrtenschaft, die Weisen aus dem Morgenland,
geführt vom Stern. Sie brachten dem Kind ihre Schätze mit, Gold,
Weihrauch und Myrrhe.
Nun sind wir gefragt, die wir aus unserem Alltag herausgetreten sind
und in der Kirche die alte und stets neue Botschaft hören. Wir stehen
vor der Krippe und hören ganz leise in uns die Frage: Was schenke
ich dem Christkind? Was erwartet Jesus am Weihnachtsfest dieses Jahres
von mir persönlich, von mir ganz allein? Da können vielleicht
einige denken: Ich habe dieses Jahr wieder viel Geld für die Adveniatkollekte
mitgebracht, das soll mein Geschenk sein fürs Christkind. Ich möchte
sie darin bestärken, es genau so zu sehen: als Geschenk fürs
Christkind, denn schließlich sagt Jesus ja: Was ihr für
einen meiner geringsten Brüder getan habt, das habt ihr mir getan.
Arme und geringe Brüder und Schwestern hat Jesus genug, nicht
nur im fernen Lateinamerika. Vielleicht gibt es einen Menschen, dem ich
noch nicht verziehen habe?! Vielleicht ist es für den einen oder
anderen hier in der Kirche an der Zeit, einen Schritt zur Versöhnung
zu wagen das Christkind würde sich freuen.
Vermutlich sind auch eine Reihe Menschen hier, die dem Christkind etwas
versprechen könnten, was unmittelbar mit ihm zu tun hat: ihm wieder
mehr Raum in ihrem Leben zu geben, ihm sonntags die ihm zustehende Zeit
und Aufmerksamkeit einzuräumen. Wieder andere haben einen
lieben Menschen verloren und hadern noch mit Gott über den Verlust.
Den verstorbenen Menschen loszulassen, auch das kann ein Geschenk sein,
das dem Kind in der Krippe dienlich ist. Die ewige Ruhe ist schließlich
nichts Schlimmes, sondern die Vollendung aller Liebe und allen Glücks.
Das Kind in der Krippe lächelt uns zu und macht uns Mut, unser Leben
anzunehmen, auch mit seinen harten Seiten. Keiner soll sich heute aus
der Liebe Gottes ausgeschlossen fühlen und denken: Für
mich hat das alles keine Bedeutung, an mir geht das alles vorbei.
Jeder kann heute neues Vertrauen fassen, angenommen und geliebt zu sein.
Auch wenn ich dies mit allgemeinen Worten sage, so ist es doch für
jeden höchst persönlich gemeint. Auch ich als Priester kann
mich nicht hinter allgemeinen Aussagen verstecken, sondern muß auch
für dieses Jahr Weihnachten meinen Sinn finden und mir überlegen:
Und was schenke ich dem Christkind? Meine Antwort, jedenfalls ein
Teil von ihr lautet: So gut ich kann, die Weihnachtsfreude in mich einlassen,
um sie wieder auszustrahlen an möglichst viele Menschen. Mein Herz
nicht eng machen, sondern weit, nicht schimpfen und nicht klagen, sondern
freundlich sein, dankbar und froh.
Fürbitten
Christus, der Herr, ist uns gleich geworden, er hat das menschliche
Leben ganz mit uns geteilt. So beten wir heute zu ihm in den
Freuden und Sorgen der Menschen:
-
Die ganze Kirche ist voll Freude und Liebe in den weihnachtlichen
Tagen. Gib, dass diese Freude nicht nur bei den Äußerlichkeiten
stehen bleibt, und dass die Liebe nicht nur zum schönen
Gefühl verkommt, sondern in Deiner Menschwerdung wurzelt.
-
Zwischen vielen Völkern herrscht jetzt Weihnachtsfriede.
Wir bitten Dich, dass es zu einem dauernden, auf gegenseitigem
Vertrauen beruhenden Weltfrieden kommt.
-
Nicht wenige sind besorgt, sie fürchten Arbeitslosigkeit,
Kriegsgefahr, ungesicherte Zukunft. Schenke uns Mut für
unseren Weg in die Zukunft.
Ein besonderes Gedenken gilt den Christen in Südamerika,
für die wir in der Adveniatskollekte sammeln wollen.
Ermutige sie durch die Botschaft von Deinem Kommen in unsere
Welt, den Frieden zu verwirklichen.
-
Viele möchten diesen Gottesdienst mit uns feiern,
doch sie können nicht kommen: Sie machen Dienst für
uns, sie sind durch Alter, Krankheit oder sonstigen Umständen
daran gehindert. Für sie alle bitten wir Dich um Deine
Nähe.
-
Wir gedenken auch unserer Verstorbenen, sei Du ihnen der
endgültige Friede, tröste alle Trauernden mit
Deiner Liebe und führe uns alle durch Freude und Leid
zu Deiner Herrlichkeit.
Allmächtiger Gott, wir danken Dir für Deine Liebe,
die sichtbar geworden ist in der Menschwerdung Christi, unseres
Herrn. Amen.
Liedvorschläge (GL Bistum Münster)
Einzug: 906, 1 + 2
Kyrie: 129
Gloria: 908, 1 + 2
1. Lesung: Jes 9, 1 - 6
Zwischengesang: Neuer Morgen in unsrer Nacht
2. Lesung: Tit 2, 11-14
Graduale: 909, 1 + 2
Evangelium: Lk 2, 1 - 14
Credo: sprechen
Gabenbereitung: Ein Licht in Dir geborgen
Gabenbereitung: 139, 1 - 4
Sanctus: 864
Agnus Dei: 140, 1 - 3
Während der Kommunion: Meine Zeit steht in deinen Händen
Während der Kommunion: 142, 1 - 3
Danksagung: 143, 1 + 2
Schluss: 145, 1 - 3